mini|Der 2009 eingeführte Gebirgs-Rettungshelikopter AgustaWestland A109S Grand Da-Vinci bei der Basis Erstfeld mini|Rega-Helikopter des Typs H145 vom Stützpunkt Basel mini|Innenansicht eines Agusta A109SP «Da Vinci» der Rega
Die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) (, , , ) ist eine gemeinnützige private Stiftung für Luftrettung in der Schweiz, die im Jahr 1952 von Mitgliedern der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft gegründet wurde und ihren Sitz am Flughafen Zürich hat. In der Schweiz kann die Hilfe der Rega über die Alarmnummer 1414 oder über Funk angefordert werden.
Die Rega bildet ein Glied der Rettungskette Schweiz (Swiss Rescue), beschäftigt 494 Personen (Stand: 2025) und arbeitete im Jahr 2025 20'463 organisierte Einsätze ab. Sie hatte im Jahr 2025 3,696 Millionen Gönner, was rund 40 % der Schweizer Bevölkerung entspricht. In den Jahren 1968 bis 2013 hatte die Rega das ZEWO-Gütesiegel für gemeinnützige Organisationen.Die Rega verliert ihr Gütezeichen. In: Die Weltwoche, Ausgabe 32/2013.
Die Kurzbezeichnung Rega wurde 1979 eingeführt, da die bisherige Abkürzung SRFW (dt.) resp. GASS (fr./it.) nicht nur ein Zungenbrecher war, sondern auch nicht in allen Landessprachen einheitlich. Da schon zuvor REGA als Funkrufname diente, wurde dies zum neuen Namen. «Rega» ist ein Akronym aus den Wörtern «REttungsflugwacht» und «Garde Aérienne» (fr.) resp. «Guardia Aerea» (it.).
Geschichte
Vorgeschichte Im Jahr 1946 retteten die Schweizer Militärpiloten Victor Hug und Pista Hitz mit Flugzeugen des Typs Fieseler Storch nach dem Flugunfall auf dem GauligletscherKatrin Brunner: Geburtsstunde der Bergrettung aus der Luft Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 19. November 2024 die Passagiere und die Besatzung der in den Gletscher geflogenen amerikanischen Douglas DC-3.
1950er-Jahre mini|Hermann Geiger, vermutlich 1958 bei der Freilassung eines jungen Steinbocks im Raum Engadin nach dem Transport im Helikopter HB-XAU. Dieser Helikopter war das Geschenk des Schweizerischen Konsumvereins
Der St. Moritzer Hotelier Fredy Wissel und der Walliser Pilot Hermann Geiger begannen 1951–1952 mit der Erprobung der Gletscherlandetechnik mit Skiflugzeugen.
Am 27. April 1952 kamen die Mitglieder der SLRG (Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft) im «Hotel Bären» in Twann am Bielersee zur Jahresversammlung zusammen. Der Mediziner Rudolf Bucher setzte sich dafür ein, dass von der Lebensrettungs-Gesellschaft ein Zweig abgetrennt werden sollte, der sich auf die Rettung aus der Luft spezialisieren sollte. Mit der Zustimmung der Versammlung war die Schweizerische Rettungsflugwacht (SRFW) gegründet und damit das moderne, organisierte Flugrettungswesen geboren. Die ersten Retter wurden in Abingdon (England) von der Royal Air Force als Rettungs-Fallschirmspringer ausgebildet. Diese sprangen mit Rettungsmaterial und wenn nötig mit Lawinenhunden zu den Verletzten in unwegsames Gelände.
Im Oktober 1952 landete Hermann Geiger das mit einziehbaren Metallskis ausgerüstete Gletscherflugzeug Piper Super Cub auf dem Blüemlisalpgletscher. Im Dezember flog der Pilot Sepp Bauer in Davos mit einer Hiller 360 den ersten Helikopter-Rettungseinsatz. Der Helikopter wurde mit einem darunter montierten Ballonkorb zum Transport der Verletzten ausgerüstet. Es waren weltweit die ersten Transporte mit Unterlast.
Im Februar 1957 schenkte der Verband Schweizerischer Konsumvereine der SLRG/SRFW einen Helikopter vom Typ Bell 47 J.
1960er-Jahre Am 19. März 1960 löste sich der neu gegründete Verein Schweizerische Rettungsflugwacht SRFW formell von der SLRG. Technischer Leiter bleibt Fritz Bühler.
Ebenfalls ab 1960 begannen die Repatriierungsflüge für im Ausland erkrankte Schweizer mit einer Piaggio P.166.
Am 1. März 1965 wurde die Rega gemäss Bundesratsbeschluss zur Hilfsorganisation des Schweizerischen Roten Kreuzes ernannt. Am 26. August 1966 verunfallte Hermann Geiger tödlich in der Platzrunde von Sion bei einem Zusammenstoss mit einem anderen Flugzeug.
Im September 1966 fand das erste internationale Helikopter-Symposium der Rettungsflugwacht auf dem Eigergletscher statt. Das Knoten-Rettungs-Tau und das Horizontalnetz zur Bergung von Verletzten in Geländen ohne Landungsmöglichkeit wurden eingeführt.
1968 nahm die Rega ihren ersten Helikopter, der von einer Turbine angetrieben wurde, in Betrieb; es handelte sich um einen Bell 206 A Jet Ranger mit dem Kennzeichen HB-XCU.
1970er-Jahre 1970 kaufte die Rega eine Cessna 414 mit Druckkabine für die Repatriierungsflüge. Anlässlich des 2. Internationalen Helikopter-Symposiums wurden in der Eiger-Nordwand Retter mittels einer Seilwinde vom schwebenden Helikopter in der Wand abgesetzt.
1971 erhielt die Rega den ersten ausschliesslich aus Gönnergeldern finanzierten Helikopter, eine SE 316 Alouette III. Im gleichen Jahr wurden zum ersten Mal zwei deutsche Alpinisten mit der Seilwinde direkt aus der Eiger-Nordwand gerettet.
Der «Babyhelikopter», eine Bölkow Bo 105 C, wurde ab 1972 auf dem Dach des Kinderspitals Zürich stationiert. Der Helikopter erhielt diesen Namen, weil er häufig für den Transport von Risiko-Neugeborenen eingesetzt wurde.
1973 wurde der erste zivile Ambulanzjet, ein Learjet 24 D, gekauft. Er wurde auf den Namen Henri Dunant getauft.
1976 erteilte die Rega den Auftrag zur Erstellung des ersten privaten gesamtschweizerischen Funknetzes.
Im März 1977 wurde erstmals eine westliche Rettungsorganisation im Ostblock tätig. Die Rega flog nach Bukarest, um die Retter des Erdbebens von Vrancea zu unterstützen. Ebenfalls 1977 gelang die erste Direktrettung von zwei Alpinisten aus der «Rampe» der Eiger-Nordwand. Ein solches Unternehmen galt bislang als unmöglich.
1979 wurde die Stiftung «Schweizerische Rettungsflugwacht» eingerichtet. Diese übernahm die Aktiven und Passiven des bisherigen Vereins.
1980er-Jahre 1980 spielte sich über dem Flugplatz Yverdon die wohl spektakulärste Rettungsaktion in der Geschichte der Rega ab. Der Fallschirm eines Fallschirmspringers hatte sich im Heckrad des Absprungflugzeuges verfangen. Die Crew eines Rega-Helikopters befreite ihn während des Fluges. Der Fallschirmspringer konnte mit dem Notfallschirm sicher landen.
Das Schweizerische Rote Kreuz nahm die Rettungsflugwacht 1981 als Korporativmitglied auf. Ebenfalls in diesem Jahr beschlossen das Schweizerische Katastrophenhilfskorps, der Schweizer Verein für Katastrophenhunde, das Bundesamt für Luftschutztruppen und die Rega, bei Erdbebenkatastrophen künftig gemeinsam als Rettungskette Schweiz Soforthilfe zu leisten. Die Rettungskette kam nach einem Erdbeben in Nordjemen 1982 erstmals zum Einsatz.
Der Rega wurde 1984 in Neu-Delhi das Lindbergh-Diplom verliehen, derweil Rega-Direktor Bühler 1985 in Glasgow den Order of St. John erhielt. In diesem Jahr 1985 konnte die Rega den 1'000'000sten Gönnerausweis ausstellen.
Die Rega rüstete im Jahr 1987 als erste zivile Organisation der Welt alle Helikopter mit Nachtsichtgeräten ANVIS aus.
1990er-Jahre Der Stiftungsrat beschloss im Jahr 1993 das Rega-Center auf dem Flughafenareal in Zürich-Kloten zu bauen.
1994 starb Fredy Wissel fast 90-jährig in St. Moritz.
Ein Rega-Einsatz 1996 führte ein Rettungs-Team erstmals rund um die Welt. Der Flug dauerte 43 Stunden. Zwischenlandungen erfolgten in Maskat, Bangkok, Chabarowsk, Anchorage, Reading, Faro und Valencia.
1997 zog die Rega in das fertiggestellte Rega-Center am Flughafen Zürich um.
2000er-Jahre mini|Rega EC-145 im Einsatz mini|Medizinische Ausstattung (Monitor, Beatmungsgerät, Notfall-Rucksack) des Rega-Hubschraubers auf der Basis St. Gallen Winkeln
Die Führung der Leitstelle Search and Rescue wurde vom Bundesamt für Zivilluftfahrt an die Rega übertragen.
2002 beging die Rega ihre 50-Jahr-Feier im Rega-Center Kloten und mit Tagen der offenen Türen auf ihren Standorten.
Die Flotte wurde mit dem Eintreffen des ersten von drei Ambulanzjets Bombardier Challenger 604 im November 2002 sowie des ersten von fünf Eurocopter EC 145 im März 2003 grundlegend erneuert.
2009 wurde eine neue Version der Agusta, die «AgustaWestland A109S Grand Da-Vinci», eingeführt. Die 11 «Da Vincis» ersetzten die seit 1992 im Einsatz stehenden Agusta A 109 K2.
2010er-Jahre mini|Rega 4 (Lausanne) in Villars-sur-Ollon mini|Die Rega im Einsatz am Stockhorn (2011)
Am 3. Januar 2010 starb ein Notarzt nach einem Lawinenniedergang. Er war dabei, einen bereits geretteten Mann zu versorgen. Es war der erste Lawinentodesfall eines Besatzungsmitglieds der Rega.
Nach jahrelangen Tests konnte die Rega ab Juli 2011 die Landeplattform des Berner Inselspitals satellitengestützt anfliegen. Damit eröffneten sich neue Möglichkeiten in der Schweizer Helikopterrettung: Rettungshelikopter können nun geschlossene Wolken- oder Nebeldecken von oben nach unten durchstossen und schwer verletzte oder erkrankte Patienten auf direktem Weg ohne Zeitverlust in ein Zentrumsspital fliegen. vom 27. Juli 2011, abgerufen am 29. August 2011
Im April 2019 präsentierte die Rega eine neu entwickelte Drohne. Der zwei Meter lange Mini-Helikopter soll ab 2020 für die Personensuche in schwer zugänglichem Gelände oder bei schlechten Sichtverhältnissen eingesetzt werden. Die Drohne ist u. a. mit einer Wärmebildkamera und Handyortung ausgerüstet.Der neue Rega-Helikopter ist eine Drohne In: Der Bund vom 12. April 2019
2020er-Jahre Am 15. März 2025«Eine Investition die Leben rettet» Magazin der Rega Nummer 104 06/25 versorgte erstmals ein Helikopter vom Typ H145 D3 eine Wintersportlerin im Wallis. Damit stand der erste von 21 Helikoptern der zukünftigen Einheitsflotte im Einsatz. Bis Ende 2026 sah die Planung die Umrüstung der Flotte vor. 144 Modifikationen wurden in den neuen Typ eingebaut. Auch die Maschinen der Mittellandbasen verfügen über eine Rettungswinde.
2025 wurde bekannt, dass die Rega ihren Hauptsitz am Flughafen Zürich bis spätestens Ende 2030 verlassen muss, da ihre derzeitigen Hangars einem neuen Rollweg weichen müssen. Ausserdem benötige die Rega mehr Platz. Im Juni 2025 kündigte die Rega an, dass sie bis 2030 den Hauptsitz inklusive Wartung und rund 200 Mitarbeitern von Zürich zum Flugplatz Kägiswil umziehen will.nau.ch – Rega will ihren Hauptsitz nach Kägiswil OW verlegen, abgerufen am 6. Juni 2025 Am 18. Dezember 2025 reichte die Rega das entsprechende Plangenehmigungsgesuch (Baugesuch) beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) ein.
Im September 2025 wurde bekannt, dass die Jet-Basis möglicherweise zum Flughafen Bern-Belp verlegt werden soll. Nun soll sie aber doch auf dem Flughafen Zürich verbleiben. In Kägiswil würde die Piste für Flächenflugzeuge zurückgebaut. Dagegen wurden vom Aero-Club der Schweiz 5000 Unterschriften gesammelt.Massiver Widerstand gegen neue Rega-Basis in Kägiswil OW
Einsatz in der Schweiz
Ein Rega-Rettungshelikopter befindet sich fünf Minuten nach Alarmierung in der Luft und innerhalb von 15 Minuten am Unfallort irgendwo in der Schweiz. Das Gleiche gilt auch für den Kanton Wallis, wo die Luftrettung durch die Rega-Partner Air-Glaciers und Air Zermatt betrieben wird. Zur Standardbesatzung gehören ein Pilot, ein Arzt sowie ein diplomierter Rettungssanitäter. Die Kosten werden je nach Einsatz von den Unfall- oder Krankenversicherungen getragen. Für ihre Gönner übernimmt die Rega, nach ihrem Ermessen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten jene Kosten, die nicht durch eine Versicherung gedeckt sind.
Die Rega transportiert nicht nur verletzte Menschen, sondern im Rahmen der Hilfe für Bergbauern (Contadino-Einsätze) häufig auch verletzte oder tote Kühe und auch Tiere, die beispielsweise infolge Schneefall ihre Alpweiden nicht mehr selbst verlassen können.
Im Jahr 2021 wurden mit den Helikoptern 11'314 Patienten transportiert und im Jahr 2022 bei fast 21'000 Einsätzen sogar 14'000 Patienten.Rega fliegt 2022 so viele Einsätze wie noch nie