Ilversgehofen ist ein Stadtteil der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt, nördlich des Zentrums gelegen mit 12.300 Einwohnern auf einer Fläche von 2,74 km².

Der Stadtteil liegt an der Magdeburger Allee in der Talaue der Gera zwischen den Gründerzeitvorstädten Erfurts im Süden und den Plattenbaugebieten von Erfurt-Nord im Norden. Das Dorf wurde ab dem späten 19. Jahrhundert industrialisiert und entwickelte sich zu einem Arbeiterort mit etwa 13.000 Einwohnern bei der Eingemeindung nach Erfurt 1911. Seit dem späten 20. Jahrhundert befindet sich Ilversgehofen im Umbruch durch den Wegfall industrieller Arbeitsplätze und ist durch einen starken Strukturwandel gekennzeichnet.

Geografie Ilversgehofen liegt im Nordteil des bebauten Erfurter Stadtgebiets. Angrenzende Stadtteile sind die Andreasvorstadt im Westen, die Johannesvorstadt im Süden, der Johannesplatz im Südosten, Hohenwinden im Osten und Norden und das Rieth im Nordwesten.

Das Gelände Ilversgehofens ist durchgehend flach und liegt zwischen 180 Metern Höhe im Norden und 190 Metern Höhe im Süden. Das Ortszentrum liegt am Salpeterberg, einem kaum wahrnehmbaren Hügel, der jedoch etwas mehr Schutz vor Hochwasser bietet, als umliegende Flächen und deshalb zur Anlage einer Siedlung geeignet war. Ilversgehofen liegt an der Schmalen Gera, einem Nebenarm der Gera. Sie selbst bildet die Westgrenze Ilversgehofens, während im Süden der Papiermühlenweg, im Osten die Sangerhäuser Bahn und im Norden die Straße An der Lache die Ortsflur begrenzen. Früher gehörten auch Teile des heutigen Rieths und des Johannesplatzes zur Ilvergehofener Flur, heute jedoch bilden sie eigene Stadtteile. Ilversgehofen gliedert sich grob in Wohngebiete im Süden und Industriegebiete im Norden.

Geschichte mini|Karte von Ilversgehofen (1843) Ilversgehofen wurde 1145 erstmals urkundlich erwähnt. Zunächst gehörte es den Grafen von Gleichen, jedoch war es bis zum 13. Jahrhundert ein sogenanntes Küchendorf und musste an das Erzbistum Mainz (Stadt Erfurt) Abgaben leisten. 1490 konnte Erfurt seinen großen Landbesitz nicht mehr allein verwalten und bildete Vogteien. Ilversgehofen gehörte nun zur Vogtei Stotternheim. 1554 gab es auf der Ilversgehofener Flur eine Heuschreckenplage, die zu einer Hungersnot führte. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort 1637 zerstört, nur sechs Einwohner überlebten. Ab 1706 gehörte er zum Amt Gispersleben.

Im Siebenjährigen Krieg wurde das Dorf sowie die Johannesflur 1757 zum Hauptquartier der von Friedrich dem Großen und Prinz Heinrich angeführten preußischen Truppen. Der "Alte Fritz" wohnte im Bechmannschen Haus, dessen Gedenktafel beim Neubau auf dem Grundstück Hans-Sailer-Straße 62 verloren ging.

1802 kam der Ort mit dem Erfurter Gebiet zu Preußen und zwischen 1807 und 1813 zum französischen Fürstentum Erfurt. 1813 kam es in den Befreiungskriegen erneut zu schweren Kämpfen zwischen Franzosen und Preußen in der Nähe des Ortes. In der Nacht des 5. November 1813 plünderten in Erfurt stationierte französische Truppen den vor der Festung Erfurt liegenden Ort und brannten ihn teilweise nieder, um freies Schussfeld gegen die belagernden preußischen und russischen Soldaten zu haben. Anders als Daberstedt wurde Ilversgehofen danach allerdings wieder aufgebaut. Mit dem Wiener Kongress kam der Ort 1815 wieder zu Preußen und wurde 1816 dem Landkreis Erfurt in der preußischen Provinz Sachsen angegliedert.

Um 1850 setzte langsam die Industrialisierung ein und das Dorf wandelte sich von einem Ackerdorf mit jahrhundertealten Mühlenbetrieben zu einem bedeutenden Industriestandort. 1820 wurde dort die Firma Born gegründet, die noch heute Senf produziert, der in ganz Thüringen vertrieben wird. 1862 begann in der Johannesflur bei Ilversgehofen der Steinsalz-Abbau.

1870/71 befand sich während des Deutsch-Französischen Krieges in Ilversgehofen ein Lager für französische Kriegsgefangene.

Seit etwa 1880 sind Erfurt und Ilversgehofen aneinander „gewachsen“. 1883 erhielt der Ort einen Anschluss an die Erfurter Pferde-Straßenbahn, nachdem es schon 1869 mit dem heutigen Bahnhof Erfurt-Nord der Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft einen Eisenbahnanschluss an die Bahnstrecken Erfurt–Nordhausen und Erfurt–Nottleben (1926–1994) erhalten hatte. 1894 wurde die Pferdestraßenbahn in eine elektrisch betriebene Straßenbahn umgewandelt.

Die Eingemeindung Ilversgehofens nach Erfurt erfolgte am 1. April 1911.Steffen Raßloff: Das Denkmal zur Eingemeindung Ilversgehofens 1911. In: Thüringer Allgemeine. 25. Februar 2012. Damit ist es der erste Ort, der nach Erfurt eingemeindet wurde. Es war vor der Eingemeindung Erfurts größter Vorort. Damals waren auch die sozialen Probleme in Ilversgehofen am größten, galt es doch als armer Arbeiterstadtteil.

Auf diese Zeit bezieht sich die abwertende Benennung von Ilversgehofen und andere Arbeiterviertel im Norden Erfurts Blechbüchsenviertel.

Während des Ersten Weltkriegs waren, unter anderem in einer Zeltstadt, bis zu 17.000 Kriegsgefangene in Ilversgehofen. Wie schon in Kriegen zuvor diente der heutige Johannesplatz als Standort des Lagers. Daran erinnert heute der Name der Lagerstraße im Südosten Ilversgehofens.

Viertel Viertel(nicht offiziell)Blockgruppen. (PDF; 3,5 MB) In: erfurt.de, abgerufen am 18. November 2017.(offiziell)Fläche (km²)Satellitenmessung mit Google Earth, dabei kann es zu geringen Abweichungen (<3%) kommen.Einwohner (2000). (PDF; 1,3 MB) S. 49. In: erfurt.de, abgerufen am 18. November 2017.Einwohner (2007). (PDF; 937 kB) S. 54. In: erfurt.de, abgerufen am 18. November 2017.Einwohner (2015)Bevölkerungsstatistik 2015. (PDF; 3,2 MB) S. 56 ff. In: erfurt.de, abgerufen am 18. November 2017.BevölkerungsdichteIndustriegebiet Ilversgehofen/Wohngebiete Grubenstraße, Jacobsenviertel und Steinhügel(Ilversgehofen nördlich der Linie Roststraße – Nordhäuser Bahn)2411 + 2412 + 2413 + 24141,531.0251.1121.7991.176Tiergarten(Riethstraße – Wermutmühlenweg – Gera)2421 + 2424 + 24250,413.8903.7073.5158.573Neu-Ilversgehofen(Gera – Roststraße – Nordhäuser Bahn – Friedrich-Engels-Straße – Ammertalweg – Magdeburger Allee – Braunstraße – Hans-Sailer-Straße)2422 + 2423 + 24270,402.6662.7593.0817.703Alt-Ilversgehofen(Wermutmühlenweg – Wendenstraße – Magdeburger Allee – Braunstraße – Tiergartenstraße)24260,181.0181.3481.5658.694Ilversgehofen-Süd(Wendenstraße – Magdeburger Allee – Papiermühlenweg – Nettelbeckufer)24280,231.3151.5551.7447.583 mini|Im Jacobsenviertel von 1925 im Norden Ilversgehofens mini|Am Ilversgehofener Platz, dem Quartiersmittelpunkt mini|Die Martinikirche ist die ehemalige Dorfkirche Ilversgehofens mini|Die Hans-Sailer-Straße im Süden Ilversgehofens mit der typischen Bebauung aus alten Mietshäusern

Industriegebiet und nördliche Wohngebiete Das Industriegebiet Ilversgehofen war lange Zeit einer der bedeutendsten Gewerbestandorte in Erfurt und wird auch heute noch durch viele Betriebe des produzierenden Gewerbes genutzt. Größter ansässiger Betrieb war die 1902 gegründete Maschinenbaufabrik von Henry Pels, aus der das Kombinat Umformtechnik hervorging. Nach der Wiedervereinigung gehörte das Werk zur Müller Weingarten AG, die 2011 in der Schuler AG aufging (diese gehört mittlerweile zum österreichischen Andritz-Konzern). Außerdem befinden sich beispielsweise ein Werk von Siemens zur Generatorenproduktion und die Erfurter Malzwerke im Industriegebiet. Allerdings gibt es dort auch einen großen Anteil brachliegender Flächen.

In diesem Teil Ilversgehofens befinden sich nur wenige Wohngebiete. Die ältesten Häuser stammen aus der Zeit um 1900 und befinden sich unmittelbar nördlich des Bahnhofs an der Magdeburger Allee. Die übrigen Wohngebiete entstanden im Wohnungsbau privater Gesellschaften der 1920er- und 1930er-Jahre in Stilformen des Neuen Bauens. Vorbildlich restauriert wurde 2007 das Jacobsenviertel, das zwischen 1925 und 1927 nach Plänen von Otto Jacobsen errichtet wurde und nach der Wiedervereinigung durch die kommunale Wohnungsbaugesellschaft aufgegeben wurde und abgerissen werden sollte. Nach dem Ankauf durch einen Privatinvestor konnte es jedoch als Beispiel des Wohnungsbaus der 1920er-Jahre erhalten werden. Ähnliche Viertel befinden sich auch an der Salinenstraße, der Grubenstraße und weiter nördlich am Steinhügel. In diesen ist allerdings der Leerstand hoch und der Sanierungsstand schlechter, auch wenn der Abriss zurzeit nicht zur Debatte steht. Schwierigkeiten bei der Vermarktung der Wohnungen stellen neben der peripheren Lage in der Stadt im Industriegebiet auch das schlechte Image der Gegend und tatsächliche soziale Probleme dar. So erhielt beispielsweise die NPD bei der Landtagswahl in Thüringen 2009 bei einer Wahlbeteiligung von nur 30,7 % in diesem Stimmbezirk 10,7 % der Zweitstimmen und lag damit weit über dem Erfurter Durchschnitt von 3,3 %.

Im Viertel befindet sich das Sportforum Grubenstraße, das Heimstadion des Fußballvereins FC Erfurt Nord.

Tiergarten Der Tiergarten liegt westlich des alten Dorfkerns in der Aufläche zwischen der Gera im Westen und der Schmalen Gera im Osten. Hier dominieren zwei Bebauungsarten. Zum einen kleine Reihenhäuser, die während der Wirtschaftskrisen zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg entstanden und mit ihren großen Gärten damals zur Selbstversorgung ihrer arbeitslos gewordenen Bewohner dienen sollten. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden Altneubauten, bis die gesamte Fläche des Viertels bebaut war. Heute stellt der Tiergarten damit im Gegensatz zum übrigen Ilversgehofen eher ein kleinbürgerliches Viertel mit geringem Wohnungsleerstand dar.

Neu-Ilversgehofen Bei diesem Viertel handelt es sich um eine planmäßig angelegte Neustadt östlich des alten Dorfkerns, die um 1900 entstand. Es dominieren Mietshäuser, wie es sie auch in anderen Arbeitervierteln Erfurts aus der wilhelminischen Zeit gibt. Die Magdeburger Allee wurde als Hauptstraße angelegt. An der Gabelung der Straße in Richtung Osten, Johannesplatz, Mittelhausen und Stotternheim wurde eine repräsentative neue Mitte mit einer Parkanlage und dem Unionkino (Ilversgehofener Platz bzw. Platz der Jungen Pioniere). An der schon vorher vorhandenen Salinenstraße sind noch kleine Bergmannshäuser erhalten, in denen die Arbeiter der Salzbergwerke im Osten Ilversgehofens wohnten. An der Magdeburger Allee liegt der Bahnhof Erfurt Nord, der den Stadtteil seit 1869 (damals Bahnhof Ilversgehofen) an das Eisenbahnnetz anschließt.

Alt-Ilversgehofen Dieses Viertel ist der ehemalige Dorfkern Ilversgehofens. Er liegt zwischen der Schmalen Gera im Westen und der Magdeburger Allee im Osten rund um die Martinikirche, die ehemalige Dorfkirche. Die 1894 eingeweihte katholische Kirche „St. Josef“ befindet sich unmittelbar neben der Furt der Schmalen Gera. Die Bebauung ist stark durchmischt und stellenweise noch durch dörfliche Gebäude mit Wohn- und Gewerbenutzung geprägt, während sich daneben auch städtische Mietshäuser aus der wilhelminischen Zeit finden. Dazwischen befinden sich Grünanlagen, die teilweise nach dem Abriss von Fabriken angelegt wurden.

Ilversgehofen-Süd Der südliche Teil Ilversgehofens ist ein typisches Arbeiterquartier mit Mietshäusern, die jedoch etwas kleiner sind als jene angrenzender Viertel. Durch seine günstige Lage näher am Stadtzentrum, am Nordpark und an der Universität Erfurt konnte das Viertel seit 2000 neue Einwohner anziehen und der Leerstand ging zurück. Früher dominierte die typische Durchmischung von Wohnhäusern an der Straße und Gewerbebetrieben in den Innenhöfen der Häuserblocks. Die Straßen in Ost-West-Richtung haben überwiegend ihre alten Flurnamen behalten, während einige in Nord-Süd-Richtung ausgerichteten nach Militärpersönlichkeiten benannten Straßen an die Machtverhältnisse angepasst wurden, so zum Beispiel die Alte Fritz Straße, ebenso wie die im angrenzenden Andreasviertel befindlichen Schwerinstraße, Nostitzstraße, Blücherstraße. Am Nettelbeckufer befanden sich die Lessingschule aus dem Jahr 1915 und das Aquarium des Zooparks.

Einwohnerentwicklung