mini|hochkant=1.8|Das Mittelrheintal bei Oberwesel Oberwesel ist eine Stadt am Mittelrhein. Sie liegt in Rheinland-Pfalz im Rhein-Hunsrück-Kreis. Die Stadt gehört der Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein an und ist einer der beiden Verwaltungssitze. Oberwesel ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten. Im Hoch- und Spätmittelalter war Oberwesel eine selbstständige Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, was sich im Stadtwappen widerspiegelt.
Geographie mini|hochkant|Meilenstein am Ortsrand Die Stadt liegt linksrheinisch im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal bei Rheinkilometer 550Kilometrierung bei steppenhahn.de Abgerufen im Januar 2015. zwischen den Nachbargemeinden Sankt Goar und Bacharach am Fuß der Schönburg.
Stadtgliederung Die Stadt besteht neben der Kernstadt aus den Stadtteilen Engehöll, Dellhofen und Langscheid, welche jeweils eigene Ortsvorsteher und Ortsbeiräte haben.
Geomorphologie Der Rhein, der hier zwischen Kaub und St. Goar seinen engsten canyonartigen Talabschnitt ausbildet, knickt nördlich von Oberwesel nach Osten im rheinischen Streichen des Rheinischen Schiefergebirges ab und bildet hier einen Prallhang, der, nach Süd-Südosten ausgerichtet, mit seiner Steillage und einer Lösslehmauflage auf dem Schieferuntergrund des Oelsbergs beste Bedingungen für den Weinbau bietet. Die Hänge unmittelbar bei der Stadt sind nach Nordosten ausgerichtet und übersteil, sodass Weinbau nur in den südlich exponierten Seitentälern der Stadt möglich ist.Oelsberg bei Weingut Kauer. Die Stadt selbst rückt unmittelbar an den Rand der Niederterrasse des Flusses heran, der sich hier etwa 13 m in diese eingeschnitten hat. Die B 9 wird bereits bei einem Pegelstand von 5,80 m, Pegel Kaub, überflutet. (Zugriff Januar 2015) (→ Rheinhochwasser)
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 604 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
Geschichte Mittelbronze- und La-Tène-Zeit mini|Oberweseler Frühgeschichte Wie bei vielen Städten in der Region Mittelrhein gehen die Ursprünge dieser Orte und ihre Namen wohl auf eine keltische Siedlung zurück. So war schon in vorchristlicher Zeit auch die heutige Stadtgemeinde Oberwesel ein bevorzugter Siedlungsplatz dieses Rheinabschnitts. Der frühe Ortsname „Vosavia“ soll aus der Zeit um 50 v. Chr. stammen und wird auf das Volk der Kelten zurückgeführt, die etwa seit dem dritten vorchristlichen Jahrhundert große Teile Westeuropas besiedelt hatten. Spuren, die diese frühen Siedler in Oberwesel hinterließen, sind die zahlreichen Fundstücke, die aus Hügelgräbern im Oberweseler Wald geborgen werden konnten.Anton Ph. Schwarz in: Bürger im Schutz ihrer Mauern. 800 Jahre Stadtbefestigung Oberwesel, S. 7–29. Stämme des Volkes der Treverer siedelten an der Mosel, auf den Höhen der Eifel und des Hunsrücks sowie auf den schmalen Streifen der Rheinauen, so auch im Raum der heutigen Stadt Oberwesel, von deren reichen Fischgründen (Lachsfische) später die Römer berichteten. Auch fanden sie dort ein waldreiches Hinterland für die Jagd, sodass ein Weiterziehen nicht erforderlich war, da ihre Ernährung vor Ort kontinuierlich gesichert schien. Zudem bot in der sehr dünn besiedelten Region der Rheinstrom bis zum späteren Entstehen römischer Heerstraßen eine leicht zu nutzende Verkehrs- und Transportmöglichkeit.
Station an der römischen Heerstraße mini|Römische Glasgefäße des 3. – 4. Jahrhunderts Kurz vor der Jahrtausendwende (13/12 v. Chr.) fielen die linksrheinischen Gebiete Germaniens an die römischen Eroberer. Im Zuge der Sicherung dieser Gebiete legten die Römer Militärlager an, neben denen sich im Laufe der Zeit Orte oder gar Städte entwickelten. So entstand zur Zeit des Drusus (um 12. v. Chr.) aus Vosavia eine nun „Vosolvia“ genannte Militärstation an der wichtigen Römischen Rheintalstraße zwischen Mogontiacum (Mainz) und Confluentes (Koblenz) entlang des Rheins. Diese frühe Bezeichnung der Stadt ist auch auf der Peutingerschen Tafel, eine Nachzeichnung einer römischen Straßenkarte, als Vosavia eingezeichnet.
Auf der Hard Oberwesels, in der 1307 erstmals erwähnten Gemarkung des heutigen Stadtteils Dellhofen, wurde bei Feldarbeiten mit dem Pflug antikes Mauerwerk angerissen, bei dem auch ein Weihestein zu Tage trat. Der in die Zeit 100 n. Christus datierte Stein des «Ibliomarus» – möglicherweise ein Name keltischen Ursprungs – war Merkur und Maiae gewidmet worden.Eduard Sebald, Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises Teil 2. Ehemaliger Kreis St. Goar, hier Stadt Oberwesel Band 2, S. 1043 ff. Einen ersten sicheren archäologischen Beweis einer römerzeitlichen Besiedlung in Oberwesel konnte jedoch erst im Jahre 2008 erbracht werden. In einer Baugrube am Schaarplatz konnte der Archäologieverein ARRATA e. V. unter anderem römerzeitliche Abfallgruben entdecken. Spätrömische Gräber mit Beigaben, darunter Bronzebeschläge von Militärgürteln, waren bereits früher bekannt und können als Indiz für ein Kastell gewertet werden.
Dieser und weitere Funde, darunter auf einem Grundstück der Mainzer Straße 6 geborgene Glaswaren und Münzen, sind im städtischen Museum ausgestellt, beispielsweise Exemplare des Sesterz, As oder diverse Antoniniani, eine antike römische Silbermünze, die unter Kaiser Caracalla (211–217) um 214 n. Chr. als offizielles Zahlungsmittel eingeführt wurde.
Fränkische Zeit Nach dem Fall des Limes und dem Abzug der römischen Grenztruppen nahmen Franken die verlassenen Gebiete ein, siedelten zunächst in Dörfern oder Einzelhöfen und lebten als Bauernkrieger. Herrenloses Land gab es genügend, da in der Zeit der Völkerwanderung die Zahl der Menschen auch am Mittelrhein erheblich zurückgegangen war. Nach einer gewissen Konsolidierungszeit bildete sich aus den Gebieten ein umfangreicher fränkisch-königlicher Fiskalbezirk, der sich vermutlich zwischen den südlichen Grenzen des Viertälergebietes um Bacharach und der nördlichen Grenze des rheinabwärts von Oberwesel gelegenen Ortes Oberhirzenach erstreckte, dessen Verwaltung letztendlich ein „König“ vorstand. Als Königshof (oder merowingischer Königssitz) dürfte das ehemalige Kastell Boppard fungiert haben. (→ Bopparder Reich)
Eine Epoche mit deutlicher Klimaverbesserung zwischen dem 9. und dem 14. Jahrhundert, eine heute als Mittelalterliche Warmzeit bezeichneten Periode, führte dann auch zu einem Anwachsen der Bevölkerung, da die höheren Temperaturen zu besseren Erträgen führten und somit mehr Menschen mit ausreichend Nahrung versorgt werden konnten. Eine weitere Verbesserung trat ein, nachdem Kaiser Karl der Große Vorschriften erlassen hatte, im Reich die Dreifelderwirtschaft einzuführen. Ein weiterer Königshof sollte später die Geschicke der Oberweseler über einen langen Zeitraum bestimmen. Es waren ebenfalls Familien der fränkischen Oberschicht, die der Konradiner und Liudolfinger, aus deren Reihen der letzte König der Ostfranken hervorgegangen war. Das Hofgut Wesel ging unter Kaiser Otto I. 966 an das Erzstift Magdeburg.
Ottonische Zeit Kurz nachdem im Jahr 966 das Hofgut (Ober)Wesel – in den Urkunden als „curtis Weslia“ bezeichnet – mit allem Zubehör als Kronland dem Sachsenkönig zuerkannt worden war, schenkte Otto es dem Mauritiuskloster in Magdeburg, welches zwei Jahre später zum Domkapitel des Erzbistums Magdeburg avancierte. Ob diese Schenkung allen Grundbesitz in „Weslia“ umfasste, ist auch heute noch unklar. Die Aufzählungen in der Schenkungsurkunde, die akribisch alle Einzelposten benannten, gaben den Forschern Hinweise, wie autark damalige große Hofgüter gewesen sind. Angeführt wurden Hörige, Gebäude, Weinberge, Wiesen und Weiden, Wälder, stehende und fließende Gewässer, Fischerei und Vogelfang betreffende Rechte, Mühlen sowie bebautes Land und Brachland. Neben dem hier näher erläuterten Hofgut gab es weitere verstreut liegende Höfe, die mit der Zeit durch neuerrichtete Behausungen anwuchsen und zusammen drei Kernbereiche bildeten. Dies waren der mittlere Bereich mit dem königlichen Wirtschaftshof im heutigen Marktviertel, der südliche Bereich (Kirchhausen) um die spätere Liebfrauenkirche und der nordwestliche Kern um die Martinskirche. Ein Modell dieser frühen Ansiedlungskerne zeigt das Museum an Strom in Bingen. Diese Ansiedlungen wurden in späteren Zeit zur Stadt Wesel verschmolzen. 1166 erwarb Friedrich I. (Barbarossa) (das Hofgut Ober)Wesel und die inzwischen entstandene Höhenburg Schönburg, die erstmals 1149 als im Besitz des Pfalzgrafen Hermann von Stahleck erwähnt wurde.Eduard Sebald: Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises. Teil 2. Ehemaliger Kreis St. Goar. Hier Stadt Oberwesel Band 2, S. 720.
Erste Gotteshäuser und Konvente Magdeburger Eigenkirche Mauritius mini|Marienfigur um 1331 am Hochchor (Außen) der Liebfrauenkirche mini|St. Martin und die Nordstadt, Fresko in der Liebfrauenkirche um 1490 Für die Magdeburger Zeit soll der Graf des Einrichgaus, Ludwig III. von Arnstein, die Vogtsrechte und die Patronatsrechte über die frühen Oberweseler Kirchen besessen haben. Diese Rechte gingen später an die Isenburger beziehungsweise an deren Zweige von Kempenich und von Arenfels über.Gregor Monschauer in: Das Zisterzienserinnenkloster Allerheiligen zu Oberwesel, S. 7 bis 71. Da die Magdeburger Herren einen beträchtlichen Teil des Weseler Grundbesitzes besaßen, geht man davon aus, dass sie sich auch eine kleine Kapelle oder Kirche erbauten. Diese Eigenkirche soll nach dem Patron des Erzstiftes Magdeburg den Namen Mauritius getragen haben. An ihren Standort soll das Marktkreuz der Stadt erinnern.
Vorgängerin der Liebfrauenkirche
Eine Marienkirche im frühen Oberwesel wurde erstmals 1213 und erneut 1219 in Urkunden des „Weseler“ Burggrafen Otto von Schönburg angeführt (in einer anderen Quelle als v. Schonenburg und der Bezeichnung „ministerialis regis“, also königlicher HofbeamterJochen von Osterroth, in: Geschichte der Schönburg, S. 9.), in denen der Pleban Peter dieser Kirche (Petrus sacerdos plebanus ecclesie s. Marie), und in der Urkunde von 1219 zusätzlich ein Kaplan erwähnt wurde. Zu dieser frühen Kirche ist nichts bekannt; jedoch vermutet man, dass zwei Achtecksäulen an den Treppenaufgängen des Lettners der heutigen, im 14. Jahrhundert erbauten Pfarrkirche dieser ersten Marienkirche entstammen könnten. Danach hätte diese Kirche des 13. Jahrhunderts im Bering des Aufganges zur Schönburg, am Rand des späteren Stiftsbereichs, gestanden.
Vorgänger der Martinskirche
Ein Vorläufer der heutigen Kirche St. Martin, auf der höchsten Ortslage der Stadt erbaut, wurde wie die Liebfrauenkirche erstmals im Jahr 1219 erwähnt. Wie lange sie Bestand hatte, ist nicht bekannt, jedoch wird sie mit der Fertigstellung der heutigen Kirche obsolet geworden sein. Deren Baubeginn wird in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert, eine komplette Fertigstellung geschah in größeren Zeitabständen. So konnte nach einer dendrochronologischen Untersuchung ein Zuganker im obersten Turmgeschoss in die Zeit nach 1435 datiert werden. Abgesehen von einem schon früh entstandenen Chor wurde das nördliche Seitenschiff – ein südliches wurde nicht gebaut – erst im 16. Jahrhundert fertiggestellt.Ferdinand Pauly: Germania Sacra, Die Bistümer der Kirchenprovinz Trier. Hier: Die Stifte Liebfrauen und St. Martin in Oberwesel. S. 267–511.
Kloster Allerheiligen mini|hochkant|Grabplatte der Elisabeth Vogt (1637). Äbtissin des Allerheiligenklosters