Das Badische Landesmuseum in Karlsruhe ist das große kultur-, kunst- und landeshistorische Museum des badischen Landesteils Baden-Württembergs. Mit seinen weltweit bedeutenden Sammlungen, die mehr als 50.000 Jahre internationale Kulturgeschichte repräsentieren, vermittelt es Geschichte und historische Lebenswelten. Seine Sammlungen reichen von der Ur- und Frühgeschichte über das Mittelalter bis hin ins 21. Jahrhundert. Das Museum wurde 1919 gegründet und hat seinen Hauptsitz seit der Eröffnung 1921 im Karlsruher Schloss. Daneben bestehen acht Außenstellen und Zweigmuseen in Karlsruhe, Bruchsal, Hirsau, Neuenbürg, Salem und Staufen im Breisgau. Der Hauptsitz ist seit September 2025 für eine mehrjährige Sanierung geschlossen.

Geschichte 1873 ließ Friedrich I. für seine Bibliothek und seine umfangreichen Sammlungen ein Sammlungsgebäude am Friedrichsplatz errichten. Hier waren sie als Großherzogliche Sammlung für Altertums- und Völkerkunde in Karlsruhe öffentlich zugänglich. Nach der Abdankung des badischen Großherzogs Friedrich II. wurde das im Zentrum der barocken Stadtanlage gelegene Karlsruher Schloss 1918 vom badischen Staat übernommen und zum Sitz eines neu gegründeten kulturhistorischen Museums bestimmt.

Im Jahr 1919 wurde das Museum gegründet und entstand durch Fusion der „Altertümersammlung“ mit dem badischen Kunstgewerbemuseum.Harald Siebenmorgen: Das Badische Landesmuseum Karlsruhe stellt sich vor. In: Südkurier vom 25. April 2014, Beilage 600 Jahre Konstanzer Konzil, S. 6. Es wurde am 24. Juli 1921 in den Räumen des Schlosses eröffnet. Als erster Direktor amtierte bis 1938 Hans Rott. 1936 wurde das Badische Münzkabinett; abgerufen am 30. Juni 2015. in das Museum eingegliedert. Dessen Leiter war bis 1971 Friedrich Wielandt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Karlsruher Schloss 1944 zerstört. Die Bestände des Museums wurden zum überwiegenden Teil gerettet. Ab 1955 folgte der Wiederaufbau des ausgebrannten Schlosses. Das Äußere wurde dabei historisch getreu rekonstruiert, während das Innere gemäß den Erfordernissen eines modernen Museumsbetriebes gestaltet wurde. 1959 wurde das Badische Landesmuseum wiedereröffnet, 1965 öffnete das Schlosscafé. Mit Jürgen Thimme war von 1959 bis 1982 erstmals ein Archäologe Leiter der Antikenabteilung.

Ab 1992 wurden unter der Leitung von Harald Siebenmorgen sukzessive alle fünfzehn Abteilungen des Badischen Landesmuseums nach einer Konzeption, die auf Kontextualisierung und Inszenierung der Objekte basierte, komplett neu eingerichtet, zuletzt 2013 die Abteilung „Weltkultur“. Alle Abteilungen wurden durch Sammlungsführer erschlossen. Ab 1992 wurden große Museumsfeste veranstaltet und das BLM durch zahlreiche weitere Maßnahmen der Museumspädagogik und Kulturvermittlung für ein breites Publikum geöffnet. Ein hochkarätiges und dichtgetaktetes Sonderausstellungsprogramm, das teilweise auf den neu geschlossenen Kooperationsverträgen mit Tunesien und Algerien sowie anderen Mittelmeerstaaten beruhte, fand internationale Beachtung. Die Besucherzahlen wurden auf das Vierfache gesteigert. 2009 zählte das Badische Landesmuseum Karlsruhe rund 300.000 Besucher.Geschichte des Badischen Landesmuseums, abgerufen am 16. April 2020. Als Pilotprojekt führte das BLM als erstes Museum in Baden-Württemberg eine betriebswirtschaftliche Struktur mit einer Kaufmännischen Direktion ein und gewann so neue Handlungsspielräume. 1993 wurde die Außenstelle Museum beim Markt neu eröffnet. Sie zeigt u. a. die bedeutende Jugendstilsammlung. Bis 2014 wurde sie mit einem dicht getakteten Sonderausstellungsprogramm bespielt, mit dem Schwerpunkt auf Kunsthandwerk und Design.

2014 wurden das Deutsche Musikautomatenmuseum Bruchsal und das Museum in Salem mit neuen Konzeptionen eröffnet. Auch geben seither jährliche Berichte Auskunft über aktuelle Entwicklungen des Badischen Landesmuseums und seine neuesten Erwerbungen.

mini|Diadem der Großherzogin Hilda von Baden Ende April 2017 wurde ein von dem badischen Hofjuwelier Schmidt-Staub circa 1907 aus Gold und Platin gefertigtes, mit 367 Brillanten besetztes Diadem der Großherzogin Hilda von Baden im Wert von 1,2 Millionen Euro aus einer Vitrine im Thronsaal im Ersten Obergeschoss des Museums entwendet. Wie im Juni 2017 bekannt wurde, hat es schon im Oktober 2016 einen Diebstahl gegeben. Es handelte sich dabei um eine Skulptur aus Elfenbein aus dem Jahre 1620 im Wert von 500.000 Euro des Bildhauers Leonhard Kern. Sie zeigt die Römerin Fulvia mit dem abgetrennten Kopf des Cicero. Die Staatsanwaltschaft sah keinen Zusammenhang der beiden Vorfälle.

Im Jahr 2019 feierte das Museum sein 100-jähriges Jubiläum mit einem großen Museumsfest.

Seit dem 29. September 2025 ist das Badische Landesmuseum aufgrund einer umfassenden Generalsanierung für mehrere Jahre geschlossen. Diese ist notwendig, da u. a. ein Großteil der Haustechnik noch aus den 1960er Jahren stammt. Während der Sanierung wird die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden zur Interimsspielstätte für das Badische Landesmuseum.

Direktoren Hans Rott (1919–1938) Ludwig Moser (1938–1945) Arthur von Schneider (1945–1952) Rudolf Schnellbach (1952–1967) Ernst Petrasch (1967–1981) Volker Himmelein (1982–1991) Harald Siebenmorgen (1992–2014), abgerufen am 24. März 2020. Eckart Köhne (seit 1. Juli 2014).

Sammlungsausstellungen Die unterschiedlichen Sammlungen sind teils im Karlsruher Schloss, teils in mehreren Außenstellen und Zweigmuseen zu sehen.

Karlsruher Schloss mini|Gaius Cäsar im Badischen Landesmuseum mini|Karl Friedrich von Baden im Badischen Landesmuseum

Im Karlsruher Schloss werden auf vier Stockwerken die Sammlungen des Museums präsentiert. Bekannt sind die bedeutendste Antikensammlung Baden-Württembergs und die Türkenbeute, die größtenteils Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden 1691 aus den Türkenkriegen mitbrachte. Zum 100-jährigen Gründungsjubiläum wurde im Juli 2019 die jüngste Sammlungsausstellung Archäologie in Baden – Expothek¹ eröffnet.

Die Abteilungen im Schloss umfassen:Sammlungsausstellungen des Badischen Landesmuseums im Schloss., abgerufen am 16. April 2020.Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden in Geschichte. O. J. .

Im Untergeschoss Archäologie in Baden – Expothek¹: Gefäße, Waffen, Werkzeuge, Schmuck aus der frühen Kulturgeschichte in Baden von der Altsteinzeit (ca. 650.000 v. Chr.) bis zu den Karolingern (8. Jh. n. Chr.). Die Sammlungsausstellung ist Pilotprojekt für das neue Museumskonzept des Badischen Landesmuseums und bietet digitale Recherchetools und Virtual Reality. Die Expothek im Zentrum der Ausstellung gleicht einem Forschungslabor. Hier können sich registrierte Nutzer nach vorheriger Bestellung von geschulten Mitarbeitern Originalobjekte vorlegen lassen.

Geschichte der Römer am Oberrhein: Römische Kultur und Lebensart am Oberrhein. Mithras-Relief und Keller einer römischen Villa.

Im Erdgeschoss Schloss und Hof: Der Thronsaal – neu präsentiert: das 2021 restaurierte Thron-Ensemble der badischen Großherzöge, aufgestellt nach historischem Vorbild sowie die Kroninsignien, eine Portrait-Galerie sowie ein Modell der barocken Planstadt Karlsruhe vermitteln einen Eindruck von der einstigen Residenz und ihrer Bewohner.

Antike Kulturen des Mittelmeerraumes I und II: Exponate der Alten, griechischen und römischen Kulturen. Etrusker, Unteritalien und Sizilien. Einrichtungsgegenstände römischer Villen. Frühchristlich-byzantinische Objekte.

Sonderausstellungen

Im Ersten Obergeschoss Spätmittelalter: Stände im Mittelalter (Adlige, Bürger und Bauern). Renaissance und Frühbarock: Von der Reformation bis zu den Erbfolgekriegen. Skulpturen. Schloss und Hof Karlsruhe: Baugeschichte des Schlosses, Straßensystem. Bildnisse der 1715 bis 1918 regierenden Fürsten des Hauses Baden. Insignien. Geschenke an das Haus Baden. Waffenkammer: In der Waffenkammer sind Hieb-, Stich- und Feuerwaffen ausgestellt. „Sogenannte Türkenbeute“: Ausstattungen aus der Zeit der Türkenkriege. Waffen, Reit- und Rüstzeug.

Im Zweiten Obergeschoss Weltkultur/Global Culture: Thema ist die gegenseitige Beeinflussung der europäischen und außereuropäischen Kulturen und die Rolle der Vermittlerkulturen. Kooperationen bestehen mit Museen in Tunesien, Algerien, Türkei, Griechenland, Italien und Frankreich. Baden und Europa (1789 bis heute): In der Dauerausstellung werden Schaustücke zur Geschichte Badens aus der Zeit von 1789 bis heute, u. a. zu Napoleon, Großherzog Karl Friedrich, Revolutionär Friedrich Hecker, gezeigt.

Serviceeinrichtungen Das Museum verfügt über eine Präsenz-Bibliothek zu den Sammlungsgebieten und Ausstellungsthemen, einen Museumsshop und das „Schlosscafé“ mit badischen Spezialitäten.

Außenstellen und Zweigmuseen Neben dem Schloss besitzt das Badische Landesmuseum acht Außenstellen und Zweigmuseen. Museum beim Markt, KarlsruheDas Museum beim Markt beherbergt die umfassenden Sammlungen zur Angewandten Kunst seit 1900. Gezeigt werden Werke aus den wichtigsten Zentren des Europäischen Jugendstils, vom Deutschen Werkbund und vom Bauhaus sowie aus den zwanziger und dreißiger Jahren. Moderne Designzeugnisse werden von Künstlern wie Jasper Morrison und vielen anderen repräsentiert. Museum in der Majolika, KarlsruheDas Museum in der Majolika dokumentiert die Geschichte der bedeutenden Karlsruher Majolika-Manufaktur seit ihrer Gründung 1901 bis in die jüngste Vergangenheit. Zeit ihres Bestehens hat diese Produktionsstätte auf nahezu alle kunsthistorischen Strömungen und kulturgeschichtlichen Ereignisse reagiert. In den ausgestellten Produkten spiegelt sich daher der künstlerische und kulturgeschichtliche Wandel des vergangenen Jahrhunderts. Deutsches Musikautomaten-Museum, BruchsalDas Deutsche Musikautomaten-Museum wurde 2014 mit einer vollständig neuen Präsentation wieder eröffnet. Rund 500 Exponate des Deutschen Musikautomaten-Museums im Bruchsaler Schloss zeigen die Entwicklung der Musikautomaten seit der kunsthandwerklichen Fertigung im 17. und 18. Jahrhundert über die Hochblüte im ausgehenden 19. Jh. bis hin zum Abgesang in der Zeit der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren. Keramikmuseum, Staufen im BreisgauDas Museum wurde im ehemaligen Wohnhaus mit Töpferwerkstatt eingerichtet, welche mit Tongrube, Töpferscheibe, Glasurmühle und zwei Holzbrennöfen Einblick in die alltäglichen Arbeitsabläufe des Töpferhandwerks gibt. Neben der Sammlung von Arbeiten der früheren Inhaber und von Elisabeth Winter-Bonn bietet das Museum mehrere Wechselausstellungen im Jahr, u. a. mit zeitgenössischer Keramik. Der Förderkreis Keramikmuseum Staufen organisiert im Studio jedes Jahr 5 bis 6 Ausstellungen zeitgenössischer Keramik aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Außenstelle Südbaden, Staufen im BreisgauEbenfalls in Staufen beheimatet ist die Außenstelle Südbaden, die aus der früheren Landesstelle für Volkskunde hervorgegangen ist. Sie ist für die Belange des BLM in Südbaden zuständig, für das Keramikmuseum Staufen und unterhält eine öffentliche Bibliothek und ein Fotoarchiv zum Thema Volkskunde. Schloss NeuenbürgDas Museum im Schloss Neuenbürg zeigt zum einen in einer begehbaren Inszenierung das Märchen Das kalte Herz von Wilhelm Hauff, zum anderen wird die Vergangenheit des Schlosses und seiner näheren Umgebung dargestellt. Der Schlosskeller ist Ausstellungen zeitgenössischer Kunst vorbehalten. Klostermuseum, Calw-HirsauDas Klostermuseum Hirsau bei Calw liegt neben den Ruinen des Klosters Hirsau, eines der bedeutendsten Klöster des Mittelalters. Die Ausstellung ermöglicht einen guten Einblick in die über 1100 Jahre zurückreichende Hirsauer Klosterkultur, über das Leben der Mönche sowie auch über die Orts- und Sozialgeschichte des Kurorts Hirsau im 19. und 20. Jahrhundert. Klostermuseum Salem in der Reichsabtei Salem: 2014 wurde die Ausstellung Meisterwerke der Reichsabtei mit Altarbildern und Skulpturen eröffnet.

Sonderausstellungen