Die griechische Insel Samos ( , ) liegt in der östlichen Ägäis und ist der ionischen Küste Kleinasiens vorgelagert. Sie bildet seit 2011 den Regionalbezirk Samos () in der Region Nördliche Ägäis und ist seit 2019 in die beiden Gemeinden Anatoliki Samos und Dytiki Samos untergliedert. Die Insel hat 32.643 Einwohner (2021).Ergebnisse der Volkszählung 2021 beim Nationalen Statistischen Dienst Griechenlands (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Excel-Dokument, 5,5 MB)

Hauptort ist die gleichnamige Stadt Samos, früher auch Kato Vathy (Κάτω Βαθύ) oder Limin Vatheos (Λιμήν Βαθέος) genannt.

Geographie Die Insel Samos liegt in der Ostägäis und ist der kleinasiatischen Küste vorgelagert. Im Südosten trennt die etwa 6 Kilometer lange und an der schmalsten Stelle nur 1,7 Kilometer breite Meerenge von Mykali (Στενό τής Μυκάλης, auch Meerenge von Samos, Στενό Σάμου; ; antike Bezeichnung Epta stadia, Επτά στάδια) die Insel vom türkischen Festland. Gemeinsam mit Ikaria bildet Samos den nördlichen Abschluss der Südlichen Sporaden. Die kürzeste Verbindung zur Hauptinsel der Fourni-Inselgruppe beträgt von der Südwestküste weniger als 7 Kilometer. Ikaria liegt 19 Kilometer westlich, Chios 67 Kilometer nordwestlich, die Dodekanes-Inseln Agathonisi 19 Kilometer südlich und Patmos 35 Kilometer südwestlich.

Mit einer Fläche von 477,942 km² ist Samos die achtgrößte Insel Griechenlands. Vom Kap Katavasi (Ακρωτήρι Κατάβαση) im Westen bis zum Kap Gatos (Ακρωτήρι Γάτος) im Osten erreicht Samos seine maximale Länge von über 44,3 Kilometern. Die Breite beträgt in der Inselmitte zwischen dem Kavos Avlakia (Κάβος Αυλάκια) im Norden und dem Kavos Samiopoulas (Κάβος Σαμιοπούλας) an der Südküste 19 Kilometer und weniger als 5 Kilometer im Inselosten.

Das Relief der Insel ist zu über 60 % hügelig bis bergig mit Höhen zwischen 150 und 900 Metern. Der Gebirgsanteil mit Höhen über 900 Meter beträgt mehr als vier Prozent, dabei dominieren die beiden Massive des Kerkis (Κέρκης) und des Ambelos-Gebirges (Άμπελος). Flachland und Ebenen bis 150 Meter Höhe nehmen mit fast 160 km² nahezu ein Drittel der Inselfläche ein.

Das Kerkis-Massiv erhebt sich im Westen steil aus dem Meer und erreicht mit der Vigla (Βίγλα) eine Höhe von 1434 Metern. Die Ausläufer des zentral gelegenen Ambelos-Gebirges (Άμπελος), mit dem 1153 Meter hohen Karvounis (Καρβούνης) als höchstem Berg reichen im Norden und Süden bis zur Küste. Im äußersten Osten steigt das Bergmassiv des Thios auf 453 Meter an.

Im Nordwesten liegt zwischen Kerkis-Massiv und Ambelos-Gebirge die Ebene von Karlovasi. An die südöstlichen Ausläufer des Ambelos-Gebirges grenzt die weiteste Ebene der Insel, die Ebene von Chora (Κάμπος Χώρας, Kambos Choras) an, weiter östlich folgt die Ebene von Mesokambos. Die Vlamari Hochebene (Βλαμάρη) liegt östlich von Vathy.

Obwohl der Küstenverlauf nur schwach gegliedert ist, verfügt die Insel über einige geschützte Häfen. Auf der Südseite liegen zwei große offene Buchten, der Golf von Marathokambos (Κόλπος του Μαραθόκαμπου) im Südwesten und im Südosten der Golf von Pythagorio (Κόλπος του Πυθαγορείου), auch Bucht von Tigani (Όρμος Τηγάνι) genannt. Im Nordosten bildet der etwa 5 km tief eingeschnittene und 1 km breite Golf von Vathy (Kolpos Vatheos Κόλπος Βαθέος, auch Golf von Samos) einen der größten Naturhäfen der Ägäis.

Im Nordosten sind der Küste einige unbewohnte Inseln vorgelagert. Die bewohnte Insel Samiopoula liegt vor der Südküste.

Klima Das Klima von Samos ist gekennzeichnet von milden, regenreichen Wintern und warmen, trockenen Sommern. Es wird dem Csa-Klima zugeordnet. Der kontinentale Einfluss des kleinasiatischen Festlandes zeigt sich an höheren Niederschlagsmengen sowie kalten Winden im Winter. In Verbindung mit einer Luftfeuchtigkeit von 65 % können dann Frosttage auftreten. Durch die langsame Erwärmung von Januar bis März sowie höhere sommerliche Durchschnittstemperaturen gegenüber dem kleinasiatischen Festland ist der ozeanische Charakter der Insel zu erkennen.

Die Jahresdurchschnittstemperatur auf Samos liegt bei 19,3 °C. Die sommerliche Durchschnittstemperatur beträgt 25,8 °C im Juli, die Durchschnittstemperatur im Januar liegt bei 10,8 °C. Im Juli und August können die Tageshöchsttemperaturen mehr als 40 °C erreichen. Allerdings verursacht besonders in den Küstengebieten die Meeresbrise einen signifikanten Abfall der Temperatur. Im Zeitraum von 1955 bis 1997 lag bei der Wetterstation am Flughafen die absolute Höchsttemperatur bei 41 °C, die absolute Tiefsttemperatur bei −3,4 °C.

Aufgrund der hohen Berge und der Nähe zum kleinasiatischen Festland ist die Niederschlagsmenge von Samos und der Nachbarinsel Ikaria im Vergleich zu anderen Ägäisinseln hoch, sie ist mit der Niederschlagsmenge Westgriechenlands vergleichbar. Die Niederschlagsverteilung ist regional und saisonal unterschiedlich. Während im Zeitraum von 1955 bis 1997 die Wetterstation beim Flughafen auf der regenärmeren Südseite 709 mm verzeichnete, erreichten sie von 1987 bis 1992 bei der Wetterstation Ydroussa auf 210 Meter Höhe im Inselnorden 917 mm. In höheren Lagen sind Werte über 1000 mm zu erwarten.Ζαΐρα-Αικατερίνη Κρητικού S. 73 (griechisch) Die jahreszeitliche Niederschlagsverteilung ist klimatypisch. Die Niederschläge konzentrieren sich auf die nass-kalte Jahreszeit, mit durchschnittlich 169 mm im Dezember als Spitzenwert. Während der letzten Jahre ist eine deutliche Abnahme der winterlichen Niederschlagsmenge zu verzeichnen. Der Sommer ist von einer fünfeinhalb bis sechsmonatigen Trockenperiode geprägt, das durchschnittliche Niederschlagsminimum beträgt 0,4 mm im August.Καλλιόπη Σταύρου Σταυριανού, S. 50 f. Die seltenen Schneefälle beschränken sich auf maximal zwei Tage pro Jahr.

Auf Samos herrschen nördliche Winde vor. Der Meltemi weht in den Monaten Juli und August konstant aus nördlichen Richtungen. Die Winde im November und Dezember können durchaus Sturmcharakter erreichen.

Samos zählt zu den sonnenreichsten Gebieten Griechenlands, die jährliche Sonnenscheindauer beträgt 2884,8 Stunden.

Fauna Auf Samos überwintern Flamingos. Sie erreichen die Insel meist im Oktober, manchmal erst im November, also zum Ende der Tourismus-Saison. Auf der Insel gibt es insgesamt fünf verschiedene Eulen-Arten.

Eine wichtige Säugetierart ist der Goldschakal, dessen Bestände sich seit der Jahrtausendwende zu erholen begannen, während es auf der Insel keine Füchse gibt.Giorgos Giannatos, Yiannis Marinos, Panagiota Maragou, Giorgos Catsadorakis: The status of the golden jackal (Canis aureus L.) in Greece, in: Belgian Journal of Zoology 135 (2005) 145–149, hier: S. 148 und 149 (academia.edu).

Auf Samos wurden 4 Amphibien- und 24 Reptilien-Arten nachgewiesen:Jeroen Speybroeck, Daniel Bohle, Edoardo Razzetti, Maria Dimaki, Marlene Katharina Kirchner, Wouter Beukema: The distribution of amphibians and reptiles on Samos island (Greece) (Amphibia: Reptilia). In: Herpetozoa 27 (1/2), 2014, S. 39–63 ().

An Amphibien finden sich die Erd- und die Wechselkröte sowie der Europäische Laubfrosch und der Türkische Wasserfrosch.

An Schildkröten finden sich die Maurische sowie die Westkaspische Schildkröte, dann die Europäische Sumpfschildkröte und die (unerwünschte) Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte.

Hinzu kommen je eine Agamen-, Chamäleon- und Geckoart, nämlich der Hardun, das Gewöhnliche Chamäleon und der Europäische Halbfinger.

An Eidechsen finden sich die Nordwestanatolische, die Westliche Riesensmaragd- und die Johannisechse sowie das Europäische Schlangenauge.

Außerdem finden sich Skinke, wie die Goldmabuye, Schleichen wie die Panzerschleiche und eine Reihe von Schlangen wie das Blödauge oder die Westliche Sandboa, vor allem aber Nattern wie die Östliche Eidechsennatter, die Ringel- und die Balkan-Springnatter sowie die Kopfbinden-Zwergnatter und die Münzennatter, die Schlank- und die Europäische Katzennatter, die Leopardnatter und schließlich die Kleinasiatische Bergotter.

Verwaltungsgliederung

Die Insel Samos bildete vor 1997 eine gleichnamige Provinz (gr. eparchia). Mit der Umsetzung der Gemeindereform nach dem Kapodistrias-Programm im Jahr 1997 wurden die bis dato 35 Gemeinden zu insgesamt vier Gemeinden fusioniert. Zum 1. Januar 2011 führte das Kallikratis-Programm diese vier Gemeinden der Insel zur neu geschaffenen Gemeinde Samos () zusammen, Verwaltungssitz war die Stadt Samos. Diese Gemeinde wurde 2019 in die beiden Gemeinden Anatoliki Samos und Dytiki Samos aufgetrennt mit jeweils zwei Gemeindebezirken. Die alten 35 Gemeinden wählen als Stadtbezirke bzw. Ortsgemeinschaften eigene lokale Vertretungen.

Gemeinde Gemeindebezirk griechischer Name Code Fläche (km²) Einwohner 2001 Einwohner 2011 Einwohner 2021 Stadtbezirke / Ortsgemeinschaften(Δημοτική / Τοπική Κοινότητα) Lage Anatoliki Samos Vathy Δημοτική Ενότητα Βαθέος (Σάμου) 560101 126,921 12.384 12.517 12.506 Samos, Agios Konstantinos, Ambelos, Vathy, Vourliotes, Kokkari, Manolates, Paleokastro, Stavrinides 120x120px|ohne Dytiki Samos Karlovasia Δημοτική Ενότητα Καρλοβασίων 560201 100,619 9.590 9.855 10.222 Neo Karlovasi, Agii Theodori, Drakei, Kastania, Kondeika, Kondakeika, Kosmadei, Leka, Platanos, Ydroussa 120x120px|ohne Dytiki Samos Marathokambos Δημοτική Ενότητα Μαραθοκάμπου 560202 86,883 2.837 2.609 2.401 Marathokambos, Kallithea, Koumeika, Neochori, Skoureika 120x120px|ohne Anatoliki Samos Pythagorio Δημοτική Ενότητα Πυθαγορείου 560104 165,635 9.003 7.996 7.517 Pythagorio, Koumaradei, Mavratzei, Mesogio, Myli, Mytilinii, Pagondas, Pandroso, Pyrgos, Spatharei, Chora 120x120px|ohne Gesamt 5601 480,058 33.814 32.977 32.643

Geschichte Anfänge Wie archäologische Ausgrabungen belegen, erfolgte die Besiedelung von Samos mindestens ab dem Spätneolithikum. Der Fundort von Kastro Tigani bei Pythagorio wird ins 4. Jahrtausend v. Chr. datiert. Von den ersten Siedlern wurden die fruchtbaren Küstenebenen im Südosten bevorzugt. Die frühbronzezeitliche Siedlung Heraion befand sich an der Südküste am Golf von Pythagorio. Diese Siedlung lag auf einem flachen Hügel zwischen zwei Flussarmen am Unterlauf Imvrasos. Mit einer Gesamtfläche von etwa 3,5 Hektar zählt sie zu den größten bekannten Siedlungen in der Ostägäis. Ab etwa 2600 v. Chr. können sechs Architekturphasen nachgewiesen werden. Bereits in der ältesten Siedlungsphase ist eine Befestigungsmauer mit Bastion nachgewiesen. Heraion II wurde durch ein Erdbeben und Heraion IV durch eine Brandkatastrophe zerstört.

Griechische Antike mini|Einzige noch stehende Säule des Heratempels mini|Diobol aus Samos mit Löwenskalp, 5. Jahrhundert v. Chr. geprägt mini|Rückseite dieses Diobols mit verziertem Quadratum incusum

In der Antike war Samos ein wichtiges Handelszentrum und für die Schifffahrt von großer Bedeutung. Sie wurde mit Beinamen wie Anthemis, die „Blühende“; Pitioussa, die „Pinieninsel“; Dryoussa, die „Eicheninsel“; Kyparissia, die „Zypresseninsel“; Phillas, die „Laubreiche“, sowie Parthenia, die „Jungfräuliche“, und Parthenoaroussa bezeichnet. Die Insel war außerdem für ihre rote, glänzende Keramik berühmt, die die Römer in ihren so genannten „Samischen Tonwaren“ (Terra Sigillata) nachahmten. Besonders mächtig war die Insel unter Polykrates (532–522 v. Chr.), der dort eine bedeutende Seeherrschaft gründete, schließlich aber vom persischen Satrapen Oroites durch trügerische Versprechungen nach Kleinasien gelockt und hingerichtet wurde. Sein Bruder Syloson unterjochte später die Insel mit persischer Hilfe und beherrschte sie nach grausamer Verwüstung als persischer Satrap. Der Baumeister Mandrokles, der – wie Herodot berichtet – für den persischen Großkönig Dareios I. eine Schiffsbrücke über den Bosporus baute und damit seinem Heer 493 v. Chr. den Weg nach Griechenland öffnete, stammte von Samos.