mini|Ulrike Fitzer, Fähnrich der deutschen Luftwaffe Der Fähnrich ist ein militärischer Dienstgrad der Bundeswehr, des Bundesheeres und früherer deutscher Streitkräfte. Die Fähnriche der Nationalen Volksarmee stellten darüber hinaus auch eine eigene Dienstgrad- und Laufbahngruppe dar. In der Bundeswehr ist die Bezeichnung „Fähnriche“ auch eine Sammelbezeichnung für mehrere ähnlich lautende Dienstgrade.

In früheren oder anderssprachigen Streitkräften existieren häufig ebenfalls Dienstgrade, die ähnlich lauten oder deren Wortherkunft sich wie im Deutschen auf die historische Bezeichnung für den Träger der Truppenfahne zurückführen lässt und die daher häufig ebenfalls als Fähnrich bezeichnet werden. Nur selten sind diese Dienstgrade jedoch vergleichbar mit den Fähnrichen in der Bundeswehr oder im Bundesheer.

Etymologie Das Wort „Fähnrich“ stammt vom althochdeutschen , dem mittelhochdeutschen und dem frühneuhochdeutschen ab und ist daher mit dem modernen Wort „Fahne“ im Sinn von Truppenfahne verwandt, die der Fähnrich einst zu tragen hatte. In der Kavallerie entwickelte sich analog die Dienstgradbezeichnung „Kornett“, die auf die französische Bezeichnung (deutsch: Kornette, Reiterfahne oder Standarte) zurückgeht. Verwandt ist das spanische . In der englischen Sprache lassen sich entsprechend verwandte Dienstgrade, in denen vorkommt, auf das gleichlautende englische Wort (lateinisch: signum Zeichen) für die Truppenfahne zurückführen. Im Übrigen lässt sich die Wortherkunft der russischen und polnischen Dienstgradbezeichnungen Praporschtschik und Chorąży ebenfalls analog erklären.

Bundeswehr

Der Dienstgrad Fähnrich wird durch den Bundespräsidenten mit der Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten auf Grundlage des Soldatengesetzes festgesetzt.

Befehlsbefugnis und Dienststellungen In der Bundeswehr ist der Fähnrich ein Unteroffiziersdienstgrad, der gemäß der Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) A-1420/24 „Dienstgrade und Dienstgradgruppen“ zur Dienstgradgruppe der Unteroffiziere mit Portepee zählt.Heeres- und Luftwaffenuniformträger dieser Dienstgradgruppe werden inoffiziell auch als Feldwebeldienstgrade zusammengefasst. Unteroffiziere mit Portepee, die entsprechende Dienstgrade für Marineuniformträger führen, werden inoffiziell auch als Bootsleute bezeichnet. Aufgrund der Zugehörigkeit zur Dienstgradgruppe der Unteroffiziere mit Portepee können Fähnriche auf Grundlage des § 4 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund des Dienstgrades“) der Vorgesetztenverordnung innerhalb der dort gesetzten Grenzen Soldaten der Dienstgradgruppen Mannschaften und Unteroffizieren ohne Portepee Befehle erteilen.

Fähnriche sind Offizieranwärter und befinden sich, während sie diesen Dienstgrad führen, in der Regel im Studium. Offizieranwärter in den Laufbahnen der Offiziere des militärfachlichen Dienstes absolvieren in diesem Dienstgrad gewöhnlich eine zweijährige Ausbildung an einer Fachschule mit Abschluss Staatlich geprüfter Techniker, Staatlich geprüfter Betriebswirt oder Staatlich geprüfter Erzieher. Einige Fähnriche befinden sich zur Offizierausbildung an einer Offizierschule. In der „gewöhnlichen“ Truppe werden diese Fähnriche in der Regel nur im Rahmen von Truppenpraktika eingesetzt. Fähnriche werden dann beispielsweise als stellvertretende Zugführer, als Gruppen-, Trupp- oder Kompanietruppführer, als Kommandant gepanzerter Kampffahrzeuge und in Stäben eingesetzt. Aufgrund der aufgezählten und ähnlicher Dienststellungen können Fähnriche in den in der Vorgesetztenverordnung aufgezählten Fällen allen dienstlich oder fachlich unterstellten Soldaten Befehle erteilen.

Ernennung und Besoldung Maßgebliche gesetzliche Grundlagen für die Ernennung zum Fähnrich trifft die Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) und ergänzend die Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) 20/7. Voraussetzung zur Ernennung in den Dienstgrad Fähnrich ist die Zugehörigkeit zu einer der Laufbahnen der Offiziere. Zum Dienstgrad Fähnrich können Zeitsoldaten und beorderte Reservisten ernannt werden. Nach einem Wechsel von Feldwebeln in eine Laufbahn der Offiziere des militärfachlichen Dienstes wird der bisherige Dienstgrad in den Dienstgrad Fähnrich überführt. Die meisten Fähnriche haben zuvor aber im Dienstgrad Fahnenjunker gedient. Offizieranwärter können in den meisten Laufbahnen 21 MonateDie Beförderung zum Oberfähnrich erfolgt für die Offizieranwärter in den Laufbahnen der Offiziere des Truppendienstes bei Einstellung mit dem niedrigsten Dienstgrad im Regelfall also nach 21 Monaten Dienstzeit. (in den Laufbahnen der Offiziere des militärfachlichen Dienstes 12 Monate) nach Eintritt in diese Laufbahn zum Fähnrich befördert werden. Etwaige Dienstzeiten in einer vorherigen Laufbahn können (häufig aber nur anteilig und begrenzt) angerechnet werden. Beim Wechsel eines Stabsunteroffiziers in die Laufbahnen der Offiziere des militärfachlichen Dienstes erfolgt die Ernennung zum Fähnrich nicht, bevor er im Dienstgrad Stabsunteroffizier ein Jahr Dienstzeit aufweist.Beachte auch: ZDv 20/7 auf Grundlage der Soldatenlaufbahnverordnung ()

Fähnriche werden nach der Bundesbesoldungsordnung (BBesO) mit A7 besoldet.

Dienstgradabzeichen

Das Dienstgradabzeichen für Fähnriche zeigt einen Winkel mit der Spitze nach oben und eine umlaufende geschlossene Tresse als Schulterabzeichen. Zur Unterscheidung von den Dienstgradabzeichen der Feldwebel tragen Fähnriche wie andere Offizieranwärter auf allen Schulterklappen zusätzlich eine silberfarbene Kordel aus Metallgespinst als Überziehschlaufe.

Geschichte Bis zur Zentralisierung der Ausbildung in Verantwortung des Heeres im Jahr 2006 sollten Heeresuniformträger vor Ernennung zum Fähnrich den Einzelkämpferlehrgang 1 erfolgreich absolvieren, auch wenn dieser für die Ernennung formal nicht zwingend war. Mittlerweile wird der Lehrgang nur noch für Soldaten einer der Truppengattungen angeboten, die gemeinhin zu den Kampftruppen zählen oder eine besondere Befähigung auf diesem Gebiet benötigen. Der Lehrgang wird von Soldaten in den Laufbahnen des Truppendienstes in der Regel aber erst nach dem Studium durchlaufen.Die Soldaten nehmen am Einzelkämpferlehrgang 1 also in der Regel im Dienstgrad Oberfähnrich, Leutnant oder Oberleutnant teil Als Ersatz für den Einzelkämpferlehrgang 1 absolvieren alle übrigen Offizieranwärter und Offiziere den Lehrgang Überleben Einsatz.Nicht zu verwechseln mit dem Überlebenslehrgang Spezialkräfte Der Lehrgang Überleben Einsatz wird von den Offizieranwärterbataillonen durchgeführt.

Äquivalente, nach- und übergeordnete Dienstgrade Den Dienstgrad Fähnrich führen nur Heeres- und Luftwaffenuniformträger. Marineuniform tragende Offizieranwärter derselben Rangstufe führen den Dienstgrad Fähnrich zur See. Soldaten, die nicht Offizieranwärter sind, führen die ranggleichen Dienstgrad Feldwebel (für Heeres- und Luftwaffenuniformträger) oder Bootsmann (für Marineuniformträger). In den Streitkräften der NATO ist der Fähnrich zu allen Dienstgraden mit dem NATO-Rangcode OF-D äquivalent.

In den Feldwebellaufbahnen ist der Feldwebel gemäß Nr. 127 f. ZDv 20/7 zwischen dem rangniedrigeren Stabsunteroffizier bzw. Obermaat und dem ranghöheren Oberfeldwebel bzw. Oberbootsmann eingeordnet (erste Dienstgradbezeichnung jeweils für Heeres- und Luftwaffenuniformträger; zweite Dienstgradbezeichnung jeweils für Marineuniformträger). Im Sinne der Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten gilt für die Einordnung der Fähnriche Entsprechendes, auch wenn Fähnriche nach der in der Laufbahngruppe für Offiziere vorgesehenen Beförderungsreihenfolge in der Regel zuvor den Dienstgrad Fahnenjunker führten und anschließend in den Dienstgrad Oberfähnrich (Reserveoffizieranwärter in der Regel zum Leutnant) befördert werden.

Sammelbezeichnung Als Fähnriche werden manchmal inoffiziell auch die ähnlich lautenden Dienstgrade Fähnrich, Fähnrich zur See, Oberfähnrich und Oberfähnrich zur See zusammengefasst. Manchmal geschieht dies in Abgrenzung zum Begriff Feldwebeldienstgrade (bzw. Bootsleute) für alle Unteroffiziere mit Portepee, die nicht zu den Offizieranwärtern zählen bzw. die nicht einen der vorgenannten Dienstgrade führen.

Österreichisches Bundesheer

Im österreichischen Bundesheer zählt der Fähnrich zu den Offiziers-Dienstgraden und befindet sich als „Militärakademiker“ in Ausbildung zum Leutnant.

Der Dienstgrad Fähnrich, den die Militärakademiker (kurz: MAk) während der Ausbildungszeit an der Theresianischen Militärakademie (kurz: TherMilAk) tragen, ist zudem eine Verwendungsbezeichnung für die Gesamtzeit der Truppenoffiziersausbildung.

Den Dienstgrad Fähnrich tragen auch jene Personen, die als Militär-Vertragsbedienstete ein Studium, wie beispielsweise Medizin, an anderen Hochschulen oder Universitäten absolvieren. International ist ein direkter Vergleich eher schwierig, da der Ausbildungsstand der österreichischen Militärakademiker im Vergleich zu ausländischen Kameraden – hier beispielsweise Officer (dedicated) – im Sinne von Offiziersanwärter – höher ist.

— Ausbildungsablauf — EF-Ausbildung 1 intensive Grundausbildung EF-Ausbildung 2 für Berufsoffiziersanwärter an der Heeresunteroffiziersakademie 20px Truppenoffiziersausbildung dreijährige Ausbildung an der „Theresianischen Militärakademie“ 28pxGfr 25pxKpl 23pxZgf 25pxFhr 26pxLt 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12   13   14   15   16   17   18   19   20   21   22   23   24    * * * *   47    48  Ausbildungszeit in Monaten Personen im Ausbildungsdienst (PiAD) Militärpersonen auf Zeit (MZ)

Die Beförderung zum Leutnant, erfolgt seit September 2008 am Ende der sechssemestrigen (bis August 2008 achtsemestrigen) Studienzeit; einschließlich Berufs- bzw. Truppenpraktika.https://web.archive.org/web/20220517011202/https://www.bundesheer.at/english/forces/ranks.shtml#notes

Die Fähnrich-Kragendistinktion (siehe Tafel) erhielt ihr heutiges Aussehen am 1. Juli 1965, als man zwischen der mittelbreiten Goldborte und dem gestickten sechsspitzigen Silberstern eine schmale Goldborte einfügte. Gleichzeitig übernahm der damals (wieder) eingeführte Vizeleutnant – nunmehr höchster Unteroffiziers-Dienstgrad – das bisherige Fähnrichsabzeichen (d. h. ohne das schmale Goldbörtchen), doch mit einer silber-gold melierten Schnureinfassung statt der goldfarbigen des Fähnrichs; indes wandelte sich 1981 das Abzeichen des Vizeleutnants erneut.vgl. Rolf M. Urrisk: Die Uniformen des österreichischen Bundesheeres 1952–1995. H. Weishaupt Verlag, Graz 1994, ISBN 3-7059-0012-9, S. 111–112, Abb. 163–164.

— Fähnrich — Militärakademiker (MAk) Österreich 35px Fliegertruppe   Bundesheer 70px 65px 80px|Feldanzug Bundesheer (Rockkragen) (Panzertruppe) (Feldanzug)

Siehe auch

Streitkräfte Frankreichs Gemäß NATO-Rangcode bildet der Aspirant (wörtl. „Anwärter“) das dienstgradmäßige Pendant zum deutschen Fähnrich. Die Anrede lautet „mon lieutenant“ (weiblich: nur „lieutenant“, ohne Possessivpronomen). Sprachlich existieren Fähnriche in den französischen Streitkräften noch in der französischen Kriegsmarine (Marine Nationale): der enseigne de vaisseau de 2e classe (Leutnant zur See) und der enseigne de vaisseau de 1re classe (Oberleutnant zur See).

Die einstige Aufgabe des Fähnrichs als Führer des Feldzeichens, etwa bei Paraden, obliegt heutzutage dem porte-drapeau (Fahnenträger) oder porte-étendard (Standartenträger), dieser kann ein Offizier oder Unteroffizier sein.

Königlich französische Armee bis 1791/92 mini|120px|Epaulette eines Porte-drapeau der französischen Infanterie 1786