mini|Joseph E. Johnston Joseph Eggleston Johnston (* 3. Februar 1807 auf dem Familiensitz Cherry Grove bei Farmville, Prince Edward County, Virginia; † 21. März 1891 in Washington, D.C.) war bis 1861 Brigadegeneral im US-Heer und von 1861 bis 1865 einer der ranghöchsten Generale des konföderierten Heeres im Amerikanischen Bürgerkrieg.
Johnston gilt als einer der fähigsten, aber aufgrund der von ihm bevorzugten Defensivstrategie auch als einer der umstrittensten Generale der Konföderation. Er war als einziger General der Südstaaten (zu unterschiedlichen Zeitpunkten) Oberbefehlshaber beider Hauptkampfverbände des Südens: Zunächst kommandierte er die Nord-Virginia-Armee, später die Tennessee-Armee.
Leben Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges mini|Johnston, Reconnoissances [sic.] of Routes from San Antonio de Bexar to El Paso del Norte, 1849
Joseph Johnston war der Sohn von Peter und Mary Johnston (geborene Wood). Peter Johnston hatte im Unabhängigkeitskrieg als Offizier gekämpft und war anschließend Delegierter im Parlament von Virginia, wobei er auch als Sprecher des Hauses fungierte. Mary Johnston wiederum war eine Nichte Patrick Henrys.
Joseph Johnston besuchte die Militärakademie in West Point, New York und beendete das Studium 1829 als Dreizehnter seines Jahrgangs. Der spätere General Robert E. Lee, der ihm nach der Schlacht von Seven Pines als Oberbefehlshaber nachfolgte, war sein Jahrgangskamerad. Johnston wurde nach dem Abschluss zum Leutnant befördert und der Artillerie zugeteilt. Er kämpfte im Black-Hawk-Krieg, im zweiten Seminolenkrieg und im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg. Im letzteren diente er im Stab von General Winfield Scott, wurde fünfmal verwundet und zweimal mit einem Brevet-Rang ausgezeichnet. 1845 heiratete er die 15 Jahre jüngere Lydia McLane († 1887). Die Ehe verlief allen Berichten zufolge sehr glücklich, blieb aber kinderlos.
Johnston diente nach seiner Hochzeit unter anderem in Texas und Kansas. 1855 wurde er zum Oberstleutnant befördert, nachdem er bereits in Mexiko mit dem entsprechenden Brevet-Rang ausgezeichnet worden war, und zum Regimentskommandeur des 1. US-Kavallerieregiments in Fort Belknap, Texas ernannt. Johnston wurde 1860 zum General-Quartiermeister des US-Heeres ernannt und zum Brigadegeneral befördert. Er war der erste West-Point-Absolvent, der diesen Rang erreichte.
Bei Beginn des Sezessionskriegs war zunächst nicht klar, ob Johnston sich dem Süden anschließen würde. Er war kein Anhänger der Sklaverei und hielt die Sezession an sich für eher verfassungswidrig, wenn er auch an das „Recht auf Revolution“ glaubte. Der Oberbefehlshaber des US-Heeres, Generalmajor Scott, wie Johnston und Lee aus Virginia stammend, versuchte Johnston zu überzeugen, im Unionsheer zu bleiben. Scott hatte deshalb auch mit Johnstons Frau Lydia geredet. Diese machte Scott allerdings klar, dass ihr Mann keinesfalls in einem Heer bliebe, das gegebenenfalls dessen Heimatstaat angreifen würde. Für Johnston war klar: Würde Virginia aus der Union austreten, würde er auch für Virginia kämpfen; wie im Fall von Lee galt Johnstons Loyalität mehr seinem Heimatstaat als der Union.Symonds: Joseph E. Johnston. 1992, S. 94.
Johnston quittierte seinen Dienst im US-Heer nach der Sezession Virginias am 22. April 1861 und trat in das virginische Heer ein; er war einer der ranghöchsten Unionsoffiziere, die sich den Südstaaten anschlossen. Generalmajor Lee, dem die Landstreitkräfte Virginias unterstanden und der Johnston aus der gemeinsamen Zeit an der Militärakademie schätzte, schlug dem Gouverneur Johnstons Beförderung zum Generalmajor der Freiwilligen vor. Gleichzeitig sollte er das Kommando über die Truppen im Umkreis der Hauptstadt Richmond erhalten. Der Gouverneur ernannte Johnston. Die Regierungsversammlung von Virginia genehmigte aber nur einen Dienstposten eines Generalmajors und der war durch Lee besetzt. Johnston wurde schließlich nach dem Beitritt Virginias zur Konföderation zum Brigadegeneral des konföderierten Heeres befördert.
Manassas und der Halbinsel-Feldzug mini|hochkant|Joseph E. Johnston, Gemälde von Benjamin Franklin Reinhart, 1860/1861, National Portrait Gallery Washington Johnston übernahm das Kommando über die konföderierten Truppen im virginischen Shenandoahtal, mit denen er General Beauregard in der Ersten Schlacht von Manassas im Juli 1861 gerade noch rechtzeitig verstärkte und so einen nicht geringen Anteil am Sieg der Konföderierten hatte. Obwohl ranghöher, überließ er Beauregard die Führung. Ende August wurde er mit vier anderen Offizieren zum General des konföderierten Heeres befördert. Johnston, stets auf seine Ehre bedacht, beschwerte sich jedoch bei Präsident Jefferson Davis darüber, nur an vierter Stelle dieser Ernennungsliste gestanden zu haben – obwohl er nach dem Dienstalter vor den anderen hätte befördert werden müssen und er bis 1861 im US-Heer einen höheren Rang als die anderen Generale bekleidet hatte. Dies war nur der Beginn einer langen Reihe von Auseinandersetzungen, die Johnston mit dem Präsidenten austrug.
Johnston stellte im Winter 1861/62 die Nord-Virginia-Armee auf und führte sie in der ersten Phase des Halbinsel-Feldzugs. Er agierte dabei, ähnlich wie später in Georgia, defensiv. Johnston gelang es mehrmals, die mehr als doppelt so starke Potomac-Armee am zügigen Vorgehen auf Richmond zu hindern. Um das zu erreichen, musste er aber immer Gelände aufgeben. Schwer verwundet in der schlecht koordinierten Schlacht von Seven Pines, in der Johnston, nicht zuletzt auf Drängen des Präsidenten, seinen Freund aus der Vorkriegszeit, den US-Generalmajor McClellan angriff, folgte ihm am 1. Juni 1862 General Robert E. Lee als Oberbefehlshaber nach. Das Verhältnis zwischen den beiden Feldherrn war von Rivalität geprägt. Als Johnston von Lees Sieg in der Schlacht von Fredericksburg erfuhr (dort hatte der Oberbefehlshaber der Potomac-Armee, Generalmajor Ambrose E. Burnside, Division nach Division gegen die aus einem Hohlweg verteidigenden Südstaatler angreifen lassen und dadurch hohe Verluste erlitten), äußerte er sich verblüfft:
Der Fall Vicksburgs mini|Denkmal Joseph E. Johnstons in Dalton, Georgia Nach seiner Genesung wurde Johnston von Präsident Davis Ende 1862 zum Befehlshaber des westlichen Kriegsschauplatzes ernannt. Ihm unterstanden nun die Tennessee-Armee General Braxton Braggs und die Mississippi-Armee Generalleutnant John C. Pembertons. Johnston selbst unterstanden aber keine Truppen direkt. Die Armeeoberbefehlshaber waren angewiesen, nicht nur ihm, sondern auch dem Präsidenten zu melden. Das führte dazu, dass die Armeen Aufträge auch direkt vom Präsidenten erhielten.
Mit der Invasion Mississippis durch US-Generalmajor Ulysses S. Grant kam Johnston in seiner Lagebeurteilung zu dem Schluss, dass Mississippi und Tennessee nicht gleichzeitig gegen die Übermacht der Union gehalten werden könnten. Er fragte daher Präsident Davis, welcher der beiden Staaten aufgegeben werden sollte – dies sei eine politische Entscheidung und nicht die eines Militärs. In den alten Fehler der Konföderation verfallend, alles verteidigen zu wollen, befahl Präsident Davis, das strategisch Vicksburg, Mississippi, mit Johnstons verfügbaren Kräften (zunächst 5.000, später mehr als 20.000 Mann) zu entsetzen und zugleich Tennessee zu verteidigen.
Johnston befahl Pemberton am 2. Mai 1863, als der Grant gerade in Mississippi gelandet war, diesen mit allen verfügbaren Kräften sofort anzugreifen, da eine Armee nach der Landung am anfälligsten sei. Diesen Befehl führte Pemberton aber nur zögernd aus. Johnston selbst war überzeugt, dass eine Verstärkung der Tennessee-Armee für die Konföderation von größerer Bedeutung als die Behauptung Vicksburgs sei: Bei einem Angriff der Union in Tennessee drohten die Kernlande der Konföderation bis Atlanta, Georgia, geteilt zu werden. Der Verlust von Vicksburg, so schmerzlich er auch sein würde, hätte hingegen nur ein Randgebiet von der abgetrennt. Johnston musste sein Hauptquartier in Jackson, Mississippi im Mai aufgeben, als Generalmajor Grant eine konföderierte Verteidigungsstellung nach der anderen auf seinem Marsch nach Vicksburg überrannte und schließlich Jackson eroberte und brandschatzte. Johnston befahl Pemberton, bevor er auswich, sich mit seinen schwachen Kräften nordwestlich Jackson zu vereinen, um dann gemeinsam Grant anzugreifen. Pemberton führte auch diesen Befehl nur zögerlich aus.
Nach der Einschließung von Vicksburg brach Pemberton nicht, wie von Johnston vorgeschlagen, aus. Überlegungen in Richmond, weitere Verstärkungen in den Westen zu entsenden (die Generale Bragg und Taylor hatten bereits notgedrungen einige Großverbände abgestellt), wurden derweil von General Lee abgeblockt, der glaubte, jeden Mann für seinen geplanten Feldzug in den Norden zu brauchen – Lees Feldzug sollte schließlich in seiner Niederlage in der Schlacht von Gettysburg enden. Pemberton musste am 4. Juli 1863 kapitulieren. Die Konföderation verlor mit dem Fall Vicksburgs die letzte Landverbindung in den Raum westlich des Mississippi.
Johnston war den Unionstruppen ausgewichen und sicherte mit etwa 20.000 Mann den Raum um Jackson nach Westen, um Grant an einem Durchbruch nach Osten zu hindern. Johnston hoffte, die Unionstruppen zu einem Angriff auf die Befestigungen der Stadt verleiten zu können. Generalmajor William T. Sherman, der die US-Truppen vor Jackson kommandierte, ging aber nicht in diese Falle und begann stattdessen damit, die Stadt einzukesseln. Daraufhin gab Johnston am 16. Juli Jackson ein zweites Mal auf und rettete dadurch seine Armee. Der Fall Vicksburgs hatte eine deutliche Schockwirkung auf die Konföderation, und die Verantwortung für die Niederlage wurde Johnston zugeschoben. Gleichzeitig wurde dadurch die Überzeugung vieler in der Hauptstadt Richmond bestärkt, Johnston agiere zu defensiv und scheue den offenen Kampf. Ursächlich für die Niederlage war jedoch der Wunsch von Präsident Davis gewesen, alles zu verteidigen, und die unzumutbaren Führungsbedingungen, durch die die Armeeoberbefehlshaber Weisungen direkt vom Präsidenten erhielten, die den Intentionen ihres unmittelbaren Vorgesetzten diametral entgegenstanden.
Oberbefehlshaber der Tennessee-Armee mini|Karte des Atlanta-Feldzuges Johnston übernahm den Oberbefehl über die Tennessee-Armee von Braxton Bragg am 27. Dezember 1863. Die konföderierte Armee befand sich nach den vorangegangenen Kämpfen in einem demoralisierten Zustand. Johnston konnte die Kampfmoral rasch wiederherstellen und mit seinen Truppen im Jahr 1864 während des Atlanta-Feldzugs mit großem strategischen Können den Vormarsch Generalmajor Shermans und seiner mehr als doppelt so starken Truppen extrem verlangsamen. Johnston wollte sich bei Cassville, Georgia, im Mai 1864 dem Gegner stellen, sein Plan wurde jedoch durch eine Panikreaktion John Bell Hoods, einem Kommandierenden General Johnstons, zunichtegemacht. Johnston ließ daraufhin die Tennessee-Armee bei Kennesaw Mountain im Juni Feldbefestigungen ausheben und erwartete aus diesen den Gegner. Es war der einseitigste Kampf während des gesamten Atlanta-Feldzugs und ein eindeutiger Sieg der Konföderation: Sherman hatte etwa 3.000 Tote und Verwundete zu beklagen, während Johnston kaum 600 Mann verloren hatte;Connelly: Autumn of Glory. 1971, S. 360. geringe Verlustzahlen, verglichen mit denen an der Front in Virginia, aber die bisher höchsten während der laufenden Operationen in Georgia. Shermans Vormarsch wurde davon aber kaum aufgehalten, vor allem aufgrund der numerischen Überlegenheit der Unionstruppen. Sherman gelang es im weiteren Verlauf des Feldzugs immer wieder, Johnston zu überflügeln, der weiterhin bemüht war, den richtigen Ort und Zeitpunkt für eine Entscheidungsschlacht zu finden.