mini|upright=0.8|Jiří Vršťala als Clown Ferdinand (rechts) mit dem „Zauberpeter“ (Peter Kersten) im alten Friedrichstadt-Palast. Jiří Vršťala (* 31. Juli 1920 in Liberec, Tschechoslowakei; † 10. Juni 1999 in Berlin) war ein tschechoslowakischer Schauspieler und Schriftsteller. Bekanntheit erlangte er vor allem durch die von ihm verkörperte Kunstfigur Clown Ferdinand.
Leben Vršťala war nach dem Abitur als Gelegenheitsarbeiter tätig. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er als Zwangsarbeiter im Deutschen Reich eingesetzt. Obwohl er keine schauspielerische Ausbildung hatte, wurde er nach 1945 am Theater in Liberec engagiert. Von dort erhielt Vršťala, der für die Darstellung des „Puck“ ausgezeichnet worden war, ein Engagement am Realistischen Theater in Prag. In den 1950er Jahren wechselte er an das Prager Stadttheater und erhielt Filmangebote.
Er entwickelte 1955 gemeinsam mit dem tschechischen Regisseur Jindřich Polák die Figur des Clown Ferdinand für eine fünfteilige Serie des Deutschen Fernsehfunks (DFF). Hier verkörperte Vršťala zum ersten Mal die Figur, die ihn über die Landesgrenzen hinaus populär machte. Weiterhin trat er in dieser Rolle auch öffentlich, insbesondere in Kinderrevuen des Friedrichstadt-Palastes und des Kindervarietés Berlin auf. Seine erste größere Filmrolle erhielt Vršťala 1960 unter Poláks Regie in dem tschechoslowakischen Kriminalfilm Páté oddělení.
Im Jahr 1966 heiratete er die Schauspielerin Angelica Domröse, die er bei Dreharbeiten zum Mehrteiler Schatten über Notre Dame kennengelernt hat und siedelte in die DDR nach Ost-Berlin über. Neben Charakterrollen als Filmbösewicht entstanden bis 1975 weitere DEFA- und Fernsehfilme um Clown Ferdinand. 1975 erfolgte die Trennung von Angelica Domröse und 1983 beendete Vršťala seine schauspielerische Karriere, um sich einer schriftstellerischen Tätigkeit zu widmen. 1987 wirkte er noch einmal in zwei tschechoslowakischen Filmen mit.
Vršťala lebte zuletzt zurückgezogen in Berlin-Pankow und erlag kurz vor seinem 79. Geburtstag einem Krebsleiden. Er erhielt eine Feuerbestattung im Krematorium Meißen.
Sein anonymes Grab befindet sich in Berlin auf dem Friedhof Pankow IV (Urnengemeinschaftsanlage).
Filmografie
Hörspiele 1965: Jiří Ciřkl/Jindřich Polák: Ferdinands Zauberhäuschen – Regie: Theodor Popp (Kinderhörspiel – Litera) 1967: Andreas Bauer/Jiří Vršťala: Ein freier Tag mit Clown Ferdinand – Regie: Jiří Vršťala (Kinderhörspiel – Litera) 1970: Jiří Vršťala: Ferdinand, paß auf! – Regie: Jiří Vršťala (Kinderhörspiel – Litera)
Literatur
Der Clown Ferdinand. Beliebte DDR-Fernsehfigur der 1960er-Jahre. In: Tele-Visionen. Fernsehgeschichte Deutschlands in West und Ost. Hrsg. von Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), abgerufen am 18. Juli 2025. Ilona Rühmann: Die Kunstfigur war echt. Zum Tod des Schauspielers Jiří Vršťala, der einmal Clown Ferdinand war. In: Berliner Zeitung, vom 16. Juni 1999, abgerufen am 18. Juli 2025.
Weblinks
Jiří Vršťala bei Discogs
Biographie und Filmographie (tschechisch) Biographie und Filmographie (deutsch)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Clown Kategorie:Darstellender Künstler (Prag) Kategorie:Zwangsarbeiter Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Tscheche Kategorie:Tschechoslowake Kategorie:Geboren 1920 Kategorie:Gestorben 1999 Kategorie:Mann