Kirchberg (Hunsrück) ist eine Stadt im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz. Sie ist Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde und ein Grundzentrum.
Geographie Kirchberg, die „Stadt auf dem Berg“, in moselfränkischer Mundart Kerbrich genannt, erhielt 1259 Stadtrechte und ist damit die älteste Stadt auf dem Hunsrück. Sie liegt am Schnittpunkt der alten Straßenverbindung Trier–Kirchberg–Bingen–Mainz, der Römerstraße oder Ausoniusstraße (heute B 50), mit dem Keltenweg Nahe–Mosel (heute B 421 und Landesstraße 184). Seit 1990 wird die Innenstadt durch die Umgehungsstraße der B 50 entlastet. Die stillgelegte Eisenbahnstrecke der Hunsrückquerbahn Langenlonsheim–Stromberg–Rheinböllen–Simmern–Kirchberg–Hermeskeil soll in absehbarer Zeit zumindest teilweise reaktiviert werden. Die Entfernung zur Kreisstadt Simmern/Hunsrück beträgt 10 km in östlicher Richtung und zum Flughafen Frankfurt-Hahn mit internationalen Verbindungen 12 km in westlicher Richtung.
mini|hochkant=1.5|links|Blick von Norden auf Kirchberg mit den drei Türmen: Wasserturm, Michaelskirche und Friedenskirche Bereits von Weitem kann man die Türme der beiden Kirchen und den charakteristischen Wasserturm der auf einer Anhöhe gelegenen Stadt Kirchberg sehen. Vom Turm der Michaelskirche sind sichtbar: Im Südosten der Soonwald mit der Burgruine Koppenstein, im Süden der Lützelsoon, im Südwesten Idarkopf und Erbeskopf (816 m), im Nordosten das Gebiet um Kastellaun, im Osten die Kreisstadt Simmern. Westlich von Kirchberg liegt das Kyrbachtal, östlich das Kauerbachtal. Nördlich von Kirchberg verläuft die Hunsrückhöhenstraße von Saarburg nach Koblenz (B 327).
mini|hochkant=1.5|Tabula Peutingeriana (4./12. Jh.). Der Ausschnitt zeigt Dumno (Denzen-Kirchberg) als Etappenort der Römerstraße von Augusta Treverorum (Trier) über Bingen nach Mogontiaco (Mainz). Am Rhein entlang sind eingetragen: Bingium (Bingen), Vosavia (Oberwesel), Bontobrice (Boppard) und Confluentes (Koblenz)
Luftbilder von Kirchberg zeigen deutlich die schrittweise Entwicklung der Stadt: Der nordöstlich in einer Mulde gelegene heutige Stadtteil Denzen (hergeleitet aus dem keltischen Dumno) hat seinen Ursprung in einer vorrömischen Siedlung an der alten Wegekreuzung; der östliche Teil der Stadt war eine Militärstation an der Römerstraße von Trier über den Hunsrück nach Bingen und Mainz, heute Ausoniusstraße genannt nach dem römischen Staatsbeamten und Dichter Decimus Magnus Ausonius (ca. 310–394), der diese Route in seinem Gedicht Mosella zuerst beschrieben hat.W. Binsfeld: Ausonius-Straße. In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Westlicher Hunsrück. Mainz 1977. Das mittelalterliche Stadtzentrum war von einer turmbewehrten Mauer mit Tortürmen umgeben, deren Verlauf heute noch aus der Vogelschau sichtbar ist. Um das Oval dieser ehemaligen Stadtmauer herum entstanden in der Folgezeit Wohnsiedlungen, Schulen und Sportanlagen, gärtnerische Nutzflächen und Industriegelände. Die Altstadt wird noch heute durchschnitten von der Trasse der alten Römerstraße, für deren Verlauf die möglichst schnurgerade Ausrichtung typisch war.
Die Stadtfläche beträgt 18 Quadratkilometer, wovon 50 % landwirtschaftliche Nutzfläche, 30 % Wald, 18 % bebaute Fläche und 2 % andere Flächen bilden.
Nachbarorte
Geschichte
Bodenfunde lassen darauf schließen, dass hier bereits seit etwa 400 v. Chr. der Keltenstamm der Treverer gesiedelt hatte.Magnus Backes, Hans Caspary, Norbert Müller-Dietrich: Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises. Teil 1: Ehemaliger Kreis Simmern. München 1977, S. 515 f. (mit ausführlichen Literaturnachweisen)Willi Wagner. In: Hans Georg Wehrens, Willi Wagner: Kirchberg im Hunsrück. 2. Auflage. Köln 1997, S. 3 ff. (Rheinische Kunststätten, Heft 46). Im 1. Jahrhundert v. Chr. bauten die Römer die Militärstraße von Trier über Neumagen, „Stumpfer Turm“ bei Wederath (dem römischen Belginum an der Grenze zwischen den römischen Provinzen Belgica und Germania inferior), Kirchberg, Bingen nach Mainz; im Ostteil der heutigen Stadt Kirchberg errichteten die Römer eine Siedlung, die Dumno oder Vicus Dumnissus genannt wurde.Alfred Bauer, Hans Dunger: Das römische Kirchberg (= Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Kirchberg. Band 1). Kirchberg 1999 Diese Ortsbezeichnung findet sich bereits in einer spätantiken Straßenkarte des 4. Jahrhunderts, von der heute noch eine getreue Kopie des 12. Jahrhunderts existiert, die nach ihrem Entdecker benannte Tabula Peutingeriana.Michael Rathmann: Tabula Peutingeriana. Die einzige Weltkarte aus der Antike. Eingeleitet und kommentiert. Philipp von Zabern, Darmstadt 2016 Im Jahr 368 erwähnte auch der römische Dichter Ausonius den Ort Dumnissus (= Dumno = Kirchberg) in seinem Gedicht Mosella, das eine dichterische Beschreibung seiner Reise von Bingen über den Hunsrück nach Neumagen und Trier enthält. Damit ist Kirchberg die älteste bekannte Siedlung des Höhengebietes zwischen Mosel, Rhein, Nahe und Saar.
Im 5. Jahrhundert wurde das römische Fiskalland zum Krongut der fränkischen Könige. Aus dem römischen Vicus entstand eine neue Siedlung, die spätestens im 7. Jahrhundert eine erste Kirche (Holzbau) erhielt, wahrscheinlich am Ort der heutigen Michaelskirche. Die neue Siedlung wurde „Chiriperg“ genannt (vermutlich nach dem Kyrbach), woraus später „Kirchberg“ entstanden ist.
Im Jahr 995 schenkte König Otto III. das damalige Königsgut Denzen (praedium Domnissa) dem Trechirgaugrafen Bezelin, dem Vorfahren des Gaugrafengeschlechts der Bertholde, die dann 1074 die östliche Hälfte (mit Denzen) dem von ihnen gestifteten Augustiner-Chorherrenstift Ravengiersburg übertrugen. Die westliche Hälfte (mit Kirchberg) fiel 1248 an die Grafen von Sponheim. Seitdem war die geschichtliche Entwicklung von Kirchberg eng mit den Sponheimern und deren Erben verbunden. 1259 erhielt Kirchberg das Stadtrecht.Stadt Kirchberg (Hrsg.): 750 Jahre Stadtrecht Kirchberg (= Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Kirchberg. Band 12). Kirchberg 2009 (Eine erste Urkunde mit geringeren Rechten war bereits 1249 ausgestellt worden).Stadt Kirchberg (Hrsg.): Festschrift 700 Jahre Stadt Kirchberg. Druckerei Walter, Kirchberg 1949
Bei der Teilung der Grafschaft Sponheim im 13. Jahrhundert kam das Amt Kirchberg zur Vorderen Grafschaft Sponheim und beim Aussterben der Sponheimer im Jahr 1437 zur Gemeinherrschaft von Kurfürst von der Pfalz, Markgraf von Baden und Graf von Veldenz (später Pfalz-Simmern) mit dem Sitz der Verwaltung in Kirchberg. 1689, im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörten französische Truppen die Stadt und die Befestigungsanlagen. Die Gemeinherrschaft wurde durch die Realteilung von 1708 beendet, wobei das Amt Kirchberg mit dem Unteramt Koppenstein an Baden fiel; Kirchberg wurde Sitz des gleichnamigen Badischen Oberamts. Letzter badischer Oberamtmann war bis 1794 der Vater von Karl Freiherr von Drais, dem Erfinder der ersten zweirädrigen Laufmaschine namens Draisine. Von 1798 bis 1814 war Kirchberg der Verwaltungssitz eines französischen Kantons im Arrondissement Simmern des Département de Rhin-et-Moselle. Mit den Neuordnungen durch den Wiener Kongress 1815 kam die Region an das Königreich Preußen. 1816 wurde die Stadt dann Sitz der preußischen Bürgermeisterei mit 18 umliegenden Gemeinden.
Am 10. Februar 1928 wurde das östlich angrenzende Dorf Denzen, das ehemalige Dumnissus, gegen den Widerstand der Denzer Bevölkerung in die Stadt Kirchberg eingemeindet. Es gab auch einen Bahnhof Kirchberg (Hunsrück).
Seit 1946 gehört Kirchberg mit Denzen zu dem damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz.
Das Stadtbild wird geprägt von drei Türmen: dem Turm der historischen Michaelskirche im Zentrum, dem im Osten gelegenen Turm der evangelischen Friedenskirche sowie dem 36 Meter hohen Wasserturm im Westen, der 1899 errichtet wurde. Die Türme repräsentieren die mittelalterliche Geschichte, die Industrialisierung und die moderne Stadt.
Konfessionsstatistik Am 30. Juni 2005 waren 50,2 % der Einwohner evangelisch, 35,2 % katholisch und 14,6 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Stand 30. Juni 2005 Mit Stand November 2025 waren von den Einwohnern 37,4 % evangelisch, 25,2 % katholisch und 37,4 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Kirchberg Gemeindestatistik, abgerufen am 10. Januar 2026 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist demnach im beobachteten Zeitraum beträchtlich gesunken.
Kirchliche Verhältnisse Bereits unter den Karolingern entstand auf dem Gebiet des Denzer Königsguts die Großpfarrei Kirchberg mit einer zentralen Taufkirche in Kirchberg sowie mit Kapellen in Gemünden, Dickenschied, Womrath, Denzen, Kappel, Metzenhausen, Ober Kostenz, Würrich und Altlay. Bis zum 16. Jahrhundert war Kirchberg eines der bedeutenden Zentren auf dem Hunsrück. Zum Pastoreibezirk Kirchberg gehörten insgesamt 51 Ortschaften.Willi Wagner. In: Hans Georg Wehrens, Willi Wagner: Kirchberg im Hunsrück. 2. Auflage. Köln 1997, S. 5 (Rheinische Kunststätten, Heft 46).
Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz ließ das Amt Kirchberg 1556 visitieren und das lutherische Bekenntnis einführen. Im Mai 1599 erfolgte ein erneuter Konfessionswechsel: Unter Kurfürst Friedrich IV. (Pfalz) kam das reformierte Bekenntnis zur Geltung.
Auch in der Folgezeit wurden die konfessionellen Verhältnisse durch den Landesherrn oder die militärischen Machthaber bestimmt: Ab 1620 unter spanischer Besatzung nach der Eroberung im Dreißigjährigen Krieg durch Generalleutnant Ambrosio Spinola wieder katholisch, 1631–1635 unter schwedischem Einfluss lutherisch, 1635–1648 katholisch und ab 1648 nach dem Westfälischen Frieden reformiert. Durch Vertrag von 1652 erhielten die Katholiken das Recht, im Haus des badischen Truchsess Gottesdienst zu feiern.
Michaelskirche mini|Michaelskirche Bau I, II und III mini|St. Cyriak in Sulzburg/Baden (993) als Vorbild für Bau III mini|Innenansicht von St. Cyriak in Sulzburg 1688 wurde die Benutzung der Michaelskirche als Simultankirche eingeführt mit der Maßgabe, dass katholische und evangelische Christen die ihnen in hälftiger Eigentumsgemeinschaft gehörende Michaelskirche zu bestimmten Zeiten jeweils allein benutzen durften; die Katholiken waren außerdem berechtigt, den Chorraum mit dem Hochaltar, den beiden Seitenaltären und den Beichtstühlen allein zu nutzen. Dieses Simultaneum wurde durch notariellen Vertrag vom 15. Juni 1965 im gegenseitigen Einvernehmen aufgehoben und durch eine Neuregelung mit ökumenischer Zielsetzung ersetzt: Die evangelische Kirchengemeinde verkaufte ihre hälftige Beteiligung an die katholische Kirchengemeinde, womit der Verkäuferin der Neubau der Friedenskirche mit Gemeindezentrum ermöglicht wurde. Außerdem war geregelt, dass die evangelische Kirchengemeinde bis zur Bezugsfertigkeit ihrer neuen Kirche wie bisher die Michaelskirche nutzen konnte und dass im Gegenzug anschließend die katholische Kirchengemeinde solange in der Friedenskirche zu Gast sein durfte, bis die grundlegende Restaurierung der Michaelskirche mit Turm und die vorausgehenden archäologischen Grabungen im Kirchenbereich durch das Amt für Vor- und Frühgeschichte, Koblenz, abgeschlossen waren. Die Arbeiten wurden schließlich am 6. Juli 1969 beendet.