Geilenkirchen ist eine mittlere kreisangehörige Stadt im westlichen Nordrhein-Westfalen im Kreis Heinsberg.

Geographie Geographische Lage Geilenkirchen liegt etwa 20 km (Luftlinie) nördlich von Aachen, mit der zum Stadtgebiet gehörenden Teverener Heide unmittelbar an der niederländischen Grenze, am Südostrand des Selfkant, im Tal der Wurm.

Die Stadt erstreckt sich beiderseits der Wurm auf den sanft ansteigenden Hängen des Wurmtales, die sich von 70 m über NHN auf Flussniveau bis auf rund 100 m Höhe erheben. Geilenkirchen erstreckt sich über 9,5 km in Nord-Süd-Richtung und über 15,4 km Ost-West-Richtung.

Die drei Ortsteile Geilenkirchen, Bauchem (westlich der Wurm) und Hünshoven (östlich der Wurm) sind mittlerweile vollständig zusammengewachsen und bilden die Kernstadt der Gemeinde. Die Wurm im Stadtzentrum ist über einige hundert Meter überbaut. Der höchste Punkt im Gemeindegebiet liegt bei Gut Muthagen mit 122,5 Meter.

Stadtgliederung und Gemeindegebiet mini|Geilenkirchen Zentrum östl. Teil, Luftaufnahme

Geilenkirchen ist gemäß der Hauptsatzung aufgegliedert in 30 Ortschaften, die in 13 Stadtbezirke zusammengefasst und durch je einen Ortsvorsteher vertreten werden.

Beeck Geilenkirchen (Kerngebiet) mit Hünshoven und Bauchem Gillrath, Hatterath, Nierstraß und Panneschopp Grotenrath Immendorf, Waurichen und Apweiler Kraudorf, Nirm, Kogenbroich und Hoven Lindern Niederheid Prummern Süggerath Teveren und Bocket Tripsrath, Hochheid und Rischden Würm, Leiffarth, Flahstraß, Müllendorf und Honsdorf

Nachbargemeinden

Geologie Die Stadt liegt auf einer Hauptterrasse der Geilenkirchener Lehmplatte, im Naturraum des Niederrheinischen Tieflandes.

Klima Am 24. Juli 2019 wurde an einer Bundeswehr-Messstation auf dem NATO-Flugplatz Geilenkirchen mit 40,5 °C die bis dahin höchste in Deutschland gemessene Lufttemperatur, in 2 m Höhe und als 1-Stunden-Mittelwert, verzeichnet.tagesspiegel.de Der Rekord hatte nur kurz Bestand, bereits am darauffolgenden Tag wurden an mehreren Orten in Deutschland höhere Temperaturen gemessen, siehe Liste der Temperaturrekorde in Deutschland.Jetzt sogar 42 Grad – deutscher Hitzerekord im Emsland. Spiegel Online, 25. Juli 2019, abgerufen am selben Tage.

Geschichte Geilenkirchen entstand am linken Ufer der seinerzeit mäandernden Wurm bei einer schon in der Römerzeit benutzten Furt. Grabfunde aus dem 6. und 7. Jahrhundert – gefunden in den 1930er Jahren in der Flur „Kniepbusch“ – sowie einzelne frühmittelalterliche Scherben aus einer Grabung am heutigen Marktplatz bezeugen die Anfänge des Ortes noch im frühen Mittelalter.Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1998, S. 296–299 Die schriftliche Überlieferung setzt zum Jahr 1170 ein,Theodor Josef Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins. Düsseldorf 1840–1858, Band I, S. 305 Nr. 436 als der Kölner Erzbischof Philipp I. von Heinsberg Schenkungen an die Stiftskirche St. Gangolf tätigte.

Die mittelalterliche Stadt lag an der Römerstraße Aachen-Roermond, die hier die Wurm querte; die Furt war später bzw. ab dem 12. Jahrhundert durch eine Wasserburg der Grafen von Heinsberg gesichert. Reste dieser Burg sind nach ihrer Zerstörung 1945 heute integriert in das Bischöfliche Gymnasium „St. Ursula“.

1794 besetzten französische Truppen das linke Rheinufer; die Franzosenzeit begann. Später annektierte Frankreich das Gebiet; Geilenkirchen war von 1798 bis 1814 ein Kanton im Département de la Roer, im Arrondissement d’Aix-la-Chapelle. Napoleon I. ließ in dieser Zeit die erste nachweisliche Steinbrücke über die Wurm bauen.

1815, unter preußischer Herrschaft, entstand der Kreis Geilenkirchen.

1918, nach dem Ersten Weltkrieg, wurde das Rheinland entmilitarisiert und von alliierten Truppen besetzt; in Geilenkirchen standen französische, marokkanische sowie belgische Truppen. Von 1918 bis 1929 waren belgische Besatzungssoldaten in einer Kaserne (Kamp van Dinant) stationiert, die im Bereich des Hünshoverner Hofes gebaut wurde.

1932 wurde der Kreis Geilenkirchen mit dem Landkreis Heinsberg zusammengelegt und es entstand der Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg mit der Stadt Geilenkirchen als Kreisstadt.

mini|Britische Panzer am 19. November 1944 in Geilenkirchen Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden nahe Geilenkirchen Westwall-Bunker und -Hindernisse gebaut (siehe auch Liste von erhaltenen Bauten des Westwalles#Limes-Programm 1938).

Das nördliche Ende des Westwalls lag in Heinsberg (etwa 11 km nördlich); 1944 wurde diese Linie Richtung Venlo feldmäßig verlängert (Maas-Rur-Stellung). Im November 1944 gab es im Frontverlauf einen Vorsprung (Geilenkirchen Salient), der in die alliierte Front hineinragte. Während der Operation Clipper (10. bis 22. November 1944) gelang es britischen und amerikanischen Truppen, diesen Frontvorsprung einzudrücken.siehe auch The Geilenkirchen Salient mini|US-Truppen schleppen einen zerstörten deutschen Panzer V Panther ab (4. Dezember 1944). Am 8. November warfen Jagdbomber Napalm auf Geilenkirchen.Charles B. MacDonald: The Siegfried Line Campaign (= CMH Pub 7-7; U.S. Army in World War II – European Theater of Operations), . Am 19. November besetzten die Truppen Geilenkirchen. Die Operation Clipper war Teil der für beide Kriegsparteien verlustreichen Operation Queen (16. November bis 16. Dezember 1944).

Nach dem Krieg war das Rheinland Teil der britischen Besatzungszone. 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Die Besatzung, und damit das Ausüben alliierter Hoheitsrechte, endete in Westdeutschland 1955 mit dem Deutschlandvertrag.

1953 errichtete die Royal Air Force im Stadtteil Teveren auf einem schon in den 1930er Jahren genutzten Feldflugplatz einen Fliegerhorst (Air Base Geilenkirchen), den sie bis 1968 nutzte und dann an die Luftwaffe übergab.

1971, bei der kommunalen Gebietsreform durch das Aachen-Gesetz, verlor Geilenkirchen den Status der Kreisstadt, da der Kreis Geilenkirchen-Heinsberg und der Kreis Erkelenz zum neuen Kreis Heinsberg zusammengefügt wurden. Neue Kreisstadt wurde die Stadt Heinsberg. Im ehemaligen Kreishaus des Selfkantkreises Geilenkirchen-Heinsberg ist seitdem das Finanzamt untergebracht.

Kirchengeschichte Im Stadtgebiet existieren 11 katholische Pfarrgemeinden. Alle 11 Pfarreien des Stadtgebietes zusammengefasst bilden den Pastoralen Raum Geilenkirchen, einer von insgesamt 44 Räumen im Bistum Aachen. Pastoraler Raum im Bistum Aachen Gemeinschaft der Gemeinden bilden ab 2025 den pastoralen Raum St. Bonifatius, Geilenkirchen

Ortsname Der Name Geilenkirchen bezieht sich ursprünglich auf eine Holzkirche, die ein Franke namens Gelo oder Geilo errichtet hat, also im Sinne von „Geilos Kirche“. Ursprünglich hieß Geilenkirchen „Gelekircke“ (lokales Idiom auch „Jellekercke“; auf Niederländisch früher „Geelkerken“).

Der Name erscheint seit dem letzten Drittel des 12. Jahrhunderts in den verschiedensten niederfränkischen und hochdeutschen Formen und Mischformen, je nachdem ob die Schreiber der Urkunden Niederfränkische oder Hochdeutsche waren: 1170 Gelenkirchen, 1244 Gelinkerike, 1252 Gelenkirche, 1270 Geilenkirge, 1276 Gelinkirke, 1277 Geilinkirchin, 1290 Gelinkirken, 1328 Gelynkirchen, 1363 Geillenkyrken usw.Maurits Gysseling: Toponymisch Woordenboek vam Belgie, Nederland, Luxemburg, Noord-Frankrijk en West-Duitsland. ohne Ort 1960, S. 391.

1747 wird die Stadt als „Gedekirch“ auf einer Karte der „Katholischen Niederlande und angrenzende Deutsche Provinzen“ (Karte – Pais Bas Catholiques – Belgium Catholicum) angegeben.

Die Mundart hat bis heute in ihrem „Gelekerke“ die ursprüngliche niederfränkische Form behalten.

Neubildung der Stadt Geilenkirchen Mit dem Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Aachen (Aachen-Gesetz) vom 14. Dezember 1971 wurden die Stadt Geilenkirchen und die Gemeinden Teveren, Lindern, Beeck, Immendorf, Süggerath und Würm zu einer neuen Gemeinde zusammengeschlossen. Die neue Gemeinde erhielt den Namen Geilenkirchen und führt die Bezeichnung „Stadt“ (§ 29). + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 2005 28.693 2010 28.253 2015 26.963 2019 27.470 2022 28.252

Politik Stadtrat

mini|Rathaus Geilenkirchen Der Stadtrat umfasst 2025 aufgrund von Überhangmandaten 44 Mitgliederstadt-gk.de Wahlergebnis 2020. Ursprünglich hatten die Grünen bei der Wahl sechs Mandate gewonnen. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten schloss sich aber ein Stadtverordneter der Grünen nicht der Fraktion an und übt seither sein Mandat als fraktionsloses Ratsmitglied aus. Partei/Fraktion Sitze im Rat 2025 CDU18 SPD5 Die Grünen5 Bürgerlistebuergerliste-geilenkirchen.de8 Linke2 FDP1AfD4Fraktionslos1 (Stand: November 2025)

Bürgermeister Gemäß dem Gesetz zur Stärkung der kommunalen Demokratie vom 9. April 2013 beträgt die Wahlperiode eines Bürgermeisters fünf Jahre. 1945–1954: Johannes Plum, CDU 1954–1958: Hubert Pennartz, CDU 1958–1961: Hans Schönauer, CDU 1961–1969: Rudolf Wyrsch, CDU 1969–1994: Heinrich Cryns, CDU 1994–2004: Franz Beemelmanns, CDU (ab 1999 hauptamtlich) 2004–2009: Andreas Borghorst, CDU 2009–2015: Thomas Fiedler, parteilos 2015–2020: Georg Schmitz, parteilos 2020–2025: Daniela Ritzerfeld, parteilos seit 2025: Armin Franz Leon, CDU

Am 20. Januar 2025 kündigte Bürgermeisterin Daniela Ritzerfeld ihren Rückzug an. Zur Kommunalwahl 2025 trat sie nicht mehr als Bewerber um das Bürgermeisteramt an. Die Wahl gewann Armin Franz Leon (CDU).

Wappen

Das Wappen der Stadt wurde abgeleitet vom ältesten Siegel der Stadt aus dem Jahr 1556, welches dem Herzog von Jülich (Wilhelm V.) gehörte. Die Herkunft des Vogels (Papagei) ist vermutlich ein Bestandteil, das dem Wappen des 'Wilhelm von Jülich’ (1556) entnommen wurde. Seinen Ursprung hatte der Vogel wohl als Kennzeichen der Teilnahme an den Kreuzzügen. Der Zweig hat keinen historischen Ursprung und wurde im 19. Jahrhundert hinzugefügt.

Die Farben wurden 1972 abgeändert. Das heutige Wappen in dieser Form gibt es seit dem 29. November 1972.

Städtepartnerschaften Geilenkirchen unterhält seit 1966 eine enge Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Quimperlé in der Bretagne. Zudem pflegt Geilenkirchen gute Kontakte zu den grenznahen niederländischen Städten, insbesondere zur Stadt Sittard-Geleen.Geilenkirchen: Partnerstadt

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen mini|Zug der Selfkantbahn

Selfkantbahn: Die etwa 1900 ehemals von Alsdorf über Geilenkirchen (DB-Anschluss) bis Wehr/Tüddern betriebene Schmalspurbahn der Kreisbahn Geilenkirchen wird heute auf einem 5,5 km langen Reststück von Geilenkirchen-Gillrath bis Gangelt-Schierwaldenrath als Museumseisenbahn betrieben. Sie ist die letzte dampfbetriebene Kleinbahn Nordrhein-Westfalens. Historisches Klassenzimmer Immendorf: Nach Umstellung der Hauptschule Immendorf in eine Grundschule wurde 1988 ein Klassenzimmer in ein historisches Klassenzimmer umfunktioniert. Darin werden Schulutensilien aus dem frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts ausgestellt. Haus Basten

Institutionen Kulturarbeitskreis der Stadt Geilenkirchen

Bauwerke

mini|Marienkapelle Stumpf in Geilenkirchen Kirche St. Mariä Himmelfahrt ehemalige Burg Geilenkirchen, heute auf dem Gelände des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula Jüdischer Friedhof Marienkapelle Stumpf: Die römisch-katholische Kapelle befindet sich an der Rembrandtstraße auf einem Privatgrundstück, ist aber für die Öffentlichkeit zugänglich. Bauherren waren die Eheleute Luise und Toni Stumpf. Die der Gottesmutter Maria gewidmete Kapelle entstand nach Plänen von Norbert Makarowski und wurde am 28. April 2012 geweiht. Im Inneren befindet sich eine bronzene Marienstatue, an der Südostseite ein Fenster mit Glasmalerei.Webseite zur Marienkapelle Stumpf – abgerufen am 22. Juli 2014

im Ortsteil Hünshoven Kirche St. Johann Baptist, von Dominikus und Gottfried Böhm 1950/51 erbaut Evangelische Kirche, erbaut 1865/66