mini|300px|Naturschutzgebiet „Oppenweher Moor“, Hochmoorweite eines der größten Moore an der Grenze Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens 300px|mini|Torfmoos-Schwingrasen auf verlandetem Hochmoorkolk
Hochmoore – weiter gefasst auch Regenmoore, Regenwassermoore oder ombrotrophe Moore (von „Regen“ und „genährt“ in Analogie zu Begriffen wie eutroph und oligotroph), in Oberbayern auch Filze – sind mineralsalzarme, saure und nasse Moore, die vorwiegend aus Torf aufgebaut sind, ausschließlich durch Niederschlagswasser gespeist werden und sich über dem mineralischen Boden („uhrglasartig“) aufwölben.Ernst Brunotte, Hans Gebhardt, Manfred Meurer, Peter Meusburger, Josef Nipper: Lexikon der Geographie. Spektrum, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-0416-9, Online-Ausgabe, Stichwort: Moore. Sie sind Lebensraum für eine an diese extremen Bedingungen angepasste Flora und Fauna. Allerdings werden auch abgetorfte – und damit abgeflachte –, degenerierte, ehemalige Hochmoore mit einer niedermoorähnlichen Artenzusammensetzung häufig weiterhin Hochmoor genannt.
Begriff Der Begriff Hochmoor leitet sich von den klassischen, uhrglasförmig aufgewölbten Mooren Nordwestdeutschlands ab. Aufgrund der Torfbildung wachsen sie mit der Zeit (rund 1 mm pro Jahr) in die Höhe. Sie gleichen gewissermaßen mit Wasser vollgesogenen Torfmoosschwämmen, die mehr oder weniger erhaben in der Landschaft liegen. Der etwas weiter gefasste Begriff Regenmoor, der von Michael Succow geprägt wurde, soll als Oberbegriff dienen und die eigentlichen Hochmoore von jenen flachen oder kaum gewölbten Torfmooren abgrenzen, bei denen im Gegensatz zu den grund- oder oberflächenwasserbeeinflussten und damit mineralsalzreichen Niedermooren das Wasser ebenfalls nur aus mineralsalzarmen Niederschlägen stammt (ombrotroph). Der Begriff Regenmoor findet jedoch weniger Verwendung; meistens werden auch solche Moore als Hochmoor bezeichnet. Diese Bezeichnung wird in den meisten Veröffentlichungen synonym für alle Regenmoore verwendet. Im englischen und internationalen Sprachraum findet man für ombrotrophe Moore die Bezeichnung bog.
Entstehung und Aufbau mini|links|Schichtung eines Hochmoores: Pflanzenreste, Weißtorf und Schwarztorf (von oben nach unten) mini|Wachstum eines „klassischen“ Hochmoores in Nordwestdeutschland mini|Moorprofil im Kayhauser Moor (Bad Zwischenahn)
Hochmoore werden im Gegensatz zu Niedermooren überwiegend aus Niederschlägen (Ombrotrophie) und durch aus der Luft eingetragene Mineralsalze versorgt und stellen damit einen speziellen hydrologischen, ökologischen und entwicklungsgeschichtlichen Moortyp dar, bei dessen Jahrhunderte bis Jahrtausende währendem Wachstum (auf der Nordhalbkugel) Torfmoose (Sphagnum) als Torfbildner eine entscheidende Rolle spielen. Meist sind die Hochmoore aus Niedermooren entstanden, indem sie durch andauernde Torfbildung aus dem Grundwasserniveau herausgewachsen sind. Ein lebendes Hochmoor benötigt zum Wachstum immer einen Wasserüberschuss, entweder in maritimen und/oder humiden Klimaten – wo gleichmäßig verteilte, hohe Niederschlagsmengen den Wasserverlust durch Abfluss und Verdunstung übersteigen – oder in kontinentalen und borealen Regionen, wo trotz geringerer jährlicher Niederschläge ein Überschuss entsteht, weil im Winter große Mengen als Schnee gespeichert werden, im Frühling rasch freigesetzt werden und die kühlen Temperaturen die Verdunstung gering halten. Zudem benötigen „echte“ Hochmoore passende edaphische Verhältnisse, das heißt, einen wasserstauenden, nährstoffarmen Untergrund, der durch seine Säure und geringe mikrobielle Aktivität die Torfbildung begünstigt.
Die (maritimen) Hochmoore in Europa entwickeln sich seit etwa 11.000 Jahren (Beginn des Holozän) nach dem Rückzug der letzten Eisschilde. Hinsichtlich ihrer Entstehung unterscheidet man Verlandungshochmoore und wurzelechte Hochmoore. Erstere sind sekundär aus der Verlandung von Seen oder aus verlandenden Altarmen von Fließgewässern hervorgegangen (siehe Abbildung rechts in der Sequenz). Es entwickelten sich zunächst Niedermoore unter Einfluss des Grundwassers (Mineralbodenwasser). Sauerstoffmangel und hoher Säuregrad (= niedriger PH-Wert) im ständig feuchten Substrat hemmen die Zersetzung von abgestorbenen Pflanzenteilen – vor allem von Seggen – und führen zur Torfbildung. So wächst das Hochmoor sehr langsam über das Niveau des Grundwasserspiegels, daher der Name Hochmoor. Nachdem der entstehende Torf langsam aus dem Einfluss des Mineralbodenwassers herauswuchs, schlug das Wachstum in eine Hochmoorbildung um, das heißt, diese Moore wurden von nun an nur noch vom mineralsalzarmen Regenwasser gespeist. Dies führt zu einem Rückgang der Gräser und einer starken Zunahme von Torfmoosen. Wurzelechte Hochmoore – auch Versumpfungsmoore genannt – entstanden dagegen direkt auf dem mineralischen Untergrund mineralsalzarmer Gebiete ohne vorherige Niedermoorbildung (siehe Abbildung links in der Sequenz) entweder als primäre Moorbildung durch Versumpfung vormals trockener Mineralböden, zum Beispiel infolge von Rodungen, Klimawandel, verminderter Versickerung, oder sekundär durch das Hinauswachsen eines Hochmoores auf den benachbarten Mineralboden. Die Bildung eines typischen Hochmoores ist ein sehr langsamer Prozess, der sogar bei günstigem, ungestörtem Ablauf Jahrhunderte bis Jahrtausende dauert. Weiterhin gibt es eine Reihe sogenannter Übergangs- und Zwischenmoore, die in unterschiedlichen Anteilen Merkmale von Hoch- und Niedermooren in sich vereinen (siehe Definition Moor).
Haupttorfbildner sind (auf der Nordhalbkugel) die wurzellosen Torfmoose, die nur langsam in die Höhe wachsen, während gleichzeitig der untere Teil unter Luftabschluss vertorft. Je nach geographischer Lage sind vorwiegend verschiedene Arten der Torfmoose am Aufbau der Hochmoore beteiligt. Viele Hochmoore auf der Südhalbkugel werden hingegen von Sauergräsern geprägt. Die Zuwachsrate an Torfsubstanz beträgt nur etwa einen Millimeter pro Jahr.
mini|links|Aufbau eines wachsenden Moores Wachsende Moore können in zwei Schichten unterteilt werden. Das Akrotelm (von „höchst, äußerst, an/auf der Spitze“ und „Sumpf, Pfütze“) ist der obere Bereich und umfasst die Vegetationsschicht und den Moorboden. Dort entstehen durch Wachstum und Absterben von Pflanzenteilen die frischen organischen Substanzen (Torfbildungshorizont). Das Katotelm (griechisch „hinunter, herab, nach unten“) ist der darunter liegende wassergesättigte Bereich mit geringerer biologischer Aktivität. Diese Schicht wird aufgrund der geringen noch ablaufenden bodenbildenden Prozesse zum geologischen Untergrund gezählt und als Torferhaltungshorizont bezeichnet. In Regenmooren wird die oberste Torfschicht Weißtorf genannt, da sie aus weitgehend unzersetzten hellbraunen Torfmoosen besteht. Bei der unteren Torfschicht handelt es sich um Schwarztorf, der schon gut humifiziert ist und eine schwarz-braune Färbung mit noch erkennbaren Pflanzenresten aufweist. Verbreitung mini|Verbreitung von Mooren auf der Erde; Hochmoore = blaue Farbtöne (Legende siehe Moor#Verbreitung)
Hochmoore kommen vor allem auf der Nordhalbkugel in kühlgemäßigt-ozeanischen Klimaten sowie in der südlichen bis mittleren kaltgemäßigten Zone ohne Permafrost vor: Demnach von Westeuropa bis nach Westsibirien, im küstennahen Raum des fernen Ostens sowie von der Südhälfte Kanadas bis in den Nordosten der USA. In der südlichen Hemisphäre gibt es vergleichbare Hochmoore in kleinen Gebieten Patagoniens, Süd-Australiens und Neuseelands. Alle Moore sind durch Torfabbau und Mineralsalzeinträge aus der Umgebung (Landwirtschaft, Industrie) stark gefährdet. Der Bestand intakter, nicht abgetorfter Hochmoore ist stark zurückgegangen.
Die größten Hochmoorflächen der Erde befinden sich im Wassjuganje-Moorsystem im Westsibirischen Tiefland und in der südlich der Hudson Bay liegenden Tiefebene. Die größten Regenmoore Europas liegen in Russland, gefolgt von den Britischen Inseln und Süd-Fennoskandinavien. Hochmoorwachstum begünstigende Bedingungen führen je nach Ökoregion zu typischen Regionalformen, die weiter untergliedert werden können. Die Großregionen (ohne Gebirgshochmoore, die in allen Gebirgen der Erde zerstreut vorkommen. Ziffern nach dem Global Peatland Hotspot Atlas):Alexandra Barthelmes, Cosima Tegetmeyer, Hans Joosten, Patrick Scheel: Global Peatland Hotspot Atlas: The State of the World’s Peatlands in Maps. United Nations Environment Programme (2024), ISBN 978-92-807-4197-1, DOI:10.59117/20.500.11822/46635, online, Karten „[…] peatland regionality map“ mit Bezug auf Draft peatland regionality maps for the World, Greifswald Mire Centre (2024), S. 9–10, 12–14. Für Europa aufgrund eines Fehlers (südliche Nordseeküste) stattdessen Karte European mire regions (vereinfacht nach A. Moen, H. Joosten, F. Tanneberger: Mire diversity in Europe: Mire regionality. In Mires and Peatlands of Europe. Status, Distribution and Conservation. Schweizerbart, Stuttgart, 2017; S. 97–150) aus DOI:10.3390/d13080381 verwendet, beide Quellen abgerufen am 9. Februar 2025.
Nordamerika XII Pazifische Hochmoore an der Westküste von Washington bis Südwest-Alaska einschließlich der Aleuten-Inseln IV Sphagnum- und Fichtenhochmoore von der Südhälfte Albertas in einem breiten Band quer durch die borealen Nadelwälder bis zur James Bay und weiter durch die gesamte Mitte der Halbinsel Labrador V Atlantische Hochmoore im südlich anschließenden Waldgebiet des Nordostens von den Großen Seen bis New York
Europa V Atlantische Hochmoore an fast allen Westküstenregionen Europas von Nord-Portugal bis Mittel-Norwegen, einschließlich ganz Irlands, dem Großteil Großbritanniens, der gesamten Nordseeküste einschließlich der Niederlande, Niedersachsens, Schleswig-Holsteins und ganz Dänemarks sowie schmalen Streifen an den Westküsten Schwedens und Norwegens IV Typische Hochmoore von Südschweden (außer der Ostküste) fast im gesamten Ostseeraum über Polens Küste, durch das gesamte Baltikum, den Norden von Belarus, den Süden Finnlands ostwärts durch die größten Teile Nordwestrusslands (ohne den hohen Norden) bis an den Ural. Zudem isoliert nördlich und westlich der Alpen VI Kontinentale Nieder- und Hochmoore in südlich anschließenden Waldgebiet von West-Polen und der Nord-Ukraine durch Russland bis an den Ural
Asien IV Typische Hochmoore in einem unregelmäßigen Streifen, der vom Ural ostwärts durch die gesamte Mitte des Westsibirischen Tieflandes verläuft sowie getrennt davon im fernen Osten in einem Gebiet von Korea über die östliche Mandschurei und den Westen und Norden Japans sowie Sachalin bis zur gesamten Halbinsel Kamtschatka.
Südamerika XXVI Südpatagonische Hartpolster-Niedermoore und Sphagnum-Hochmoore im südlichsten Fünftel Chiles XXI Hoch- und Deckenmoore von Feuerland
Ozeanien VII Tiefland-Restionaceae-Hochmoor, Niedermoor und Sumpf von Neuseeland IX Tasmanisches Button-Gras-Decken-Hochmoor und Hartpolster-Niedermoor
Auf der Südhalbkugel sind mineralsalzarme Moore selten aus Torfmoosen aufgebaut. Einzig auf den feuerländischen Inseln existieren „echte“ Torfmooshochmoore.
Hochmoorgebiete der Nordhalbkugel Asien Das westsibirische Moorgebiet umfasst allein 700.000 km². Die großen darin vorkommenden Hochmoore (IV Typische Hochmoore) erreichen im Zentrum Aufwölbungen bis zu 10 m. Sie gehören überwiegend zum Typ der Kermimoore. Sie werden auch als Strang- und Blankenmoore bezeichnet. Sie stellen die wohl bedeutendste Ausbildungsform der Hochmoore auf der Erde dar. Allein das Wassjugan-Moor in dieser Region, das größte Moorsystem der Erde, bedeckt mehr als 50.000 km². Die Torflager werden auf über 14 Milliarden Tonnen geschätzt.
Nordamerika