Malborghetto Valbruna () ist eine viersprachige Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Kanaltal in der Region Friaul-Julisch Venetien. mini|Brücke über den Rio Malborghetto der alten Hauptstraße durch den Ort
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im mittleren Kanaltal zwischen den Gemeinden Tarvisio (Tarvis) im Osten und Pontebba (Pontafel) im Westen.
Die Hauptorte sind von Berggipfeln der Karnischen Alpen im Norden und der Julischen Alpen im Süden geprägt: dem Jôf di Montasio (Montasch, 2754 m), dem Jôf Fuârt (Wischberg, 2666 m), dem Jôf di Miezegnot (Mittagskofel, 2087 m), dem Monte Osternig (Oisternig, 2052 m) sowie dem Monte Poludnig (Poludnig, 2000 m). Das Val Saisera (Seiseratal) liegt in einem südlichen Seitental der Fella, vom Gebirgsbach Saisera durchzogen. Hier liegt auch der Monte Santo di Lussari (Luschariberg, 1788 m).
Nachbargemeinden mini|Gemeindeamt in Malborghet mini|Palazzo Veneziano in Malborghet mini|Hauptplatz in Malborghet
Gemeindegliederung Die Ortsteile (Fraktionen) sind Bagni di Lusnizza (Lußnitz), Cucco (Gugg), Malborghetto (Malborgeth), Santa Caterina (St. Kathrein), Ugovizza (Uggowitz) und Valbruna (Wolfsbach).
Geschichte Bis ins Hochmittelalter gehörte die Gemeinde mit dem damaligen Namen Bambergedt (-edt = Gut, Besitz), wie das ganze Kanaltal, den Bischöfen von Bamberg und erlangte in jener Zeit wirtschaftliche Bedeutung. Der Name entwickelte sich im Laufe der Zeit zu Buonborgeth (buon = gut) und schließlich, nachdem der Ort nach Streitigkeiten mit Venedig Ende des 14. Jahrhunderts von den Venezianern niedergebrannt worden war, zu Malborgeth (mal = schlecht).Kurt F. Strasser, Harald Waitzbauer: Über die Grenzen nach Triest. Wien 1999, S. 64. Florierende Eisengewinnung und Holzwirtschaft trugen zur ökonomischen Entwicklung der Ortschaft bei, die noch heute Sitz von Handwerks- und kleinen Industriebetrieben ist.
Die Habsburger bauten dort eine Befestigungsanlage (heute Fort Hensel genannt), die von den Venezianern im Jahre 1616, vom französischen General André Masséna im Jahre 1797 und vom Vizekönig Eugène de Beauharnais im Jahre 1805 besetzt wurde. mini|Gefallenendenkmal zur Erinnerung an Hauptmann Hensel Vom 14. bis 17. Mai 1809 verteidigte eine österreichische Einheit unter Hauptmann Friedrich Hensel die Festung vier Tage lang gegen 15.000 französische Soldaten unter Eugène de Beauharnais bis zum Fall am 17. Mai. Von den 390 Österreichern wurden 350 getötet.Digby Smith: The Greenhill Napoleonic Wars Data Book. London 1998. ISBN 1-85367-276-9, S. 304. Durch den Zeitverlust konnte das französische Korps nicht mehr in die Schlacht bei Aspern eingreifen, was zum Sieg Erzherzog Karls beitrug.
Im Jahr 1880 hatte die damalige Marktgemeinde Malborgeth 894 Einwohner. Davon waren 774 deutsch- (87 %) und 66 slowenischsprachig (7 %).K. K. Statistische Central-Commission: Special-Orts-Repertorien der im Oesterreichischen Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder. Band V: Kärnten. Wien 1883, S. 67.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs fiel Malborgeth im Jahre 1919 mit dem gesamten Kanaltal an Italien, obwohl es ausschließlich von deutsch- und slowenischsprachiger Bevölkerung besiedelt war. Ende August 2003 verursachte ein Hochwasser mit Vermurungen große Schäden.
Sprachen und Dialekte Wie in den benachbarten Gemeinden Pontebba und Tarvis koexistieren auch in Malborghetto-Valbruna neben dem Italienischen drei weitere Sprachen: Slowenisch (geschützt durch das Regionalgesetz 26/2007), Deutsch (geschützt durch das Regionalgesetz 20/2009) und Friaulisch. Die ersten beiden Sprachen sind in der Region seit dem Mittelalter präsent (das Slowenische sogar seit dem 7. Jahrhundert). Auch das Friaulische trat bereits in alter Zeit in Erscheinung, erlebte jedoch im 19. Jahrhundert durch die Einbeziehung der Gemeinde in das Königreich Italien und die darauf folgende Einwanderung von Familien von außerhalb eine starke Verbreitung. Gemäß dem Beschluss Nr. 86 vom 26. November 2003 des Rates der Provinz Udine wurde die Gemeinde in den territorialen Schutzbereich der friaulischen Sprache für die Anwendung des nationalen Gesetzes 482/99 sowie die Regionalgesetze 15/96 und 29/2007 aufgenommen.
Diese Idiome sind sehr unregelmäßig verteilt, und kein bewohnter Ortsteil kann als rein slowenisch-, deutsch- oder friaulischsprachig bezeichnet werden; zudem sprechen oder verstehen die Einwohner oft mehrere dieser Sprachen.
Mit Ausnahme von Ugovizza (Uggowitz), wo eine nennenswerte Minderheit der Einwohner slowenischsprachig ist, stellen die deutschen und slowenischen Muttersprachler in den übrigen Teilen der Gemeinde nur eine kleine Minderheit dar.
+ Ethnische Volkszählungen in der Gemeinde Malborghetto Valbruna Jahr % Italienisch- / Friaulischsprachige % Slowenischsprachige % Deutschsprachige 1880 3 55 42 1910 3 39 58 1950 57 31 12 1983 53 32 15
Tourismus Zusammen mit den Ortschaften Valbruna (Wolfsbach) und Ugovizza (Uggowitz) repräsentiert die Gegend eine wichtige Region für Sommerfrische und Wintersport. Der Ort ist auch ein Ausgangspunkt für Wanderungen in die Julischen Alpen.
Sehenswürdigkeiten Malborghetto Der Palazzo Veneziano (XVII. Jahrhundert), Nutzung als Ethnografisches Museum der Gemeinden in Montana-Canal del Ferro-Valcanale.
mini|hochkant|Die Pfarrkirche Santa Maria Die einschiffige gotische Pfarrkirche Santa Maria wurde 1809 restauriert. Das Kirchenschiff hat ein Netzrippengewölbe. Es wurden Reste gotischer Fresken und Steine aus dem 16. und 17. Jahrhundert freigelegt.
Gefallenendenkmal und Ruinen-Überbleibsel der Talsperre Fort Hensel bei Malborghetto
Ugovizza mini|hochkant|Rekonstruierter Kirchturm in Uggowitz Die Kirche Heilige Philipp und Jakob; im Inneren sind zahlreiche Fresken zu besichtigen, die im Jahre 1959 freigelegt wurden. Der Kirchturm wurde durch das Hochwasser vom 29. August 2003 weggerissen, seit 2009 ist er komplett wiederhergestellt.
Literatur
Roberta Costantini, Fulvio Dell’Agnese, Micol Duca, Antonella Favaro, Monica Nicoli, Alessio Pasian: Friuli-Venezia Giulia. I luoghi dell’arte. Bruno Fachin Editore, Triest, S. 273–274. Anna Zanier, Claudio Canton, Roberto Carollo, Mauro Bigot: La strada ferrata della Pontebba. Senaus, Udine 2006, ISBN 88-901571-5-1. Guida del Friuli. Band VII: Val Canale. Societá Alpina Friulana, Udine 1991. Claudia Fräss-Ehrfeld (Hrsg.): Napoleon und seine Zeit, Kärnten – Innerösterreich – Illyrien. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt 2009, ISBN 978-3-85454-113-4, S. 153–198.
Weblinks
Talsperre Fort Hensel
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Friaul-Julisch Venetien Kategorie:Kanaltal Kategorie:Ereignis 1809
Kategorie:Karnischer Hauptkamm Kategorie:Julische Alpen Kategorie:Ort an der Fella