Die Hansestadt Seehausen (Altmark)Den Beinamen Hansestadt führt die Stadt offiziell seit dem 1. November 2008. ist eine Stadt im Landkreis Stendal in der Region Altmark in Sachsen-Anhalt. Die Landstadt ist Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde.
Geographie Lage Die Stadt liegt am Aland, der die Altmärker Höhe von der Wische, einer flachen Landschaft an der Elbe, trennt. Bis Seehausen heißt der Fluss Biese.
Stadtgliederung Die Hansestadt Seehausen (Altmark) ist in 15 Ortsteile gegliedert zu denen kleinere Ansiedlungen (Wohnplätze) gehören:
Geschichte mini|Hauptstraße (Große Brüderstraße) mini|Beustertor Funde lassen vermuten, dass das Gebiet um Seehausen seit der Jungsteinzeit besiedelt ist.
Mittelalter Die Verleihung der Stadtrechte erfolgte 1151 durch Albrecht den Bären, der neben der schon ansässigen slawischen Bevölkerung holländische Siedler zur weiteren Eindeichung des Gebiets ansiedelte.Jakob Schwalm (Hrsg.): Die Cronica Novella des Hermann Korner. Göttingen 1895, S. 536 (585). (doi:10.17192/eb2010.0073 des Exemplars der Universitätsbibliothek Marburg) Der Name der Stadt leitet sich nicht von einem See in Stadtnähe ab. Wahrscheinlicher ist, dass der Name auf den Grafen von Sidag zurückgeht, dem das Gebiet als Lehen gegeben war. Bischof Wigbert erwähnt 1009 eine Siedlung mit dem Namen Sidageshusen am heutigen Ort von Seehausen. Seehausen war von 1358 bis 1488 Mitglied der Hanse.
Als mittelalterliche Stadt verfügte Seehausen über eine Stadtbefestigung. Reste der Stadtmauer und eines von fünf Stadttoren, das Beustertor, sind noch heute erhalten. Auch gab es mehrere Kirchen im Stadtgebiet, von denen einige zu Hospitälern gehörten. Im Dreißigjährigen Krieg war auch die Altmark und damit Seehausen von den Auseinandersetzungen betroffen. So wurden für den Bau der Schwedenschanze bei Werben Baumaterialien requiriert und eine Vorstadt dafür abgebrochen.
Neuzeit Die Stadt war von 1569 bis 1721 von Hexenverfolgungen betroffen. In 25 Hexenprozessen gab es 14 Hinrichtungen, eine Frau starb an den Folgen der Folter, eine Frau beging in der Haft Selbstmord.Seehausen (Altmark): Namen der Opfer der Hexenprozesse. (PDF; 101 kB) anton-praetorius.de; abgerufen am 3. Dezember 2019
In den 1840er Jahren bildete sich in Seehausen die größte jüdische Gemeinde der Altmark. Sie richtete 1860 eine Synagoge ein, gab diese aber 1900 wieder auf. Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 wurde der 1828 angelegte nahegelegene Jüdische Friedhof Am Schillerhain von Nationalsozialisten zerstört.Oliver Gierens: Spuren jüdischer Vergangenheit. In: Glaube und Heimat vom 10. Juli 2022, S. 8.
1849 wurde Seehausen durch die Bahnstrecke Magdeburg–Wittenberge an das entstehende Eisenbahnnetz angeschlossen und erhielt auch einen eigenen Bahnhof (heute Haltepunkt), damals noch etwas außerhalb der Stadt. Im Jahr 1865 wurde das neu erbaute Gymnasium eröffnet.
Seehausen liegt am westlichen Rand der Wische, eines ehemaligen Überflutungsgebietes der Elbe. So war die Stadt auch mehrfach in ihrer Geschichte von Deichbrüchen und Überflutungen betroffen, so auch 1909, als der Deich bei Kannenberg brach. Das Seehäuser Wochenblatt stellte 1944 sein Erscheinen ein.
Seehausen stand ab dem 12. April 1945 unter US-amerikanischer, vom 1. bis 30. Juni 1945 unter britischer und ab dem 1. Juli 1945 unter sowjetischer Besatzung.
Seehausen gehörte bis 1952 zum Kreis Osterburg in der preußischen Provinz Sachsen (von 1945 bis 1952 im Land Sachsen-Anhalt) und wurde dann im Zuge der Verwaltungsreform in der DDR zur Kreisstadt des Kreises Seehausen im neu gegründeten Bezirk Magdeburg. Der Kreis Seehausen wurde 1965 aufgelöst und Seehausen wieder in den Kreis Osterburg eingegliedert, in dem die Stadt bis 1994 lag (ab 1990 im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 1994 ist Seehausen Teil des Landkreises Stendal.
Eingemeindungen Am 1. Februar 1974 wurde Behrend eingemeindet.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 345.
Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Beuster (am 8. Juni 2009), Geestgottberg (am 9. Juni 2009), Losenrade (am 22. Juni 2009) und der Hansestadt Seehausen (Altmark) (am 29. Juni 2009), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Hansestadt Seehausen (Altmark) vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft. Am 1. September 2010 wurde abschließend Schönberg eingemeindet.Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010. StBA
Bevölkerung Jahr Einwohner 1567 420 1608 370 1653 124 1730 1.044 1750 1.340 1770 1.539 1790 1.820 Jahr Einwohner 1801 1.996 1818 2.283 1848 3.095 1871 3.917 1885 3.788 1895 3.803 1905 3.565 Jahr Einwohner 1925 4.195 1939 4.594 1946 4.951 1964 5.267 1971 5.259 1981 5.318 Jahr Einwohner 1990 5.021 2005 4.252 2010 5.329 2015 5.033 2020 4.817 Jahr Einwohner 2021 4.808 2022 4.672 2023 4.594 2024 4.554 2025 4.491
1567–1718: (nur Anzahl der Bürger), 1730–1981:Gebietsstand des jeweiligen Jahres, ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Seehausen besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 16 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 60,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Unabhängige Wählergemeinschaft Seehausen 26,8 % 4 32,0 % 5 Unabhängige Wählergemeinschaft Beuster-Geestgottberg-Losenrade-Schönberg 27,4 % 4 27,6 % 5 Die Linke 6,7 % 1 18,3 % 3 CDU 12,8 % 2 17,6 % 2 SPD – – 2,6 % – Bündnis 90/Die Grünen 3,7 % 1 1,9 % – Einzelbewerber Walter Fiedler 19,8 % 1 – – FDP 2,7 % 1 – – Insgesamt 100 % 14 100 % 15
Bei der Wahl 2019 entfielen auf den Einzelbewerber Fiedler drei Sitze, von denen zwei unbesetzt blieben.
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die CDU drei Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Partei nur zwei Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister mini|Rathaus 1994–2012: Ewald Duffe (parteilos) seit 2013: Detlef Neumann (Unabhängige Wählergemeinschaft Seehausen)
Duffe wurde bei der Bürgermeisterwahl am 29. November 2009 in seinem Amt bestätigt. Er verstarb am 17. November 2012.
Neumann wurde bei der Bürgermeisterwahl am 17. Februar 2013 mit 77,6 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt. Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 10. November 2019 mit 69,3 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 10. November 2019 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen Das Wappen wurde am 28. April 1995 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.
Flagge Die Flagge wurde am 8. Februar 2000 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.
Die Flagge ist Rot – Weiß – Rot (1:4:1) gestreift (Hissflagge: Streifen von oben nach unten; Querflagge: Streifen von rechts nach links verlaufend) mit dem aufgelegten Wappen der Stadt.
Städtepartnerschaft Jablonné nad Orlicí, Tschechien
Sehenswürdigkeiten mini|Kirche St. Petri mini|Salzkirche mini|Stadtmauer Die in der Stadt befindlichen Kulturdenkmale sind in der Liste der Kulturdenkmale in Seehausen (Altmark) eingetragen, die Bodendenkmale in der Liste der Bodendenkmale in Seehausen (Altmark).
Turmuhrenmuseum (seit 2004)Turmuhrenmuseum – Idee und Geschichte, abgerufen am 7. September 2026. Beustertor mit Ausstellung Rathaus, 1882 und 1883 erbautMatthias Puhle: Die Hanse – 16 Städtebilder aus Sachsen-Anhalt. Dössel (Saalekreis) 2008, S. 113. Wandmalerei im Stil des Sozialistischen Realismus am Bahnhof in der Otto-Nuschke-Straße Schillerhain Barsberge mit historischem Hundefriedhof Barsberge, Försterfriedhof Barsberge und Fünf-Brüder-Eiche
Kirchen Evangelische Kirche St. Petri, 1170–1180 als romanische Basilika erbaut und 1440–1480 in eine gotische Hallenkirche umgebaut.Matthias Puhle: Die Hanse - 16 Städte in Sachsen-Anhalt, S. 111. Dössel (Saalekreis) 2008. Benannt ist sie nach Simon Petrus. Ihre Türme sind weithin sichtbar, ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Stendal. Katholische Kirche St. Johannes Baptist, 1937/38 erbaut und nach Johannes dem Täufer benannt, gehört zur Pfarrei St. Anna in Stendal Adventkapelle, gehört zur freikirchlichen Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten Salzkirche, im 15. Jahrhundert erbaut, war früher Heilig-Geist-Kirche eines Hospitals und wurde später als Speicher oder Elektrizitätswerk genutzt
Gedenkstätten Gedenkstein von 1988 zur Erinnerung an den zerstörten Jüdischen Friedhof Ehrenmal für die Opfer des Faschismus Am Schillerhain Gedenktafel am Kreiskrankenhaus „Albert Steinert“ für den Arzt Albert Steinert, der 1945 mit der weißen Fahne den Beschuss der Stadt durch US-Truppen verhindern wollte und deswegen von einem Wehrmachtsmajor ermordet wurde
Film Der DEFA-Spielfilm Jadup und Boel (Regie: Rainer Simon) mit Kurt Böwe und Katrin Knappe in den Titelrollen wurde 1980 in Seehausen gedreht und noch vor der Premiere verboten. Erstmals aufgeführt wurde die Produktion am 12. Mai 1988.
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Von 1900 bis 1989 zählte die Konservenfabrik Seehausen zu den örtlichen Unternehmen.
Größter industrieller Arbeitgeber in Seehausen ist heute die Graepel-STUV GmbH, die Blechprofilroste fertigt. Der Betrieb wurde bereits 1949 als Maschinenausleihstation (MAS) gegründet und 1952 zur Maschinen-Traktoren-Station (MTS) erweitert. 1973 in LIA (Landtechnische Industrieanlagen) umbenannt, begann der Betrieb mit der Fertigung industrieller Stallanlagen. In dieser Zeit wurde die Verzinkerei gebaut. 1990 firmierte der Betrieb abermals um, und zwar in „Stalltechnik und Verzinkung GmbH“ (kurz STUV). 1991 wurde die STUV als 100-prozentige Tochter der Friedrich Graepel AG Löningen übernommen und 1996 in Graepel-STUV GmbH umbenannt.
Die Konsumgenossenschaft Seehausen/Altmark eG ist ein regionaler Nahversorger an 14 Standorten in der Altmark.
Verkehr Der Haltepunkt Seehausen (Altm) liegt an der Bahnstrecke Magdeburg–Stendal–Wittenberge. Im Stundentakt hält die Linie S1 der S-Bahn Mittelelbe.
Der Landesbus 200 verkehrt von Seehausen über Arendsee nach Salzwedel.
Durch das Gebiet von Seehausen verläuft die internationale EuroVelo-Route Iron Curtain Trail (EV13), die als Kulturroute des Europarats entlang der ehemaligen Blockgrenze führt zu den bedeutendsten Fernradwegen in Europa zählt. Hinzukommen die nationale D-Route D10 Elberadweg und regionale Radrouten, wie der Altmarkrundkurs oder der Vierländer-Grenzradweg. Als Teil des Landkreises Stendal verfügt Seehausen über ein Radverkehrs-Knotenpunktnetz und nimmt am LADEpünktchen-Netzwerk, einem Ladenetzwerk für Elektrofahrräder teil.
Bildung Das ehemalige Winckelmann-Gymnasium gehört seit 2008 wegen der gesunkenen Schülerzahlen zum Osterburger Gymnasium. Es wurde 1864/1865 errichtet und liegt vor dem ehemaligen Vieh- oder Schultor. Von 1743 bis 1748 wirkte Johann Joachim Winckelmann, Altertumsforscher und Lehrer, als Konrektor an der Seehäuser Lateinschule. Weiterhin gibt es eine Sekundarschule und eine Grundschule.
Sport Seehausen gehört zu den Altmärkischen Wandernestern, die im Altmärkischen Wanderverein organisiert sind. (PDF)
Persönlichkeiten Ehrenbürger 1995: Albert Steinert (1886–1945), Arzt in Seehausen, wegen seines Einsatzes gegen die Zerstörung der Stadt 1945 hingerichtet 2012: Ewald Duffe (1947–2012), langjähriger Bürgermeister der Stadt
Söhne und Töchter der Stadt mini|hochkant=0.6|Minna Nanitz