mini|Spektakulärer Schuss (sogenannter „dive shot“) auf das Tor mini|hochkant|Meisterschaftsfinale im amerikanischen College-Sport 2005 mini|Lacrosse-Goalie
Lacrosse ist ein Mannschaftssport, der mit einem Lacrosseschläger und einem Hartgummiball gespielt wird und deswegen zu den Ballsportarten zählt.
Bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis und bei den Spielen 1908 in London war Lacrosse eine Wettkampfsportart, bei den Spielen 1928 in Amsterdam, 1932 in Los Angeles und 1948 in London nur noch Demonstrationssport und verlor danach weiter an Bedeutung. Lacrosse gilt neben Eishockey als kanadischer Nationalsport. Bei den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles sollen erstmals nach 120 Jahren wieder olympische Wettkämpfe im Lacrosse stattfinden. Es soll im Format Lacrosse Sixes gespielt werden.
Geschichte mini|links|hochkant=0.8|Die Stämme spielten mit unterschiedlichen Schlägern: a Irokesen, b Passamaquoddy, c Chippewa, d Cherokee mini|Tewaraathon – Lacrosse als Kriegsvorbereitung mini|Ball play dance mini|Lacrosse-Team „Young Canadians“ aus Richmond Hill, Kanada (1885)
Das Spiel stammt von den indigenen Völkern der Ostküste und der Großen Seen, auf den Gebieten des heutigen Kanada und der Vereinigten Staaten. Sie nannten es Baggataway oder auch Tewaraathon („kleiner Bruder des Krieges“) und weihten es dem Kriegsgott. Nicht selten endeten diese Spiele, die zur Vorbereitung auf Kriege mit anderen Stämmen gespielt wurden, tödlich. Die Spiele wurden zum Teil mit mehr als 100 Spielern ausgetragen, und als Tor galt oft ein Stein oder ein Baum. Neben der für die Kriegführung als notwendig erachteten Vorbereitung des Teamgeists wurde das Spiel auch eingesetzt, um Streitigkeiten zwischen Stämmen und anderen Gruppen zu schlichten.
Erstmals erwähnt wurde das Spiel 1634 von dem französischen Jesuitenmissionar Jean de Brébeuf in Ontario, den die Schläger an einen Bischofsstab erinnerten und der dem Spiel deshalb den Namen La Crosse gab, das französische Wort für Bischofsstab.
In den 1850er Jahren fingen auch Weiße an, sich für Lacrosse zu interessieren. 1856 gründeten die Franzosen den ersten Club, den Montréal Lacrosse Club. Den Siegeszug begann Lacrosse im Jahr 1867. In diesem Jahr wurde der kanadische Verband, Canadian National Lacrosse Association, aus der Taufe gehoben, die Anzahl der Teams stieg von 6 auf ca. 80, und auch der erste Verein der USA wurde gegründet. Erstmals kam das Spiel nach England. 1874 gelangte Lacrosse nach Australien und 1878 nach Neuseeland. 1879 wurde der Dachverband in den USA gegründet.
Das erste Frauen-Lacrossespiel wurde 1890 an der Klosterschule St. Leonards in Schottland gespielt – eine Nonne las über Lacrosse und befand, dass dies eine gute Sportart für die von ihr unterrichteten Mädchen sei. Männer- und Frauen-Lacrosse wurde bis in die Mitte der 1930er Jahre ohne schützende Ausrüstung mit fast den gleichen Regeln gespielt. Zu dieser Zeit fingen die Regeln des Männer-Lacrosse an, sich stark zu verändern, während Frauen-Lacrosse weiterhin mit den ursprünglichen indigenen Regeln gespielt wurde. Bis etwa zur Jahrtausendwende beispielsweise spielten die Frauen noch ohne feste Seitenlinien – vielmehr wurde als Anhaltspunkt eine Baumreihe, die nächste Wiese oder ein Strauch genommen. Heutzutage spielen Frauen und Männer Lacrosse nach völlig unterschiedlichen Regeln. Die Frauen-Lacrosseregeln limitieren den Schläger- und Körperkontakt, deshalb wird nur wenig Schutzausrüstung benötigt. Beim Männer-Lacrosse hingegen werden, ähnlich dem Eishockey, Helme, Rippen- und Schulterschutz und Handschuhe getragen.
Bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis und bei den Spielen 1908 in London war Lacrosse bei den Männern Wettkampfsportart, bei den Spielen 1928 in Amsterdam, 1932 in Los Angeles und 1948 in London war es ein olympischer Vorführungswettbewerb.
Anschließend allerdings versank der Sport Lacrosse für eine Weile in der Versenkung. Weder die amerikanischen Ureinwohner noch die US-Amerikaner und Kanadier zeigten noch ein großes Interesse für den Sport. Er überlebte einzig als Collegesportart an einigen Prepschools der Ostküste. Dabei wäre es wohl auch geblieben, denn das Wachstum des Sports war durch einige Faktoren limitiert. Zum einen war der Sport durch seinen Charakter, ein „Sport der Elite“ zu sein, nur einer kleinen Bevölkerungsschicht zugänglich, zum anderen gab es nur wenige Indigene, die in der Kunst der Anfertigung von Lacrosse-Schlägern ausgebildet waren. Erst durch die Einführung des Kunststoffschlägerkopfs wurde Lacrosse dann einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. 2007 spielten rund 47.000 Kanadier eine vor allem in Kanada gespielte Variante des Lacrosse, das Box Lacrosse. Erheblich erfolgreicher ist noch Intercrosse, welches Männer und Frauen gemeinsam spielen und das ohne Kontakt gespielt wird. Es wird von 250.000 Kanadiern gespielt, darüber hinaus weltweit in 45 Staaten.
1987 wurde die National Lacrosse League (NLL) gegründet. Hier treten neun Teams aus vier kanadischen und fünf US-amerikanischen Städten gegeneinander an. In den letzten sieben Jahren war die Mannschaft von Rochester mit drei Meisterschaften die erfolgreichste. Seit 1988 gibt es U-19-Lacrosse-Weltmeisterschaften. 1994 erhob das kanadische Parlament Lacrosse zur Nationalsportart. Bei der Weltmeisterschaft im australischen Perth besiegten die USA Kanada. Die Weltmeisterschaft 2006 fand in London, Ontario statt. Seit 1999 (Spielbetrieb seit 2001) gibt es in den USA die Major League Lacrosse als Profiliga der Herren. Älter, mit Gründung 1986, ist die Hallenlacrosse-Liga in Nordamerika, die bis 1997 unter dem Namen Major Indoor Lacrosse League (MILL) operierte und heute National Lacrosse League heißt. Die Lacrosse-Europameisterschaft wurde erstmals 2004 ausgetragen. Seit 2003 findet alle vier Jahre die Indoor- oder Hallenweltmeisterschaft statt.
Die Frauen spielten unter der Ägide der 1972 gegründeten International Federation of Women’s Lacrosse Associations. Inzwischen gehören zehn internationale Teams zur Association.
Spielregeln mini|Lacrossefeld der Männer Allgemeines Gespielt wird auf einem 54,90 m breiten und 100,60 m langen Feld. Das Tor ist 1,83 m × 1,83 m groß und befindet sich ähnlich wie beim Eishockey nicht am jeweiligen Spielfeldende, sondern 14 m davor. Der Ball besteht aus Hartgummi, hat einen Umfang von 20 cm und wiegt ca. 140 g. Er wird mit dem Schläger gefangen, getragen und geworfen. Der Schläger, genannt Crosse oder Stick, ist zwischen 101 und 183 cm lang und nicht dicker als 2,5 cm. Der Schlägerkopf besteht meist aus Kunststoff, kann aber auch aus Holz oder laminiertem Holz bestehen. Im Schlägerkopf ist ein Netz, die sogenannte „Pocket“, geknüpft, das gleichzeitig präzises Passen und Ballkontrolle ermöglichen soll. Der Schaft besteht entweder aus Holz, Aluminium, Titan oder kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff.
Gespielt wird bei den Herren 4 × 20 oder 4 × 15 (amerikanische Ligen) und bei den Damen 2 × 30 Minuten.
Spielablauf mini|Face-off beim Lacrosse Gestartet wird das Spiel bei den Herren mit einem Face-off, bei den Damen mit einem sogenannten Draw. Beim Face-off knien oder hocken die beiden Spieler der Mannschaften, die den Face-off durchführen, am Mittelpunkt gegenüber und versuchen nach dem Anpfiff, den Ball zu erobern oder einem ihrer Mitspieler zuzuspielen. Bei den Damen wird der Ball zum Draw zwischen die beiden Schläger der durchführenden Spieler geklemmt und beim Anpfiff in die Luft geworfen. Während des Spiels darf der Ball beliebig lang getragen werden; es gibt also keine Vorschrift, wann ein Ball gepasst werden soll. Die angreifende Mannschaft wechselt, wenn die Gegenmannschaft den Ball erobert hat. Zu jeder Zeit ist es einem verteidigenden Spieler erlaubt, den Schläger des Gegenspielers mit dem eigenen Schläger zu schlagen, um den Ball freizubekommen. Bei den Herren ist der Kontakt zwischen den Spielern Teil des Spieles, weshalb diese den Gegenspieler auch mit Körpereinsatz vom Ball trennen bzw. fernhalten dürfen. Damen-Lacrosse kennt hingegen keinen starken Körpereinsatz. Ziel des Spieles ist es, mehr Tore als die gegnerische Mannschaft zu erzielen.
Herren-Lacrosse Ausrüstung mini|Netz des Lacrosse-Schlägers mini|Lacrosse-Ball Der Schläger Der Lacrosseschläger (Stick) besteht aus Holz, laminiertem Holz oder synthetischem Material und hat ein geformtes, taschenartiges Netz (Pocket) am Kopfende. Der Stick muss eine Gesamtlänge von 102 bis 107 cm für Angreifer und Mittelfeldspieler aufweisen, während die Länge für Verteidiger zwischen 132 und 183 cm liegt. Der Schlägerkopf muss 17,5 bis 25,5 cm breit sein. Eine Tasche entspricht nicht den Regeln, wenn der oberste Punkt eines in der Tasche liegenden Balls unter der Unterkante des Schlägerkopfrahmens liegt.
Der Ball Der Ball besteht aus Vollgummi und kann in offiziellen Spielen die Farben weiß, gelb oder orange haben. Der Ball hat einen Durchmesser von 60 bis 75 mm und wiegt 142 bis 149 Gramm.
Der Helm Der Helm mit Schutzgitter wird über eine 4-Punkt-Befestigung, die von einem geformten Kinnstück ausgeht, gehalten und muss von allen Spielern getragen werden. Alle Helme und Schutzgitter sollten von der NOCSAE, der National Operating Committee on Standards for Athletic Equipment, zertifiziert sein. In Europa gekaufte Helme müssen zusätzlich eine CE-Zertifizierung haben. Das Tragen des Helmes ist Pflicht.
Die Handschuhe Alle Spieler müssen Schutzhandschuhe tragen. Änderungen an den Handschuhen sind verboten.
Schutzausrüstung In der Regel tragen die meisten Spieler Ellenbogenschützer, Schulterprotektoren und Mundschutz (alle drei sind Pflicht in US-Ligen). Weiterhin ist das Tragen eines Tiefschutzes und von Rippenprotektoren für alle Spieler empfehlenswert.
Team und Spieler mini|Spielszene Eine Mannschaft besteht aus bis zu 23 Spielern (unter NCAA-Regeln beliebig viele). Während eines Spiels dürfen sich höchstens 10 (bei der Hallenvariante 6) Spieler gleichzeitig auf dem Spielfeld befinden. In der Regel bestehen diese aus 3 Angriff-Spielern, 3 Mittelfeld-Spielern, 3 Verteidigungs-Spielern und einem Torwart. Die Spieler dürfen nach Belieben zwischen den beiden Spielfeldseiten wechseln. Es muss lediglich beachtet werden, dass mindestens 3 Spieler einer Mannschaft auf der gegnerischen und 4 Spieler (inkl. Torwart) auf der eigenen Spielfeldseite vertreten sind (Abseitsregel), dabei ist die eigentliche Position nicht von Bedeutung. Geht z. B. ein Verteidiger oder der Torwart über die Mittellinie, so muss ein Mittelfeldspieler oder Angreifer zurückbleiben. Jedes Team muss mindestens einen Kapitän bestimmen, der kein Erkennungssymbol tragen muss. Das Auswechseln von Feldspielern ist nicht nur während Spielunterbrechungen möglich, sondern kann auch „fliegend“ erfolgen.
Positionen Angreifer: Es stehen drei Angreifer auf einmal auf dem Feld. Dabei benutzen diese einen Shortstick, also den normalen Lacrosseschläger. Die Angreifer sollten über gute Schläger-Technik (stickskills) verfügen, da sie als Gegner größtenteils den Verteidiger haben. Des Weiteren sollten sie die Fertigkeit haben, das Spiel insgesamt zu überblicken und zu wissen, wo sich ihre Mitspieler befinden. Mittelfeldspieler: Es stehen 3 Mittelfeldspieler zur gleichen Zeit auf dem Spielfeld. Sie werden in offensive und defensive Mittelfeldspieler unterschieden. Sie sind die bewegungsbelasteten Spieler auf dem Feld, was dazu führt, dass sie oft ausgewechselt werden. Die Mittelfeldspieler tragen den Ball in die gegnerische Zone und versuchen dort den Angriff aufzubauen. In der Verteidigung übernehmen sie meist die gegnerischen Mittelfeldspieler. Sie übernehmen zumeist den Face-off.