Austrian Airlines (kurz Austrian bzw. AUA) ist mit einem Netz von weltweit mehr als 120 Flugzielen und 13,9 Millionen transportierten Passagieren im Jahr 2023 Österreichs größte Fluggesellschaft. Sie betreibt ein Drehkreuz am Flughafen Wien. Die vormals staatliche Airline gehört seit 2009 zur Lufthansa Group. Sie ist Mitglied der Luftfahrtallianz Star Alliance und Partner des Vielfliegerprogramms Miles & More.

Geschichte Gründung und erste Jahre mini|Vickers Viscount der Austrian in Manchester (1965) mini|HS 748 der Austrian in Salzburg (1968) Die Austrian Airlines Österreichische Luftverkehrs Aktiengesellschaft wurde am 30. September 1957 im großen Sitzungssaal der Creditanstalt-Bankverein in der Wiener Schottengasse gegründet, nachdem sich gemäß einem Koalitionsabkommen die 1955 gegründete „schwarze“ (ÖVP-nahe) Air Austria und die „rote“ (SPÖ-nahe) Austrian Airways zusammenschlossen (siehe Proporz). Die Österreichische Luftverkehrs AG ÖLAG bestand hingegen schon in den Zwischenkriegsjahren und hatte den Flughafen Aspern als Hauptflugplatz. Ihren Jungfernflug absolvierte Austrian mit vier Vickers Viscount am 31. März 1958 von Wien nach London. In den 1960er Jahren wurden auch drei DC-3 für Inlands- und Frachtflüge eingesetzt. Zwei Turbopropflugzeuge des Typs Hawker Siddeley HS 748 wurden 1966 erworben, aber schon nach wenigen Jahren wieder veräußert.rzjets: Austrian HS-748 (englisch), abgerufen am 21. März 2021.

Von 1962 bis 1968 wurde die Austrian von Lambert Konschegg als einem von zwei Vorständen geleitet.

Austrian im Jet-Zeitalter mini|Ehemalige AUA-Hauptverwaltung in Wien-Oberlaa mit stilisierter Heckflosse der DC-9 als architektonischer Aufsatz auf dem Gebäude (2012/13 abgerissen) Ihr erstes Strahlflugzeug bestellte Austrian am 18. Februar 1963 mit einer Sud Aviation Caravelle. Ab 1971 standardisierte Austrian innerhalb einer sehr kurzen Zeit ihre Flotte auf neun Douglas DC-9-32, die für viele Jahre das Arbeitspferd der Kurz- und Mittelstrecke darstellen sollte. (Die bedeutende Rolle der DC-9-Familie spiegelte sich auch in der architektonischen Gestaltung des 1978 eröffneten Gebäudes der Hauptverwaltung in der Fontanastraße 1 in Wien-Oberlaa wider, siehe das Bild rechts.) Ab 1975 wurden die ersten von fünf DC-9-51 eingeführt, und 1977 wurde die Fluggesellschaft zusammen mit Swissair Erstkundin der DC-9-80 (später McDonnell Douglas MD-80).

Im Jahr 1976 erhielt die Fluggesellschaft Konkurrenz durch den neueröffneten Flughafen Maribor in Jugoslawien, heute Slowenien, unter anderem durch die Fluggesellschaft Inex-Adria Airways, die billige Flüge in das europäische Ausland anbot und viele Kunden aus Kärnten und der Steiermark anzog.

Ab Oktober 1980 kamen die ersten MD-81 zum Einsatz und ermöglichten eine Ausweitung der Operation. Im Jahr 1984 wurde Austrian Erstkundin der MD-87 und war maßgeblich an diesem Konzept beteiligt. 1985 wurden erstmals mehr als zwei Millionen Passagiere innerhalb eines Jahres befördert. Ab Ende 1987 kamen die ersten MD-87 und ab 1990 auch die MD-83 zum Einsatz, während man von den 13 MD-81 insgesamt sechs Flugzeuge auf MD-82-Standard modifizierte. Damalige Vorstände der Gesellschaft waren Anton Heschgl (von 1969 bis 1993) und Hubert Papousek (von 1969 bis 1990).Hedi Schneid: In: Die Presse, 31. März 2015, abgerufen am 17. Juli 2020.

Entwicklung von 1990 bis 2008 mini|Die aktuelle Unternehmenszentrale der Austrian Airlines am Gelände des Flughafens Wien mini|Fokker 70 der Austrian in Frankfurt (2013)

Die 1990er Jahre waren dominiert von Luftfahrt-Allianzen und Kooperationen. Austrian war eine der ersten Airlines mit multinationalen Partnerschaften, als sie in die Qualiflyer Group unter Federführung der Swissair eintrat. Es war auch eine Zeit der raschen Expansionen in Übersee wie Südafrika und die Volksrepublik China. Ende der 1990er Jahre erfolgte ein Zerwürfnis mit Swissair, da sich die Swissair ohne Wissen der Austrian an ihr beteiligen wollte. 2000 folgte der Beitritt zur „Star Alliance“ und 2002 die Übernahme der Lauda Air, die sich in der Folge auf die Urlaubs- und Charterflüge innerhalb der Austrian Airlines Group spezialisierte. Die Tochter Tyrolean Airways spezialisierte sich unter dem Markennamen Austrian Arrows operated by Tyrolean auf Regionalflüge. Die zuvor gekaufte Rheintalflug wurde mit „Tyrolean Airways“ fusioniert. In den Jahren 1993 bis 2001 bildeten Herbert Bammer und Mario Rehulka das AUA-Führungsteam, von 2001 bis 2006 war der ehemalige SAS-Manager Vagn Sörensen als Vorstand tätig.

Im Herbst 2004 wurde der Flugbetrieb der Lauda Air in den Austrian Flugbetrieb integriert. Unter dem Namen Lauda Air – ab 2007 mit dem Zusatz The Austrian Way to Holidays – erfolgte zwar weiterhin Marketing und Verkauf der Urlaubs- und Charterflüge, die Flugdurchführung erfolgte jedoch durch Austrian.

Bis zum Jahr 2005 hat es Austrian geschafft, sich zum Marktführer für Flüge von und nach Zentral- und Osteuropa zu entwickeln. Im Jahr darauf wurde die „Business Class“ mit eigens entworfenen „Lie-Flat-Sitzen“ erneuert. Der Internetanschluss wurde damals allerdings nicht verwirklicht, verursacht durch die Probleme des Betreibers „Connexion by Boeing“.

Ab Oktober 2006 war die Austrian zu einem harten Sparkurs gezwungen. Im folgenden Jahr wurden über 500 Arbeitsplätze abgebaut. Zahlreiche Langstreckenflüge, wie z. B. nach Sydney via Kuala Lumpur sowie die Route Singapur–Melbourne wurden gestrichen. Ebenfalls wurden die Verbindungen nach Kathmandu und Shanghai aus dem Streckennetz der Austrian Airlines entfernt. Die verbliebenen drei Fokker 70 wurden aus dem Austrian-Flugbetrieb gelöst und zu Tyrolean Airways verschoben. Außerdem wurde beschlossen, die Airbus-Langstreckenflotte der AUA (vier A340, vier A330) im Laufe des Jahres 2007 nach und nach im Sinne der Flottenharmonisierung abzubauen. Damit besteht die Austrian-Langstreckenflotte homogen aus Boeing 777 und Boeing 767.

Die ursprüngliche Unternehmenszentrale, die von 1975 bis 1978 nach Plänen von Georg Lippert errichtet worden war und rund 500 Millionen Schilling kostete, befand sich in Wien-Oberlaa (Adresse: Fontanastraße 1).Ex-Zentrale der AUA nur mehr ein Haufen Schutt, abgerufen am 2. Jänner 2025. Lippert griff damals die zentrale Idee Wilhelm Holzbauers für das neue Amsterdamer Rathaus auf und übernahm sie in vereinfachter Form. Der Firmensitz befand sich auf einem 32.664 m² großen Grundstück, das damals der AUA von der Stadt Wien angeboten worden war, um eine Abwanderung des imageträchtigen Unternehmens nach Niederösterreich zu verhindern. Im Jahr 2007 wurde die Zentrale in ein – ausgerechnet nach Plänen von Wilhelm Holzbauer – von der Flughafen Wien AG errichtetes und von Austrian gemietetes Gebäude an der Adresse Office-Park 2 direkt am Wiener Flughafen und damit nach Niederösterreich verlegt. Der eingetragene Firmensitz blieb jedoch weiterhin in Wien. Durch die Umfirmierung in „Austrian Airlines AG“ fiel der Zusatz „Österreichische Luftverkehrs AG“ weg., 17. Mai 2022 um 22:17 Uhr. Nachdem das Grundstück an die Stadt Wien zurückgefallen war und eine mögliche Nachnutzung, beispielsweise als Fachhochschule, nicht realisiert werden konnte, wurde der Komplex zwischen Herbst 2012 und Frühjahr 2013 ohne größeren Aufruhr aus der Bevölkerung aber doch vereinzelter Kritik abgerissen. Zu den Kritikern des Abrisses zählte unter anderem Jan Tabor, der das Gebäude etwas als „Bauwerk von internationaler Bedeutung“ bezeichnete. In den Folgejahren entstand auf dem Gelände eine Wohnbebauung.Spatenstich für NEUE Gemeindewohnungen Fontanastraße 1, abgerufen am 2. Jänner 2025.Fontanastraße 1: Baustart für Gemeindewohnungen in Wien-Favoriten, abgerufen am 2. Jänner 2025.

Aus einem leicht positiven Jahresergebnis von 3,3 Mio. Euro im Jahr 2007 mussten die Prognosen für 2008 mehrmals nach unten angepasst werden, Ende November wurde wegen nötiger Flugzeugabschreibungen und Wertpapierverluste ein Jahresverlust von 475 Mio. Euro prognostiziert. Nachdem Alfred Ötsch (Konzernchef von 2006 bis 2009) bei seinem Antritt am 1. April 2006 noch eine Selbständigkeit der Austrian Airlines als unabdingbar ansah, musste er später seine Meinung revidieren.Der Standard: Ötsch für Verkauf einer Mehrheit an der AUA.

Privatisierung und Übernahme durch die Lufthansa Im Juni 2008 beauftragte die österreichische Regierung die Investmentbank Merrill Lynch, eine Vollprivatisierung durch Übernahme der AUA durch eine ausländische Fluggesellschaft vorzubereiten. Interesse bekundeten zunächst Lufthansa, Air France-KLM, Royal Jordanian, Air China, Turkish Airlines, Aeroflot, S7 Airlines und Singapore Airlines, wovon Lufthansa, Air France-KLM und S7 in die engere Auswahl kamen.

Als das Angebotspaket des letzten verbliebenen Bieters Lufthansa zum Ende des Privatisierungsauftrages am 28. Oktober nicht beschlussfähig war, wurde der Prozess von der österreichischen Bundesregierung bis 31. Dezember 2008 verlängert. Nach dieser Verlängerung gab dann auch S7 ein unverbindliches Angebot ab.Der Standard: AUA wird für Lufthansa aufpoliert, 29. Oktober 2008.

Am 13. November 2008 wurde bekannt, dass die Staatsholding ÖIAG der Deutschen Lufthansa AG den Zuschlag zur Übernahme geben wolle. Lufthansa sollte mit 41,6 % bei Austrian Airlines einsteigen.Focus: am 13. November 2008: Lufthansa wird Alpenkönig. Der symbolische Kaufpreis für die 36.626.875 Aktien der AUA wurden mit einem Cent je Aktie bestimmt, sohin in Summe mit 366.268,75 Euro. Experten erwarteten einen Abbau von 2000 der 8000 Stellen.Finanznachrichten.de: Austrian Airlines soll an Lufthansa gehen – Abschluss in vier Wochen, November 2008. Der Verkauf der ÖIAG-Anteile an der AUA an die Deutsche Lufthansa AG wurde am 5. Dezember 2008 durch die ÖIAG bestätigt.Die Presse: , 5. Dezember 2008.

Der Kauf stand unter aufschiebenden Bedingungen. Unter anderem musste die geplante Schuldenübernahme von ungefähr 500 Mio. Euro durch die ÖIAG von der EU-Kommission wettbewerbsrechtlich genehmigt werden. Wegen dieser Schuldenübernahme, die erst nach dem Feststehen der Lufthansa als des letzten Bieters bekanntgegeben wurde, gerieten AUA-CEO Alfred Ötsch und ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis unter heftige Kritik. Denn unter diesen Umständen wären möglicherweise, so Beobachter des Verfahrens, auch weitere Luftfahrtgesellschaften als Mitbieter übrig geblieben. Eine Neuausschreibung des Bieterverfahrens wurde gefordert, jedoch mit Verweis auf Verfahrensregeln und das Aktienrecht von Michaelis abgelehnt. Michaelis wurde so, laut Neue Zürcher Zeitung (NZZ), zum „Buhmann der Nation“, da in anderen Fällen bei öffentlichen Unternehmen wenig Rücksicht auf das Aktienrecht oder Verfahrensregeln gelegt würde. Schließlich sei in Österreich „das Aktienrecht Wachs in den Händen der Politik. Vergehen sind Kavaliersdelikte im Interesse des Volkes.“M. K. (Wien): Aktienrecht als Wachs in den Händen von Österreichs Politikern. Neue Zürcher Zeitung, 24. Februar 2009, S. 24. Der Vorstandsvertrag von Alfred Ötsch – ursprünglich bis April 2010 befristet – wurde zum 31. Jänner 2009 vorzeitig beendet.Austrian Airlines Group News: , Pressemitteilung vom 29. Jänner 2009.

Am 1. Juli 2009 kündigte die EU-Kommission eine tiefergehende kartellrechtliche Prüfung der Übernahme für die Deutsche Lufthansa AG an.Die Welt: Brüssel will die Übernahme der AUA weiter prüfen vom 2. Juli 2009. Beobachter sahen die geplante Übernahme der AUA daraufhin als gefährdet an, da die Lufthansa zuvor eine Frist bis zum 31. Juli 2009 gesetzt hatte und danach das Angebot hätte zurückziehen können.Die Presse: AUA-Übernahme am seidenen Faden. vom 2. Juli 2009.