mini|300px|Grüße aus Radheim
Radheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Schaafheim im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Geographie Das Dorf liegt am nordöstlichen Rand des Odenwaldes im Bachgau, ca. 13 km östlich von Dieburg. Durch Radheim verläuft die Kreisstraße 106. Der Ort schließt direkt westlich an Mosbach an. Durch Radheim fließt der Pflaumbach (im weiteren Verlauf auch Welzbach genannt), der in den Schönbusch-See im Aschaffenburger Park Schönbusch einfließt und im Aschaffenburger Stadtteil Leider schließlich in den Main mündet. Der Ortsteil Radheim umfasst die Gemarkung Radheim.
Geschichte Urgeschichte und Antike Bodenfunde lassen auf eine frühe Besiedlung in der Jungsteinzeit schließen. Durch den Reichtum an Quellen boten sich hier ideale Siedlungsbedingungen.
Zur Römerzeit befand sich in Radheim, damals Teil der Provinz Obergermanien und ab 125 n. Chr. zum rechtsrheinischen Teil der Civitas Auderiensium mit dem Hauptort Dieburg gehörend, ein römischer Gutshof (villa rustica) anstelle der Kirche. Diese landwirtschaftlichen Betriebe versorgten die Truppen am nahen Limes. Als Beweis dienen die gefundenen römischen Viergöttersteine. Den letzten Viergötterstein fand man bei Renovierungsarbeiten 1972 unter dem Altar der alten Radheimer Kirche. Ein Viergötterstein wird heute auch im Landesmuseum Darmstadt aufbewahrt. Mit dem Fall des Limes um das Jahr 260 n. Chr. zogen sich die Römer wieder hinter die Rheinlinie zurück.
Mittelalter mini|Radheimer Barockkirche von 1577, dem Hl. Laurentius gewidmet
Im 5. Jahrhundert besiedelten die Franken das Gebiet.
Die älteste erhaltene Erwähnung des Dorfes findet sich im Codex Eberhardi des Klosters Fulda von 798. In den historischen Dokumenten erscheint der Ortsname im Laufe der Jahrhunderte in wechselnden Schreibungen: Roden (um 800 bis 1262, 1403), Rode (1267, 1317), Roeden (1442), Raden (1445), Rodau (1457), Rode (1567), Rodheym (1577) und Rodheim (1812).
1278 kam der Ort mit den anderen Gemeinden des Bachgaus an das Kurfürstentum Mainz, wo es über fünf Jahrhunderte verblieb. Grundherren in der Gemarkung Radheim waren die Klöster Amorbach, Höchst und Aschaffenburg sowie die Johanniter aus Mosbach. Auch die Herren von Hanau, von Düdelsheim, die von Wasen und Schrautenbach hatten Güter und Berechtigungen in Radheim.
Neuzeit In Radheim galt das formal 1755 noch einmal eingeführte Mainzer Landrecht als Partikularrecht und das Gemeine Recht galt darüber hinaus, soweit das Mainzer Landrecht für einen Sachverhalt keine spezielle Regelung enthielt. Dieses Sonderrecht behielt seine Geltung auch im gesamten 19. Jahrhundert während der Zugehörigkeit des Gebietes zum Großherzogtum HessenArthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 109. und wurde erst zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst.
Nach der Auflösung des Mainzer Kurstaates kam Radheim zunächst zum Großherzogtum Frankfurt, wurde jedoch 1817 durch Tausch an das Großherzogtum Hessen angegliedert.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Radheim:
Radheim, das früher sehr stark landwirtschaftlich geprägt war, ist heute eine Wohngemeinde mit knapp 1000 Einwohnern.
Gebietsreform in Hessen (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde zum 1. Januar 1977 die bis dahin eigenständige Gemeinde Radheim kraft Landesgesetz nach Schaafheim eingegliedert. Für Radheim sowie für die übrigen nach Schaafheim eingemeindeten Orte wurden Ortsbezirke gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Radheim angehört(e):
1267: Bachgau vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Oberes Erzstift, Vizedomamt Aschaffenburg, Amtsvogtei Obernburg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Aschaffenburg,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Amtsvogtei Obernburg ab 1806: Fürstentum Aschaffenburg,Infolge der Rheinbundakte. Departement Aschaffenburg ab 1810: Großherzogtum Frankfurt,Infolge der Napoleonische Kriege. Departement Aschaffenburg, Distriktmarie Obernburg ab 1814: Königreich Bayern,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Fürstentum Aschaffenburg, Districtmarie Obernburg ab 1817: Großherzogtum HessenDurch Staatsvertrag mit Bayern., Provinz Starkenburg, Amt Umstadt ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DieburgTrennung zwischen Justiz (Landgericht Umstadt) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde SchaafheimAm 1. Januar 1977 als Ortsbezirk zur Gemeinde Schaafheim.
Gerichte Die zuständige Gerichtsbarkeit der ersten Instanz war: 1783: Erzstift Mainz, Cent Bachgau (Hochgerichtsbarkeit), Vogteiamt Obernburg (Niedergerichtsbarkeit) 1821: Landgericht Umstadt 1879: Amtsgericht Groß-Umstadt 1968: Amtsgericht Dieburg
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Radheim 918 Einwohner. Darunter waren 39 (4,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 171 Einwohner unter 18 Jahren, 411 waren zwischen 18 und 49, 183 zwischen 50 und 64 und 153 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 262 Haushalten. Davon waren 81 Singlehaushalte, 102 Paare ohne Kinder und 147 Paare mit Kindern, sowie 30 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften.
Einwohnerentwicklung • 1812: 74 Feuerstellen, 486 Seelen
Religionszugehörigkeit • 1829: 16 lutheranische (= 3,50 %) und 441 katholische (= 96,50 %) Einwohner • 1961: 42 evangelische (= 7,28 %), 533 katholische (= 92,37 %) Einwohner
Religion Kirchlich gehörte Radheim bis 1820 zu Wenigumstadt und anschließend als Filiale zu Mosbach. Nach 1945 erhielt Radheim, gemeinsam mit Schaafheim, eine eigene Pfarrei. Die heute noch erhaltene Laurentiuskirche wurde 1577 anstelle eines kleineren Gotteshauses errichtet, dabei blieb der gotische Turm erhalten.
Politik Für Radheim besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Radheim) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 52,66 %. Dabei wurden gewählt: je drei Mitglieder der CDU und der „Freien Wählergemeinschaft Schafheim“ (FWG) und ein Mitglied der SPD. Der Ortsbeirat wählte Alfons Faust (CDU) zum Ortsvorsteher.
Sehenswürdigkeiten Nördlich von Radheim, auf dem Weg nach Schaafheim, ragt auf einem Hügel der 22 m hohe Wartturm auf, den 1492 der Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg an der alten Bachgauer Landwehr errichten ließ. Er sicherte den Übergang des Handelsweges in Kurmainzer Gebiet. 1992 wurde der Turm restauriert und wieder begehbar gemacht. Radheim besitzt zwei Kirchen. Die Kirchen sind dem Hl. Laurentius geweiht. Die erste Kirche ist aus dem Jahre 1244 nachgewiesen. Die heutige alte Kirche wurde 1577 errichtet. Ihr Turm stammt aus dem 14. Jahrhundert. 1903 wurde das Kirchenschiff um sechs Meter verlängert und 1968 wieder um sechs Meter verkürzt. Von außen unscheinbar, umso prachtvoller ist die barocke Innenausstattung, die zwischen 1763 und 1767 gestaltet wurde. Die neue Kirche wurde 1964 errichtet. Beide Gotteshäuser sind mit einem Gang verbunden. Die alte Ortsmauer mit Schießscharte. Der Bildstock der Hl. Ottilie, 1793 errichtet, der Stein aber vermutlich romanisch, 1965 schwer beschädigt, seit 1976 neu errichtet am Waldweg von Dorndiel stehend, befindet sich am Einhardweg, einem mittelalterlichen historischen Wanderweg, der von Dorndiel über den Höhenzug des Odenwaldes durch Radheim führt. Straußenfarm Tannenhof nordwestlich von Radheim. Die Brennerei Bachgau-Destille.
Verkehr mini|Radheim im Bachgau, ausführliches Radwege- und Wanderwegenetz rund um den Ort; Ausgangsort für Wanderungen in Odenwald und Spessart mini|Wartturm bei Radheim
Eisenbahn Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind: Aschaffenburg Hauptbahnhof Bahnhof Babenhausen (Hessen)
Buslinien K 54 Babenhausen (Hessen) Bahnhof K 54 Aschaffenburg-Hauptbahnhof
Rad- und Wanderwegenetz Rund um Radheim gibt es ein umfangreiches ausgeschildertes Rad- und Wanderwegenetz. Bekanntester Wanderweg ist der historische Einhardweg mit Radheim als Zwischenstation.
Fernstraßen B 26 Richtung Darmstadt Anschluss zur A 5 (Basel-Karlsruhe-Frankfurt-Kassel) und A 67 B 26 östlich Richtung Aschaffenburg Anschluss zur A 3 (Köln-Bonn-Frankfurt-Würzburg-Nürnberg-Passau) B 45 Richtung Hanau Anschluss zu A 3 und A 45 (Hanau) B 45 nördlich Richtung Frankfurt/Offenbach über B 486 und A 661 (Egelsbach-Frankfurt) B 45 südlich Richtung Michelstadt/Erbach.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Peter Wolf, lat. Petrus Lupinus (* in Radheim; † 1521 in Wittenberg), Theologe, im Jahr 1506 Rektor der Universität Wittenberg, Förderer von Martin LutherPeter Wolf – Petrus Lupinus von Radheim In: Private Website zu Radheim. Abgerufen im Juli 2020. Rüdiger Kramm (* 1945 oder 1954), Architekt und Hochschullehrer
Personen, die in Radheim gelebt haben Norbert Kühne (* 1941) (Pseudonym: Ossip Ottersleben), deutscher Schriftsteller, Psychologe und Publizist, lebte von 1943 bis ca. 1953 in Radheim; besuchte die Klassen 1–4 der damaligen Volksschule.
Literatur Helmut Castritius: Von „Rodem“ zu Radheim: 1200 Jahre Radheimer Geschichte. Verlag Keim, Großkrotzenburg 1998, ISBN 3-921535-47-6. Ossip Ottersleben (Norbert Kühne): Als Flüchtling in Hessen, in: DAS PULT 63/1981/14. Jahrgang S. 24 ff, Hg. in St. Pölten, Österreich (siehe: Klaus Sandler), Österreich; beschrieben wird das Schicksal einer Flüchtlingsfamilie, die in Radheim angekommen und dort geblieben ist. Bernd Steidl: Welterbe Limes: Roms Grenze am Main. Logo, Obernburg am Main 2008, ISBN 978-3-939462-06-4. (Ausstellungskataloge der Archäologischen Staatssammlung 36)
Weblinks
Radheim- In: Webauftritt der Gemeinde Schaafheim.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Darmstadt-Dieburg Kategorie:Geographie (Schaafheim) Kategorie:Odenwald Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Darmstadt-Dieburg) Kategorie:Gemeindeauflösung 1977
nl:Schlierbach (Schaafheim)