miniatur|Die damals weltgrößte Ölraffinerie in Abadan, 1938 Die britische Anglo-Persian Oil Company (APOC) wurde im April 1909 mit der Entdeckung eines großen Ölfeldes um Masdsched Soleyman, Iran, gegründet. Es war das erste Unternehmen, das Öl im Nahen Osten förderte. Die APOC wurde nach Abschluss eines neuen Konzessionsvertrages mit Iran 1935 in Anglo-Iranian Oil Company (AIOC) und 1954 nach Abschluss des neuen Konsortialvertrages in British Petroleum Company, die heutige BP, umbenannt.
Gründungsgeschichte Jacques de Morgan Im Jahr 1892 veröffentlichte der Geologe und Archäologe Jacques de Morgan einen Bericht über seine Reisen nach Persien. 1891 hatte er die Ausgrabungsarbeiten von Marcel und Jane Dieulafoy in der Nähe von Qasr-e Schirin besucht und in der Zeitschrift Les annales des mines über Ölvorkommen in der Nähe von Qasr-e Schirin berichtet. Den Bericht von de Morgan las Antoine Kitabgi Khan, ehemaliger Generaldirektor des persischen Zollwesens, der in Paris als Pensionär lebte. Kitabgi Khan nahm Kontakt mit Sir Henry Drummond Wolff, dem ehemaligen britischen Botschafter in Persien, auf und fragte an, ob Wolff nicht jemanden finden könne, der Interesse an der Ausbeutung der persischen Ölvorkommen hätte. Wolff traf in London auf William Knox D’Arcy, der sein Vermögen in Australien mit einer Goldmine gemacht hatte.Rouholla K. Ramazani: The foreign polica of Iran. University Press of Virginia, 1966, S. 70f.
William Knox D’Arcy miniatur|links|William Knox D’Arcy miniatur|Die D’Arcy-Konzession
Im Jahr 1900 sagte William Knox D’Arcy zu, die Suche nach Öl in Persien zu finanzieren. Erste Erkundungen wurden von dem Geologen H. T. Burls unter der Leitung von Wolff, Kitabgi and Cotte durchgeführt. 1901 begannen die Verhandlungen über eine Konzession. Der britische Botschafter in Teheran Hardinge wandte sich an den ehemaligen Premierminister Mirza Ali Asghar Khan Amin as-Soltan, der sich bei Hofe für die Vergabe der Konzession an William Knox D’Arcy einsetzte. Die Verhandlungen wurden mit Mozaffar ad-Din Schah am 28. Mai 1901 erfolgreich abgeschlossen. Für 20.000 £ in bar und 20.000 £ in Aktien an der zu gründenden Aktiengesellschaft wurde eine 60-jährige Konzession zur Erkundung von Erdöllagerstätten für ein Gebiet von 500.000 Meilen² mit den entsprechenden Verwertungsrechten vergeben. Von der Konzession ausgenommen waren die nördlichen Provinzen Irans, die in die wirtschaftliche Einflusssphäre Russlands fielen. Die Konzession sah vor, dass D’Arcy die gesamten Explorationskosten finanzieren sollte. Im Gegenzug erhielt er das Recht 90 % Anteile an der "Ersten Verwertungsgesellschaft" zu halten. 10 % der Anteile fielen an den iranischen Staat. Vom Gewinn sollten 84 % an D’Arcy und 16 % an den iranischen Staat ausgeschüttet werden. D’Arcy unterlag zudem mit den Gewinnen aus der Verwertungsgesellschaft der iranischen Einkommensteuer. Nach Ablauf der Konzession im Jahr 1961 sollte das gesamte Immobilienvermögen der Verwertungsgesellschaft an den iranischen Staat fallen.Mohammad Gholi Majd: Great Britain & Reza Shah. University of Florida Press, 2001, S. 240f. Atabak erhielt als Lohn für seine Vermittlungstätigkeit ebenfalls £ 25.000 an Aktien an der zu gründenden Gesellschaft.Rouholla K. Ramazani: The foreign polica of Iran. University Press of Virginia, 1966, S. 73.
Ein Bohrteam unter George B. Reynolds begann umgehend mit der Suche nach Ölquellen. 1902 begann man mit den Ölbohrungen in Chia Surkh im Westen Irans. 1903 wurde das erste Öl gefunden, und D’Arcy gründete die First Exploitation Co. Ltd (FEC). Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass die Quelle zu wenig Öl lieferte, um sie wirtschaftlich ausbeuten zu können. Man verlegte nun die Ölsuche in ein Gebiet, das von den Bachtiaren bewohnt war. Um sich deren Schutz zu sichern, schloss man mit den Stammesführern einen gesonderten Konzessionsvertrag, in dem den Stammesführern eine Beteiligung von 3 % an allen Ölunternehmen ihres Bezirkes plus eine jährliche Zahlung von £ 3.000 beginnend ab 1905 für den Schutz an den Ölanlagen und Pipelines. Bis Ende 1905 hatte D’Arcy £ 250.000 in die Ölsuche investiert, ohne dass nennenswerte Mengen von Öl gefunden worden waren. D’Arcy begann daraufhin Verhandlungen über den Verkauf der Konzession an die französische Linie der Rothschilds. Auf Intervention der britischen Admiralität übernahm dann aber die 1896 in Glasgow von Sir David Sime Cargill gegründete Burmah Oil Company die Konzession. D’Arcy erhielt zum Ausgleich 170.000 Aktien von Burmah Oil und einen nicht näher bekannten Betrag in bar.
Burmah Oil miniatur|Ölfeld Masdsched Soleyman
Birma (Burma, in viktorianischer Zeit: Burmah, heute Myanmar) wurde nach dem Einmarsch britischer Truppen zum 1. Januar 1886 Teil von Britisch-Indien. Die Burmah Oil Corporation war bei der Ölsuche recht erfolgreich gewesen. 1899 wurde das zunächst nur in Birma verkaufte Öl mit eigenen Tankern auch nach Indien verschifft. 1905 schloss die britische Admiralität mit Burmah Oil einen langfristigen Vertrag über die Lieferung von Öl an die britische Flotte, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Kohle auf Öl umgestellt wurde.
Burmah Oil sagte zu, die Ölsuche in Iran mit weiteren £ 100.000 zu finanzieren. Zu Beginn der Bohrungen blieb auch Burmah Oil der Erfolg versagt. Erst drei Jahre nach Übernahme der Konzession von D’Arcy stieß eine Bohrung in Masdsched Soleyman am 26. Mai 1908 in 360 Metern auf Öl. Burmah Oil hatte eines der größten Ölfelder der Welt entdeckt.
Gründung der APOC miniatur|links|Bohrung in Masdsched Soleyman, 1908 Im April 1909 gründeten die Konzessionäre die Anglo-Persian Oil Company (APOC), die das in Südpersien gefundene Öl fördern, verarbeiten und verkaufen sollte. Die Gesellschaft hatte ein Stammkapital von 1 Mio. Britische Pfund und war eine nahezu hundertprozentige Tochter der Burmah Oil Company. D’Arcy wurde in den Vorstand der APOC berufen und übte diese Tätigkeit bis zu seinem Tode aus. Die Rechte der Erkundung, Förderung, Verarbeitung und des Verkaufs des iranischen Öls wurden von der "Ersten Verwertungsgesellschaft", die die vom iranischen Staat verliehene Konzession hielt, gegen die Zahlung einer Konzessionsabgabe auf die APOC übertragen. Mit der Übertragung der Rechte an die APOC war der iranische Staat nun nicht mehr an der Gesellschaft beteiligt, die das Ölgeschäft betrieb. Sie war nun nur noch mit 10 % an der Konzessionsabgabe der APOC an die "Erste Verwertungsgesellschaft" und mit 16 % an deren Gewinn beteiligt. Mit der Gründung dieser zweiten Gesellschaft, die der die Ölkonzession haltenden "Ersten Verwertungsgesellschaft" vorgeschaltet war, wurden die in der Konzession dem iranischen Staat zugestandenen Mitwirkungsrechte beschnitten.
Um das Öl verkaufen zu können, mussten erst eine Pipeline, eine Raffinerie und eine Verladestation für Tanker gebaut werden. Die APOC wählte hierfür die Stadt Abadan. Dieses Gebiet wurde von Scheich Khazʽal Ibn Jabir von Mohammerah verwaltet. 1909 wurde nach Verhandlungen zwischen der Persian Gulf Residency und Scheich Khaz'al eine Vereinbarung geschlossen, die eine Zahlung von £ 650 pro Jahr für zehn Jahre vorsah, zahlbar im Voraus. Zudem wurde dem Scheich ein Darlehen über £ 10.000 gewährt. Ferner wurde zugesagt, dass das Wachpersonal für die APOC-Anlagen aus den Stammesmitgliedern des Scheichs rekrutiert würde.Zuhayr Mikdashi: A financial analysis of middle eastern oil concessions: 1901–65. New York 1966, S. 296.
Im Jahr 1912 weigerte sich die von Sir John Cargill geleitete Burmah Oil weitere Mittel für die APOC zur Verfügung zu stellen. Winston Churchill, zu dieser Zeit Erster Lord der Admiralität, handelte neue Vereinbarungen mit Burmah Oil aus. Mit £ 2.001.000Englische Dokumente zur Erdrosselung Persiens. Verlag Der Neue Orient, Berlin 1917, S. 55–57 erwarb die britische Regierung mit 51 % Aktienanteil die Mehrheit des £ 4 Mio. umfassenden Aktienkapitals. Darüber hinaus wurde mit der APOC ein langfristiger Liefervertrag zur Versorgung der britischen Flotte geschlossen. Durch diese Teilverstaatlichung und den Abnahmevertrag der britischen Kriegsmarine, die vom britischen Staat garantiert war, war die APOC vor dem finanziellen Zusammenbruch gerettet worden. 1913 konnte dann endlich die Ölförderung aufgenommen werden. Zu dieser Zeit war noch nicht absehbar, dass in wenigen Jahren in Abadan die größte Raffinerie der Welt entstehen würde.
Beteiligungen der APOC Die APOC beteiligte sich 1914 zu 50 % an der unter anderem von dem Geschäftsmann Calouste Gulbenkian gegründeten Turkish Petroleum Company (TPC), um sich Einnahmen aus den Ölquellen im Osmanischen Reich zu sichern. Die Beteiligung an TPC erwies sich nach einer Unterbrechung der Produktion im Ersten Weltkrieg als sehr wertvoll. Nach dem Fund einer Ölquelle nahe Kirkuk wurde die Ölförderung intensiviert. Die Turkish Petroleum Company wurde 1927 nach der Gründung des Irak in Iraq Petroleum Company umbenannt.
Um die Unterstützung der lokalen Scheichs und der Stammesführer der Bachtiaren zu bekommen, gründete die APOC die Bakhtiari Oil Company, beteiligte die Stammesführer an dieser Gesellschaft und schüttete entsprechende Gewinne aus.
Konzessionszahlungen bis 1918 miniatur|Armitage-Smith-Agreement Vom Zeitpunkt der ersten Ölförderung im Jahr 1908 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 betrugen die jährlichen Konzessionsabgaben an die iranische Regierung nur wenige hundert Pfund. Nach Kriegsbeginn stellte die APOC die Auszahlung der Konzessionsabgaben an die iranische Zentralregierung vollkommen ein. Obwohl Iran seine Neutralität erklärt hatte, wurde das Land von britischen und russischen Truppen besetzt. Die Konzessionszahlungen der APOC an Iran wurden für die kommenden fünf Jahre ausgesetzt.
Das Armitage-Smith-Abkommen Nach Kriegsende wurde Iran von der APOC zudem mit einer Schadensersatzforderung von umgerechnet $ 2 Mio. für Kriegsschäden an den Ölpipelines konfrontiert, die angeblich von Sabotageakten deutscher Agenten, die von der iranischen Regierung geduldet worden waren, stammten. Im Dezember 1920 wurden der Streit zwischen der iranischen Zentralregierung und der APOC durch das Armitage-Smith-Agreement beigelegt. Das Abkommen sah eine wesentliche Änderung der Berechnung der Gewinne, die als Grundlage der Konzessionsabgaben dienten, zu Lasten Irans vor. So wurden alle Gewinne aus dem Tankertransport bei der Berechnung ausgeschlossen. Die Gewinnberechnung von Beteiligungen der APOC wurde auf Firmen begrenzt, an denen die APOC eine Mehrheitsbeteiligung besaß. Zudem wurden erhebliche Abzüge bei der Gewinnberechnung vereinbart.
Als Ausgleich für die Iran vorenthaltenen Konzessionsabgaben der Jahre 1914 bis 1920 erhielt Iran 933.000 britische Pfund als Einmalzahlung. Zum Vergleich: Die Weltbank hatte in einem 1950 erstellten Bericht festgestellt, dass allein im Jahr 1919 die APOC einen Überschuss von 6 Mio. britischen Pfund erzielt hatte.World Bank: Nationalization of the Iranian Oil Industry. 1950, S. 7. Die Weltbank kommt in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass die gezahlte Summe höchstens einer Konzessionsabgabe von 3 % entsprochen hat. Wäre die Konzession von D’Arcy korrekt umgesetzt worden, hätte Iran 8 Mio. britische Pfund für den genannten Zeitraum an Konzessionen erhalten müssen.