hochkant=1.4|mini|Altenberger Dom mini|Ostansicht mini|Der Altenberger Dom von Süden aus der Luft gesehen
Der Altenberger Dom (auch Bergischer Dom) ist die ehemalige Klosterkirche der seit 1133 von den Zisterziensern errichteten Abtei Altenberg. Sie trägt das Patrozinium St. Mariä Himmelfahrt. Bis 1511 war das Gotteshaus auch Grablege der Grafen und Herzöge von Berg sowie der Herzöge von Jülich-Berg. Die Abtei wurde 1803 im Rahmen der Säkularisation aufgelöst, der Dom wird seit dem Jahr 1857 simultan von der römisch-katholischen und der evangelischen Gemeinde als Pfarrkirche genutzt. Heute befindet sich der Altenberger Dom im Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen.
„Altenberger Dom“ ist die von jeher gebräuchliche Bezeichnung für die Kirche. Das Wort „Dom“ weist in diesem Fall nicht auf die Kathedralkirche eines Bistums hin, sondern lediglich auf die kathedralartigen Ausmaße des Bauwerks.
Lage Der denkmalgeschützte Altenberger Dom befindet sich in der Gemeinde Odenthal, Ortsteil Altenberg (Rheinisch-Bergischer Kreis), gut 20 km (Fahrtstrecke) nordöstlich von Köln, im Tal der Dhünn am Westrand des Bergischen Landes.
Bauwerk und Baugeschichte mini|Strebewerk an der Vierung
Der Dom als Kirche der Zisterzienserabtei mini|Grundriss
Der Altenberger Dom wurde als Klosterkirche ab dem Jahr 1255 auf der Stelle eines romanischen, um 1160 geweihten Vorgängerbaus errichtet. Die Zisterzienser waren bereits im Jahr 1133 nach Altenberg gekommen und hatten mit dem Bau einer Abtei begonnen. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts zählte die Abtei 107 Priestermönche und 138 Laienbrüder, so dass der Bau einer großen Kirche ins Auge gefasst wurde. Graf Adolf IV. von Berg legte am 3. März 1259 in Anwesenheit des Kölner Erzbischofs Konrad von Hochstaden den Grundstein zum „Bergischen Dom“. Gemessen am Baubeginn ist er damit fast so alt wie die gotischen Dome von Köln (1248) und Utrecht (1254). Im Jahr 1287 wurde der Chor geweiht, am 3. Juli 1379 folgte im Auftrag des Kölner Erzbischofs die Gesamtkonsekration durch Bischof Wikbold Dobilstein von Kulm, der im Hochchor von Altenberg bestattet ist. Das große Westfenster wurde erst um 1400 eingesetzt.Heinrich J. Felten: Der Altenberger Dom. Hoffnungsvolles Zeichen ökumenischer Einheit. In: Verkehrsverein Altenberg (Hrsg.): Altenberg im Bergischen Land. Der Altenberger Dom 1255–1379. Odenthal-Altenberg o. J.
Der Zisterzienserorden entstand durch Reformen aus dem Benediktinerorden. Für die Anlage der Klöster bevorzugte er im Gegensatz zu anderen Orden abgeschiedene Tallagen. In der Architektur befolgte er anfangs eine strenge Ordensregel – den „Idealplan“ –, deren Prinzipien man teilweise auch in Altenberg sieht. Die Bauten mussten von asketischer Einfachheit sein und durften keine monumentalen Kirchtürme, sondern nur Dachreiter haben. Anfangs waren gerade geschlossene Chorräume und Kapellen vorgeschrieben („Bernhardinische Regel“), ab etwa 1150 wurden jedoch gerne Umgangschöre mit Kapellenkranz gebaut,Gebaut: Burgundische Romanik – Pontigny – Zisterziensergotik → Chorpartien und das wurde auch hier verwirklicht. Auch Statuen, farbige Figurenfenster und andere aufwendige Verzierungen waren untersagt. Diese anfangs strengen Regeln wurden jedoch mit der Zeit aufgeweicht.Gudrun Gleba: Klöster und Orden im Mittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 4. Auflage, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-534-24259-7, S. 82 ff. mini|hochkant|Vierung: rechts Langhaus, links Chor Der heutige Dom ist ein Werk der Gotik und besteht aus Drachenfelser Trachyt, der hierher allerdings schwieriger zu transportieren war als nach Köln. Der Grundriss zeigt eine dreischiffige Basilika mit Querhaus und einem Chorumgang mit sieben Radialkapellen. Vom klassischen Kathedralplan der Hochgotik (wie Amiens, Reims) unterscheidet er sich nur durch das schon erwähnte Fehlen von Westtürmen und ist sogar deutlich komplexer als der Grundriss des 1290 begonnenen gotischen Verdener Doms.
Auch der Innenraum zeigt sich in den strengen Formen der zisterziensischen Gotik.Ernst Badstübner: Kirchen der Mönche. Union Verlag Berlin 1980, S. 216. So erfüllte man das Bescheidenheitsgebot mit demonstrativ schlichten Kapitellen der Langhausarkaden, wiewohl andere Kapitelle etwas Pflanzendekor aufweisen. Anfangs fehlten figürliche Darstellungen und Farb-Verglasung, wurden jedoch später ergänzt.
Im Chorumgang befinden sich die ältesten Fenster der Kirche. Im Verlauf nach Westen (bis zum Westfenster) stammen sie aus immer jüngeren Epochen. Die Gestaltung der Fenster dokumentiert die Zeit ihrer Entstehung: die ältesten, noch ohne jede bildliche Darstellung, sind schlicht und blass in Grisaille-Technik; die jüngeren werden immer reicher an Ornamenten und kräftiger in der Farbgestaltung. Im Westfenster aus dem Jahr 1400 (eines der schönsten der deutschen Gotik) findet man schließlich konkrete, bildhafte Darstellungen, die die Abkehr von den ursprünglichen zisterziensischen Gewohnheiten dokumentieren.
Glasmalereien im Wandel der Zeit:
Bei vielen Details in der Kirche ist zu erkennen, dass auch schon vor der Entstehungszeit des Westfensters das Farbverbot nicht allzu streng befolgt wurde. Die Kämpferzone vieler Säulen ist intensiv rot. An zahlreichen Kapitellen spielt die Sinnenlust eine gewisse Rolle, nicht nur in der Farbe, sondern auch im dargestellten Thema, das u. a. eine Weinrebe in vollreifem Zustand darstellt. Darüber hinaus lassen sich etwa zehn botanisch bestimmbare Pflanzenmuster unterscheiden, zu denen noch dekorativ abgewandelter Pflanzenschmuck an Kapitellen und Schlusssteinen tritt. Sie spiegeln die mit der Scholastik einsetzende naturwissenschaftliche Reflexion, wie sie im Werk des Albertus Magnus ihren Niederschlag gefunden hat. Stilistisch mit den vegetabilen Ornamenten im Kölner Dom verwandt, haben sie dennoch ihre eigene Note. Einzelne Plastiken übertreffen in ihrer Naturnähe sogar vergleichbare Werke in der Kathedrale von Köln.
Von der Säkularisation bis heute mini|Der Dom von Norden mini|Kloster Altenberg (Kupferstich von Johann Jakob Sartor, 1707) mini|Der Altenberger Dom (Radierung von Eduard Gerhardt, 1834)
Im Zuge der Säkularisation (1803) wurde die Abtei aufgelöst und zunächst das Inventar versteigert (1804). 1806 verkaufte der zwischenzeitliche Eigentümer, der bayerische König Maximilian Joseph, die Kirche und die Klosteranlage an den Kölner Weinhändler Johann Heinrich Pleunissen für 26.415 Reichstaler. Das spätgotische Adlerpult aus dem Jahre 1449 wurde in die Maxkirche nach Düsseldorf geschafft. Die Chemiker Johann Gottfried Wöllner und Friedrich Mannes pachteten das Gelände und richteten dort eine Chemiefabrik ein, um Berliner Blau herzustellen. Nach einer Explosion im Bereich des Kapitelsaales der Abtei in der Nacht vom 6. auf den 7. November 1815 entstand ein Feuer, das die Klostergebäude weitgehend vernichtete, auf das Dach der Abteikirche übergriff und den hölzernen Dachstuhl zerstörte. Klostergebäude und Kirche verfielen immer mehr. Es kam trotz Notdach zwischen 1821 und 1835 zu mehreren Teileinstürzen; 1830 stürzten erhebliche Teile des südlichen Querschiffs, die Vierung und die angrenzenden Chorpartien ein.Landschaft und Geschichte e. V. (Hrsg.): Auf Spurensuche in Altenberg. Landschaft und Geschichte im Herzen des Bergischen Landes. Gaasterland Verlag, o. O. 2006, ISBN 3-935873-06-9 (Autoren: Manfred Link, David Bosbach, Randolf Link), S. 30. In den darauffolgenden Jahren wechselten noch mehrfach die Besitzer. Die Anlage wurde schließlich teilweise als Steinbruch genutzt.
Im Jahre 1834 erwarb Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim die Klosterkirche und ließ erste, allerdings unzureichende Sicherungsmaßnahmen durchführen. Für ihre Erhaltung setzte sich in dieser Zeit erfolgreich der preußische Staatsbeamte und Philologe Werner von Haxthausen ein. Nach einer Schenkung der Kirchenruine an den preußischen Staat unterstützte König Friedrich Wilhelm III. maßgeblich die Restaurierung der Abteikirche (über 70 % der Baukosten von ca. 100.000 Talern) mit der Auflage (die in einer Kabinettsorder Friedrich Wilhelms IV. vom 15. September 1856 niedergelegt wurde), dass die Kirche zukünftig als Simultankirche genutzt werde. Eine räumliche Trennung in einen evangelischen und katholischen Teil innerhalb des Gebäudes war zunächst geplant, wurde aber von König Friedrich Wilhelm IV. strikt abgelehnt. Der erste evangelische Gottesdienst fand dann am 13. August 1857 statt.
Weitere Restaurierungsphasen erfolgten 1894 bis 1912 sowie in den 1960er-Jahren. Zu dieser Zeit wurde eine Fußbodenheizung verlegt, die aber schon bald nicht mehr funktionierte. In den 1890er-Jahren wurden zwanzig der Grisaille-Fenster von der Köln-Lindenthaler Glasmalerei Schneiders und Schmolz restauriert und ergänzt.
1987 wurde bei einer Baubegehung die Notwendigkeit zu einer umfassenden Renovierung festgestellt, zwei Jahre später begann man mit der photogrammetrischen Vermessung.
Im Jahre 1994 wurden dann die umfangreichen Sanierungsarbeiten durch das Land Nordrhein-Westfalen begonnen. Im Laufe der Sanierung stellten sich größere Mängel als zunächst angenommen heraus, so dass die Arbeiten am Gebäude nicht wie geplant 2003 beendet, sondern erst im Sommer 2005 mit dem Wiedereinbau des renovierten Westfensters abgeschlossen werden konnten. Die Gesamtkosten für die Renovierung betrugen ca. 21 Millionen Euro. Anschließend wurde die Klaisorgel, die durch die Staubbelastung während der Renovierungsarbeiten erheblich gelitten hatte, einer Generalüberholung unterzogen. Dabei wurde das Instrument weitgehend demontiert und nach der Aufarbeitung und Erneuerung vieler Teile bis Ende 2005 wieder instand gesetzt.
Die Jahrhunderte haben dem Bauwerk, unter anderem durch Eindringen von Wasser, stark zugesetzt. Die gesamte Wasserableitung im Dachbereich musste erneuert werden; die alten Wasserspeier verloren dadurch ihre Funktion, blieben aber als Gestaltungsbestandteil erhalten. Der Druck des Gewölbes auf das Mauerwerk konnte nicht mehr allein von den äußeren Verstrebungen aufgefangen werden. Die Mauern hatten sich bereits bedenklich nach außen geneigt; das Gewölbe drohte in absehbarer Zeit einzustürzen. Aus diesem Grund mussten Zugeisen eingebaut werden, um die Mauern im oberen Teil zu stabilisieren und die äußeren Streben zu entlasten.
Am 25. August 2006 wurden die Restaurierungsarbeiten mit einem ökumenischen Festgottesdienst und einem Festakt im Beisein von Ministerpräsident Rüttgers, Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, und Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, offiziell beendet.
In Altenberg ist nicht nur die mittelalterliche Kirche erhalten, sondern im Bereich der ehemaligen Klosterimmunität auch die 1230 erbaute Markuskapelle direkt an der Dhünn und Teile der ehemaligen Konventsgebäude unmittelbar südlich an den Dom anschließend, ungefähr in der gleichen Lage, in der sie ursprünglich gebaut wurden. Sie werden heute vom Erzbistum Köln als Jugendbildungsstätte Haus Altenberg genutzt. Eine im Frühjahr 2013 begonnene und auf zwei Jahre veranschlagte Grundsanierung diente dem Zweck, die ursprüngliche Baustruktur der Abtei stärker erkennbar werden zu lassen. Im Zuge des Umbaus wurden auch umfangreiche archäologische Grabungen durch eine Grabungsfirma und Bauforschungsprojekte auf dem Abteigelände durchgeführt. Der nördliche Abschnitt der Umfriedungsmauer des Klosterbezirks wurde ebenfalls restauriert.
Ausstattung
Der Mariä-Krönungs-Altar befindet sich erst seit 1912 in der Kirche. Er ist am Ende des Mittelalters im Lübecker Raum entstanden und zeigt die Krönung der Gottesmutter Maria durch die Heilige Dreifaltigkeit. Der jetzige Zustand ist das Ergebnis der Restaurierung von 1994 bis 1998.
Das Chorgestühl ist eine Nachbildung des Gestühls aus der Zeit um 1300. Das Original hatte vermutlich mehr als 100 Sitze und war reichlich mit Figuren und Blattwerk versehen. Die wenigen nach der Säkularisation erhaltenen Originalteile befinden sich heute im Kunstgewerbemuseum in Berlin.