mini|Heinrich Joseph Kayser mini|Königlich Preußische Hochschule für bildende Künste (1899–1902) Heinrich Joseph Kayser (* 28. Februar 1842 in Duisburg; † 11. Mai 1917 in Berlin) war ein deutscher Architekt. Er war der Bruder des Zinngießers und Kunstgewerblers Engelbert Kayser.

Leben Heinrich Kayser war ein Sohn des Zinngießers Johann Peter Kayser, des Begründers der Firma J. P. Kayser & Sohn. In Krefeld, wohin die Familie gezogen war, trat er mit 14 Jahren in die Werkstatt seines Vaters ein. Er besuchte die damalige Provinzial-Gewerbe-Schule (spätere Oberrealschule) in Krefeld. Nach der Reifeprüfung 1859 arbeitete er ein Jahr lang als Schlosserlehrling in einer Maschinen-Bauanstalt in Bonn, begann dann eine Maurerlehre, arbeitete von 1861 bis 1863 auf dem Stadtbauamt in Bonn und machte 1863 die Gesellenprüfung. Von 1864 bis 1865 arbeitete er als Zeichner in der Hochbauabteilung des Magistrats in Berlin. Von 1866 bis 1867 besuchte er als Hospitant die Bauakademie in Berlin. Dort brachte Richard Lucae ihn mit Karl von Großheim zusammen. 1867 legte er die Prüfung als Maurermeister ab. 1869 und 1870 hatte er für August Orth die Leitung beim Bau des Schlosses in Zbirow in Böhmen. Nach einer Studienreise nach Italien war er als Innenarchitekt Mitinhaber der Firma Schultze & Co. in Berlin.

Das anschließend gemeinsam mit Karl von Großheim betriebene Architekturbüro Kayser und von Großheim mit Sitz in Berlin und Zweigbüro in Düsseldorf, dieses unter der Leitung und ab 1899 der Teilhaberschaft von Max Wöhler, war vor allem im großbürgerlichen Villenbau tätig, erhielt aber auch öffentliche Bauaufträge. So entwarfen sie die Pläne für das Reichsmilitärgericht am Witzlebenplatz und die Kunst- und Musikhochschule an der Hardenbergstraße in Berlin. In dem Büro waren unter anderem die Architekten Julius Graebner und Albert Gessner angestellt.

Kayser war lange im Vorstand des Vereins Berliner Künstler und 1879 Gründungsmitglied, 1882 Kassenführer und 1890 Vorsitzender der Vereinigung Berliner Architekten. Er heiratete 1885 Johanna Margarethe Wendt (1860–1917).Johanna Margarete Kayser. In: Find a Grave

Ehrungen 1876: Große goldene Medaille I. Klasse für Kunst der Kunstausstellung in München (gemeinsam mit Großheim) 1879: Große goldene Medaille für Kunst der Internationalen Kunstausstellung in München (gemeinsam mit Großheim) 1883: Mitglied der Akademie der Künste 1886: Große goldene Medaille für Kunst für die Kuppelhalle des Landesausstellungsgebäudes in Berlin (gemeinsam mit Großheim) 1891: Ernennung zum Königlichen Baurat 1897: Ordentliches Mitglied der Akademie des Bauwesens 1902: Mitglied des Senats der Akademie der Künste 1904: Ernennung zum Geheimen Baurat 1907: Verleihung des Titels Professor 1909: Ehrenmitglied des Architektenvereins zu Berlin 1912: Dr. Ing. e. h. der Technischen Hochschule Karlsruhe

Bauten (Auswahl) 1872/1873: Gebäude für die Norddeutsche Grund-Credit Bank in Berlin, Behrenstraße 7a 1879–1881: Villa Reichenheim für den Textilunternehmer Julius Reichenheim (1836–1905) in Berlin-Tiergarten, Rauchstraße 21 (später Sitz der Apostolischen Nuntiatur in Berlin; 1943 kriegszerstört) 1880–1882: Villa Hardt für die Brüder Heinrich und Richard Hardt in Berlin-Tiergarten, Tiergartenstraße 35/Friedrich-Wilhelm-Straße (kriegszerstört) 1881–1884: Umbau von Schloss Klitschdorf für den Grafen/Fürsten Johann Georg zu Solms-Baruth in Klitschdorf (Niederschlesien) (heute: Kliczków, Polen) (nach 1945 verfallen, 1999 wiederaufgebaut) 1882: Villa Gussow für den Maler Karl Gussow (1843–1907) in Berlin, Buchenstraße. In dem Haus waren auch ein Meister- und ein Schüleratelier integriert, Gussow betrieb hier eine private Kunstschule. 1883/1884: Bahnhof Berlin-Westend in Berlin-Charlottenburg, Spandauer Damm 89 (erhalten) 1883/1884: Geschäftshaus für seinen Bruder, Engelbert Kayser, in Köln, Hohe Straße 1884/1885: Villa für Robert Guthmann in Berlin-Wannsee, Am Sandwerder 5 (verändert erhalten) 1885: Villa für Alfred Schliz in Heilbronn, Hohe Straße 1886/1887: Geschäftshaus in Berlin (Drehersche Bierhalle), Leipziger Straße 109 (kriegszerstört) 1886–1888: Deutsches Buchhändlerhaus in Leipzig, Prager Straße (kriegszerstört) 1887/1888: Büro- und Geschäftshaus für die Pschorr-Bräu AG in Berlin-Mitte, Friedrichstraße (unter Denkmalschutz) 1890: Erweiterungsbau des Wäschekaufhauses und der Wäschefabrik Heinrich Jordan in Berlin-Kreuzberg, Markgrafenstraße 87/88 / Lindenstraße (1899 durch Kayser und von Großheim umgebaut oder erweitert, kriegszerstört)Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Teil VIII: Bauten für Handel und Gewerbe. Band A: Handel. Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1978, ISBN 3-433-00824-8, S. 136. 1890–1893: „Domhotel“ in Köln, Roncalliplatz (verändert erhalten) 1891: Villa für den Verleger Carl Müller-Grote, genannt Haus Erlenkamp, in Babelsberg, Karl-Marx-Straße 2 (erhalten). Das Haus diente während der Potsdam-Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 als Residenz des US-amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman und wurde von der amerikanischen Delegation „Little White House“ genannt. Seitdem ist das Haus als Truman-Villa bekannt. 1891: Jagdhaus für seinen Bruder, Engelbert Kayser in Schmelze (Eitorf) an der Sieg. 1894/1895: Wohnhaus Regentenstraße 19 für den Forschungsreisenden Wilhelm Joest 1895/1896: Geschäftshaus Gutschow in Berlin-Kreuzberg, Friedrichstraße 17 (unter Denkmalschutz)Gutschowhaus, fotografische Dokumentation der Restaurierung und des Ausbaus des Gebäudes zu hochwertigen Eigentumswohnungen, Berlin, Friedrichstrasse 17, 2012-2014. auf www.cordia-schlegelmilch.de, abgerufen am 19. Februar 2023. 1895/1896: Wohnhaus für den Verleger Paul Parey, genannt Villa Parey, in Berlin-Tiergarten, Sigismundstraße 4A (unter Denkmalschutz, zwischen 1991 und 1998 in den Neubau der Gemäldegalerie integriert) 1896/1897: Gebäude der Niederrheinischen Bank in Düsseldorf, Schadowplatz (unter Denkmalschutz) 1896/1897: Hotel Kölner Hof in Köln (1973 abgerissen) 1898/1899: Villa Thyssen für Clara und Joseph Thyssen in Mülheim an der Ruhr, Dohne 54 (restauriert und umgenutzt) 1899/1900: Doppelvilla Finkler in Bonn, heute Liegenschaft des Auswärtigen Amts 1899–1902: Königlich Preußische Hochschule für bildende Künste und Königlich Preußische Hochschule für Musik (zusammengehöriges Gebäudeensemble) in Berlin-Charlottenburg, Hardenbergstraße 1900: Villa Honig. in Hasserode 1900/1901: Verwaltungsgebäude der Lebens-Versicherungs-AG „Nordstern“ in Berlin-Mitte, Mauerstraße (nicht erhalten) 1900/1901: Villa Finkler in Bonn, heute: Universitäts-Kinderklinik 1901/1902: Villa Eschbaum in Bonn, heute: Universitäts-Kinderklinik 1901/1902: Verwaltungsgebäude des Saarbrücker Knappschaftsvereins in Saarbrücken-St. Johann (stark verändert erhalten) 1901/1902: Parkhotel in Düsseldorf, Corneliusplatz (verändert erhalten) 1902/1903: Wohnhaus nebst Atelieranbau für seinen Bruder, den Fabrikanten Engelbert Kayser in Köln, Machabäerstraße/Kaiser-Friedrich-Ufer 1902–1904: Reichsbank-Hauptstelle in Dortmund, Hiltropwall (1944 kriegszerstört) 1904/1905: Wohnhaus für den Buchhändler Hermann Stilke in Berlin-Charlottenburg, Bellstraße (verändert erhalten, genutzt durch die Technische Universität Berlin) 1905/1906: Villa für den ehemaligen Major Carl Geisberg in Berlin-Schöneberg, Ahornstraße 4, seit 1999 Sitz für die Kroatische Botschaft in Berlin (Baudenkmal) 1906 (?): Villa für den Fabrikanten Carl Berg in Lüdenscheid, Hohfuhrstraße (unter Denkmalschutz) 1908–1910: Reichsmilitärgericht in Berlin-Charlottenburg, Witzlebenstraße 1910/1911: Warenhaus für die A. Wertheim GmbH in Berlin-Mitte, Königstraße (spätere Rathausstraße; kriegszerstört)

Literatur

Kayser, Heinrich. In: Hermann Alexander Müller, Hans Wolfgang Singer (Hrsg.): Allgemeines Künstler-Lexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Band 6. Rütten & Loening, Frankfurt am Main 1922, S. 155; . Wolfram Hagspiel: Berliner Glanz in Rheinischen Städten. In: polis, 11. Jahrgang, 2000, Heft 1, S. 44 ff. Christine Breig: Der Villen- und Landhausbau in Stuttgart 1830–1930. Hohenheim, Stuttgart / Leipzig 2000, ISBN 3-89850-964-8, S. 528.

Weblinks

in der Berliner Denkmaldatenbank

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt des Historismus Kategorie:Architekt (Berlin) Kategorie:Mitglied der Preußischen Akademie der Künste

Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1842 Kategorie:Gestorben 1917 Kategorie:Mann Kategorie:Person (Reichsmilitärgericht)