mini|Gerd von Rundstedt 1940 nach seiner Ernennung zum Generalfeldmarschall mini|Das Grab von Gerd von Rundstedt und seiner Ehefrau Luise, geborene von Götz, auf dem Stadtfriedhof Stöcken in Hannover Karl Rudolf Gerd von Rundstedt (* 12. Dezember 1875 in Aschersleben, Provinz Sachsen; † 24. Februar 1953 in Hannover) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalfeldmarschall im Zweiten Weltkrieg, und führte während des gesamten Kriegs militärische Großverbände (Heeresgruppen) an mehreren Fronten. Seine wichtigste Position war die des Oberbefehlshabers West, die er – mit mehreren Unterbrechungen – zwischen 1940 und 1945 innehatte. Von Rundstedt wurde nach dem Krieg wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands wurde das Verfahren nie zum Abschluss gebracht.

Familie Gerd von Rundstedt entstammte dem altmärkischen Adelsgeschlecht von Rundstedt aus der Nähe von Stendal. Er war der gleichnamige Sohn des Rittmeisters und Eskadronschefs des in Aschersleben stationierten Magdeburgischen Husaren-Regiments Nr. 10Correlli Barnett (Hrsg.): Hitler's Generals: Digitalisat/Auszüge und späteren Generalmajors der Preußischen Armee Gerd von Rundstedt (1848–1916) und dessen Ehefrau Adelheid Fischer (1856–1925).

Gerd heiratete am 22. Januar 1902 in Kassel Luise (Bila) von Götz (* 6. November 1878; † 4. Oktober 1952), Tochter der Luise Freiin von Schlotheim, ihr Vater war der königlich preußische General der Kavallerie Ludwig Freiherr von Schlotheim, und des Offiziers Georg von Götz-Hohenbocka. Das Paar hatte einen Sohn: Hans-Gerd (* 21. Januar 1903; † 12. Januar 1948) ⚭ 1935 Editha von Oppen (* 21. Oktober 1901; † 23. April 1982)

Der Landrat Götz von Götz war sein Schwager.

Leben Kaiserreich und Erster Weltkrieg Die Familie übersiedelte im Dezember 1882 anlässlich der Versetzung des Vaters zum Husaren-Regiment „König Humbert von Italien“ (1. Kurhessisches) Nr. 13 nach Hessen.Geschichte des magdeburgischen Husaren-Regiments Nr. 10. 1813–1888. zusammengestellt von Herbert von Thielen. Hahn’sche Buchhandlung, Hannover 1888; S. 204–206. Er trat nach Schulbesuch in Mainz (1884–86) und Frankfurt am Main (zuletzt Oberrealschule) 1890 in die Kadettenanstalt Oranienstein ein und wechselte 1890 auf die Preußische Hauptkadettenanstalt Groß-Lichterfelde, wo er 1892 die Primareife erlangte.

Am 22. März 1892 trat Gerd von Rundstedt als Fähnrich in das Infanterie-Regiment „von Wittich“ (3. Kurhessisches) Nr. 83 in Kassel ein. Nach Kommandierung zur Kriegsschule Hannover wurde er am 17. Juni 1893 zum Leutnant ernannt. Nach zehnjährigem Truppendienst, unter anderem als Bataillons- und Regimentsadjutant, besuchte er, seit 1902 Oberleutnant, von 1903 bis 1906 die Preußische Kriegsakademie in Berlin und wurde nach erfolgreichem Abschluss 1907 auf Probe in den Großen Generalstab kommandiert, in den man ihn 1909 als Hauptmann endgültig übernahm. 1912 erhielt er als Kompaniechef im 2. Ober-Elsässischen Infanterie-Regiment Nr. 171 erstmals ein Truppenkommando.

Im Ersten Weltkrieg wurde von Rundstedt als Generalstabsoffizier in der Türkei und in Frankreich eingesetzt. Bereits kurz nach Beginn des Krieges wurde er zum Major ernannt.

Weimarer Republik mini|hochkant|Gerd von Rundstedt (rechts) mit Adolf Hitler bei seiner Ernennung zum Regimentschef in der Reichskanzlei (1938)

Nach Ende des Kaiserreichs wurde Gerd von Rundstedt in die neuorganisierte Reichswehr der Weimarer Republik übernommen. Er wurde 1920 als Oberstleutnant Chef des Stabes der 3. Kavalleriedivision in Kassel und 1923 zum Oberst befördert. Ab 1925 war er Kommandeur des 18. Infanterie-Regiments in Münster. 1927 folgte die Ernennung zum Generalmajor. 1928 erhielt von Rundstedt das Kommando über die 2. Kavalleriedivision in Breslau, 1929 eine weitere Beförderung zum Generalleutnant. Am 19. Juli 1932 erhielt er als Befehlshaber des Wehrkreises III die vollziehende Gewalt in Berlin und der Mark Brandenburg.Hans Mommsen: Die verspielte Freiheit. Aufstieg und Untergang der Weimarer Republik. Propyläenverlag Berlin, 2019. S. 606. Tags darauf, beim Preußenschlag vom 20. Juli 1932, befehligte er die Einheiten der Reichswehr, die auf Anweisung des Reichskanzlers Franz von Papen, das bestehende Recht einer gewählten Landesregierung missachtend, unter Androhung militärischer Gewalt die preußische Regierung entmachteten. 1932 wurde von Rundstedt zum General der Infanterie befördert und gleichzeitig Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos I in Berlin.

Zeit des Nationalsozialismus Vorkriegszeit mini|100px|links|Uniform-schemaChef / Inf.Rgt.18

Nach der Machtergreifung der NSDAP und der Umwandlung der Reichswehr in die Wehrmacht blieb er Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos I in Berlin. Am 1. März 1938 wurde er zum Generaloberst befördert. Während der Sudetenkrise 1938 unterstützte er bei der Generalsbesprechung vom 4. August die allgemeine Auffassung der Generalität, dass Wehrmacht und Land noch nicht kriegsbereit seien. Nach der Besetzung des Sudetenlandes im Oktober 1938 wurde von Rundstedt auf eigenen Wunsch am 31. Oktober aus der Armee verabschiedet. Am 4. November 1938 wurde er zum Chef des Infanterieregiments 18 in Bielefeld ernannt; diese Ernennung wurde am 25. April 1939 mit einer großen Parade vollzogen.

Im April 1939 wurde er als Leiter des geheimen „Arbeitsstabs Rundstedt“ reaktiviert, der bei der geplanten Invasion Polens (Deckname: „Fall Weiß“) als Heeresgruppenkommando der Heeresgruppe Süd dienen und dafür Aufmarsch- und Operationspläne entwerfen sollte. Ihm zur Seite standen zunächst nur Generalleutnant Erich von Manstein als Chef des Stabes und Oberst Günther Blumentritt als Operationsoffizier. Am 23. August 1939 wurde der erweiterte „Arbeitsstab Rundstedt“, jetzt bezeichnet als AOK 12, nach Neisse in Oberschlesien verlegt und übernahm am 25. August den Befehl über die drei unterstellten Armeen.

Zweiter Weltkrieg Überfall auf Polen mini|Gerd von Rundstedt, Johannes Blaskowitz und Walter von Reichenau (von links nach rechts) am Flughafen von Warschau. Aufnahme September 1939 mini|Gerd von Rundstedt (links) und Johannes Blaskowitz nehmen am 2. Oktober 1939 in Warschau die Parade auf dem Platz vor der Oper ab. Als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd nahm von Rundstedt am Überfall auf Polen teil. Sein 886.000 Soldaten umfassender Verband sollte dabei von Schlesien und der Slowakei aus in Polen einmarschieren, während die Heeresgruppe Nord unter Fedor von Bock dies parallel von Pommern und Ostpreußen aus tun würde. Als Armeeführer wurden ihm die Generäle Johannes Blaskowitz (8. Armee), Walter von Reichenau (10. Armee) und Wilhelm List (14. Armee) unterstellt.

Am 1. September begann die Invasion. Der Feldzug schritt von Anfang an zügig voran. Innerhalb der ersten zwei Wochen besetzten von Rundstedts Truppen kampflos Krakau (6. September), Łódź (9. September) und Posen (10. September) und erreichten die Vororte von Warschau (8. September). Ein Eroberungsversuch der polnischen Hauptstadt musste im Anschluss jedoch nach einem Tag abgebrochen werden, nachdem Angriffe auf das dicht bebaute Stadtgebiet erfolglos geblieben waren. In Reaktion darauf verlegte sich von Rundstedt auf eine Belagerung der Stadt und ließ die Stadt 19 Tage lang durch Luftwaffe und Artillerie bombardieren. Diesem Bombardement fielen etwa 26.000 Zivilisten zum Opfer und große Teile der historischen Stadt wurden zerstört. Trotzdem wurden Versuche deutscher Parlamentäre am 14. und 16. September, eine kampflose Übergabe der Stadt auszuhandeln, von der polnischen Führung abgelehnt. Am 9. September war unterdessen die Schlacht an der Bzura entbrannt. Die Schlacht war die größte des Feldzugs und hatte mit einem Angriff der polnischen Armee Posen und Armee Pommerellen an der Flanke und im Rücken von Johannes Blaskowitz 8. Armee begonnen. Nach anfänglichen polnischen Erfolgen gelang es der 8. Armee jedoch den Durchbruch der polnischen Truppen zu stoppen, während von Rundstedt parallel die Umfassung der polnischen Truppen einleitete. Diese konnte durch das Hinzuziehen von Truppen der 4. Armee, die formal zur Heeresgruppe Nord gehörte, und der 10. Armee bis zum 11. September bewerkstelligt werden und am 19. September kapitulierten die Armee Posen und Armee Pommerellen und 170.000 polnische Soldaten gingen in Kriegsgefangenschaft. Einen Tag zuvor, am 18. September waren von Rundstedts Truppen unterdessen in Lublin einmarschiert, das der polnischen Regierung als Ersatz-Hauptstadt gedient hatte, nachdem Warschau am 5. September evakuiert worden war. Letzteres befand sich derweil weiterhin im Belagerungszustand und auch eine Schließung des Kessel durch von Rundstedts Truppen am 20. September führte nicht zur Kapitulation der Verteidiger. Stattdessen bedurfte es eines finalen Sturms auf die Stadt durch von Rundstedts Truppen, verstärkt durch Einheiten der Heeresgruppe Nord, um eine Kapitulation herbeizuführen und die Schlacht um Warschau zu beenden. Nachdem die Kapitulation am 28. September besiegelt war, gelangten 100.000 polnische Soldaten in Kriegsgefangenschaft, und deutsche Truppen begannen mit der Besetzung der Stadt. Am 2. Oktober nahm von Rundstedt zusammen mit Blaskowitz auf dem Platz vor der Oper eine Parade der deutschen Wehrmacht ab. Bei einer zweiten Siegesparade am 5. Oktober mit weiteren führenden Wehrmachtsoffizieren und Hitler war er ebenfalls zugegen.

Nach Ende des Feldzugs trat von Rundstedt am 3. Oktober die Nachfolge von Generaloberst Walther von Brauchitsch als Chef des Oberkommando Ost an, womit er den Befehl über alle deutschen Besatzungstruppen in Polen übernahm. Zeitgleich mit seinem Amtsantritt begann die Verlegung der Masse der deutschen Streitkräfte von Polen nach Westdeutschland in Antizipation auf den Westfeldzug. Chef des Stabes des Ober-Ost wurde Erich von Manstein. Als neuer Oberbefehlshaber-Ost bezog von Rundstedt Quartier in der Gemeinde Spała. Sein Amt als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd behielt er unterdessen.

Westfeldzug Von Rundstedt blieb 17 Tage in Spała als Oberost stationiert, dann trat er sein Amt an Generaloberst Blaskowitz ab und begab sich nach Koblenz. Dort befand sich das neue Hauptquartier seiner Heeresgruppe Süd, die zum 26. Oktober in Heeresgruppe A umbenannt wurde. Am 19. Oktober, einen Tag vor seinem Wechsel nach Koblenz, hatte das Oberkommando des Heeres unterdessen einen Angriffsplan für den Westfeldzug vorgelegt. Nachdem von Rundstedt Kenntnis von diesem erhalten hatte, regte er, aufgrund von beruflicher Rivalität mit dem Generalstabschef des OKH Franz Halder und in der Überzeugung, dass der Angriffsplan des OKH den alliierten Truppen nicht den entscheidenden Schlag versetzen würde, den Stabschef seiner Heeresgruppe, Erich von Manstein, an, einen alternativen Vorschlag zu erarbeiten. Am 31. Oktober legte von Manstein daraufhin den Sichelschnittplan vor, bei dessen Entwicklung er mit Panzergeneral Heinz Guderian kooperiert hatte. Im Kern sah der Sichelschnittplan vor, dass motorisierte Einheiten überraschend durch die von französischen und belgischen Militärs für unpassierbar gehaltenen und daher schwach verteidigten Ardennen bis zur Kanalküste vordringen sollten, um so große alliierte Streitkräfte in Belgien einzukesseln. Der Sichelschnittplan stieß bei OKH-Stabschef Halder zunächst auf wenig Begeisterung, da er die Ardennen für Panzer unpassierbar hielt. Durch den Mechelen-Zwischenfall wurde der Angriffsplan des OKH am 10. Januar 1940 jedoch hinfällig und der Sichelschnittplan wurde Grundlage für den Westfeldzug. Da es laut Sichelschnittplan von Rundstedts Heeresgruppe A oblag, durch die Ardennen vorzustoßen, wurde ihm für den Feldzug die neugebildete Panzergruppe Kleist zugeteilt, womit ihm die Panzerführer Heinz Guderian, Georg-Hans Reinhardt sowie Erwin Rommel unterstanden.