mini|hochkant|Nelly Furtado beim Radio Regenbogen Award 2017 im Europa-Park in Rust mini|hochkant|Logo 2000 bis 2010 mini|hochkant|Logo 2012 Nelly Kim Furtado (* 2. Dezember 1978 in Victoria, British Columbia) ist eine portugiesisch-kanadische Sängerin, Songwriterin und unter anderem Grammy-Preisträgerin. Ferner ist sie als Schauspielerin und Moderatorin tätig und hat seit dem Millenniumswechsel bisher sieben Studioalben veröffentlicht.

Leben Kindheit und Jugend Nelly Furtado wurde als drittes Kind der portugiesischen Einwanderer Maria Manuela und António José Furtado geboren. Ihren Namen erhielt sie in Anlehnung an die sowjetische Turnerin Nelli Kim. Die Eltern waren 1967 vor dem Salazar-Regime aus ihrer Heimatgemeinde Ponta Garça (Kreis Vila Franca do Campo, Insel São Miguel) auf den Azoren geflohen und nach Kanada emigriert. Durch ihren ethnischen Hintergrund und die soziale Stellung ihrer Eltern als Zimmermädchen und Steinmetz wurde Furtado schon früh geprägt. Ihre Eltern erzogen sie im römisch-katholischen Glauben und nach der Auffassung, dass man allein durch harte Arbeit im Leben vorankomme. Sie besuchte die Mount Douglas Secondary School und begann als Zwölfjährige im Sommer zusammen mit ihrer Mutter als Zimmermädchen im Robin Hood Motel von Victoria zu arbeiten. Dieser Tätigkeit ging sie insgesamt acht Jahre lang nach.

In ihrer Jugend litt Furtado unter Depressionen und hatte ein schlechtes Verhältnis zu ihren Eltern. Dementsprechend verließ sie nach dem Abschluss der High School 1996 das Elternhaus und zog zu ihrer Schwester nach Toronto.Bravo: (vom 14. März 2007) 1997 kehrte sie für einige Monate zu ihren Eltern nach Victoria zurück und schrieb sich am Camosun College ein. Doch bereits nach kurzer Zeit konfrontierte sie ihre Eltern mit dem Entschluss, das College zu verlassen und sich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Ihre Eltern waren mit dieser Entscheidung einverstanden, da sie die Studieneinstellung ihrer Tochter zuvor bemängelt hatten.David A. Keeps (Rolling Stone): (vom 25. Juli 2001)

Karitatives Engagement Anfang März 2011 entschied sich Furtado, ihre Gage in Höhe von einer Million Dollar – die sie für einen 45-minütigen Auftritt für den Gaddafi-Clan in Italien erhalten hatte – für einen gemeinnützigen Zweck zu verwenden.SPIEGEL ONLINE: Gagen-Rückzahlung: Nelly Furtado und die Gaddafi-Million (vom 1. März 2011) Zudem spendete sie im selben Jahr eine Million Dollar an die Organisation Free The Children, die sich für Kinder in Kenia engagiert.Universal Music Deutschland: Spendet 1 Millionen Dollar für “Free The Children” (vom 2. Oktober 2011) 2014 erhielt Furtado den Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für ihr vorbildliches humanitäres Engagement, das vor allem jungen Frauen in Ostafrika zugutekommt.. Abgerufen am 3. Juni 2015.

Privates Nach ihrem Erfolg bei der Grammy-Verleihung 2002 fasste Furtado den Entschluss, ein ruhigeres Leben zu führen und eine Familie zu gründen.arjanwrites music blog: Nelly Furtado Embraces Diversity (vom 16. Januar 2004) Zu dieser Zeit war sie mit Jasper Gahunia – bekannt als DJ Lil’Jaz – liiert. Sie kannten sich bereits einige Jahre und arbeiteten auch musikalisch zusammen. Gahunia war deshalb auch an der Entstehung der ersten beiden Alben Furtados beteiligt. Wenige Monate später meldete sie, dass sie von ihm schwanger war und ihr erstes Kind erwarte. Am 20. September 2003 brachte sie in Toronto eine Tochter zur Welt. 2005 trennten sie sich nach vierjähriger Beziehung, blieben jedoch miteinander befreundet.Victoria de Silverio (Blender Magazine): (vom 27. Juni 2006)

Ihre Beziehung mit dem Tontechniker Demacio „Demo“ Castellón – der auch an ihrem dritten Album Loose mitgearbeitet hat – hielt sie lange Zeit geheim. Im Sommer 2007 gab sie ihre Verlobung mit ihm bekannt; am 19. Juli 2008 folgte die heimliche Hochzeit der beiden.Lesley Messer (People.com): Nelly Furtado: I'm Married (vom 17. Oktober 2008) Bei einem Auftritt in der britischen TV-Talkrunde Loose Women im April 2017 gab sie die Trennung von ihm bekannt, die bereits im Sommer 2016 stattgefunden hatte. „Ich bin jetzt Single. Jemand muss meinen Wikipedia-Eintrag aktualisieren – so hilft das meinem Liebesleben nicht!“

Im Dezember 2021 verriet Furtado auf ihrem Instagram-Account, dass sie zwei weitere Kinder hat.Jim Spellman: (vom 14. Dezember 2021)

Im Mai 2023 verriet Furtado in einem Interview mit der Zeitschrift Fault, dass bei ihr kürzlich ADHS diagnostiziert wurde.

Musikalische Karriere Bis 1994: Anfänge und Einflüsse Furtado spricht fließend Englisch und Portugiesisch und hat in diesen beiden Sprachen sowie auf Spanisch und Hindi bereits Lieder gesungen. Im Alter von vier Jahren begann sie, sich für Musik zu begeistern und erhielt Klavierunterricht. Inspiriert wurde sie dabei von ihrer Familie, da ihr Onkel und ihr Großvater Musiker waren, und ihre Mutter in einem Chor sang. Als Siebenjährige erlernte Furtado das Spielen der Ukulele, mit neun Jahren Posaune, mit elf Jahren Keyboard und einige Jahre später Gitarre. Darüber hinaus nahm sie in der Kirche, die sie regelmäßig mit ihren Eltern besuchte, Unterricht in volkstümlichen portugiesischen Tänzen und war zudem Mitglied in einer portugiesischen Blaskapelle. Mit zwölf Jahren begann Furtado ihre ersten eigenen Lieder zu schreiben. Zunächst war sie der Popmusik zugewandt, öffnete sich als Teenager aber einem breiten musikalischen Spektrum und hörte vorwiegend R&B, Hip-Hop sowie brasilianische Musik. Über ihren Bruder kam sie auch mit der Musik von Rock-Gruppen wie Radiohead, The Verve oder Oasis in Kontakt. Während einer Sommerreise durch Europa lernte Furtado die alte portugiesische Musikrichtung Fado kennen.

1995–1996: Entdeckung und Trip-Hop-Duo Nelstar Bei einem Aufenthalt in Toronto im Sommer 1995 lernte Furtado den Hip-Hopper Tallis Newkirk von der Gruppe Crazy Cheese kennen. Newkirk war von ihren musikalischen Fähigkeiten so überzeugt, dass er sie an den Aufnahmen für das neue Album der Gruppe, Join the Ranks, mitwirken ließ. Furtado steuerte dabei den Gesang zum Titel Waitin’ 4 the Streets bei.

Während sie in Toronto lebte, schrieb Furtado Songs, nahm Demobänder auf und absolvierte mit dem Trip-Hop-Duo Nelstar, das sie gemeinsam mit Newkirk gebildet hatte, Auftritte in verschiedenen Clubs. Zwar stieg das Interesse an Nelstar mit der Zeit, aber Furtado fühlte sich mit dem musikalischen Stil der Gruppe immer weniger verbunden, sodass Nelstar nach wenigen Monaten wieder zerbrach.

1997–2001: Debütalbum Whoa, Nelly! und Internationaler Durchbruch Noch vor ihrer zwischenzeitlichen Heimkehr nach Victoria hatte Furtado 1997 in Toronto am Honey Jam, einer Talentshow für R&B- und Hip-Hop-Acts, teilgenommen. Beim Auftritt der damals 18-Jährigen wurden Gerald Eaton und Brian West von der Soul-Pop-Band The Philosopher Kings, die unter dem Namen Track & Field auch als Produzenten tätig waren, auf Furtado aufmerksam. Nachdem sie 1999 im Alter von 20 Jahren abermals nach Toronto gezogen war, stellte sie den Kontakt zu Eaton und West wieder her. Zusammen mit den beiden Produzenten schrieb Furtado einige Songs, die zum Teil später auch auf ihrem Debütalbum veröffentlicht wurden, und nahm ein Demoband auf, das an das Label DreamWorks geschickt wurde. Die Aufnahmen überzeugten die Verantwortlichen und so erhielt Furtado 1999 ihren ersten Plattenvertrag. Mit Party’s Just Begun (Again) wurde bereits im selben Jahr ihr erster Song auf dem Soundtrack zum Kinofilm Brokedown Palace veröffentlicht.

Im Oktober 2000 erschien schließlich das von Track & Field produzierte Debütalbum Whoa, Nelly!, welches Pop, Hip-Hop und Folk vereint und Elemente traditioneller Musikrichtungen wie brasilianischen Bossa Nova und portugiesischen Fado enthält. Das Album blieb zunächst weitgehend unbeachtet, doch die Verkaufszahlen wurden im Zuge von Furtados stetig steigender Bekanntheit durch Auftritte im Rahmen der Burn in the Spotlight-Tour im Frühjahr 2001 und als Supporting-Act für Mobys Area: One-Tour deutlich beflügelt. Auch der internationale Erfolg der Singleauskopplungen I’m like a Bird, Turn Off the Light und Shit on the Radio (Remember the Days) machte Furtado 2001 auf der ganzen Welt bekannt, sodass das Debütalbum letztendlich in zahlreichen Ländern Gold- und Platinstatus erzielte. Furtados Auftakterfolg erreichte 2002 mit vier Grammy-Nominierungen sowie dem Gewinn des Grammys in der Kategorie Best Female Pop Vocal Performance für I’m Like a Bird ihren Höhepunkt. Zudem hatte sie die Aufmerksamkeit einiger etablierter Künstler geweckt, sodass es in der Folge zu mehreren gemeinsamen Projekten mit diesen kam.

2002–2004: Folklore Im Mai 2002 veröffentlichte Furtado mit dem kolumbianischen Sänger Juanes mit Fotografía ein gemeinsames Duett, das erstmals auf Juanes′ zweitem Studioalbum Un día normal erschien. Im Herbst 2002 begann Furtado gemeinsam mit Track & Field mit den Aufnahmen zu ihrem zweiten Studioalbum. Die Arbeit verzögerte sich durch ihre damalige Schwangerschaft, sodass erst im November 2003, rund zwei Monate nach der Geburt ihrer Tochter Nevis, das Album Folklore erschien. Das musikalische Konzept der Platte vermischt traditionellen portugiesischen Fado und modernen Pop. Als Inspiration hierfür nannte Furtado die äußere Erscheinung eines älteren portugiesischen Herrn in einer Jeans und einem T-Shirt mit der Aufschrift „Coca-Cola“, der ihr während ihres Urlaubs auf den Azoren begegnet war.

Die Lieder sind im Gegensatz zu Whoa, Nelly! überwiegend akustisch gehalten, um weniger die musikalische Untermalung als vielmehr die melancholischen und nachdenklichen Texte in den Vordergrund zu stellen. In diesen setzt Furtado sich vorrangig mit ihren portugiesischen Wurzeln und ihrem Arbeiterklassen-Hintergrund auseinander, da sie den plötzlichen kommerziellen Erfolg der vergangenen Jahre verarbeiten und genauer ergründen wollte. Dabei vermeidet sie ihre bisherige abstrakte und metaphorische Ausdrucksweise und äußert ihre Gedanken in einer direkteren und persönlicheren Form. Obwohl die Lieder sich früheren Themen wie zum Beispiel der Selbstsicherheit anschließen, sind sie aus musikalischer Sicht jedoch nicht mit den radiotauglichen Popsongs des Vorgängers vergleichbar.

Die Reaktion auf das Album fiel verhalten aus, sodass Folklore deutlich hinter dem Erfolg des Debüts zurückblieb. In den Vereinigten Staaten erreichten die Verkaufszahlen nur etwa ein Viertel von Whoa, Nelly!. Im Gegensatz dazu erhielt das Album in Deutschland weitaus größere Beachtung. Furtado konnte sich mit Folklore sowie mit den Singles Powerless (Say What You Want) und Força – dem offiziellen Titelsong zur Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal – erstmals in den Top Ten der deutschen Album- und Single-Charts platzieren. Auch die zweite Singleauskopplung Try konnte Erfolge erzielen. Der Titel stieg am 5. April 2004 auf Platz 31 in die deutschen Singlecharts ein und belegte in den folgenden Wochen die Ränge 42 und 32. Insgesamt konnte es sich neun Wochen lang in den Top 100 halten. Höhere Chartplatzierungen gelangen unter anderem mit Position 15 im Vereinigten Königreich, Platz 19 in Italien, Rang 22 in der Schweiz und Position 26 in Österreich. Später vermutete sie in einem Interview, dass die deutschen Fans das Album wegen seiner Gedankenversunkenheit so sehr mögen würden. Am 4. Juli 2004 wurde ihr die Ehre zuteil, Força vor dem Finale der Fußball-Europameisterschaft im Lissaboner Estádio da Luz und vor 153 Mio. Fernsehzuschauern zu präsentieren.

2005–2007: Erneute Zusammenarbeit mit Timbaland und Loose mini|hochkant|Furtado bei Rock am Ring (2006) mini|hochkant|Furtado in der Manchester Arena (2007)