mini|Dorfkirche Kirchgandern ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Sie gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Hanstein-Rusteberg und liegt rund einen Kilometer südlich der Bundesautobahn 38.
Geographie mini|Ansicht von Kirchgandern aus westlicher Richtung (am rechten Bildrand ist der Rusteberg zu sehen)|alternativtext=|ohne Kirchgandern liegt im Oberen Leinegraben etwa 2,5 km nordöstlich des Dreiländerecks Hessen-Niedersachsen-Thüringen. Das 4,37 km² große Gemeindegebiet erstreckt sich in den Höhenlagen von 192 bis . Nördlich erhebt sich der Pferdeberg (ca. ; einstige Opferstätte) und nordöstlich der Kahle Berg (ca. ; Standort einer Kapelle). Die Leine bildet die südwestliche Grenze der Gemeinde und die natürliche Grenze zu den thüringischen Nachbargemeinden Arenshausen im Südosten und Hohengandern im Südwesten. Nordwestlich befindet sich das niedersächsische Besenhausen. Im Wald Richtung Kahler Berg entspringt der Gänsebach, der das Dorf etwa in Ost-West-Richtung durchfließt und etwas westlich davon in die Leine mündet. Zudem teilt er die Ortschaft in zwei Hälften: die nördliche Dorfhälfte wird als Oberdorf bezeichnet, die südliche als Unterdorf.
Westlich am Dorf vorbei verläuft die Landesstraße 1001, die in Richtung Süden zur Bundesstraße 80 führt und die nach Nordwesten über an sie anschließende Straßen durch Niedersachsen zur in Hessen bei Marzhausen gelegenen Anschlussstelle Neu-Eichenberg–Friedland der Bundesautobahn 38 hat.
Zur Ortslage gehört noch die südöstlich Richtung Arenshausen gelegene Siedlung Neuwerth.
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung Kirchganderns fand im Jahr 1118 statt. Kirchgandern hat seinen Namen von der ursprünglichen Siedlung „Ganderaha“. „Gander“ bedeutet Gänserich und „Aha“ ist die Bezeichnung für Wasser, der Ortsname bedeutet also „am Gänsebach gelegen“. Den Beinamen „Kirch“ bekam das Dorf, da seine Kirche die Hauptkirche des geistigen Bannes war. Die Kirche ist eine der ältesten Kirchen im näheren Umkreis, laut Urkunde wurde sie im Jahre 1300 errichtet. So entwickelte sich im Laufe der Zeit aus der Ortsbezeichnung „Ganderaha“ der heutige Ortsname Kirchgandern. 1802 bis 1807 wurde der Ort preußisch und kam dann zum Königreich Westphalen. Ab 1815 war er Teil der preußischen Provinz Sachsen. 1945 bis 1949 gehörte der Ort zur sowjetischen Besatzungszone und wurde ab 1949 Teil der DDR. Von 1952 bis zur Wende und Wiedervereinigung 1989/1990 wurde Kirchgandern von der Sperrung der nahen innerdeutschen Grenze beeinträchtigt. Unter anderem war der unmittelbar an der Grenze liegende Kreuzweg und die aus dem Jahr 1852 stammende Magdalenen-Kapelle nicht mehr zugänglich und wurden durch Verfall und Zerstörung vernichtet. In den 90er Jahren wurden Kreuzweg und Kapelle wiedererrichtet. Seit 1990 gehört der Ort zum wieder gegründeten Bundesland Thüringen.
In Kirchgandern gab es früher viele Handwerksbetriebe wie Bäckereien, Fleischereien, eine Mühle, Lebensmittelläden, Gaststätten, eine Zigarrenfabrik, Ärzte, Frisöre, eine Mützenfabrik, Schneidereien, einen Schuster, einen Tellermacher, Tischlereien, eine Schmiede, Maler, Klempner, ein Fuhrunternehmen und vieles mehr. Auch im Bildungsbereich war Kirchgandern mit zwei Schulen vergleichsweise gut ausgestattet.
Im Laufe der Jahre entwickelte in Kirchgandern ein reges Vereinsleben. So entstanden z. B. der Kriegerverein, der Taubenverein, der Jungfrauenverein und der Radsportverein, welche heute nicht mehr existieren. Der Gesangsverein, der Hundesportverein, der VFR Sportverein, die Alten Herren Kirchgandern, die Waldgemeinschaft, die Kolpingsfamilie, der Förderverein Kirchgandern sowie die Freiwillige Feuerwehr Kirchgandern sind jedoch heute noch sehr aktiv.
Nach der Wende wurde Kirchgandern ins Dorferneuerungsprogramm aufgenommen; die Gemeinde erschloss ein Gewerbegebiet und baute ein Dorfgemeinschaftshaus, in welchem heute Versammlungen, Vereinstreffen und Feiern stattfinden.
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl: 1994: 614 1995: 615 1996: 602 1997: 597 1998: 611 1999: 596 2000: 601 2001: 597 2002: 603 2003: 603 2004: 626 2005: 624 2006: 623 2007: 635 2008: 633 2009: 625 2010: 602 2011: 588 2012: 586 2013: 575 2014: 568 2015: 570 2016: 579 2017: 582 2018: 587 2019: 580 2020: 582 2021: 613 2022: 597 2023: 597 2024: 596 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik
Politik Gemeinderat
Der Gemeinderat von Kirchgandern setzt sich aus acht Gemeinderatsmitgliedern zusammen.
CDU: 5 Sitze FDP / Freie Wählergemeinschaft: 3 Sitze
Bei der Gemeinderatswahl am 26. Mai 2019 entfielen 612 Stimmen (61,6 %) auf die CDU, und 382 Stimmen (38,4 %) auf die FDP / Freie Wählergemeinschaft. Insgesamt gab es 994 gültige Stimmen. Es waren 479 Personen stimmberechtigt. Gewählt haben insgesamt 357 Wähler, wobei 334 gültige und 23 ungültige Stimmabgaben gezählt wurden. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,5 %.
+Übersicht der Ergebnisse der Gemeinderatswahl:Partei%StimmenSitzeCDU61,66125FDP / Freie Wählergemeinschaft38,43823 (Stand: Gemeinderatswahl am 26. Mai 2019 / Daten: Thüringer Landesamt für Statistik)
Bürgermeister
Der Bürgermeister (ehrenamtlich) ist Frank Wandt (CDU). Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 25. November 2018 mit 281 Stimmen (95,3 %) gewählt. 14 Stimmen (4,7 %) entfielen auf andere Bewerber. Es waren 491 Personen stimmberechtigt. Gewählt haben insgesamt 300 Wähler, wobei 295 gültige und 5 ungültige Stimmen gezählt wurden. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,1 %.
+Übersicht der Ergebnisse der Bürgermeisterwahl:Wahlvorschlag%StimmenWandt, Frank (CDU)95,3281Andere Bewerber4,714 (Stand: Bürgermeisterwahl am 25. November 2018 / Daten: Thüringer Landesamt für Statistik)
Ehemalige Bürgermeister (seit 1994) Nolte, Werner (CDU) – (12. Juni 1994 – 22. Januar 1995) Herwig, August (FDP) – (22. Januar 1995 – 6. Juni 2010) Sieling, Wolfgang (CDU) – (6. Juni 2010 – 25. November 2018)
Verwaltung Kirchgandern ist Mitglied in der Verwaltungsgemeinschaft Hanstein-Rusteberg mit Sitz in der Nachbargemeinde Hohengandern. Die Verwaltungsgemeinschaft wurde am 4. Mai 1993 gegründet und dient der Erledigung der Verwaltungsangelegenheiten der insgesamt 14 Mitgliedsgemeinden.
alternativtext=Wappen der Gemeinde Kirchgandern|mini|158x158px|Wappen der Gemeinde Kirchgandern
Wappen Die Gemeinde Kirchgandern führt ein amtliches Wappen und eine Flagge.
Blasonierung: „In Blau ein silberner flugbereiter Ganter mit einer rechts und links aus dem Hals wachsenden schwebenden verkürzten silbernen Leiste, belegt mit einem roten Herzschild mit einem silbernen sechsspeichigen Rad.“
Auf dem Redenden Wappen erkennt man eine Gans mit ausgebreiteten Flügeln (Flügel sind in Unteransicht dargestellt), wobei Hals und Kopf der Gans kombiniert mit einem Querbalken ein Kreuz, als Zeichen für Glaube und Kirche bilden. Das Herzschild mit dem silbernen Rad symbolisiert die jahrhundertealte Zugehörigkeit zum Kurfürsten- und Erzbistum Mainz, somit zum Eichsfeld.
Wirtschaft und Infrastruktur Bildungs- und Erziehungseinrichtungen Kirchgandern ist im Bildungssektor mit einer Schule, und im Erziehungsbereich mit einer Kindertagesstätte relativ gut aufgestellt. Die Kindertagesstätte "Pfiffikus" Kirchgandern ist eine öffentliche Kindertagesstätte, deren Träger die Gemeinde Kirchgandern ist. Sie wurde 1953 eröffnet und in den vergangenen Jahren ausgebaut. Die Einrichtung liegt südlich des Dorfkerns an der Heiligenstädter Straße und verfügt über einen langgestreckten Außenbereich (Umbau im Sommer 2018) mit Spielmöglichkeiten, zwei Speiseräume, einen Turnraum und diverse Gruppenräume. Die Regelschule Arenshausen ist eine staatliche Schule, deren Träger der Landkreis Eichsfeld ist. Die Schule liegt etwa 1 Kilometer südöstlich des Dorfkerns an der Bundesstraße 80 innerhalb der Gemarkung Kirchgandern. An das Schulgebäude grenzen der Schulhof und die Sporthalle sowie die Sportanlage Kirchgandern-Arenshausen.
Wasser und Abwasser Die Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung wurde auf den Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserentsorgung Obereichsfeld übertragen.
Flächenaufteilung Kirchgandern weist eine Bodenfläche von insgesamt 439 ha auf. Davon entfallen lediglich 44 ha (10 %) auf die Siedlungsfläche und 21 ha (4,8 %) auf die Verkehrsfläche. Siedlungs- und Verkehrsfläche haben zusammen eine Größe von 65 ha (14,8 %). Den größten Anteil an der Fläche macht die Vegetation mit 368 ha (83,8 %) aus. Die Gewässer machen den kleinsten Anteil an der Fläche mit 6 ha (1,4 %) aus.
Vegetation Die Fläche der Vegetation hat sich von 2015 bis 2018 von 381 auf 368 ha verkleinert. Sie hat einen Anteil von 83,8 % (368 ha) an der Gesamtfläche. 76,4 % der Vegetationsfläche entfallen auf die Landwirtschaft. Der Wald macht 19 % und das restliche Gehölz rund 3 % aus. Unland beziehungsweise vegetationslose Fläche haben einen Anteil von 1,6 % an der Vegetationsfläche.
Siedlung Die Siedlungsfläche hat sich von 2015 bis 2018 um 14 ha erhöht, von 30 auf 44 ha. Sie hat einen Anteil von 10 % (44 ha) an der Gesamtfläche. Den größten Anteil an der Siedlungsfläche hat die Sport-, Freizeit- und Erholungsfläche mit 29,5 %, die sich in den letzten Jahren stark erhöht hat. Danach folgt die Wohnbaufläche mit 38,6 % und die Industrie- und Gewerbefläche mit insgesamt 25 %. Flächen mit besonders funktionaler Nutzung machen mit 1 ha eher einen kleinen Prozentsatz aus. Auch der Friedhof hat an Gesamtfläche verloren. Der Rest entfällt auf kleinere Flächen mit anderer Nutzung.
Verkehr Die Verkehrsfläche hat von 2015 bis 2018 leicht abgenommen. Sie hat einen Anteil von 4,8 % (21 ha) an der Gesamtfläche von 439 ha. Den kleineren Anteil an der Verkehrsfläche macht die Fläche der Straßen, mit 47,6 % aus. Der Rest sind Wege und andere vom Verkehr genutzte Flächen, die sich auf 57,1 % an der Verkehrsfläche belaufen.
Gewässer Die Gewässerfläche in Kirchgandern ist im Laufe der Jahre konstant geblieben. Sie hat einen Anteil von 1,4 % (6 ha) an der Gesamtfläche. Fließgewässer (Leine, Gänsebach) haben einen Anteil von nahezu 100 % an der Gewässerfläche. Der Rest sind stehende Gewässer mit unter 1 % an der Gewässerfläche.
Sehenswertes mini|Magdalenenkapelle Zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes gehören: Dorfkern mit Fachwerkhäusern Kirche St. Martin Kreuzweg und Magdalenen-Kapelle am Pilgerweg Loccum–Volkenroda Rundwanderweg „Weg der Geschichte“ entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze und im ehemaligen Sperrgebiet der DDR
Persönlichkeiten Georg Riehm (1888–1946), Politiker (SPD), Abgeordneter des Provinziallandtages der Provinz Hessen-Nassau Ernst Bachmann (1901–1978), Politiker, Mitglied des Niedersächsischen Landtages Albert Krebs (* 1951), Fußballspieler und -trainer
Weblinks
Gemeinde Kirchgandern bei der Verwaltungsgemeinschaft Hanstein-Rusteberg Kindertagesstätte KiTa Kirchgandern Staatliche Regelschule Arenshausen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Eichsfeld Kategorie:Ort im Eichsfeld
Kategorie:Ort an der Leine (Aller) Kategorie:Ersterwähnung 1118