Die Junge Freiheit (JF) ist eine überregionale deutsche Wochenzeitung. Sie versteht sich als unabhängiges konservatives Medium. Politikwissenschaftler ordnen sie einem Grenzbereich zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus zu und bezeichnen sie als Sprachrohr der Neuen Rechten.
Geschichte Anfänge Chefredakteur Dieter Stein gründete die Junge Freiheit im Mai 1986 in Freiburg im Breisgau ursprünglich als Organ für die Jugendorganisation der von Franz Handlos gegründeten Freiheitlichen Volkspartei (FVP). Sie erschien seit 1986 zunächst alle zwei Monate als parteilose Schüler- und Studentenzeitung mit einer Auflage von 400 Stück. 1990 gründeten zehn Hauptautoren die Junge Freiheit Verlag GmbH.Christopher Fritzsche: Geschlechtspolitische Debatten in der neurechten Wochenzeitung „Jungen Freiheit“. Marta Press, Hamburg 2019, S. 80. Ab Januar 1991 erschien die Zeitung monatlich.Wolfgang Gessenharter: „Strategien und Einflusssphären der ‚Neuen Rechten‘.“ In: Mechtild Gomolla, Ellen Kollender, Marlene Menk (Hrsg.): Rassismus und Rechtsextremismus in Deutschland. Figurationen und Interventionen in Gesellschaft und staatlichen Institutionen. Beltz Juventa, Weinheim 2018, S. 52.
mini|Dieter Stein, Gründer und Chefredakteur der Zeitung Junge Freiheit, 2014
In der Anfangsphase wurde das Blatt an den Universitäten vor allem durch Mitglieder von Burschenschaften vertrieben.Sonja Kuhn: Die Deutsche Burschenschaft: eine Gruppierung im Spannungsfeld zwischen Traditionsformalismus und Traditionsstiftung; eine Analyse für den Zeitraum von 1950 bis 1999. Verlag des Altherrenverbandes der Burschenschaft Hilaritas, 2002, S. 87.Wolfgang Gessenharter, Thomas Pfeiffer: Die neue Rechte: eine Gefahr für die Demokratie? Springer Verlag, 2004, S. 122. Burschenschaften inserierten in der JF und stellten deren Leserschaft ihre Häuser zur Verfügung. Im Gegenzug warb die JF in den Burschenschaftlichen Blättern.Dietrich Heither: Stramm rechts: Die Deutsche Burschenschaft. In: Blätter für deutsche und internationale Politik 10/2011, S. 111–119;Dietrich Heither: Die neue Rechte: eine Gefahr für die Demokratie? Hrsg. Wolfgang Gessenharter und Thomas Pfeiffer, Springer Verlag, 2004, S. 122. So konnten in einigen Universitätsstädten durch Verteilung kostenloser Exemplare neue Leser gewonnen werden, die nach Aussage der JF innerhalb von zwei Jahren bis zu 50 JF-Leserkreise mit insgesamt rund tausend Teilnehmern bildeten. Anfang 1992 sprach Dieter Stein diesbezüglich von „Aktivitäten im nationalkonservativen vorpolitischen Raum“; der damalige Redakteur Hans-Ulrich Kopp beschrieb diese Kreise wie folgt:Alice Brauner-Orthen: Die Neue Rechte in Deutschland. Antidemokratische und rassistische Tendenzen. Leske + Budrich, Opladen 2001, S. 180.
Von 1993 bis 1995 veranstalteten die JF und ihre Leserkreise eine jährliche „Sommeruniversität“, für die auch CDU-Parteipolitiker wie Heinrich Lummer als Schirmherren fungierten. 1993 und 1994 wurde die „Sommeruniversität“ in Zusammenarbeit mit der Burschenschaft Danubia München und der Freiheitlichen Studenteninitiative Innsbruck durchgeführt. Tagungsleiter war Hans-Ulrich Kopp.Alice Brauner-Orthen: Die Neue Rechte in Deutschland: antidemokratische und rassistische Tendenzen. Leske & Budrich 2001, S. 149, 181.
1993 beschlossen die Verlagsgründer den Ausbau zur Wochenzeitung und gründeten im Januar 1994 eine Kommanditgesellschaft, an der die Leser Anteilsscheine erwerben konnten. Ergänzend wurde 1995 für die Zeichnung von KG-Anteilen die Junge Freiheit Treuhand GmbH in Berlin angemeldet. Die Komplementärin der KG war bis 2014 die Junge Freiheit Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH Potsdam (zuvor als Junge Freiheit Verlag GmbH firmierend). Als Gesellschafter mit ihren Anteilen wurden im Jahr 2000 unter anderem folgende Personen aufgeführt: Dieter Stein mit 73 Prozent, Sven Thomas Frank mit 8 Prozent und Peter Kienesberger mit 2 Prozent.Frank Böckelmann: Wem gehören die Zeitungen? Die Inhaber- und Beteiligungsverhältnisse der Tages- und Wochenzeitungsverlage in Deutschland, S. 404. Ende 2014 trat an die Stelle der alten Komplementärin die JUNGE FREIHEIT Entwicklungs-GmbH, an der Dieter Stein 100 % der Anteile hält.https://www.unternehmensregister.de/ureg/
Seit 1994 erscheint die JF wöchentlich.Gideon Botsch: Die Junge Freiheit – Sprachrohr einer radikal-nationalistischen Opposition, bpb.de, 11. Januar 2017: „entwickelte sie sich zunächst zum bundesweiten, im Zeitschriftenhandel verbreiteten, ab 1991 monatlich und schließlich seit 1994 wöchentlich erscheinenden Leitmedium für das radikal-nationalistische Milieu in der Bundesrepublik.“
Im August 1994 entließ Dieter Stein den JF-Redakteur Andreas Molau, nachdem dieser als zuständiger Redakteur einen Artikel des bisherigen JF-Kolumnisten Armin Mohler mit geschichtsrevisionistischen Thesen zum Holocaust veröffentlicht hatte. Mohler schrieb daraufhin nicht mehr für die Junge Freiheit.Helmut Kellershohn: Kurzchronologie der Jungen Freiheit 1986 bis 2006. In: Stefan Braun, Ute Voigt (Hrsg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“, Wiesbaden 2007, S. 47.
Im Juni 1996 distanzierte sich die Redaktion von ihren Leserkreisen und erklärte eine Zusammenarbeit mit diesen für beendet.Alice Brauner-Orthen: Die Neue Rechte in Deutschland. Antidemokratische und rassistische Tendenzen. Leske + Budrich, Opladen 2001, S. 145.
Anschläge und Kündigungen Am 4. Dezember 1994 verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Druckerei in Weimar, in der die Zeitung hergestellt wurde. Es entstand ein Schaden von mehr als einer Million Mark. Zu dem Anschlag bekannten sich „Revolutionäre Lesbenfrauengruppen und andere revolutionäre Gruppen“.Horst Meier: Protestfreie Zonen? Variationen über Bürgerrechte und Politik. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2012, S. 72. Bei einem Raubüberfall auf die Druckerei wurden Tausende Abonnentenadressen gestohlen. Ein Abonnent in Norddeutschland habe daraufhin eine Rohrbombe in seinem Briefkasten gefunden. Anfang 1995 wurden am Redaktionshaus Stromleitungen durchtrennt und Rauchgasgranaten in ein Fenster geschleudert. Das Auto eines Redakteurs wurde durch Feuerlegung zerstört. Kurze Zeit später verurteilten einige bekannte Persönlichkeiten aus der Politik, darunter Daniel Cohn-Bendit und Peter Gauweiler, den Anschlag.Michael Klonovsky (Interview): Sagen Sie mal, Daniel Cohn-Bendit … Gehört Deutschland den Deutschen? In: Focus Nr. 46/1995 vom 13. November 1995. Die Täter wurden nicht gefasst.Anschlag auf die Avantgarde. In: Die Zeit Nr. 51 vom 16. Dezember 1994.
Im Oktober 1995 zog die Redaktion von Potsdam nach Berlin in das Mosse-Zentrum im Berliner Zeitungsviertel. Nach einem Monat wurde dem Verlagsbüro gekündigt, worauf der Verlag 1996 nach Berlin-Wilmersdorf umzog.Helmut Kellershohn: Kurzchronologie der Jungen Freiheit 1986 bis 2006. In: Stefan Braun, Ute Voigt (Hrsg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“, Wiesbaden 2007, S. 48 f.
Nachdem die Postbank im Januar 2001 dem Verlag die Konten gekündigt hatte, erreichte die Junge Freiheit im Folgemonat mit einem als überregionale Anzeige veröffentlichten „Appell für die Pressefreiheit“ die Rücknahme der Kündigung. Als die Leipziger Buchmesse die Zeitung 2006 wegen befürchteter Proteste gegen deren geplantes Jubiläumsfest von der Teilnahme ausschließen wollte, fand sie mit einem weiteren Appell erneut prominente Unterstützer.. In: Netzeitung, 7. Februar 2006.
Weitere Entwicklungen Im Juni 1996 ersetzte die deutsche Redaktion ihre Leserkreise durch den Förderkreis Freunde der Jungen Freiheit, um dadurch neue Abonnenten zu gewinnen.Helmut Kellershohn: Kurzchronologie der Jungen Freiheit 1986 bis 2006. In: Stefan Braun, Ute Voigt (Hrsg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Wiesbaden 2007, S. 49. Die JF finanziert sich neben dem Verkaufs- und Abonnementerlös durch Anzeigen und Spenden. Seit 1996 besitzt die Junge Freiheit einen Internet-Auftritt. 2000 gründeten die regelmäßigen Autoren Götz Kubitschek und Karlheinz Weißmann das Institut für Staatspolitik (IfS), das bis 2009 eng mit der Zeitung zusammenarbeitete.Patrick Schwarz: Die Aktivitäten des Instituts für Staatspolitik (IfS). In: Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin: Monitor, Nr. 13, Dezember 2003, S. 3.
Ab Oktober 1995 war in Österreich eine eigene Wochenausgabe unter dem Titel Zur Zeit erschienen, geleitet vom FPÖ-Politiker Andreas Mölzer. Nachdem bekannt wurde, dass er mit der NPD zusammenarbeitete, kündigte die deutsche Redaktion im September 2007 ihre Kooperation mit dem österreichischen Ableger.Helmut Kellershohn: Kurzchronologie der Jungen Freiheit 1986 bis 2006. In: Stefan Braun, Ute Vogt (Hrsg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“, Wiesbaden 2007, S. 48.
Seit 2004 vergibt die Junge Freiheit zusammen mit Ingeborg Löwenthal, seit 2007 in Kooperation mit der „Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung“ (FKBF), den Gerhard-Löwenthal-Preis.
Nach einem Bericht von Welt.de im März 2017 stieg die Auflage der Jungen Freiheit im letzten Quartal 2015 zu Beginn der Flüchtlingskrise 2015 um rund 16 %. Dieser Trend setzte sich 2016 fort, während die Auflagen vieler Printmedien sanken. Laut demselben Bericht sind neun von zehn Lesern der Jungen Freiheit Männer; das Durchschnittsalter liege bei knapp unter 60 Jahren.Gaby Mahlberg: „Junge Freiheit“: Ein Besuch im „ideologischen Mutterschiff“ des Rechtspopulismus, welt.de, 31. März 2017: „Die „Junge Freiheit“ erlebte einen außergewöhnlichen Auflagensprung 2015 mit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen. Rund 16 Prozent legte Steins Blatt – kurz „JF“ – im vierten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahr zu. Während die Auflagen vieler Printmedien sinken, gewann die „JF“ auch 2016 hinzu. Sie kam Ende des Jahres auf gut 28.000 verkaufte Exemplare.“ Drei Jahre nach der Gründung der AfD im Februar 2013 verzeichnete die JF bei der verkauften Auflage ein Plus von fast 25 Prozent.Sonja Álvarez: AfD und Pegida bescheren „Junger Freiheit“ Auflagenrekord. www.tagesspiegel.de, 25. Januar 2016.
Die britische Wochenzeitung The Economist schrieb 2016 unter der Überschrift „German Conservatives: Politisch inkorrekt“ über den Aufschwung der Jungen Freiheit im Zusammenhang mit dem Aufstieg der AfD und schloss mit der Bemerkung, „die Präsenz einer rechten Stimme in der deutschen Medienlandschaft ist Teil des Weges des Landes zu einer politischen Normalität.“economist.com
Ergänzt wird die Printausgabe mittlerweile durch ein Video-Format namens JF-TV. Alle ein bis zwei Monate veröffentlicht JF-TV einen Film auf dem Youtube-Kanal der JF.Anton Maegerle: Was liest der rechte Rand? Der Blätterwald www.bpb.de, 23. Dezember 2016
2020 initiierte die JF eine „Petition für Demokratie“, in der sie die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem abgebrannten Lager Moria ablehnte. Diese Petition wurde nach Eigenangaben der JF bis Ende Januar 2021 knapp 25.000 Mal unterschrieben.Hans Demmel; Anderswelt. Ein Selbstversuch mit rechten Medien, begleitet von Friedrich Küppersbusch. Kunstmann, München 2021, S. 182
Selbstverständnis