Yes ist eine britische Rockband aus dem Bereich Progressive/Artrock. Die Gruppe war vorwiegend in den 1970er Jahren stilbildend für das Genre und übt noch heute großen Einfluss auf die Stilrichtung des Progressive Rock aus.

Gegründet wurde die im Klassik-Rock beheimatete Gruppe Yes 1968 von Jon Anderson und Chris Squire mit den Begleitmusikern Peter Banks, Tony Kaye und Bill Bruford.Wieland Harms: The Unplugged Guitar Book. 20 der schönsten Songs für Akustikgitarre. Gerig Music, ISBN 3-87252-249-3, S. 102.

Es gab von 2017 bis Anfang 2020 zwei verschiedene Formationen unter dem Namen Yes: eine mit den Mitgliedern Steve Howe, Alan White, Geoff Downes, Billy Sherwood, Jon Davison und eine Formation mit den ehemaligen Mitgliedern Jon Anderson, Trevor Rabin und Rick Wakeman unter dem Namen Yes featuring Jon Anderson, Trevor Rabin, Rick Wakeman. Letztere wurde jedoch laut Aussagen Rabins Anfang 2020 aufgelöst.

Geschichte Die Geschichte von Yes ist von wiederholten Umbesetzungen und teilweise erheblichen Stiländerungen geprägt. Als kreativer und künstlerischer Höhepunkt der Band gelten die 1970er Jahre, in denen einige der herausragenden Alben des Progressive Rock aufgenommen wurden, während der größte kommerzielle Erfolg 1983 gelang.

1968–1980 Die Wurzeln von Yes liegen in der britischen Psychedelic-Rock-Band Mabel Greer’s Toyshop, die 1966 gegründet wurde. 1967 traten Chris Squire (Bass) und Peter Banks (Gitarre) der Band bei, nachdem ihre eigene Gruppe The Syn sich aufgelöst hatte. Anfang 1968 trafen sich Jon Anderson und Chris Squire im Londoner La Chasse Club; auch Anderson trat wenig später Mabel Greer’s Toyshop bei. Zur Zeit des letzten Auftritts als Mabel Greer’s Toyshop im Mai 1968 bestand die Band aus Peter Banks, Chris Squire, Jon Anderson, Clive Bailey und Bob Hagger. Peter Banks sollte Clive Bailey schließlich vollends ersetzen. Wenig später kam Tony Kaye als Keyboarder hinzu, Bill Bruford ersetzte Bob Hagger am Schlagzeug. Auf Peter Banks’ Vorschlag nannte sich die Band anschließend in Yes! um.

Die ersten beiden Alben Yes (1969) und Time and a Word (1970) waren noch vom Beat und Psychedelic Rock im Stil von The Who, The Beatles oder Pink Floyd geprägt. Das betrifft vor allem Songs wie Sweet Dreams oder Time and a Word. Dennoch zeigten sich in einigen Stücken, darunter vor allem Survival vom Debütalbum und das komplexe Then von Time and a Word, bereits erste Ansätze des späteren Progressive-Rock-Stils.

Auf dem zweiten Album gab es zusätzliche Streicherunterstützung, was dem Gitarristen Peter Banks nicht gefiel, der mit dem „Geigengeschmuse“, so seine Beschreibung, nichts anfangen konnte. Derart unzufrieden mit der eingeschlagenen Richtung, verließ er Yes 1970 als erstes Mitglied.

mini|hochkant|links|Steve Howe (1977) Die Verpflichtung von Steve Howe als neuem Gitarristen erwies sich als Glücksfall für Yes, die nach ihrem zweiten Album auch den Druck der Plattenfirma spürten, mit dem dritten Album endlich einen ersten Erfolg zu erzielen. Steve Howe sollte Yes mit seinem virtuosen und vielseitigen, vor allem von Country und der Gitarrenmusik der 1930er Jahre geprägten Stil bereichern. Die folgenden Kompositionen wurden länger, komplexer und vielschichtiger. Die Songlängen erreichten nun die Zehnminutenmarke und ließen etlichen Spielraum für Soloeinlagen. Steve Howes Gitarrenspiel avancierte schnell zu einem der Markenzeichen von Yes. Jon Andersons hohe (Falsett-)Stimme und Chris Squires Bassspiel vervollständigten den Sound der Band. Chris Squire entwickelte in der Folge den Bass zum gleichberechtigten Soloinstrument und übernahm auch melodieführende Aufgaben.

Das schlicht The Yes Album betitelte Album aus dem Jahr 1971 enthält erstmals ausschließlich Eigenkompositionen und wurde zum großen Durchbruch für Yes. Die Band hatte ihre eigene Identität gefunden und machte sich daran, das Progressive-Rock-Genre maßgeblich zu definieren.

Nach dem erfolgreichen dritten Album drehte sich das Personalkarussell bei Yes erneut. Keyboarder Tony Kaye verließ die Band und gründete die wenig erfolgreiche Band Badger. Als neuer Keyboarder (Orgel, Klavier und Synthesizer) wurde der klassisch ausgebildete Rick Wakeman verpflichtet. Wie schon zuvor bei Steve Howe stellte sich auch Wakemans Verpflichtung als Glücksfall für Yes heraus, da er einige klassische Elemente einbrachte.

Das Album Fragile (November 1971), das sich ein Vierteljahr auf den vier Top-Plätzen der US-Bestsellerliste hielt, führte die Entwicklung des Vorgängeralbums weiter. Der Progressive Rock wirkte noch gereifter: Die Kompositionen wurden dichter, die längeren Stücke einheitlicher, nicht mehr nur suitenhaft gereiht wie auf dem Vorgängeralbum. Mit der gekürzten Fassung des fast zehnminütigen Titels Roundabout ergab sich auch ein moderater Singlehit, was für eine albumorientierte Band wie Yes ein seltener Erfolg war. Fragile war auch das erste Album mit einem in Zukunft für Yes typischen Cover aus der Feder des Fantasy-Künstlers Roger Dean.

Im September 1972 wurde das Album Close to the Edge veröffentlicht, dessen erste LP-Seite die mehr als 18-minütige gleichnamige Sonate enthielt. Yes befanden sich nun auf einem kreativen Höhepunkt und die Musiker ließen ihren Ideen auf den Alben freien Lauf, ungehindert von kommerziellen Zwängen oder Forderungen ihrer Plattenfirma. Close to the Edge gilt als eines der besten Werke von Yes, stellvertretend für die symphonisch-klassische Variante des Progressive Rock. Das Album ist bis heute immer wieder Gegenstand musikwissenschaftlicher Studien.

Schlagzeuger Bill Bruford war vom zeitraubenden Perfektionismus der Band ermüdet, gleichzeitig aber von Close to the Edge dermaßen überzeugt, dass er zur Ansicht gelangte, dass sein eigener künstlerischer Gipfel mit der Band nun erreicht sei, und suchte sich deshalb eine neue Herausforderung. Er verließ Yes, um bei King Crimson zu spielen. Yes, die zu dem Zeitpunkt auf Tour waren, zeigten sich kurz schockiert, konnten aber mit Alan White recht schnell einen neuen Schlagzeuger gewinnen. White hatte zuvor unter anderem in der Plastic Ono Band von John Lennon gespielt. Er sollte nach Bill Brufords Jazzansatz mehr Rockelemente in die Musik von Yes integrieren.

Im Mai 1973 veröffentlichten Yes zunächst das 3er-Live-Album Yessongs, das die Livefähigkeiten der Band dokumentierte. Im Dezember des gleichen Jahres erschien dann nur wenige Monate später das Album Tales from Topographic Oceans. Das sehr ambitionierte Doppelalbum war von indischer Philosophie und Mystik beeinflusst. Es beinhaltet lediglich vier Kompositionen, die jeweils etwa 20 Minuten dauern. Innerhalb der Stücke verließ man teilweise traditionelle westliche Hörgewohnheiten und erkundete Einflüsse, die der heutigen Weltmusik nahestehen. Im Pop Poll des Jahres 1973 der britischen Musikzeitschrift Melody Maker gewann Yes sowohl in der britischen als auch in der internationalen Wertung die Kategorie Gruppe.

Keyboarder Rick Wakeman zeigte sich unzufrieden mit der Musik auf Tales from Topographic Oceans und trennte sich schließlich von der Band. In einem Interview mit der Daily Mail führte er diese Unzufriedenheit auf die damalige musikalische Richtung der Band zurück, die er als Free-Jazz-Form bezeichnete. Tage zuvor hatte Wakeman für Aufsehen gesorgt, als er inmitten eines der langen Instrumentals auf der Bühne hinter seinem Keyboard ein Curry (Chicken Vindaloo) aß. Sein Ausstieg erzeugte einigen Tumult in der englischen Musikpresse. Yes ließen sich aber auch von diesem empfindlichen Verlust nicht aufhalten. Die Suche nach einem Keyboarder führte zuerst zu dem Griechen Vangelis. Als sich die Zusammenarbeit mit diesem jedoch als zu schwierig herausstellte, verpflichtete man schließlich den Schweizer Patrick Moraz, der für seine neue Aufgabe die Band Refugee verließ. Jon Anderson blieb jedoch in Kontakt mit Vangelis und beide nahmen später als Jon & Vangelis eine Reihe erfolgreicher Alben auf.

Zusammen mit Moraz spielte Yes das Album Relayer ein, das im November 1974 veröffentlicht wurde. Relayer kehrte zum Format von Close to the Edge zurück: Es bestand aus einer seitenfüllenden Komposition und zwei Liedern à zehn Minuten. Gates of Delirium basierte auf Leo Tolstois Krieg und Frieden und zeigte Yes von der sehr dynamischen Seite, während man in Sound Chaser Ausflüge in den Fusion Jazz unternahm. Auf Anregung Moraz’ verwendete man sogar Elemente der Musique concrète. mini|hochkant=1.5|E-Piano-Einleitung aus dem Titel Soundchaser

Nach der anschließenden Tour hatte man sich innerhalb der Band darauf geeinigt, eine kleine Auszeit zu nehmen, in der jedes der einzelnen Bandmitglieder ein Soloalbum aufnehmen wollte. Jon Anderson veröffentlichte Olias of Sunhillow, Steve Howe Beginnings, Chris Squire Fish Out of Water, Alan White Ramshackled und Patrick Moraz The Story of I. Bill Bruford nahm 1977 seine erste Solo-LP Feels Good to Me auf.

mini|hochkant|Jon Anderson (1978)Im September 1976 fanden sich Yes wieder zu den Aufnahmen für ein neues Studioalbum zusammen, aus steuerlichen Gründen in der Schweiz. Patrick Moraz war anfangs noch dabei, ehe er im November 1976 aus nicht ganz geklärten Gründen ausschied. Yes holten Rick Wakeman wieder an Bord, zuerst nur als Sessionmusiker. Bald darauf wurde er wieder reguläres Bandmitglied. Mit Going for the One erfolgte ein erster Schritt hin zu etwas kürzeren Kompositionen, wenn auch hier das 15-minütige Awaken noch deutlich dem Progressive Rock zuzuordnen war.

Zu dieser Zeit zeigten die aufkommende Punkwelle und der sich damit verändernde Musikgeschmack Wirkung: 1978 war der einst kommerziell sehr erfolgreiche Progressive Rock im Niedergang begriffen. Yes versuchten sich dem Zeitgeist anzupassen, indem sie sich auf dem Album Tormato noch stärker als auf dessen Vorgänger auf kürzere und geradlinigere Lieder konzentrierten, was eine endgültige Abkehr war von den überlangen, kunstvollen Stücken der vergangenen Jahre.

mini|hochkant=1.5|Solo des E-Basses aus Does it Really Happen? Als 1979 aufgrund innerer Spannungen Bemühungen der Band scheiterten, zusammen mit dem Produzenten Roy Thomas Baker in Paris ein neues Album, die Paris Sessions, aufzunehmen, verließen Sänger Jon Anderson und Keyboarder Rick Wakeman die Band. Damit begann eine Phase, in der Yes eher aus einer Reihe von Projekten bestand, was insbesondere die Alben Paris Sessions, Drama, XYZ, 90125, Big Generator und Union betrifft. Trotz des Abgangs von Jon Anderson, der bisher eine der zentralen Figuren bei Yes gewesen war, ließ sich der Rest der Band nicht irritieren. Howe, Squire und White versuchten es erneut, indem man als Ersatz die Mitglieder des Pop-Duos The Buggles, die zuvor mit Video Killed the Radio Star bekannt geworden waren, rekrutierte: Trevor Horn, der sich später als Produzent diverser Popkünstler (unter anderem Frankie Goes to Hollywood, The Art of Noise, Grace Jones, Seal oder später auch t.A.T.u.) einen Namen machte, ersetzte Jon Anderson als Sänger, während Geoff Downes die Keyboards übernahm.

Diese Formation brachte mit Drama (August 1980) lediglich ein Album heraus. Trevor Horn, Alan White und Chris Squire verließen die Band anschließend nacheinander, die verbleibenden Mitglieder Steve Howe und Geoff Downes lösten Yes im Dezember 1980 schließlich offiziell auf.

1981–1992