Das ATS Racing Team war ein deutscher Motorsport-Rennstall, der sich zunächst in der Formel 2 und von 1977 bis 1984 in der Formel 1 engagierte. Das Team wurde von Günter Schmid initiiert und geführt. Es war, ebenso wie das gleichnamige Unternehmen ATS, in Bad Dürkheim ansässig.

Besitzer des Teams war neben Schmid der Industrielle Erich Stahlschmidt aus dem sauerländischen Werdohl, der die Geschäftsanteile von dem ATS-Mitbegründer Bruch erwarb und die rennsportlichen Pläne von Schmid nicht nur unterstützte, sondern erst ermöglichte. Als Teamchef fungierte jedoch ausschließlich Schmid. Er war in den 1960er-Jahren selbst Rennfahrer und hatte eine Reihe von Rennen in der Formel V bestritten. Seine letzten Rennen fuhr er 1972, als er sich bereits hauptberuflich bei dem Felgenhersteller einbrachte. Danach sponserte Schmid verschiedene nationale Motorsportveranstaltungen, bevor sich sein Unternehmen aktiv am Motorsport beteiligte, um für die Marke ATS zu werben.

ATS in der Formel 2

Den ersten Einsatz als Motorsport-Team hatte der Rennstall „ATS Wheels“ in der Formel-2-Europameisterschaft 1976. Hans Günter Schmid bestritt das erste Jahr nur halbherzig. Weder die technische oder organisatorische Basis noch die Personalstruktur war geeignet, nachhaltigen Erfolg in der Formel 2 zu erreichen. Zudem nahm ATS Wheels nicht an allen Rennen der Formel-2-Europameisterschaft teil; andererseits erschien das Team auch bei einzelnen Rennen, die nicht zur Formel-2-EM zählten.

Als Einsatzfahrzeug meldete „ATS Wheels“ einen Lola T450, ein problematisches, im Ergebnis nicht konkurrenzfähiges Auto, das nur in vier Exemplaren für die Saison 1976 hergestellt worden war und, abgesehen von ATS, nur sporadisch von Privatfahrern eingesetzt wurde. Das Auto wurde angetrieben von einem herkömmlichen BMW-Motor, der in jener Saison gegenüber den Konkurrenztriebwerken von Renault das Nachsehen hatte. Als Fahrer meldete ATS zunächst den Finnen Mikko Kozarowitzky, der in früheren Jahren einige passable Resultate in kleineren Klassen gezeigt hatte.

Mikko Kozarowitzky trat beim Auftaktrennen, der Deutschland-Trophäe auf dem Hockenheimring, für ATS Wheels an. Er konnte sich qualifizieren, beendete das Rennen allerdings nicht. Die nächste Veranstaltung in Thruxton ließ das Team aus. Beim dritten Meisterschaftslauf, dem Gran Premio di Roma in Vallelunga, trat es wieder an, erneut mit Kozarowitzky, der sich allerdings diesmal nicht qualifizieren konnte. Hans Günter Schmid trennte sich daraufhin von Kozarowitzky, der in der Folgezeit mit dem privaten Team RAM zwei (erfolglose) Anläufe in der Formel 1 unternahm. Für das folgende Formel-2-Rennen, dem Festspielpreis der Stadt Salzburg, verpflichtete ATS Wheels den US-Amerikaner Ted Wentz, der sich qualifizierte, das Rennen allerdings nicht beendete. Nachdem ATS Wheels den Grand Prix de Pau wiederum ausgelassen hatte, erschien das Team wiederum beim Rheinpokal auf dem Hockenheimring, wo es nunmehr Bertram Schäfer als Fahrer meldete. Schäfer nahm an dem Rennen allerdings nicht teil. Für die anschließenden Rennen in Rouen-les-Essarts, Mugello und Enna-Pergusa meldete ATS Wheels den Sportwagen-Fahrer Reinhold Joest, der sich allerdings nur zum Rennen in Mugello qualifizieren konnte. Die Rennen in Estoril und Nogaro ließ ATS Wheels wiederum aus, bevor das Team zum letzten Meisterschaftsrennen des Jahres auf dem Hockenheimring mit dem Finnen Mika Arpiainen zurückkehrte. Auch hier gab es keinen Zieleinlauf. Kurz zuvor hatte ATS Wheels noch am nicht zur Meisterschaft zählenden Coppa Santa Monica in Rimini teilgenommen; Fahrer war hier Roland Binder gewesen, der ebenfalls nicht ins Ziel gekommen war.

Insgesamt verlief die Formel-2-Saison für ATS ernüchternd. Hans Günter Schmid zog Bilanz und erklärte gegenüber der Fachzeitschrift auto motor und sport, dass der finanzielle Aufwand einer Formel-2-Saison sehr hoch sei; für einen ähnlich hohen Betrag könne er auch ein Auto in der Formel 1 an den Start bringen.Wolfgang Kahler: Deutschland-Vertretung. auto motor und sport, Heft 6/1977, S. 182 ff. Die Möglichkeit hierzu ergab sich bereits im Winter 1976/77. Der von ATS eingesetzte Lola T450 existiert noch. Er befindet sich in der Hand eines privaten Rennfahrers, der damit gelegentlich an Bergrennen teilnimmt.

ATS in der Formel 1 mini|hochkant=1.3|Jean-Pierre Jarier am Steuer des ATS-Penske PC4 beim Großen Preis von Monaco 1977 1977 Das Formel-1-Engagement von ATS begann, als Hans Günter Schmid Ende 1976 das Material des amerikanischen Teams Penske übernahm, das nach Abschluss dieser Saison seinen Rückzug aus der Formel 1 erklärt hatte.Doug Nye: Das große Buch der Formel-1-Rennwagen. Die Dreiliterformel ab 1966. Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln 1986, ISBN 3-481-29851-X, S. 167 f. In der Saison 1977 setzte ATS das 1976 von Geoffrey Ferris entwickelte und seinerzeit von John Watson gefahrene Penske-Chassis PC4 ein, ein Auto, das 1976 immerhin den Großen Preis von Österreich gewonnen hatte. Damit verfügte das Team über ein erfolgreiches Einsatzgerät, sodass die Ausgangslage für das Formel-1-Engagement deutlich günstiger war als sie es ein Jahr zuvor beim Einstieg in die Formel 2 gewesen war. Im ersten Jahr blieb das Auto weitgehend unverändert.

ATS debütierte beim vierten Rennen der Weltmeisterschaft, dem Großen Preis der USA (West) in Long Beach. Als Fahrer war zunächst Hans-Joachim Stuck vorgesehen, der allerdings zur gleichen Zeit die Möglichkeit erhielt, den zuvor tödlich verunglückten Carlos Pace bei Brabham zu ersetzen. ATS verpflichtete daher kurzfristig den Franzosen Jean-Pierre Jarier, der sich einer Legende nach im Skiurlaub befand und unmittelbar zum ersten Rennen des Teams anreisen musste. Im Debütrennen qualifizierte sich Jarier für den neunten Startplatz (vor beiden Tyrrell und vor Hans Joachim Stuck im Brabham). Das Rennen schloss er mit einer Runde Rückstand als Sechster ab und fuhr so für den neuen Rennstall gleich in dessen erstem Rennen den ersten Weltmeisterschaftspunkt ein. In den weiteren Rennen gab es allerdings keine zusätzlichen WM-Punkte mehr. Die Saison verlief stattdessen schwierig. Das Team litt einerseits darunter, dass das Chassis zunehmend veraltete; andererseits war die Organisation des Teams nach Ansicht von Beobachtern nicht optimal. Zum Großen Preis von Großbritannien verpflichtete ATS einmalig Geoffrey Ferris als technischen Berater, um so vom Urheber des Fahrzeugs einige Hinweise auf die optimale Abstimmung und Ähnliches zu erhalten. Im Ergebnis zahlte sich der Einsatz nicht aus. Für die verbleibenden Rennen arbeitete ATS weiter ohne einen kontinuierlich verantwortlichen technischen Direktor.

Jarier fuhr den Penske PC04 mit der Start Nummer 34 bis einschließlich des Großen Preis von Italien. In dieser Zeit konnte er sich mit Ausnahme des Großen Preises von Spanien regelmäßig qualifizieren, kam aber im Qualifying nicht mehr über die zweite Hälfte des Starterfeldes hinaus. In sechs Rennen kam Jarier ins Ziel; das beste Ergebnis war der achte Platz beim Großen Preis von Schweden. Bei den Großen Preisen von Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Italien fiel er jeweils mit Motor- oder Getriebedefekt aus.

Zum Großen Preis von Deutschland brachte ATS ein zweites Auto an den Start. Hier ging der deutsche Tourenwagen-Pilot Hans Heyer für ATS ins Rennen. Er qualifizierte sich nicht, startete aber dennoch illegal. In den offiziellen Dokumenten ist die Notiz vermerkt: „Managed somehow to start“. Die Rennkommissare bemerkten dies erst, als er mit einem Fehler an der Kraftübertragung aufgab. Zu den Großen Preisen von Österreich, den Niederlanden und Italien startete an seiner Stelle Hans Binder, der in Österreich Zwölfter und in Italien Achter wurde.

An den letzten drei Rennen des Jahres, die in Übersee stattfanden, nahm ATS aus Kostengründen nicht mehr teil.

1978 mini|Michael Bleekemolen im ATS HS1 (Zandvoort)

Die Ausgangslage Hans Günter Schmid versuchte im Winter 1977/78, die materielle Basis seines Teams zu stärken. Hierzu übernahm er viel Material von March, einem britischen Rennwagenhersteller, der von 1970 bis 1977 ein eigenes Formel-1-Team betrieben hatte, Ende 1977 aber den Rückzug aus dem werksseitigen Grand-Prix-Sport erklärt hatte. ATS übernahm von March die technische Ausrüstung, die Werkshallen in Bicester und darüber hinaus die Mitgliedschaft in der FOCA. Teil des Geschäfts war außerdem eine Vereinbarung mit Robin Herd, einem der Gründer und Mitinhaber von March Engineering, aufgrund derer Herd das vorhandene Penske-Auto für ATS überarbeiten sollte. Im Ergebnis entstand so der ATS HS1.Renngeschichte des ATS HS1 auf der Internetseite www.oldracingcars.com (abgerufen am 23. Mai 2014). Die Bezeichnung HS sollte die Allianz zwischen Robin Herd (H) und Hans Günter Schmid (S) nach außen deutlich machen. Der HS1 war ein Auto, das im Wesentlichen auf der Substanz des 1976 gebauten Penske PC4 beruhte und vor allem im Bereich der Karosserie Änderungen erfahren hatte. Der HS1 hatte kein wirksames Flügelprofil am Unterboden und stellte damit kein Wing-Car dar. Schon dadurch waren der Konkurrenzfähigkeit des Autos deutliche Grenzen gesetzt. Als Antrieb diente ein konventioneller Cosworth-DFV-Motor, die Reifen kamen von Goodyear. Insgesamt wurden drei Fahrzeuge vom Typ HS1 hergestellt.

Die Saison 1978 sollte für ATS zu einem unsteten Jahr werden. Es gab zahlreiche Wechsel im Teammanagement und auch bei den Fahrern.

ATS trat erstmals durchgängig als Team mit zwei Autos an. Als erster Fahrer wurde Jochen Mass (Start-Nr. 9) gemeldet. Für das zweite Auto hatte ATS zunächst Bruno Giacomelli ins Auge gefasst, der dem Team von Robin Herd empfohlen worden war. Giacomelli sagte allerdings kurzfristig ab, da er sich in dem in Entwicklung befindlichen Formel-1-Projekt von Alfa Romeo engagierte; an seiner Stelle verpflichtete ATS schließlich erneut Jean-Pierre Jarier, der die Startnummer 10 erhielt.

Die Rennen Jarier und Mass erreichten ihre besten Qualifikationsergebnisse jeweils beim Auftaktrennen in Argentinien: Jarier startete als 11. und wurde im Rennen 12.; Mass kam vom 13. Startplatz aus als 11. ins Ziel. Sein bestes Rennergebnis dieser Saison erzielte Mass mit einem siebenten Platz beim Großen Preis von Brasilien. Allerdings sorgte dieses Rennen für einige Unruhe im Team. Mass hatte im Training sein Auto massiv beschädigt. Hans Günter Schmid wies ihm daraufhin für das Rennen selbst den Wagen von Jarier zu, der seinerseits – obwohl er einen deutlich besseren Startplatz hatte – am Rennen nicht teilnehmen konnte. Jarier revanchierte sich im folgenden Rennen, dem Großen Preis von Südafrika, auf seine Weise: Er erreichte auf der langen Geraden zwischen Crawthorne Corner und The Kink mit 281 km/h die höchste Geschwindigkeit aller Fahrer. Im Rennen selbst kam er als Achter ins Ziel und erzielte hier sein bestes Saisonergebnis.

Die Qualifikationsergebnisse wurden im Laufe der Saison zunehmend schlechter. Bis zum Großen Preis von Deutschland gelang es Mass (mit Ausnahme des Großen Preises von Monaco) zwar regelmäßig, sich für die Rennen zu qualifizieren; er musste sich allerdings zunehmend auf Positionen im letzten Drittel des Starterfeldes beschränken.

Schon im Frühjahr 1978 kam einige Unruhe ins Team. Jean-Pierre Jarier wurde zum Großen Preis von Belgien nach einem Streit mit Schmid durch Alberto Colombo ersetzt. Weder in Belgien noch im folgenden Rennen, dem Großen Preis von Spanien, konnte sich der Italiener qualifizieren; er war jeweils der langsamste Teilnehmer der Qualifikation. Hans Günter Schmid ersetzte ihn daher zum Großen Preis von Schweden durch den Finnen Keke Rosberg, der zuvor einigen Einsatz mit einem unterlegenen Auto im Theodore-Racing-Team gezeigt hatte. Rosberg blieb für die zunächst drei Rennen im Team. Er konnte sich regelmäßig qualifizieren und sah in Schweden und Frankreich das Ziel, wenn auch nur als 15. bzw. 16.