Die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA e. V. mit Sitz in Wetzlar ist eine Nachrichtenagentur. Sie informiert die Medien „vorwiegend über die Evangelikale Bewegung und die evangelikale Einschätzung kirchlicher und säkularer Vorgänge“ und dient ebenso „der Kommunikation innerhalb des evangelikalen Bereichs“.
Geschichte und Zielsetzungen Von den Anfängen bis zur Etablierung IDEA wurde 1970 als Informationsdienst der Evangelischen Allianz gegründet. Anlass der Gründung war eine Unzufriedenheit in pietistisch geprägten Teilen des deutschen Protestantismus mit dem Evangelischen Pressedienst (epd), dem damaligen Hauptpublikationsorgan der Evangelischen Kirche in Deutschland. Man empfand die eigenen Anliegen dort unterrepräsentiert und teilweise polemisch verzerrt und meinte eine gewisse politische Einseitigkeit feststellen zu können. Nach einigen erfolglosen Versuchen der Intervention entstand der Gedanke, dass der Evangelikalismus einen eigenen Pressedienst brauche, um sich in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen. Winterhager, S. 523–526
Auf Initiative der Deutschen Evangelischen Allianz trafen sich am 25. Mai 1970 neun Vertreter dreier Organisationen, um den Gründungsausschuss zu bilden. Dieser führte am 17. Februar 1972 zum eingetragenen Verein idea (Informationsdienst der Evangelischen Allianz) e. V.Arbeitsgemeinschaft Rundfunk Evangelischer Freikirchen: Vertreten waren dabei die Deutsche Evangelische Allianz, der Wetzlarer Evangeliums-Rundfunk und die Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen. Horst Marquardt, der für den Evangeliums-Rundfunk dabei war, wurde der erste Vorsitzende des Vereins.Winterhager, S. 526–527 IDEA veröffentlicht seit dieser Zeit einen regelmäßigen Nachrichtendienst, den IDEA Pressedienst, der täglich erscheint.
Die anfangs noch journalistisch amateurhaft gestalteten Meldungen richteten sich zunächst an evangelikale Gruppierungen und Führungspersönlichkeiten; sie dienten der innerevangelikalen Kommunikation. Der Verein benötigte etliche Jahre, um eine anfängliche Skepsis in manchen evangelikalen Gruppierungen zu überwinden und „als gemeinsame Stimme akzeptiert zu werden“.Winterhager, S. 529 Danach bildete sich die Führungsebene landeskirchlicher Amtsträger als weitere Zielgruppe heraus, um Bedeutung und Präsenz evangelikaler Gruppierungen in der Kirche zu vermitteln. Erst später wurde die allgemeine Presse zum Adressaten.Volker Dettmar: Interesse und Information. Vergleich der Presseagenturen „Evangelischer Pressedienst“ und „Informationsdienst der Evangelischen Allianz“, Frankfurt 1994, S. 85–89 Dies hing mit der Anstellung des damals 27-jährigen Pfarrers Helmut Matthies als Chefredakteur im Jahr 1977 zusammen.
Manchen Personen galt die Einstellung dieses „konservativen Theologen“ als „Politikum“, vor dem „aus epd-Kreisen“ gewarnt wurde. Denn sie bedeutete einen Wandel von der Beschränkung auf evangelikale Spezialanliegen hin zu einem „weiter gefaßten publizistischen Selbstverständnis, dem zufolge der Auftrag einer biblisch-christlichen Bewußtseinsbildung unbeschränkt nach allen Seiten, auch in seinen gesellschaftspolitischen Konsequenzen, wahrzunehmen war“.Winterhager, S. 532 So forcierte Matthies die Hinwendung zur säkularen Presse als Adressat der Arbeit von IDEA. Die Pressemeldungen erhielten einen journalistischen Stil und wurden per Fernschreiber übermittelt. Der damit gewachsenen Diskrepanz zum ursprünglichen Auftrag der innerevangelikalen (und kirchlichen) Kommunikation begegnete IDEA mit der Aufteilung der Publikationen in den bisherigen „Informationsdienst“ und der neuen Wochenzeitschrift IDEA (früher: ideaSpektrum) ab 1979, die den Basisdienst für die Hand von Pfarrern und Gemeindegliedern populär aufbereitet und mit umfangreichen Kommentaren versieht. Diese Aufteilung brachte den Durchbruch für den Verein.Winterhager, S. 533Volker Dettmar: Interesse und Information. Vergleich der Presseagenturen „Evangelischer Pressedienst“ und „Informationsdienst der Evangelischen Allianz“. Frankfurt 1994, S. 89–91, 140. alternativtext=früheres Logo der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA|mini|Früheres Logo der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA Von 1978 bis 2017 war Helmut Matthies Leiter der Agentur. Am 1. Februar 2018 übernahm er die ehrenamtliche Aufgabe des Vorsitzenden.Bundespräsident: idea hat einen festen Platz in der Medienlandschaft, idea.de, Artikel vom 2. Februar 2018. Zeitgleich übernahm Matthias Pankau die Leitung, die er Ende 2022 niederlegte. Die kommissarische Leitung hatte danach die vorherige Redaktionsleiterin Daniela Städter inne. Seit 16. Juni 2023 leitet sie zusammen mit Dennis Pfeifer das Unternehmen.Doppelspitze: Städter und Pfeifer leiten IDEA, pro-medienmagazin.de, Meldung vom 16. Juni 2023. Redaktionsleiter ist David Wengenroth.
Standort innerhalb der evangelischen Publizistik Spannungsvoll gestaltete sich von Beginn an das Verhältnis zum Evangelischen Pressedienst (epd) hinsichtlich der Frage, wie man in der evangelischen Kirche mit der Existenz zweier Nachrichtendienste umzugehen habe. Faktisch kam dem epd zuvor das Gesamtmandat in der tagesaktuellen Berichterstattung in der EKD zu. Daher fürchtete man anfangs durch IDEA Konkurrenz. Dies legte sich zunächst, teils aufgrund der Beteuerung des Vereinsvorsitzenden Horst Marquardt, man verstehe sich als Ergänzung, teils aufgrund des anfänglichen Nischendaseins des von nebenamtlichen Kräften am Leben gehaltenen Informationsdienstes. Als jedoch einige evangelikale Gruppierungen die Zusammenarbeit mit dem epd zugunsten von IDEA aufgaben und bei der EKD ein Zuschuss für IDEA beantragt wurde, die sich in der Zwischenzeit in manchen Kirchenleitungen Anerkennung erarbeitet hatte, musste das Verhältnis zur EKD definiert werden. Der „Publizistische Gesamtplan“ der EKD von 1979 hielt fest, „das Gesamtmandat für die aktuelle Nachrichtengebung (liege) beim Evangelischen Pressedienst“. Da sich der deutsche Protestantismus aus „publizistischen, kirchenpolitischen und finanziellen Gründen (…) nur eine Nachrichtenagentur leisten“ könne, solle der epd in die Lage versetzt werden, das ihm zugewiesene Gesamtmandat voll wahrzunehmen.Dettmar, S. 94f.
Diese Bestimmung, die insbesondere die zwischenzeitlich höhere Auflage von IDEA gegenüber dem epd ignorierte,Winterhager, S. 535 führte zu Kooperationsverhandlungen zwischen EKD und der Evangelischen Allianz bzw. IDEA und dem epd. Diese scheiterten, da weder der epd eine Teilung des Gesamtmandats noch IDEA eine Reduktion auf ein reines Richtungsorgan hinzunehmen bereit war. In diesem Zuge formulierte der IDEA-Vorstand die Zielsetzung, dass auch IDEA „eine gesamtkirchliche Funktion […] erfüllen“ wolle.Dettmar, S. 97 Statt einer Anbindung des einen an den anderen Dienst bildete sich die Form eines „selbständigen Miteinanders“ heraus,Winterhager, S. 537 wahrnehmbar in deren Eigenständigkeit sowie der gelegentlichen gegenseitigen Übernahme von Nachrichten.
Die Faktizität zweier evangelischer Nachrichtendienste, die den „publizistischen Gesamtplan“ bereits vor seiner Erstellung überholt hatte, bewog die EKD schließlich zur Bewilligung eines im Umfang hinter den übrigen evangelischen Medien deutlich zurückbleibenden Zuschusses und damit zu einer „erweiterte(n) Anerkennung durch die Amtskirche“. Dieser Zuschuss wurde von der EKD seit 2016 infrage gestellt, unter anderem aufgrund der islamkritischen Berichterstattung von IDEA. Die EKD-Synode in Bonn beschloss 2017, die finanzielle Unterstützung für IDEA ab 2018 zu reduzieren und 2020 zugunsten eines evangelikalen Medienfonds ganz einzustellen. Seit 2020 fließt die ursprüngliche Unterstützung von IDEA in den „EKD-Innovationsfonds zur Unterstützung evangelikaler Medienprojekte“, der nun beispielsweise den SCM Bundes-Verlag unterstützt.
2007 wurde IDEA mit dem Walter-Künneth-Preis für zeitgeistkritische Pressearbeit ausgezeichnet.idea-Meldung vom 18. Juni 2007, auch publiziert von und EAD.
Zielsetzungen Den drei Schritten seiner Entwicklung folgend liegen die Ziele von IDEA darin, innerevangelikales Kommunikationsinstrument (auch in weltweiter Hinsicht) zu sein, das für evangelikale Organisationen Öffentlichkeit herstellt. Des Weiteren möchte man innerkirchliche Vorgänge spiegeln und entsprechende Lücken in der öffentlichen Berichterstattung füllen. Drittens versteht man sich als „‚Speerspitze‘ (…), das heißt Strömungen werden zusammengefasst, systematisiert und veröffentlicht. Man erfüllt somit eine ideologische Funktion“.Dettmar, S. 139 in Zitation von Helmut Matthies Ein Gesamtmandat nach Vorbild des epd nimmt IDEA dabei nicht in Anspruch: Man will nicht über alles berichten, was geschieht, sondern versteht sich als „thematisch orientierte Spezialagentur“.
„Die Bindung an die Evangelische Allianz und ihr geistliches Fundament“ bilden nach wie vor „das Hauptsignum für die Arbeit von IDEA“.Winterhager, S. 526; Dettmar, S. 126ff. IDEA wirkt „nicht wertneutral, sondern bei aller Betonung der journalistischen Unabhängigkeit in der Grundbindung an das biblische Zeugnis und das Glaubensverständnis der Evangelischen Allianz“. Diese Voraussetzung wurde von Anfang an deutlich gemacht:Winterhager, S. 528. Die theologische Grundlage bestimmt Nachrichtenauswahl und Kommentare.Dettmar, S. 137 Dies kommt beispielsweise im Rekurs auf die Bibel als „Kriterium bei der Beurteilung von Geschehnissen in Theologie, Kirche und Gesellschaft“ zum Ausdruck. „Es wird gefragt, welche Meldung es wert sei, für die ‚Entwicklung des Reiches Gottes‘ veröffentlicht zu werden“.Dettmar, S. 135 in Wiedergabe eines Interviews mit idea-Chefredakteur Helmut Matthies. Im Vergleich zum epd steht „stärker der Missionsgedanke im Vordergrund“.„Auf evangelikaler Seite existiert seit einigen Jahren ein äquivalentes Organ, der Informationsdienst der Evangelischen Allianz ‚idea‘. Im Gegensatz zum Evangelischen Pressedienst steht bei idea stärker der Missionsgedanke im Vordergrund.“ Aus: Nicola Herbig: Kirche oder Kommerz? Analyse der publizistischen Funktion evangelischer Privatfunkredaktionen im Schnittpunkt der Systeme Religion, Massenkommunikation und Wirtschaft in der BRD. Beiträge zur Kommunikationstheorie, 16; LIT, Münster 1999, S. 128, mit Bezug auf: Manfred Redelfs: Evangelische Kirche und privater Rundfunk. Entscheidungen, Konzepte, Strukturen. Steinkopf, Stuttgart 1990, S. 53.Ebenso der evangelische Theologe und EZW-Redakteur Matthias Pöhlmann, dem idea als Beispiel für den „spezifische[n] Typ evangelikaler Publizistik“ gilt, „die ‚einer zu missionierenden Öffentlichkeit gegenübertritt‘“: Matthias Pöhlmann: Abschnitt 4. Evangelische Publizistik im 20. Jahrhundert (S. 711–715) innert , hier S. 714 unter Bezugnahme auf Volker Dettmar: Interesse und Information. Vergleich der Presseagenturen „Evangelischer Pressedienst“ und „Informationsdienst der Evangelischen Allianz“. (= Diss. Frankfurt a. M.), Peter Lang, Frankfurt am Main 1994, S. 254. Dettmar konstatiert jedoch S. 131 zum Selbstverständnis von idea: „Der Dienst nimmt eine Funktion der Verkündigung im evangelikalen Sinn wahr. Dies bedeutet allerdings keine direkte Mission oder Evangelisation durch idea, sondern meint deren ‚Belebung und Förderung‘“. Man fühlt sich insofern „verpflichtet“, „alle vorhandenen Massenmedien zur Verkündigung zu nutzen und von ‚den großen Taten Gottes‘ zu berichten“. Damit will man sowohl „Glaubenshilfe“ leisten als auch bestimmte Entwicklungen vorantreiben.Dettmar, S. 136 Angesichts einer Gesellschaft, die sich im Prozess des Verfalls befinde, möchte IDEA geistige und geistliche Orientierung vermitteln. Diese nimmt ethisch und politisch eine insgesamt stark konservative Ausprägung an. Gesellschaftliche Veränderungen sieht man nur über die Veränderung Einzelner als möglich an.Dettmar, S. 143, 137
Verhältnis zur Deutschen Evangelischen Allianz