mini|Straße Klötzerbahn im Zentrum von Eupen Eupen (deutsche Aussprache , französisch ; ; veraltet ) ist eine belgische Stadt im Osten der Provinz Lüttich in der Wallonischen Region. Die Stadt liegt am Rande des Naturparks Hohes Venn-Eifel etwa 16 km südlich von Aachen sowie 45 km von Lüttich und Maastricht entfernt und gliedert sich in die Viertel Oberstadt mit dem benachbarten Weiler Stockem und Unterstadt am Ufer der Weser mit dem Haas-Haasberg/Haasviertel, Bericht auf den Seiten von Ephata Eupen und Bergviertel.Bergviertel allgemein, Bericht auf den Seiten von Ephata Eupen Mit der Gemeindefusion von 1977 kam als neuer Stadtteil der Ort Kettenis mit seinen Weilern Gemehret, Libermé, Nispert und Oberste Heide hinzu.

Erstmals um das Jahr 1040 schriftlich erwähnt, gehörte Eupen in seiner Geschichte nacheinander zu Limburg, Brabant, Burgund, den Österreichischen Niederlanden und Frankreich, ehe es 1815 Preußen angegliedert wurde. 1920 kam Eupen mit seinem Umland zum 1830 gegründeten Königreich Belgien.

Heute ist Eupen Teil der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) in Ostbelgien, eine Fazilitäten-Gemeinde mit Spracherleichterung für Frankophone. Die Amtssprache ist Deutsch, und die rund 20.100 Einwohner der Stadt sind mehrheitlich deutschsprachig. Das neben Hochdeutsch gesprochene Eupener Platt gehört zur Dialektzone des ostlimburgisch-ripuarischen Übergangsgebiets.

Seit der schrittweisen Umwandlung Belgiens in einen FöderalstaatBildung des föderalen Staats, auf belgium.be ist Eupen Hauptsitz des Parlaments, der Regierung und des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft und somit politisches Zentrum der rund 80.000 Einwohner umfassenden deutschsprachigen Bevölkerungsminderheit in Belgien. Darüber hinaus ist Eupen Verwaltungssitz der Euregio Maas-Rhein.

Wappen

Die rot-golden gespaltene Flagge trägt auf dem Spalt das Stadtwappen.

Geschichte

mini|Haus Grand Ry, Regierungssitz der Deutschsprachigen Gemeinschaft Der Ort Eupen im Herzogtum Limburg wurde erstmals urkundlich in den Annales Rodenses erwähnt als Ort, der um 1040 zusammen mit Membach und Henri-Chapelle zur Pfarre Baelen gehörte und 1178 durch Herzog Heinrich III. von Limburg der Abtei Klosterrath geschenkt wurde. Seit dem 13. Jahrhundert wurde Eupen regional von den Herren von Stockem und Eupen als „Herrlichkeit“ regiert, deren Wappen ein schiefes gewöhnliches Kreuz mit gezacktem Querbalken zeigte. Durch die Schlacht von Worringen fiel das Herzogtum Limburg 1288 unter Johann I. an das Herzogtum Brabant. 1387 gingen Brabant und Limburg an das Haus Burgund. Im Krieg gegen das Herzogtum Geldern wurde Eupen niedergebrannt.

1445 wurden in Eupen 156 Haushalte („Feuerstätten“) gezählt, im angrenzenden Weiler Nispert 25 und in Stockem 16. Im Jahr 1477 kam Eupen mit Brabant und Limburg an die von den Habsburgern regierten Österreichischen Niederlande. 1544 verlieh Kaiser Karl V. dem Ort das Recht, zwei freie Jahrmärkte abzuhalten. 1554 wurde Eupen wegen seines Handels mit Tuchen und Nägeln bekannt. Ein Jahr später gelangte Eupen mit Brabant und Limburg an die Spanischen Niederlande.

Von 1565 stammt die erste Erwähnung der protestantischen Bewegung in Eupen. 1582 wurde Eupen in der Nacht von niederländischen Söldnern zu 50 % niedergebrannt. 1627 bestanden in Eupen 700 Haushalte, es gab mehr als 2.000 erwachsene Gläubige. 1635 dezimierte eine Pestepidemie die Bevölkerung. 1648 wurde Eupen mit seinen drei Lathöfen Stockem, Frambach (Oberstadt) und St. Marien (Unterstadt)H. Signon: Die ehemaligen Eupener Lathöfe, in: Aus Eupens Vergangenheit, Artikel Nr. 206–212 auf den Seiten von Ephata Eupen freie Herrschaft mit einem eigenen Gericht und erhielt 1674 durch Siegelverleihung das Stadtrecht.

Per Erlass des französischen Königs Ludwig XIV. vom 6. Mai 1680 wurden den Eupenern großzügige Rechte zugestanden, Ländereien für das Betreiben von Mühlen, Fabriken und Geschäften zu erwerben, sich das nötige Holz für ihre Anlagen aus den umliegenden Wäldern zu beschaffen und fremde Arbeiter einzustellen. Im Jahr 1680 wurde daraufhin eine erste Feintuchmanufaktur in Eupen errichtet. Zum Beginn ihrer Blütezeit erhielt Eupen 1688 das Recht, fünf freie Jahrmärkte abzuhalten. In der nun rund 200 Jahre lang andauernden Hochphase der Tuchindustrie fanden rund 7.000 der knapp 10.000 Einwohner von Eupen eine Beschäftigung im Tuchhandwerk und Zulieferbetrieben.

Zwischen 1707 und 1714 stand Eupen für kurze Zeit unter der Herrschaft der Vereinigten Niederlanden. Anschließend fiel die Stadt nach dem Frieden von Utrecht mit Brabant und Limburg an die Österreichischen Niederlande zurück. 1718 erhielt die Stadt die Genehmigung zur freien Einfuhr von Wolle, Öl, Farben und aller für die Fabrikation der Tuche und Stoffe erforderlichen Materialien, dem 1760 die zollfreie Einfuhr von Kuhhaaren folgte. 1734 erhielten die Eupener Bürger das Wahlrecht, Bürgermeister und Neumänner zu wählen. 1783 erfolgte die Einrichtung eines Kaufmannskollegiums, einer Art Handelskammer, und 1787 die Errichtung eines Gerichts erster Instanz.

1794 kam die Stadt unter die Herrschaft Frankreichs und gehörte fortan zum Département Ourthe, Präfektur Lüttich, Unterpräfektur Malmedy. 1806 wurden die ersten Rauh- und Schermaschinen für die Tuchfabrikation eingeführt und der Fabrikant Bernhard Georg von Scheibler (1783–1860) richtete die erste mechanische Wollspinnerei ein. In den Folgejahren wurde der Ortsteil Unterstadt zu einem neuen Industriestandort aufgewertet und es gründeten sich eine Vielzahl neuer Fabriken an Weser und Hill.

1815 wurde Eupen durch den Wiener Kongress der Rheinprovinz des Königreichs Preußen zugeordnet und Kreissitz des Kreises Eupen. 1821 kam es nach Aufstellung einer neuen Tuchschermaschine zu einem Weberaufstand. In diesen Jahren erlebte Eupen eine wirtschaftliche Krise und eine verstärkte Armut in der Bevölkerung, was zur Einführung verschiedener Armenschulen führte. Erst zum Ende des Jahrzehnts erholte sich die Tuchindustrie wieder. 1827 erschien die Eupener Zeitung als erste Zeitung in der Stadt. 1864 wurde der Stadt Eupen ein Stadtwappen verliehen. Ab 1871 gehörte das preußische Königreich und damit auch Eupen zum neu gegründeten Deutschen Kaiserreich.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Vertrag von Versailles wurde das Gebiet von Eupen-Malmedy 1920 Belgien zugeteilt und war bis 1925 Teil des dem General Herman Baltia unterstellten General-Gouvernements Eupen-Malmedy. Von 1929 bis 1940 übernahm das 2. Regiment der Carabiniers-Cyclistes die Gebäude der von Robert Wetzlar gestifteten und von seiner Frau Mathilde geleiteten und 1920 geschlossenen „Gewerblichen und kaufmännischen Fachschule für Knaben und Mädchen“ und richtete dort die Caserne Sous-Lieutenant Antoine ein.

Am 10. Mai 1940 begann für Belgien der Zweite Weltkrieg mit dem Fall Gelb. Hitler ließ sieben seiner Armeen in die benachbarten neutralen Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg einmarschieren und diese besetzen. Am 18. Mai 1940 wurde das Gebiet um Eupen wieder dem Deutschen Reich angegliedert und der Rheinprovinz, Regierungsbezirk Aachen, zugeteilt.Erlaß des Führers und Reichskanzlers über die Wiedervereinigung der Gebiete Eupen, Malmedy und Moresnet mit dem Deutschen Reich v. 18. Mai 1940 (RGBl. 1940 I S. 777). Abgerufen am 28. September 2020. Im September 1944 zogen sich die Wehrmachtstruppen vor den heranrückenden US-Truppenverbänden zurück, wodurch das Gebiet dem Einfluss der Nationalsozialisten entzogen war. Allerdings fanden ab Oktober 1944 in einiger Entfernung von Eupen für einige Monate noch heftige Kämpfe während der Schlacht um Aachen, der Schlacht im Hürtgenwald und der Ardennenoffensive statt, wodurch sich auf dem Stadtgebiet zahlreiche Lazarette und Logistikstandorte einrichteten.

Nach dem Krieg wurden die alten Vorkriegsgrenzen in Belgien wiederhergestellt. Am 15. Februar 1947 zog das Königliche Militärinstitut für Leibeserziehung in die Eupener Kaserne ein.

Die Verleihung eines neuen Wappens durch den belgischen König Baudouin erfolgte 1983. Im selben Jahre wurde die Stadt Sitz der ersten Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

Beim Hochwasser in West- und Mitteleuropa 2021 kam es in der Eupener Unterstadt zu erheblichen Schäden an Gebäuden, Industrieanlagen und der Infrastruktur.

Religion Obwohl die Entwicklung sowohl der Katholiken als auch der Protestanten in Eupen im Lauf der Geschichte der Stadt von den zuständigen Herrschaftssystemen stark beeinflusst wurde und weil Eupen keine reichsunmittelbare Stadt war, blieb sie dabei weitestgehend von Glaubenskämpfen verschont, wie sie beispielsweise im Rahmen der Aachener Religionsunruhen in der nahen Reichsstadt Aachen stattgefunden hatten.

Römisch-katholische Gemeinde mini|hochkant|Sankt-Nikolaus-Kirche

Die ersten Anfänge einer geordneten katholischen Pfarre gehen in das 13. Jahrhundert zurück, als im Jahr 1213 in den Annales Rodenses eine „Capella Sancti Nicolai“ in „Oipen“ urkundlich erwähnt wird. Diese wurde im 14. oder 15. Jahrhundert durch eine gotische Kirche ersetzt und entwickelte sich als St. Nikolaus mit den Doppeltürmen zur markanten Hauptkirche der Stadt. 1695 wurde sie von der Pfarre Baelen abgekoppelt und zur eigenständigen Pfarre im Bistum Lüttich erhoben sowie der bisherige Rektor Nikolaus Heyendal zum ersten Pfarrer ernannt.

In Zeiten der Gegenreformation wurden um 1660 wallonische Angehörige des Kapuzinerordens nach Eupen entsendet, um der sich ausbreitenden Häresie und der Verbreitung des Protestantismus entgegenzuwirken. Diese errichteten auf einem gestifteten Stück Land die Kirche zur Unbefleckten Empfängnis mit einem großen Konventsgebäude sowie an der Grenze ihres Grundstückes eine Kapelle mit dem Gnadenbild der Gottesmutter, das sich zu einem beliebten Wallfahrtsziel entwickelte.

Wenige Jahre später ließ die Eupener Kaufmannsfamilie Klebanck auf ihrem Grundstück am Eupener Werthplatz eine Kapelle für die dort ansässigen Bewohner erbauen. Obwohl in der Kapelle ab 1691 bereits erste Gottesdienste stattfanden, wurde sie erst 1729 offiziell als Mariä Himmelfahrts-Kirche geweiht und ein Jahr später von der Pfarre St. Nikolaus als Filialkirche übernommen. Ab etwa dem Jahr 1750 wird sie als Lambertuskapelle bzw. wegen ihrer Ortslage als „Werthkapelle“ bezeichnet und seit 1759 durch einen eigenen Kirchenvorstand verwaltet.

Im gleichen Zeitraum ließen im Jahr 1747 der Färbereibesitzer Erich Adolph Görtz und seine Ehefrau Isabella, geb. Fey, als Anbau zu ihrem Haus Nispert im benachbarten Weiler Nispert, damals noch zu Kettenis gehörend, ebenfalls eine private Kapelle für die wenigen Bewohner des Ortsteiles errichten. Sie wurde nach Plänen des Aachener Architekten Johann Joseph Couven im barocken Stil erbaut und der Enthauptung Johannes des Täufers geweiht, wird jedoch von der Bevölkerung schlicht „Nisperter Kapelle“ genannt.

Zwischen 1720 und 1726 wurden die gotische Hauptkirche St. Nikolaus niedergerissen und nach Plänen des Aachener Architekten Laurenz Mefferdatis im Stil der Renaissance komplett neu aufgebaut und 1729 konsekriert. Zwischen 1740 und 1744 stattete Johann Joseph Couven sie mit einem barocken Hochaltar aus. Im gleichen Zeitraum wurde 1727 die Michaelskapelle im Ortsteil Stockem gestiftet und erbaut, zu der seit 1738 jährlich am Michaelistag, dem 29. September, eine kleine Bittprozession von der Nikolauskirche aus hinpilgert.