Františkovy Lázně (; deutsch Franzensbad) ist eine Stadt im Westböhmischen Bäderdreieck. Sie liegt fünf Kilometer nördlich von Cheb (Eger) in der Karlsbader Region und erlangte Bekanntheit als Kurort.

Das historische Stadtzentrum wurde 1992 zum städtischen Denkmalschutzgebiet erklärt. Seit 2021 zählt Franzensbad zusammen mit 10 weiteren bedeutenden Kurstädten Europas zum UNESCO-Welterbe.

Lage

Františkovy Lázně befindet sich östlich des Waldgebietes Luženský les (Kammerwald) am Slatinný potok im Egerbecken. Südlich erhebt sich der Komorní hůrka (Kammerbühl, 503 m), ein erloschener Vulkan und ein Naturdenkmal in Tschechien.

Unmittelbar Stadtkern vorbei führt der Iron Curtain Trail (EV13). Die EuroVelo-Radfernroute verbindet als Kulturroute des Europarats Orte entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs.

Stadtgliederung Die Stadt Františkovy Lázně besteht aus den Ortsteilen Aleje-Zátiší, Dlouhé Mosty (Langenbruck), Dolní Lomany (Unterlohma), Františkovy Lázně (Franzensbad), Horní Lomany (Oberlohma), Krapice (Kropitz), Slatina (Schlada) und Žírovice (Sirmitz). Grundsiedlungseinheiten sind Aleje-Zátiší, Dlouhé Mosty, Dvoreček (Höflasgut), Františkovy Lázně, Horní Lomany, Krapice, Seníky (Hoihäuser), Slatina und Žírovice. Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Dlouhé Mosty, Františkovy Lázně, Horní Lomany, Jedličná (Tannenberg), Krapice, Slatina u Františkových Lázní und Žírovice.

Nachbarorte

Klima

Geschichte mini|Casino an der Kurallee mini|Kurallee mit zahlreichen Bauten aus der Jahrhundertwende mini|Luftbild Das Kurbad wurde 1792 mit Förderung durch Kaiser Leopold II., später durch Franz II. (als Kaiser von Österreich ab 1804 Franz I.), angelegt. Die Neugründung erhielt ihm zu Ehren 1798 den Namen Kaiser-Franzensdorf, der später in Kaiser-Franzensbad und danach in Franzensbad geändert wurde. Eine der bedeutendsten Heilquellen erhielt den Namen Franzensquelle, ursprünglich Schladerer Wasser genannt (Nachweis seit 1406).

Mitteilungen von der Heilkraft der Quellen in und bei den Orten Trebendorf, Rohr, Triesendorf/Triesenhof, Tirschnitz, Lehenstein und Schlada im Einzugsbereich des Schladabaches in den Mineralmoorgebieten bei Eger gibt es bereits seit Ende des 14. Jahrhunderts. Der Arzt und Mineraloge Georgius Agricola kannte die heilende Wirkung der Quellen. Der Humanist Kaspar Brusch erwähnte sie in seiner Beschreibung der Stadt Eger. Damals gehörte das Quellgebiet bei dem Ort Schlada noch zu der sieben Kilometer entfernten Stadt Eger und wurde deshalb Egerwasser oder Egerer Sauerbrunn genannt. Das Heilwasser diente zunächst der Egerer Bevölkerung und später auch dortigen Kurgästen als Heil- und Genussmittel. Frauen aus Eger schöpften es an der Quelle und trugen es in die Stadt, wo sie es verkauften.

Zumindest seit dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts wurde Egerwasser auch in Tonflaschen versandt. Es war das erste Versandheilwasser Böhmens.Patrick Schlarb: Heilwasserflaschen und ihre Mehrwegnutzung im 18. Jahrhundert. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde. Neue Serie Band LXVIII, Gesamtserie Band 117, Heft 3 + 4, 2014, S. 275.Johann Werfring: Labung vom Wiener Sauerbrunnengewölbe. In: Wiener Zeitung. 3. Dezember 2015, Beilage „ProgrammPunkte“, S. 7; tagblatt-wienerzeitung.at Um 1700 soll die Bedeutung des Egerwassers, auch Schletterer Sauerbrunn, nach dem Ort Schlada genannt, die aller anderen Heilquellen im Heiligen Römischen Reich übertroffen haben.

Das erste Kurhotel im Bäderdreieck und gleichzeitig das erste Kurhotel der Welt, bei dem unter einem Dach Übernachtung, Essen und ärztliche Versorgung sowie die Einnahme der Kuren durch die direkte Zuführung von Heilquellwasser möglich war, wurde in Franzensbad nach der Verlosung der Parzellen 1 bis 17 durch die Stadt Eger 1792 mit der Parzelle 3 von Stadtbaumeister Anton Loimann (1756–1836) als Hotel „Drei Lilien“ 1792 ersteigert und 1794 eröffnet. Auf Adler fiel das Los 07 (zukünftiges Hotel Schwarzer Adler). Anton Loimann ersteigerte zudem auch die Parzelle 17, auf der später das Hotel Berliner Hof errichtet wurde. Franzensbad fand als Ort für Heilungssuchende im 19. Jahrhundert europaweite Beachtung bei Kurgästen des Hochadels, welche die Behandlung durch die dortigen Bäderärzte, unter ihnen Lorenz Köstler von Stromberg und Andreas Buberl, suchten. Die landesfürstlichen Bäderärzte als Oberaufsicht waren von 1795 bis 1881 Bernhard Adler (1795–1810), Johann Poschmann (1811–1819), Dr. med Niklas Conrath (1820–1839) und Paul Cartellieri (1841–1881). Danach wurde kein weiterer landesfürstlicher Bäderarzt bestellt.mini|Kolonnade um 1850Im Jahre 1827 baute der Jurist Christoph Loimann (1789–1861), dritter Sohn von Anton Loimann, Verwalter des Burggrafenamtes in Eger, 1852 erster Bürgermeister der Stadt Franzensbad und Vater des nachfolgenden Franzensbader Bürgermeisters und Kurarztes Gustav Loimann (1853–1902), das erste allgemein zugängliche Badegebäude für die ärmere Bevölkerung mit 30 Badezimmern, nachdem nach mehrmaliger Aufforderung durch das Oberste Burggrafenamt Prag die Stad Eger (Cheb) aus finanziellen Gründen dieses Badehaus nicht errichten konnte. Das Badehaus I wurde in den Jahren 1830 bis 1878 mehrfach erweitert und auch das anschließende Badehaus II von der Familie Loimann erbaut. Franzensbad, früher eine zur Stadt Eger gehörige Kolonie, ist durch das in der österreichischen Monarchie 1850 erlassene Gemeindegesetz eine selbständige Gemeinde geworden. Nachdem Franzensbad 1852 von der Stadt Eger rechtlich unabhängig wurde, erhielt es 1865 die Stadtrechte und nahm das alte Ortssiegel als Stadtwappen an. 1872 wurden Gustav Loimann zum 1. und Thaddaeus Karl Schack zum 2. Bürgermeister gewählt.

Die meisten Quellen – sie sind alle kalt – wurden während des 19. Jahrhunderts erschlossen. Von den vierundzwanzig bekannten Quellen werden noch zwölf für den Kurbetrieb genutzt. Im Jahr 1937 brachte das Balneologische Institut in Franzensbad eine Analyse der Franzensbader Mineralquellen hinsichtlich ihrer Verwendung für Trinkkuren oder für Bäderbereitung heraus.

Franzensbad gehörte zum weltweit ersten Moorbad und entwickelte sich zu einem Frauenheilbad, über das die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach nach einem Kuraufenthalt anonym ihr erstes schriftstellerisches Werk, die Briefsatire Aus Franzensbad. Sechs Episteln schrieb, die 1858 in Wien erschienen ist.

Meyers Konversationslexikon schrieb 1898 über Franzensbad: „Der Ort hat meist stattliche Häuser, eine katholische und eine evang. Kirche, eine Synagoge, ein großes Kurhaus, ein Badehospital für Unbemittelte, hübsche Parkanlagen, welche dem Mangel an Naturschönheiten der Umgebung abhelfen, gedeckte Wandelhallen etc. (…) Die Zahl der Einwohner beträgt (1880) 2008. (…) An Heilmitteln besitzt F. neun Mineralquellen, eine Kohlensäuregasquelle und ein reichhaltiges Lager von Eisenmineralmoor. Die Franzensbader Wasser sind alkalische Glaubersalzsäuerlinge (…)“.mini|links|Luftbild von Franzensbad aus den 1930er JahrenNach dem Ersten Weltkrieg wurde Franzensbad 1919 Teil der neu gebildeten Tschechoslowakei. Der Krieg und sein Ende 1918 mit den Schwierigkeiten bei der Staatsgründung, der 1923 nachfolgenden Inflation der Geldwährungen, der Weltwirtschaftskrise nach dem Jahre 1928 mit ihrer Massenarbeitslosigkeit wirkten sich auch nachteilig auf Franzensbad aus.

Franzensbad hatte eine wohlhabende jüdische Gemeinde. Für Mitglieder und Kurgäste ihres Glaubens ließ sie am unteren Ende der Hauptstraße bei Grundstücksnummer 166 im Jahre 1884 eine Synagoge in neubyzantinischem Stil mit zwei Türmen und Kuppeln errichten. Am 10. November 1938, nach Inkrafttreten des Münchner Abkommens vom 30. September 1938 und der Besetzung der Sudetengebiete durch deutsche Truppenverbände, wurde die Synagoge in Franzensbad von Parteigängern des Nationalsozialismus niedergebrannt und die Ruine nach 1945 abgerissen. Die jüdischen Bewohner der Stadt Franzensbad retteten sich durch Flucht oder kamen ums Leben. In der Egerer Zeitung vom 22. September 1938 gibt es einen Bericht aus dieser Zeit. Der daneben liegende jüdische Friedhof wurde oberflächlich eingeebnet.

Aufgrund des Münchner Abkommens wurde die deutschsprachige Region 1938 an das Deutsche Reich angegliedert, und Franzensbad gehörte bis 1945 zum Landkreis Eger, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland. Am Ende des Zweiten Weltkriegs, 1945, war der Kurbetrieb fast am Erliegen. Der Zustrom zahlungskräftiger Kurgäste blieb aus. Unter Berufung auf die Beneš-Dekrete wurde ein großer Teil der deutschböhmischen Haus- und Grundstückseigentümer enteignet und vertrieben, die Kureinrichtungen wurden verstaatlicht. Die Heimatvertriebenen kamen größtenteils nach Bayern und Thüringen. Am 1. Dezember 1930 hatte die Stadt 2473 Einwohner (davon 74 Tschechen), am 17. Mai 1939 waren es 3784 und am 22. Mai 1947 2282.

Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft in Prag begann 1989 eine Reprivatisierung des 1945 verstaatlichten Eigentums, die 1992 zur Gründung der Bad Franzensbad AG führte. Der Kurort wirbt seither mit Nachdruck um ausländische Kurgäste und Touristen. Zusammen mit zehn anderen Kurorten Europas, den Great Spas of Europe, wurde Františkovy Lázně 2021 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Die positive Entscheidung über die Aufnahme erfolgte am 24. Juli 2021.Neue Welterbestätten 2021 Mitteilung der UNESCO auf der Seite der Deutschen UNESCO-Kommission, abgerufen am 24. Juli 2021

Einwohnerentwicklung Bis 1945 war Franzensbad überwiegend von Deutschböhmen besiedelt.

+ Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1846 445 in 49 HäusernJohann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 15: Elbogner Kreis. Prag 1847, S. 328–330, Ziffer 1). books.google.de 1862 ca. 600 Cartellieri: Geschichtliche Notizen über den Curort Franzensbad bei Eger. In: Carlsbad, Marienbad, Franzensbad und ihre Umgebung vom naturhistorischen und medicinisch-geschichtlichen Standpunkte. Prag / Carlsbad 1862, S. 241–251, insbesondere S. 250; books.google.de 1880 2008 1900 2325 deutsche Einwohner 1930 2473 davon 74 TschechenRudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon. Band 4. Adam Kraft Verlag, 1985, ISBN 3-8083-1163-0, S. 150. 1939 3784 + Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten WeltkriegsTschechische Bevölkerungsstatistik. czso.cz Jahr 1947 1970 1980 1991 2001 2003 Einwohner 2282 4849 5192 5184 5261 5355

Politik Franzensbad ist seit 18. Jänner 1852 selbstständige Gemeinde, seit 23. Juli 1865 Stadtgemeinde. Bürgermeisterin von Františkovy Lázně ist seit 2023 Lenka Průšová. Ihre Vorgänger waren Jan Kuchař (2018–2023) und Ivo Mlátilík (2013–2018).

Stadtwappen mini|Das Stadtwappen am Gebäude des Torfbads Lázně III Das Wappen von Františkovy Lázně zeigt in der linken Hälfte einen welligen Fluss (gewellten Balken), der von rechts oben mehrere strahlenförmige Quellflüsse (Strahlen) erhält. In der rechten Hälfte oben zeigt es als Ehrung für den Begründer des Kurortes Bernhard Adler einen schwarzen Adler, der in den Fängen den Äskulapstab als Zeichen der Heilkunst hält. In der unteren Hälfte steht ein roter Hahn als Anerkennung für Heinrich Franz von Rottenhan für seine wohlwollende Mitwirkung bei der Gründung des Kurortes.

Städtepartnerschaften Františkovy Lázně pflegt seit 1992 eine Partnerschaft mit Bad Soden am Taunus in Deutschland. Den Partnerschaftsvertrag mit Nischni Tagil in Russland kündigte die Stadtvertretung 2022 nach dem Überfall auf die Ukraine auf.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kuranlagen mini|Franzensquelle mini|Skulptur des Franzl (František) in den Kuranlagen. Sie gilt als Symbol des Kurortes. Das Original von 1923 befindet sich im Städtischen Museum. mini|Trinkhalle der Glauberbrunnen

Das Stadtbild prägt ein Ensemble von Gebäuden des 19. Jahrhunderts, die größtenteils in Schönbrunner Gelb und Stuckweiß gehalten sind, sowie weitläufige Parkanlagen. Vorherrschende Stilepochen sind der Klassizismus, der Empire-Stil und die Belle Époque.