mini|hochkant=1.5|St.-Pierre, Chorhaupt mini|hochkant=1.5|St.-Pierre, Turm überragt höchsten Donjon Die ehemalige Stiftskirche Saint-Pierre befindet sich in der Oberstadt von Chauvigny, einer französischen Gemeinde im Département Vienne in der Region Nouvelle-Aquitaine. „Saint-Pierre“ ist ein Kleinod der poitevinischen Romanik und verdankt diese Einschätzung ganz besonders der meisterlichen Skulptur ihrer Kapitelle und deren farbigen Fassung, dem Stil der Romanik nachempfunden, wie auch der Ausmalung des ganzen Innenraumes.

Lage Siehe Lageplan Chauvigny (Stadt und Burgberg)

Etwa im Mittelpunkt der Längenausdehnung der Oberstadt von Chauvigny, der „Cité médieval“, überragt der Glockenturm von Saint-Pierre die höchsten Donjons (Wohntürme) der fünf sie umringenden Burgfestungen.

Geschichte

Die Geschichte von Saint-Pierre ist untrennbar verbunden mit derjenigen der befestigten Oberstadt Chauvignys und seiner Burgen und deren Bewohner (siehe Artikel Chauvigny). Die ehemalige Stiftskirche wurde von den Herren von Chauvigny gegründet. Der Bau der Kirche wurde gegen Ende des 11. Jahrhunderts mit der Apsis begonnen und im Lauf des 12. Jahrhunderts mit dem Langhaus vollendet. Der Innenraum wurde im 19. Jahrhundert restauriert und im Stil der Romanik farbig gefasst.

Äußere Gestalt mini|hochkant|St.-Pierre, Fassade von Westen mini|hochkant=1.6|links|St.-Pierre Chauvigny Grundriss (Handskizze), genordet (oben = Norden)

Dimensionen circa (jeweils ohne Wandpfeiler): Länge gesamt (Fassade bis zentrale Chorkapelle) 48,00 m Länge Langhaus (Fassade bis Querhausarme) 26,60 m Länge Querhaus 20,60 m Breite Langhaus 13,60 m Breite Querhaus 8,00 m

Langhaus mini|links|St.-Pierre Aulnay, Aufriss Langhaus, Handskizze nach einer Zeichnung von Dehio/Bezold, Attiken ergänzt mini|St.-Pierre Chauvigny, Kapitelle Hauptportal

Das fünfjochige Langhaus wird von einem gemeinsamen Satteldach mit etwa 30 Grad Dachneigung ohne Höhenversätze überdeckt. Die Höhenlage der Traufen und Firste bleiben deutlich unter denen des Querhauses.

Die Traufen werden markiert durch ein kräftiges skulptiertes Kraggesims, das von Kragsteinen unterstützt wird, die mit Skulpturen künstlerisch aufwändig gestaltet sind. Auch die Zwischenräume der Kragsteine sind mit Reliefs verziert. Dieses Kraggesims auf Kragsteinen findet sich auf allen Seiten der Kirche, überwiegend in Höhe der Traufen und setzt sich auch über die Giebelfelder fort, ausgenommen beim nördlichen Querhausarm. Oberhalb der Traufen sind auf den Kraggesimsen noch Attiken senkrecht aufgemauert, etwa einen Meter hoch. Das von den Dachflächen abfließende Regenwasser wird hinter den Attiken in Regenrinnen gesammelt und über steinerne Wasserspeier unmittelbar über dem Traufgesims nach außen geleitet.

Die Außenwände der Seitenschiffe werden durch fünf kräftige Wandpfeiler in gleich breite Joche unterteilt, die die inneren Gurtbögen abstützen. Sie reichen bis unter das Traufgesims und sind oben steil abgeschrägt. Jeweils in Jochmitte und im oberen Wandbereich ist ein rundbogiges Fenster ausgespart, dessen Leibungs- und Bogenkanten mit einfachen Rückversätzen gestaltet sind. Die Keilsteine der äußeren Bögen werden durch leicht auskragende Profile überfangen, deren untere Enden waagerecht abknicken, bis sie gegen Wandpfeiler stoßen. mini|St.-Pierre, Kapitelle Hauptportal Die Fassade ist kaum üppiger gestaltet als die Längswände. Sie wird vertikal durch vier kräftige Wandpfeiler, in Verlängerung der inneren Scheidewände und der Außenwände. Die beiden äußeren Pfeiler sind gegenüber der Wandecke leicht eingerückt und reichen bis unter das um die Ecke geführte Traufgesims. Ihr oberes Ende ist bis auf die Tiefe der Auskragung dieses Gesimses zurückgestuft und dabei steil abgeschrägt. Die beiden inneren Wandpfeiler reichen noch ein gutes Stück höher, bis in das Giebelfeld. Die horizontale Unterteilung der Fassade in zwei Geschosse und ein Giebelfeld erfolgt durch Kraggesimse auf Kragsteinen, wie die Traufgesimse gestaltet. Das obere Gesims gibt es nur in den beiden äußeren Feldern und liegt etwa in Höhe der Attikaoberkante der Längswände, von der aus auch die Abdeckplatten der Giebelortgänge schräg aufwärtssteigen. Sie treffen sich auf dem Giebelfirst, der ein steinernes Kreuz in Art des Tatzenkreuzes trägt, in der Unterstadt gibt es ein Haus der Templer (Maison des Templiers). mini|St.-Pierre Chauvigny, Kragsteine mit Gesims, Fassade mini|St.-Pierre Chauvigny, Kragsteine mit Gesims, Fassade Nur in den mittleren Feldern sind Öffnungen ausgespart, im Erdgeschoss das Hauptportal und im Obergeschoss ein großes Rundbogenfenster, das für die abendliche Durchflutung des Kirchenraumes mit dem warmen Licht der untergehenden Sonne Sorge trägt.

Im Erdgeschoss nimmt ein dreistufiges Archivoltenportal die ganze Feldbreite ein, hingegen lässt der Scheitel des äußeren Bogens kaum zwei Mauerschichten Platz bis zu den Kragsteinen des geschossteilenden Gesimses. Die drei angespitzten Archivoltenbögen bestehen aus glatten Keilsteinen, der äußere wird von einem skulptierten, leicht auskragenden Profil überfangen. Die äußeren Gewändesäulen stehen paarweise mit profilierten Basen und hohen glatten Plinthen auf je einem gut einen Meter hohen Sockel, einer Verbreiterung der Wandpfeiler. Der innere Bogen ruht auf rechtwinkligen Wandenden, deren senkrechte Kanten oberhalb der dritten Mauerschicht ausgerundet sind. Die Säulen und Wandenden tragen überwiegend stark verwitterte figürlich skulptierte Kapitelle und sehr hohe Kämpfer, mit pflanzlicher Skulptur.

Im mittleren Feld des Obergeschosses steht ein zweistufiges rundbogiges Fenster unmittelbar auf dem Kraggesims über dem Erdgeschoss. Der Scheitel des äußeren Bogens reicht etwas über die Höhe des oberen Kraggesimses hinaus und wird von einem gering auskragenden Profil überfangen, das an den Bogenenden waagerecht abknickt und gegen die Wandpfeiler stößt. Der innere Bogen ist geringfügig schmaler. Beide Bögen gehen nahtlos (ohne Kämpfer) in die seitlichen Fensterleibungen und deren Rücksprünge über.

Querhaus und Vierungsturm mini|hochkant|St.-Pierre, Ecke südl. Querhausarm Die Querhausarme ragen um etwa die Breite der Seitenschiffe über das Langhaus hinaus. Das Traufgesimse auf Kragsteinen verläuft deutlich höher als die Oberkante der Langhausattiken und setzt sich allein über den Giebel des südlichen Querhausarmes fort. Über den relativ kurzen Traufen sind wieder die etwa einen Meter hohen Attiken aufgemauert, die auf der Ecke in die Giebeldreiecke übergehen. Attiken und Ortgänge sind mit geometrischen Ornamenten skulptiert. Die zweifach abgestuften Gebäudeecken der Querhausarme sind auf jeder Seite mit Wandpfeilern bestückt. Einen Wandpfeiler gibt es auch exakt in der Mitte der Querhausgiebel. Auf den westlichen Wänden der Querhausarme, und auf der Ostwand des nördlichen Querhausarms, gibt es je ein Rundbogenfenster in Dimension und Höhenlage wie diejenigen des Langhauses. Ebensolche Fenster öffnen zweifach die Querhausgiebel. mini|hochkant|St.-Pierre, Treppentürmchen mit Helm Der nahezu quadratische Vierungsturm besteht oberhalb der Dachflächen der anschließenden Bauteile aus vier Geschossen, zwei Sockelgeschosse und zwei Obergeschosse. Die Geschosse werden untereinander horizontal durch die bekannten Kragkonsolen auf Kragsteinen geteilt. Die beiden Sockelgeschosse werden auf allen Seiten vertikal durch drei Wandpfeilern in zwei geschlossene Felder geteilt. Die äußeren Pfeiler rücken etwas ein, so dass die Bauteilecken sichtbar bleiben. Auf der südöstlichen Turmecke schließt ein ansteigender Gang an, der den Treppenturm mit der Glockenstube verbindet. Das dritte Geschoss ist wieder vollkommen geschlossen. Es zeigt auf jeder Seite vier rundbogige Blendarkaden, die von jungen Diensten getragen werden. Sie werden auf den Turmecken begrenzt und in der Mitte durch Wandpfeiler getrennt. Ihre doppelten Bögen werden von auskragenden Profilen überfangen und von skulptierten Kapitellen mit Kämpfern von den Diensten getrennt. Das nächste, etwas eingerückte Geschoss, weist wiederum vier Arkaden auf, von denen die beiden äußeren blind und die inneren offen (Schallluken) sind. Es gibt dort nur die äußeren aber schmaleren Wandpfeiler.

Darüber schließt ein weit auskragendes Gesims auf ornamentierten Kragsteinen das oberste Geschoss ab. Darüber krönt ein um etwa 40 Grad geneigtes Pyramidendach den Turm, mit roten Schindeln eingedeckt.

Noch Bestandteil des Querhauses ist eine Spindeltreppe mit kreisrundem Treppenhaus in der Ecke zwischen dem südlichen Querhausarm und der südlichen Umgangskapelle. Sie reicht vom Erdgeschoss bis über die Traufen der Querhausarme und besitzt dort ein großes gekuppeltes Zwillingsfenster und daneben Einzelfenster, alle mit skulptierten Bögen, Pfeilern und Kapitellen. Das spindelförmige Treppenhaus wird bekrönt von einem spitzen Kegel mit „umgedrehten Schuppen“ wie bei einem Pinienzapfen, siehe Abbaye aux Dames Saintes.

Chorhaupt mini|St.-Pierre, Chorhaupt, Querhaus und Vierungsturm mini|hochkant|St.-Pierre, Chorhaupt vom Donjondach aus Die Chorapsis mit einem kurzen Stück Tonnengewölbe besitzt dieselben Trauf-, Attika- und Firsthöhen wie das Querhaus. Die Traufgesimse gehen ineinander über. Die Attiken haben die gleiche Höhe, sind aber im oberen Bereich nach innen abgeschrägt. Der Umriss wird unterteilt mit vier halbrunden Pfeilern, in fünf ungleiche Wandabschnitte. Drei große Felder teilen sich auf in je drei Arkaden, davon die äußeren blind und das mittlere mit einem Rundbogenfenster bestückt.

Die Arkadenbögen stehen jeweils auf halbrunden Diensten, bei den mittleren je auf ein Dreierbündel ergänzt. Die Dachform setzt sich zusammen aus einem halben Kegel- und einem kurzen Stück Satteldach, mit flachen Neigungen.

Der Chorumgang mit seinen drei Kapellen ist noch kein Kapellenkranz, wie er später in der Gotik entwickelt wurde, sondern eine Frühform der Radialkapellen. Dieser mächtige Chorbereich von Chauvigny ist nicht ganz zufällig entstanden. Die Kirche liegt an einem abfallenden Hang und musste aus Gründen der Standsicherheit im abschüssigen Chorbereich besonders massiv ausgebaut werden. Dazu bot sich hier die Anordnung eines Umgangs mit drei Kapellen an.

Die Außenwände des Umgangs folgen parallel dem Umriss der Chorapsis, reichen aber kaum bis unter die Fenster der Chorapsis. Auch hier tauchen wieder das skulptierte Traufgesims mit seinen Kragsteinunterstützungen, und die aufgemauerte und nach innen gekrümmte Attika auf. Der Umgang wird von einem um ihn herumgeführten Pultdach mit flacher Neigung überdeckt. In seinen freien Wandabschnitten zwischen den drei Kapellen sind zwei rundbogige Fenster, ähnlich denen im Langhaus, ausgespart. Ihre Keilsteinbögen weisen geometrische Skulpturen auf und sehen aus, wie in Reihe gefaltet. Ihre Überfangungen aus leicht auskragenden Profilen, knicken an den Bogenenden waagerecht ab, und stoßen bald gegen die dreiviertelrunden Säulen in den Winkeln zwischen Umgangswand und Kapellen, die vom Sockel des Chorhauptes bis zur Umgangstraufe reichen sollten. Ähnlich ist das mit dem leicht auskragenden Fensterbankprofil. Auf dem Sockel steht eine kurze Zwerggalerie aus zwei schlanken Arkaden, deren Keilsteinbögen bis zwei Mauerschichten unter das Umgangsfenster reichen. Die Zwillingsarkaden werden außen getragen von Quadratpfeilern mit Kämpfern, und innen von einer Rundsäule mit skulptiertem Kapitell, mit Kämpfer und Basis. Im Verhältnis zu dem darüber zentriert angeordneten Umgangsfenster sind die Zwillingsarkaden auffallend seitlich verschoben. Auf dem südöstlichen Stück der Umgangswand ist ebenso eine der hohen Säulen unterbrochen und seitlich verschoben. Auf dem nordöstlichen Stück fehlt eine der hohen Säulen. In beiden Fällen ist zu erkennen, dass das Baukonzept des Chorhauptes sich oberhalb der Zwerggalerien geändert hat, ohne die vorherige Ausführung zu korrigieren (siehe Bild des Chorhauptes). mini|St.-Pierre, Kragsteine Traufgesims, zentrale Kapelle