mini|Höhenberg, Germaniasiedlung Höhenberg ist ein östlicher Stadtteil von Köln im rechtsrheinischen Stadtbezirk Kalk. Über Jahrhunderte war Höhenberg lediglich eine Flurbezeichnung für eine Geländeerhöhung der rheinischen Niederterrasse, an der die Grenze zwischen Kurköln und dem Herzogtum Berg verlief. Erst mit der fortschreitenden Industrialisierung der benachbarten Städte Kalk und Mülheim am Rhein am Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet städtebaulich erschlossen. Nachdem die städtische Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau (GAG) die großflächige Germaniasiedlung gebaut hatte, wurde Höhenberg 1927 zum selbständigen Stadtteil. Es umfasst Flächen, die ehemals zu den Stadtteilen Buchheim, Kalk, Merheim und Vingst gehörten.

Hier wurden nach dem Zweiten Weltkrieg viele Mehrfamilienhäuser gebaut, sodass sich die Einwohnerzahl zwischen 1950 und 1980 fast verdoppelte. Dennoch besteht Höhenberg zu über 50 Prozent aus Grünflächen. Durch zahlreiche Werksschließungen in den benachbarten Industriestandorten und mangels neuer Arbeitsplätze lag die Arbeitslosenquote im Stadtteil über Jahre bei mehr als 22 Prozent. Durch Fördermaßnahmen des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt werden viele Familien bei ihrem täglichen Lebensunterhalt finanziell unterstützt. Zusätzlich wurde von den Kirchengemeinden unter Beteiligung vieler Bürger das soziale Netzwerk HöVi-Land initiiert, das ebenfalls sozial schwachen Familien hilft. Außerdem werden durch dieses Projekt vielfältige Aktionen zur Verschönerung und Sauberkeit des Stadtteils veranlasst und durchgeführt.

Geographie Der Stadtteil liegt an einer heute trockenen Rinne im früher sumpfigen Gebiet der Niederterrasse des Rheins westlich eines eiszeitlichen Rheinarms. Der Boden des ehemals meist bewaldeten Gebietes ist stark löss- und lehmhaltig, die Höhe des größtenteils ebenen Ortsgebietes liegt um die . Der geographisch höchste Punkt liegt mit etwa 55 Meter in unmittelbarer Nähe der Kirche St. Elisabeth.

Höhenberg grenzt im Norden mit der Bundesstraße 55a an Buchheim, im Osten mit dem rechtsrheinischen Grüngürtel an Merheim und Ostheim, im Süden verläuft fließend die Grenze zu Vingst. Mit den Bahnanlagen des Rangierbahnhofes Köln-Kalk Nord grenzt Höhenberg im Westen an Kalk.

Geschichte Hochmittelalter bis zur Frühen Neuzeit In einer Aufzählung der Besitzungen des Vingster Hofs aus dem Jahre 1683 ist die Lage zweier Felder mit „auf dem Höhenberg“ aufgelistet. Dabei handelt es sich um eine Flurbezeichnung, denn besiedelt war das Gebiet nicht. In diesem Bereich verlief von 1147 bis 1803 die Grenze zwischen dem Herzogtum Berg und Kurköln. Das Herzogtum errichtete auf seinem Gebiet im Bereich der heutigen Straßenkreuzung Frankfurter-/Olpener Straße einen Beobachtungspunkt, der einen großflächigen Überblick über das kurkölnische Gebiet gewährleistete. Die Brücker Straße (heutige Olpener Straße), ein als Handelsstraße zwischen Köln und dem Bergischen Land genutzter breiter Feldweg, durchquerte die Felder grenzüberschreitend.Geschichts- und Heimatverein Rechtsrheinisches Köln e. V.: Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde Band 22, Eigenverlag, Köln 1996, S. 39 mini|Am oberen Bildrand der neue Verlauf der Frankfurter Chaussee, die gestrichelte Linie zeigt den alten Verlauf. Die zum heutigen Stadtteil Höhenberg zusammengefassten Gebiete südlich der Olpener Straße gehörten zur Gemeinde Vingst, die nördlich gelegenen zu Kalk. Die Gebiete östlich der Höhenberger Straße waren der Gemeinde Merheim zugeordnet. Ein kleinerer Bereich im Nordosten, rund um den heutigen Mülheimer Friedhof, gehörte zu Buchheim. Der Verlauf der Frankfurter Chaussee (heutige Frankfurter Straße), die von Kaufleuten zur Umgehung des Kölner Stapelrechts genutzt wurde, entsprach der heutigen Wegführung der Germania- und der Oranienstraße. Da dieser Verlauf kurkölnisches Gebiet berührte, mussten die Kaufleute Wegezoll entrichten. Die Zahlung des Wegezolls war für die Kaufleute günstiger als die defizitäre Feilbietung ihrer Waren im Kölner Stapelhaus.

1768 begradigte das Herzogtum Berg die Straße, sodass sie parallel zur Landesgrenze verlief. Durch diese Begradigung war ein zollfreier Weg zwischen den zum Herzogtum gehörenden Rheinhäfen Mülheim und Zündorf geschaffen worden. Nach der 1803 im Reichsdeputationshauptschluss festgelegten Säkularisierung des kurkölnischen Gebietes wurden die rechtsrheinischen Besitztümer an das Herzogtum Nassau-Usingen übertragen. Nach dem Wiener Kongress erhielt Preußen alle Gebiete des heutigen Stadtteils. Trotz der verkehrsgünstigen Lage des Gebietes an der Kreuzung Frankfurter Chaussee/Brücker Weg siedelten sich dort keine Menschen an – erst auf Karten des Jahres 1863 ist das einzelne Chausseehaus Hohenberg verzeichnet.

Erste Bebauung des Gebietes mini|Gründerzeithäuser an der Olpener Straße mini|St. Elisabeth um 1910 Auf Buchheimer Gebiet nahm um 1870 das Hochofenwerk Germania den Betrieb auf. Als sich die Stahlindustrie unmittelbar nach der Firmengründung wegen der geringeren Transportwege der Rohstoffe Erz und Kohle im Ruhrgebiet konzentrierte, war die dezentrale Produktion von Stahl durch die damit verbundenen hohen Eisenbahntransportkosten nicht mehr konkurrenzfähig, sodass das Werk schon wenige Jahre später den Betrieb einstellen musste und in Konkurs ging.Heinrich Bützler: Geschichte von Kalk und Umgebung. Bilder aus alter und neuer Zeit. Eigenverlag, Köln 1910, S. 58 Die preußische Verwaltung erbaute im Zuge der Anlage des Äußeren Festungsrings Köln kurz hinter der heutigen Stadtteilgrenze zu Merheim am Nohlenweg das Fort X. Der Umkreis von 600 Metern dieses Forts musste deshalb nach den preußischen Rayonbestimmungen unbebaut bleiben. Im Jahre 1896 enteignete die preußische Regierung das Gebiet der Merheimer Heide, um dort einen Truppenübungsplatz für die Soldaten der Hacketäuerkaserne und der Kronprinzenkaserne anzulegen. In den Garnisonsstandorten Mülheim und Kalk war, bedingt durch die fortschreitende Industrialisierung, keine ausreichende zu diesem Zweck nutzbare Fläche vorhanden.Gereon Roeseling: Zwischen Rhein und Berg. Bachem, Köln 2003, S. 104

Zur Jahrhundertwende fand die erste nennenswerte Bebauung auf Merheimer Gebiet statt. Dort wurden einige mehrstöckige Mietshäuser als Wohnraum für die Beschäftigten der Mülheimer und Kalker Fabriken errichtet. Die zuständige Kreisstadt Mülheim am Rhein richtete 1904 an der Frankfurter Straße eine provisorische, aus Holzbaracken bestehende Schule für 125 Schüler ein. Auf dem gegenüberliegenden 20 Hektar großen Grundstück legte die Stadtverwaltung den Mülheimer Friedhof an, der am 30. November 1904 eröffnet wurde. Die katholischen Gläubigen erhielten im Jahre 1905 trotz Widerstands der Nachbargemeinde Vingst, die deutlich größer war und nur eine Notkirche hatte, die Genehmigung für den Bau eines Gotteshauses. Nachdem die Finanzierung gesichert war, wurde die Backstein-Hallenkirche St. Elisabeth zwischen 1908 und 1910 erbaut. Die Kirchenweihung erfolgte am 18. Dezember 1910. Im Juni 1911 wurde aus Teilen der umliegenden Pfarrgemeinden die Gemeinde St. Elisabeth gegründet, zunächst als Rektorat der Pfarre St. Mauritius in Buchheim, ab 1918 dann als eigenständige Pfarre.

Mit der Vorortbahnlinie B von Köln nach Brück (1906) der Kölner Verkehrsbetriebe, welche die Olpener Straße befuhr und der O nach Opladen der Mülheimer Kleinbahn (1909), die an der Frankfurter Straße ihre Starthaltestelle hatte, wurde das Gebiet an das Nahverkehrsnetz angeschlossen, sodass für die Bewohner eine gute Verbindung zu den benachbarten Industriestandorten entstand. Die Kalker und Vingster Gebiete zählten ab dem 1. April 1910 zum Kölner Stadtgebiet, am 1. April 1914 wurden die Merheimer und Buchheimer Flächen ebenfalls ins Kölner Stadtgebiet eingegliedert.

Während des Ersten Weltkrieges pachtete der Sport- und Spielverein 05 Köln e. V. (später SSV Vingst 05) ein Brachgelände an der heutigen Germaniastraße und legte dort sein Vereinsgelände mit einem Sportplatz an., Zugriffsdatum 20. August 2008

Entwicklung zum Stadtteil mini|Germaniasiedlung, Erfurter Straße Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft AG das 17,7 Hektar große Gelände des ehemaligen Hochofenwerks. Die Planungen der GAG sahen vor, dort eine reine Einfamilienhaussiedlung mit rund 1000 Wohneinheiten zu bauen. Während der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts zwischen Meininger- und Germaniastraße (1919) stellte der Bauherr angesichts des zu erwartenden Bevölkerungszuwachses die Planungen um und beschloss, ab dem zweiten Bauabschnitt vorwiegend Mehrfamilienhäuser in zwei- bis dreigeschossiger Bauweise zu errichten, sodass bis 1928 insgesamt 1500 Wohneinheiten entstanden. Neben einigen kleineren Geschäften für den täglichen Lebensbedarf wurde an der Weimarer Straße die Jung-Siegfried-Schule erbaut, die neben einer katholischen Volksschule auch eine damals umstrittene Freie Schule für konfessionslose Kinder beherbergte. Die Straßen innerhalb der Siedlung wurden alle nach Städten in Thüringen benannt, der Heimat der Höhenberger Schutzpatronin Elisabeth. Die Germaniasiedlung war zu diesem Zeitpunkt eine der größten zusammenhängenden Wohnsiedlungen Deutschlands. Bedingt durch den mit dem Großsiedlungsprojekt zusammenhängenden Bevölkerungszuwachs, wurde vom Rat der Stadt Köln beschlossen, Höhenberg ab 1927 als eigenständigen Stadtteil zu führen.Gereon Roeseling: Zwischen Rhein und Berg. Bachem, Köln 2003, S. 130ff

Ab 1920 wurden östlich der Frankfurter Straße mehrere Sportanlagen für Leichtathletik und Fußball angelegt. Dem damals in der höchsten westdeutschen Fußballklasse spielenden VfR Köln 04 rrh. wurde von der Stadt ein Stadion mit einem Fassungsvermögen von 30.000 Zuschauern zur Verfügung gestellt. Auch der TuS Köln rrh. fand auf dem neuen Gelände seine Heimat.Geschichts- und Heimatverein Rechtsrheinisches Köln e. V.: Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde Band 16, Eigenverlag, Köln, 1990, S. 134 mit Luftbild aus dem Jahre 1926 Das östlich des Sportanlage liegende Gelände der Merheimer Heide, welches die preußische Armee vor dem Ersten Weltkrieg militärisch nutzte, wurde auf Initiative des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer am Ende der 1920er-Jahre zu einer Grünanlage umgestaltet.Webseite der Stadt Köln Auf den Spuren des preußischen Kölns im Rechtsrheinischen, Zugriffsdatum 8. März 2009 mini|Häuserzeile Münchener Straße Neben der Germaniasiedlung entstanden an der Olpener Straße zahlreiche Wohngebäude mit verschiedenen Ladenlokalen sowie einem Lichtspieltheater. Die Sparkasse zu Köln eröffnete am 25. Februar 1930 eine Filiale an der Ecke Olpener-/Fuldaer Straße. Die Gebrüder Oebel gründeten in den 1920er-Jahren die Großbäckerei Rheinbrot an der Oranienstraße. Die Fabrikationsgebäude der ehemaligen Apfelkrautfabrik Müller an der Höhenberger Straße wurden 1932 durch die Firma Postel übernommen, die patentierte Spritzgussteile für Reißverschlüsse herstellte. Dort waren in den 1930er-Jahren bis zu 120 Mitarbeiter beschäftigt. Auf den ehemaligen Baumplantagen der Apfelkrautfabrik an der Münchener Straße errichtete der Schausteller Ernst Hartkopf mehrere Häuserzeilen in dreigeschossiger Bauweise mit ausgebauten Dachstühlen.

Zeit des Nationalsozialismus Im Jahre 1933 übernahmen die Kölner Verkehrsbetriebe die Mülheimer Kleinbahn. Ein Jahr später wurde der Betrieb der Vorortbahnlinie O, im Volksmund auch „Müllemer Schöckelpäd“ (hochdeutsch: Mülheimer Schaukelpferd) genannt, zwischen Mülheim und Höhenberg eingestellt und durch eine Buslinie ersetzt.