mini|Luftaufnahme von Herzogenaurach von Süden (2020)

Herzogenaurach () ist eine Stadt im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt des Freistaats Bayern. Die Stadt liegt im Ballungsraum Nürnberg und ist Teil der gleichnamigen Metropolregion Nürnberg. Überregional ist Herzogenaurach als Sitz der drei international operierenden DAX-Unternehmen Adidas, Puma sowie Schaeffler bekannt.

Geographie Lage Die Stadt liegt westlich von Erlangen und Nürnberg innerhalb der Metropolregion Nürnberg. Durch das Gemeindegebiet fließt die Mittlere Aurach.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind:

Gemeindegliederung Herzogenaurach gliedert sich in sechs Gemarkungen und 19 Gemeindeteile, die Stadt Herzogenaurach gibt in ihrer Statistik jedoch nur Einwohnerzahlen für 14 davon an. Für die fünf Einöden außer Eckenmühle ist die Datenlage nicht eindeutig beantwortbar. Gemarkung Flächeha BevölkerungJuli 2023 Burgstall 774 1330 Hammerbach 643 1195 Haundorf 704 1078 Herzogenaurach 1466 17.116 Niederndorf 615 5061 Zweifelsheim 558 608 Herzogenaurach (Stadt) 4760 26.388 mini|hochkant=1.4|Karte der Gemarkungen (grau) und Gemeindeteile (rot) von Herzogenaurach Gemeindeteil Ortstyp Gemarkung BevölkerungJanuar 2025 Beutelsdorf Dorf Haundorf 306 Burgstall Dorf Burgstall 221 Dondörflein Dorf Herzogenaurach 28 Eckenmühle Einöde Herzogenaurach 12 Eichelmühle Einöde Herzogenaurach Galgenhof Einöde Burgstall Hammerbach Kirchdorf Hammerbach 836 Haundorf Kirchdorf Haundorf 776 Hauptendorf Dorf Burgstall 1023 Herzo Base Siedlung Niederndorf 2182 Heinrichsmühle Einöde Herzogenaurach Herzogenaurach Hauptort Herzogenaurach 17.066 Höfen Dorf Zweifelsheim 210 Lohhof Einöde Niederndorf Niederndorf Pfarrdorf Niederndorf 2970 Schleifmühle Einöde Burgstall Steinbach Dorf Burgstall 87 Welkenbach Dorf Hammerbach 359 Zweifelsheim Dorf Zweifelsheim 135 Herzogenaurach (Stadt)   26.211

Die Gemarkung Herzogenaurach hat eine Fläche von 14,694 km². Sie ist in 6896 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2131 m² haben.

Geschichte mini|Stadtwappen am Fehnturm mini|Aurach

Bis zum 19. Jahrhundert Ursprünglich hieß die Siedlung „Uraha“, was etwa Viehtränke am Fluss bedeutete (althochdt. ur für Rind, aha für fließendes Gewässer). Daraus wurde später Aurach, ein in Bayern häufiger Orts- und Flussname.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 101. Zur Unterscheidung von vielen anderen Orten gleichen Namens wurde Herzogenaurach daraus, möglicherweise wegen der Herzöge von Andechs-Meranien, die im Mittelalter dort begütert waren. Die Siedlung war aus einem fränkischen Königshof hervorgegangen.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 1002 als „Uraha“, als König Heinrich II., der spätere deutsche Kaiser, die Siedlung zusammen mit anderen Ansiedlungen, darunter auch Erlangen, dem Würzburger Stift Haug schenkte. In dieser Urkunde erscheinen die Worte „pertinens at Uraha“ (angrenzend an Uraha) und es wird eine auf Zeidelweiden betriebene Waldbienenpflege erwähnt. „aqumque pascius pue vulgo dicuntur“ (die genannt werden) „cidaluueidis“ (Bienenweiden). Das Imkerwesen in Herzogenaurach existierte demzufolge bereits im Jahr 1002 und wurde entsprechend urkundlich erwähnt.

Bereits neun Jahre später kam Herzogenaurach zum Hochstift Bamberg. 1228 wurde die Stadt Sitz eines Bamberger Amtmanns, der seine Residenz im neu erbauten Schloss bezog.

Die Tuchmacherei ist bereits seit dem frühen 14. Jahrhundert nachzuweisen; 1348 wird ein wollenslaher – ein Wollschläger oder Walker – erwähnt,Herzogenaurachs Stadtgeschichte - Stadt Herzogenaurach - Stadtarchiv ein Beruf, der sich hierzulande in dem Namen Welker manifestierte.Die Familie Welker über 500 Jahre in Herzogenaurach ansässig – von Luitpold Maier (Würzburg) im Herzogenauracher Heimatblatt Juni/Juli 1935 In den darauffolgenden Jahrhunderten wuchs die Stadt und entwickelte sich zu einem Zentrum des Tuchmachergewerbes, 1450 wurde die Stadtbefestigung erweitert.

Herzogenaurach wurde mehrmals von Pestepidemien heimgesucht, im 17. Jahrhundert hatte die Stadt unter dem Dreißigjährigen Krieg zu leiden. Nach Daten der Gesellschaft für Leprakunde ist in Herzogenaurach ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das sich „außerhalb der Stadt“ befand. Das Jahr der Gründung ist unklar, 1706 war das Leprosorium baufällig.Siehe

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Herzogenaurach aus 203 Anwesen. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Herzogenaurach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte Amt und Stadtrat Herzogenaurach. Grundherren waren das bambergische Kastenamt Herzogenaurach (Schloss, 5 kirchliche Gebäude, Spital, 3 öffentliche Gebäude, 4 Wirtshäuser, 181 Häuser, 2 Badstuben, 1 Mühle, 2 Schmieden) und das Nürnbergische Spitalamt (1 Hof und Zehentstadel).H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 69.

1803 wurde das Hochstift Bamberg, das ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis gehörte, im Zuge der Säkularisation aufgelöst und fiel zunächst an Preußen. Nach einer dreijährigen Fremdherrschaft durch Frankreich kam das ehemalige Gebiet des Hochstifts mit der Stadt Herzogenaurach 1810 zum Königreich Bayern.

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1811 der Steuerdistrikt Herzogenaurach gebildet, zu dem Eichelmühle, Haundorf, Heinrichsmühle, Lohhof und Niederndorf gehörten. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstanden folgende Gemeinden: Ruralgemeinde Haundorf Munizipalgemeinde mit Magistrat III. Klasse Herzogenaurach mit Eichel- und Heinrichsmühle Ruralgemeinde Niederndorf mit Lohhof. Die Gemeinde Herzogenaurach war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Herzogenaurach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen. Am 1. Oktober 1847 wurde die Finanzverwaltung vom Rentamt Herzogenaurach übernommen.H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 143. Ab 1862 gehörte Herzogenaurach zum Bezirksamt Höchstadt an der Aisch (1939 in Landkreis Höchstadt an der Aisch umbenannt) und weiterhin zum Rentamt Herzogenaurach (1919 in Finanzamt Herzogenaurach umbenannt, seit 1929: Finanzamt Erlangen). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Herzogenaurach (1879 in das Amtsgericht Herzogenaurach umgewandelt), seit 1959 ist das Amtsgericht Erlangen zuständig. Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 12,522 km².

20. und 21. Jahrhundert Im 20. Jahrhundert entwickelte sich in Herzogenaurach insbesondere die Schuh- und Bekleidungsindustrie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die beiden Sportschuh- und -bekleidungskonzerne adidas und Puma gegründet.

Am 1. Juli 1972 wurden Herzogenaurach und der neue Landkreis Erlangen-Höchstadt dem Regierungsbezirk Mittelfranken angegliedert. Im Jahr 2002 konnte Herzogenaurach sein tausendjähriges Stadtjubiläum feiern.

Herzogenaurach ist die größte Stadt im Landkreis Erlangen-Höchstadt und dank ihrer bekannten Unternehmen ein wichtiger Wirtschaftsstandort in Deutschland mit vielen Arbeitsplätzen. (PDF)

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinde Burgstall und Teile der Gemeinde Hammerbach eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam Zweifelsheim hinzu. Haundorf folgte am 1. Januar 1974. Schließlich kam noch am 1. Mai 1978 Niederndorf und ein kleiner Teil der Gemeinde Aurachtal (Dondörflein und Eckenmühle mit damals etwa 50 Einwohnern) hinzu.

Einwohnerstatistik Gemeinde Herzogenaurach Jahr 1972 1978 1987 1991 1995 1999 2005 2010 2015 2016 2017Einwohner 13.939 16.349 18.451 20.910 22.534 23.125 22.875 23.050 23.095 23.081 23.098Häuser 4.014 5.805 5.822 5.846Quelle

Ort Herzogenaurach mit Eichen- und Heinrichsmühle (= Gemeinde Herzogenaurach bis 1972) Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939Einwohner 1.468 1.863 1.981 1.931 1.865 1.940 2.062 2.174 2.520 2.533 2.531 2.623 2.823 3.159 3.313 3.357 3.710 4.059 4.940HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet und von 1871 bis 2017 als Wohngebäude. 215 279 319 310 346 486 Quelle Für die Gemeinde Herzogenaurach zuzüglich der Einwohner und Feuerstellen von Eichenmühle (S. 21) und Heinrichsmühle (S. 38). Jahr 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2019Einwohner 6.568 7.174 7.707 9.941 12.450 13.416 16.938Häuser 737 1.208 5.265 Quelle Zahlen und Fakten auf der Website herzogenaurach.de mini|links|400px|Einwohnerentwicklung von Herzogenaurach von 1939 bis 2016

Konfessionsstatistik Laut dem Zensus 2022 waren 36,6 % der Einwohner römisch-katholisch, 21,0 % evangelisch und 42,4 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Mit Stand Juli 2026 waren 30,5 % der Einwohner katholisch, 18,7 % evangelisch, die übrigen 50,8 % waren konfessionslos, machten kein Angabe oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.

Kirchen Die katholischen Christen gehören zu den drei Herzogenauracher Pfarreien, die zusammen eine Pfarreiengemeinschaft bilden. Sie gehören zum Dekanat Erlangen im Erzbistum Bamberg. Die Einwohner lutherischer Konfession haben seit 1933 ein eigenes Gotteshaus in der Stadt. Die Kirchengemeinde Herzogenaurach gehört zum Dekanat Erlangen in der Ev.-Luth. Kirche in Bayern.

Katholische Kirchengebäude: Stadtpfarrkirche St. Magdalena, Liebfrauenkirche, Pfarrkirche St. Otto Herzogenaurach-West, Pfarrkirche St. Josef Niederndorf, Mariä Geburt Haundorf, St. Elisabeth Hammerbach und Dorfkapellen in Beutelsdorf, Welkenbach, Hauptendorf und Haundorf Evangelische Kirchengebäude: Evangelische Stadtkirche, Martin-Luther-Kirche im Wohngebiet Lohhof

Militär Im Zug der Aufrüstung und der Kriegsvorbereitungen während der Zeit des Nationalsozialismus wurde im Jahr 1934 auf dem bis dahin landwirtschaftlich genutzten Gelände Bei der Zweimarterlinde ein Militärflugplatz angelegt, den die Wehrmacht bis 1940 weiter ausbaute. Der Fliegerhorst wurde als „Friedensstandort“ eingerichtet. Den Kern bildete ein Flugfeld (670 Meter in Nord-Süd-Richtung, 915 Meter in Ost-West-Richtung), das mit Backsteinen befestigt und mit Gras überwachsen war; die längste Rollstrecke betrug ca. tausend Meter.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges hin wurden Teile der Panzerschreck in den Fabriken der Schuhfabrikanten Adolf und Rudolf Dassler – dem „GeDa“ Unternehmen – montiert.Spiegel – Panzerschreck im Schuhimperium

Im März 1945 verließ die letzte Nahaufklärungsstaffel Herzogenaurach, wegen der rasch vorrückenden amerikanischen Bodentruppen wurde im April 1945 auch das Jagdgeschwader 104 abgezogen. Die Wehrmacht hatte die Sprengung der Gebäude vorbereitet, doch sie wurde nicht durchgeführt. Als amerikanische Einheiten am 16. April Herzogenaurach besetzten, wurden lediglich ein Hangar und zwei Holzbaracken des Fliegerhorsts zerstört.

Die alliierten Truppen hatten auf die Bombardierung des Fliegerhorsts verzichtet, dessen Standort und Einrichtungen der Royal Air Force bis ins Detail bekannt waren. Es wird vermutet, dass eine Nutzung durch die Alliierten vorgesehen war. Die US-Armee übernahm das Gelände 1945 und belegte es als Militärstützpunkt für Artillerie. In den Jahren 1990/91 wurden die in Herzogenaurach stationierten amerikanischen Truppen zu einem Kriegseinsatz abkommandiert. Bis zum 15. Januar 1992 war der Abzug der 210. Artilleriebrigade abgeschlossen; etwa 400 Soldaten des 5. Bataillons der 17. Feldartillerie lösten den Standort bis zum 16. März 1992 auf. Heute befindet sich dort die Zentrale der Adidas AG.

Bau- und Bodendenkmäler