mini|Haus Fürsteneck, 1901(Fotografie von Carl Friedrich Fay) mini|Position des Gebäudes in der Frankfurter Altstadt(Chromolithografie, 1904) Das Haus Fürsteneck, häufig nur Fürsteneck genannt, war ein historisches Gebäude in der Altstadt von Frankfurt am Main. Es lag östlich des Doms in einem stumpfen Winkel an der südöstlichen Ecke des sogenannten, sich hier zur Fahrgasse hin öffnenden Garküchenplatzes; die Hausanschrift war Fahrgasse 17. Vor allem wegen seiner in großen Teilen erhaltenen Inneneinrichtung aus der Zeit der Renaissance, aber auch wegen seines hohen architektonischen und historischen Wertes zählte das Mitte des 14. Jahrhunderts errichtete Haus zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Im März 1944 wurde das Fürsteneck durch die alliierten Bombenangriffe auf Frankfurt vollständig zerstört, die ausgelagerte Inneneinrichtung verbrannte zeitgleich im Museum für Kunsthandwerk. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Parzelle des Gebäudes modern überbaut, so dass es zu den verlorenen Baudenkmälern der Frankfurter Altstadt gezählt werden muss.

Geschichte Vorgeschichte und Entstehungszeit mini|Karte der Frankfurter Altstadt um 1350 mit dem Fürsteneck nach den Aufzeichnungen des Baldemar von Petterweil, übertragen auf den Stadtplan von Christian Friedrich Ulrich von 1811(Lithografie) Wie der Großteil des Geländes östlich des Domes gehörte auch die Parzelle, auf dem das Fürsteneck entstand, zum alten Frankfurter Judenviertel. Erwähnung findet das Gelände erstmals 1362, also nur 13 Jahre nach dem bis dato schlimmsten Pogrom, bei dem die gesamte jüdische Bevölkerung der Stadt ermordet wurde. Die BehauptungOertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main – Band II. Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1861–1875 des Stadthistorikers Battonn, der Vorgängerbau des Fürsteneck habe einer jüdischen Familie namens Liepmann gehört, kann aufgrund nicht existierender Nachweise der reinen Spekulation zugeordnet werdenDie Baudenkmäler von Frankfurt am Main – Band 3, Privatbauten. Selbstverlag/Völcker, Frankfurt am Main 1914, S. 26–34. Die Häuser des Viertels, die in der Folge der Vernichtung der jüdischen Gemeinde nicht niedergebrannt worden waren, beschlagnahmte die Stadt, die Grundstücke wurden erst vermietet und später auch verkauft.

So gelangten vermutlich in den 50er Jahren des 14. Jahrhunderts auch Johann von Holzhausen und seine Frau Guda in den Besitz des Fürsteneck-GeländesEin Baudenkmal Altfrankfurts – Das Haus zum Fürsteneck. In: Frankfurter Verkehrsverein (Hrsg.): Frankfurter Wochenschau. Bodet & Link, Frankfurt am Main 1937, S. 513–517. Die Familie von Holzhausen zählt zu den bedeutendsten Adelsfamilien des Mittelalters in Frankfurt: Johann war, wie viele seiner Nachfahren, Ratsherr, Bürgermeister sowie Mitglied der bis heute existierenden Ganerbschaft Alten Limpurg.

Ein überlieferter, umfangreicher Vertrag vom 18. Mai 1362, den die von Holzhausen mit ihren Nachbarn schlossen, gibt erstmals zeitlich genaue Auskunft über die Besitzstandsverhältnisse und baulichen Ereignisse der Zeit. Demnach vereinbarte man mit den Nachbarn, dem Ehepaar Heinz und Gerhus Byrbruwer, einen steinernen Giebel zwischen den beiden Grundstücken zu errichten, der den Firstbalken des Nachbarhauses mittragen sollte. Auch wenn längst nicht der komplette Hausbau beschrieben wird, ist schon der Hinweis auf die offenbar überragende Höhe des Neubaus genug, um auf das Fürsteneck zu schließen, da es bis ins 20. Jahrhundert hinein in seinem städtebaulichen Umfeld das, vom Dom einmal abgesehen, überragende Gebäude der östlichen Altstadt blieb. Auch die meisten baugeschichtlichen Beschreibungen des 20. Jahrhunderts datieren den Bau des Fürstenecks auf 1362, womit es eines der frühesten Häuser seines Typs war, von denen heute nur noch das Steinerne Haus am Markt erhalten ist. Die Bezeichnung als Fürsteneck taucht historisch belegt erstmals 1399 auf, unklar bleibt die Etymologie des Hausnamens. Das -eck als Silbe im Hausnamen war im alten Frankfurt, das bis Mitte des 18. Jahrhunderts keine Hausnummern kannte, für Eckhäuser häufig und einleuchtend. Die erste Wortsilbe war möglicherweise schlicht eine im Volksmund überkommene Bezeichnung für ein Haus, in dem einer der bedeutendsten Patrizier seiner Zeit residierte.

mini|links|hochkant|Turm zu den drei Sauköpfen, 1905(Fotografie von Carl Andreas Abt) Im Gegensatz zu den anderen gotischen Steinbauten der Frankfurter Altstadt wies das Fürsteneck allerdings von Anfang an einige Besonderheiten auf, die zum einen in der Geschichte, zum anderen in der Lage des Gebäudes zu erklären sind. Der gesamte Häuserblock, in dem das Fürsteneck auf den meisten historischen Bildern des 19. und 20. Jahrhunderts eher eingebaut erscheint, existierte im 14. Jahrhundert nicht. Das Gebäude stand fast alleine, mit dem ihm vorgelagerten Turm zu den drei Sauköpfen (vgl. Bild) am östlichen Ende des damaligen Domfriedhofs. Das Gebäude erhielt sich bis ins 20. Jahrhundert, war jedoch zu dieser Zeit nicht mehr ohne weiteres zu erkennen, da es vor allem im 17. und 18. Jahrhundert mit neuen Häuser umbaut wurde; der Turm bildete somit die Rückseite des Hauses zum kleinen goldenen Hirsch (Hausanschrift: Garküchenplatz 3). Unter Sauköpfen, einem Wort altdeutschen Ursprungs, verstand man die, hier entsprechend drei zinnengekrönten Ecktürmchen des Wehrgangs auf seinem Dach, die in gleicher Form auch die vier Ecken des Fürstenecks schützten.

Die Anlage war weiter von einer acht Meter hohen Mauer umgeben, so dass sich zwischen dem Fürsteneck und dem als Bergfried dienenden Turm zu den drei Sauköpfen eine Art Burghof befand, welcher auch Ställe beherbergte. Der Merian-Plan von 1628 (vgl. Bild) lässt diesen Bauzustand noch erahnen, allerdings ist er gerade hier ungenau und erweckt den Anschein, als ob zwischen Fürsteneck und Turm kaum Platz für einen Hof sei; der maßstabsgetreue Ravenstein-Plan von 1862 (vgl. Bild) offenbart dagegen die Bausituation, beinhaltet andererseits aber schon die Neubauten. Der Blick auf den Turm wird auf den meisten neuzeitlichen Fotos durch das vorgelagerte Haus Badischer Hof mit der Anschrift Garküchenplatz 1 versperrt, das wohl im 18. Jahrhundert über die dort befindliche Burgmauer gebaut wurde. Die einst festungsartige Konstruktion begründete sich in den Gefahren der Zeit, 1355 hatten sich die Zünfte gegen die herrschenden Geschlechter erhoben; nur wenig später, 1364, ersetzte Johann von Holzhausen den Bürgermeister Jakob Knoblauch vor Ablauf seiner Amtszeit und drückte auch den zum zweiten Bürgermeister gewählten Volksführer Henne Wirbel aus seinem Amt. Ein Haus, das dem damals herrschenden Zorn der Straße widerstehen konnte, war demnach eine von Umsicht zeugende Investition.

Weiter war die Fahrgasse im 14. Jahrhundert eine der wenigen bereits gepflasterten Straßen und eine der Lebensadern Frankfurts. Über sie flutete von Süden über die Alte Brücke und von Norden durch die Bornheimer Pforte der Hauptverkehr in die Stadt. Einen festungsartigen Bau an dieser Straße zu besitzen, bedeutete Einfluss und Macht, was Holzhausen in seiner Position als Bürgermeister nur recht sein konnte. Nach seinem Tode am 7. Februar 1393 ging das Haus als Erbstück in den Besitz der Familie von Breidenbach über.

15. und 16. Jahrhundert mini|hochkant|Fürsteneck im ursprünglichen mittelalterlichen Zustand, vor 1791(Historisierende Zeichnung von Carl Theodor Reiffenstein, 1845) 1447 verkaufte Johann von Breidenbach das Fürsteneck für 1.530 Gulden an seinen mit Anna von Breidenbach verheirateten Schwiegersohn Wigand von Heringen, wie eine Urkunde der Zeit belegt. Auch hier ist die von Battonn aufgebrachte, jedoch selbst in der Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg noch unkritisch zitierte BehauptungFrankfurt um 1850. Kramer Verlag, Frankfurt am Main 1967, S. 196–199, das Haus habe in jener Zeit einem Philipp von Fürstenberg gehört, ohne historisch belegbare Untermauerung; gleichermaßen eine Verlegung des Baudatums in diese Zeit. Bereits die Literatur um die Jahrhundertwende, die vollen Zugriff auf die vor dem Zweiten Weltkrieg noch wesentlich vollständigeren städtischen Archivquellen hatte, verneint dies explizit. Eine weitere Bestätigung findet sich bei Fried Lübbecke in, einer der umfangreichsten und auch jüngsten Schriften zur Historie des Gebäudes überhaupt.

mini|links|Die südöstliche Altstadt mit dem Fürsteneck, 1552(Holzschnitt von Conrad Faber von Kreuznach) Auch der vorgenannte Wigand von Heringen war eine bedeutende Persönlichkeit der Frankfurter Stadtgeschichte. Wie die Steuerbücher des 15. Jahrhunderts belegen, zahlte er in dem Jahr, als er das Fürsteneck kaufte, die zweithöchste Steuer in Frankfurt überhaupt – 132 Pfund Heller. Entsprechend war er nicht nur einer der reichsten Männer der Stadt, sondern im direkten Vergleich auch des ganzen Heiligen Römischen Reichs. 1478 war er gar jüngerer Bürgermeister und starb, 99 Jahre nach von Holzhausen, 1492 wie dieser im Fürsteneck.

Das Haus blieb auch in den folgenden Jahrzehnten im Familienbesitz der von Heringen bzw. der mit ihnen verschwägerten Familie Hynsberg und Schleunitz zu Stauchitz. Nachdem das Fürsteneck zwei Jahrhunderte ununterbrochen im Besitz von Patriziern gewesen war, ging es 1582 erstmals an das, wenn auch hochstehende Bürgertum über, als der reiche Tuchhändler Siegfrid Deublinger es zusammen mit einigen umliegenden Häusern für 3.200 Gulden kaufte. Deublinger stammte aus einer reichen, aus Ulm nach Frankfurt eingewanderten Tuchhändlerfamilie und trat auch im Zusammenhang mit dem Bau des prächtigen Großen und Kleinen Engels am Markt in Erscheinung. Das Fürsteneck ließ er dagegen nur geringfügig renovieren, ohne es grundlegend zu verändern, wie Dokumente der Zeit berichten. Es blieb bis über das Ende des 16. Jahrhunderts hinaus in seinem Familienbesitz.

Das Fürsteneck zur Zeit der Renaissance mini|hochkant|Gebäude auf dem Merian-Plan Frankfurts von 1628 mini|Das Fürsteneck-Zimmer, Aquarell von Carl Theodor Reiffenstein, 1853 Um 1600 verkauften die Deublingers die westliche Hälfte der Anlage an die Familie Unckel, 1608 starb Siegfried Deublinger. Schon ein Jahr darauf verkauften die Erben Deublingers die übrigen Gebäudeteile an Dietrich Goßmann, der dafür 5.000 Gulden zahlte. Goßmann war 1596 als Tuchhändler und Hutstaffierer aus Düsseldorf ins Frankfurter Bürgerrecht eingetreten und erwarb 1616 auch das südlich an das Fürsteneck anstoßende Haus zur Wiede (Anschrift: Fahrgasse 15). Bemerkenswert ist die enorme Preissteigerung des inzwischen halbierten Grundstücks in der kurzen Zeit von 1582 bis 1609 von 3.200 auf 5.000 Gulden, hieran lässt sich gut ablesen, wie starke Zuwanderung von vermögenden niederländischen Calvinisten die Grundstückspreise in die Höhe trieb.

1610 schloss Goßmann mit dem westlichen Hausherren, der sich zu dieser Zeit schon Johann Karl Unckel zu den drei Sauköpfen nannte, einen umfangreichen, und in seinem wesentlichen Inhalt überlieferten Vertrag. Hieraus ist zu erfahren, dass beide Grundstücke vorher „eine einige, ganze und unzerteilte Behausung“ waren, die nun zerrissen wurde. Goßmann im Fürsteneck musste sich mit einem hochummauerten Brunnenhöfchen hinter dem Hause begnügen, und verpflichten, die übrigen Türen zum Hofe zuzumauern und die Fenster dorthin zu vergittern, damit der Nachbar, so der Vertrag weiter, „gegen Ausschütten, Werfen usw. gesichert“ sei. An diesem äußeren baulichen Zustand änderte sich nun bis ins späte 18. Jahrhundert nichts mehr.