Die Boeing 757 ist ein zweistrahliges Verkehrsflugzeug des US-amerikanischen Flugzeugherstellers Boeing, das für den Einsatz auf Strecken mittlerer Länge konzipiert wurde. Seit dem Jahr 2000 wird sie, ermöglicht durch technische Maßnahmen zur Reichweitenerhöhung, von US-amerikanischen Fluggesellschaften auch auf Langstrecken eingesetzt.Eden, Paul, ed. (2008). Civil Aircraft Today: The World's Most Successful Commercial Aircraft. Silverdale, Washington: Amber Books Ltd. ISBN 1-84509-324-0. Die Produktion der 757 endete am 28. Oktober 2004 nach 1050 Exemplaren.Boeing:
Geschichte mini|Eine Boeing 757-200PF von UPS
Die 757 wurde von Boeing als Ergänzung zur 767 gestartet, um das Angebot nach unten hin abzurunden und um einen Nachfolger für die mittlerweile in die Jahre gekommene 727 in der Mittelstreckenklasse zu entwickeln. Zuerst dachte man jedoch noch an eine verlängerte 727, weshalb die ersten Konzepte unter dem Namen 727-300 liefen. Doch der Trend ging mittlerweile dahin, dass mehr als zwei Triebwerke nur noch bei Ultra-Langstreckentypen gewünscht waren. Nach der offiziellen Vorstellung des Projektes wurde dann der Name „Boeing 7N7“ gewählt, ähnlich den späteren Projektbezeichnungen Airbus A3XX oder Boeing 7E7.
Nach Erstbestellungen durch Eastern Air Lines und British Airways im März 1979 wurde das Programm aufgenommen.
Die Rollout-Zeremonie fand am 13. Januar 1982 statt, der Jungfernflug am 19. Februar 1982. Die Zulassung erhielt der neue Typ am 21. Dezember desselben Jahres. Die erste 757 wurde einen Tag darauf an Eastern Air Lines ausgeliefert.
23 Jahre später wurde die letzte 757 am 26./27. April 2005 an die chinesische Fluggesellschaft Shanghai Airlines ausgeliefert.Orders & Deliveries auf boeing.com (englisch). Abgerufen am 29. April 2025.Boeing: Boeing Closes Chapter in Aviation History with Final 757 Delivery Es war eine 757-200 und gleichzeitig die 1050. Boeing 757 insgesamt. Die Produktion war wegen mangelnder Nachfrage eingestellt worden. Ein Exemplar verblieb bei Boeing, an 55 Kunden wurden die einzelnen Versionen wie folgt ausgeliefert: 757-200 – 913 757-200M – 1 757-200PF – 80 757-300 – 55 Im März 2005 wurde erstmals eine 757 mit Winglets ausgestattet, ein Flugzeug der Continental Airlines.
Der Flugzeugtyp ist für ein Schmalrumpfflugzeug ungewöhnlich lang. Darin wird die 757-300 nur noch von wenigen Flugzeugtypen, wie der Super-Sixties-Baureihe der Douglas DC-8, übertroffen. Die hohen Leistungsreserven der beiden jeweils bis zu 191 kN Schub starken Turbofans der PW-2000-Serie sind für den Betrieb vorteilhaft.
Boeing plante mehrfach, die 757 mit neuen, sparsameren Triebwerken auszurüsten, gab aber im Februar 2015 bekannt, dass man von einem solchen Projekt Abstand nehme, da es sich wirtschaftlich nicht lohnen würde.
Markt mini|Das Cockpit einer Boeing 757-300
Die 757-200 konkurrierte zuletzt vor allem mit den inzwischen ebenfalls fast 200 Passagiere fassenden, aber wesentlich verbrauchsgünstigeren gestreckten Versionen der Boeing 737 und dem Airbus A321. Die Boeing 737 war ursprünglich ein wesentlich kleineres Flugzeug, das nach mehreren Überarbeitungen auf eine der 757-200 entsprechende Größe gestreckt wurde, und auch die A321 ist lediglich eine gestreckte Version der A320.Die 757-300 ist zwar weitgehend konkurrenzlos; allerdings ist der Markt für die sehr große Sitzplatzzahl verbunden mit geringer Reichweite sehr begrenzt. Alle Konkurrenten sind Großraumflugzeuge: Der Airbus A310 und die Boeing 767-200 erreichten ähnliche Kapazitäten, werden aber ebenfalls bereits seit längerem nicht mehr gebaut. Noch gebaut werden der Airbus A330-800neo und die Boeing 787-8, die jedoch viel größere Reichweiten und Kapazitäten haben. Ein direkter Nachfolger existiert somit nicht, wurde aber bei Boeing wiederholt unter dem Namen Boeing New Midsize Airplane diskutiert. Große Betreiber wie Icelandair, Condor, United und Delta wählten daher meist den Airbus A321neo als Ersatz für beide Varianten.
Kommunalität Die Boeing 757-200 wurde gemeinsam mit der Boeing 767 entwickelt, weshalb beide Flugzeuge viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Das soll zu geringeren Schulungs- und Wartungskosten führen, wenn beide Flugzeugtypen innerhalb einer Fluggesellschaft eingesetzt werden. So können Piloten mit entsprechender Lizenzierung sowohl die 757 als auch die 767 ohne Einschränkungen fliegen, weil der Blickwinkel aus den beiden Cockpits absolut gleich ist. Die Boeing-Ingenieure konstruierten nach anfänglichen Problemen bei der Implementierung eines neuen Cockpits erst ein neues Layout mit neuem Instrumentenbrett, Mittelkonsole und Windschutzscheiben und danach die Bugsektionen von 757 und 767. Das führte bei der 757 zu einem eher Boeing-untypischen Aussehen.
Versionen In den 25 Jahren der Produktion wurde die Boeing 757 in mehreren Versionen angeboten:
Boeing 757-100 Die Boeing 757-100 war das Anfangskonzept der 757, welches in seiner Größe der Boeing 727 entsprach und 150 Passagiere befördern können sollte. Allerdings stieg Boeing noch vor dem offiziellen Programmstart auf die Version 757-200 um, da sich für die kleine Version keine Kunden finden ließen.
Boeing 757-200 mini|Boeing 757-200 der American Airlines
Basisversion, deren Produktion Boeing im März 1979 bekannt gab, nachdem Kaufverträge mit British Airways und Eastern Air Lines über 40 (19/21) Maschinen abgeschlossen worden waren. Der Erstflug fand am 19. Februar 1982 statt, und schon am 22. Dezember 1982 wurde die erste Maschine an die Eastern Air Lines ausgeliefert.
Boeing 757-200M (Combi) Die 757-200M (bzw. 757-200CB gemäß Musterzulassung der FAA) ist eine von der 757-200 abgeleitete Version für den gleichzeitigen Transport von Passagieren und maximal zwei Fracht-Paletten auf dem Hauptdeck. Es wurde nur eine einzige Maschine original von Boeing gebaut. Diese fliegt heute bei Nepal Airlines. Daneben gibt es Combi-Umbauten aus Passagiermaschinen von mehreren Anbietern. In: cargofacts.com, abgerufen am 2. Oktober 2016
Boeing 757-200PF (Parcel Freighter) mini|Boeing 757-200SF der DHL Aviation
Ist eine Frachtversion speziell für Paket-Fracht, eingesetzt wird sie von DHL und UPS.
Boeing 757-200SF (Special Freighter) Als Special Freighter werden im Allgemeinen (siehe: Boeing 747 SF) Frachtmaschinen bezeichnet, die ursprünglich einmal Passagierflugzeuge waren, dann aber zu Frachtern umgebaut wurden. Dazu werden die Passagiersitze entfernt, der Fußboden wird verstärkt und die Maschinen erhalten vorne links im Rumpf, hinter dem vorderen Eingang, eine große Frachttür. Im Frachtraum wird ein automatisches Ladesystem für Container und Transportpaletten installiert. Initiator war DHL, die 44 ehemals für British Airways fliegende 757-200, die an Boeing verkauft wurden, erwerben wollte (sale/multi-year lease arrangement).
Boeing startete das Programm am 5. Oktober 1999 und am 15. Februar 2001 hatte die erste umgebaute Maschine ihren Erstflug, welche im März 2001 an DHL übergeben wurde. Die 757-200SF kann 27.210 kg Fracht über eine Distanz von 4630 km transportieren und bietet dabei ein Frachtvolumen von 226,5 m³.
Boeing 757-200WL (Winglet) alternativtext=|mini|Boeing 757-200WL (Winglet) am Flughafen Salzburg
Um die Wirtschaftlichkeit der Boeing 757-200 zu erhöhen, hat Aviation Partners Boeing (ein Joint Venture aus Boeing und Aviation Partners) die schon von den Boeing-Typen 737-300, 737-700, 737-800 und 737-900ER bekannten Blended Winglets für die Boeing 757-200 weiterentwickelt. Diese sind 2,48 m hoch und sollen eine Kerosinersparnis von bis zu 5 % bewirken. Dadurch können pro Jahr und Maschine etwa 1,13 Mio. Liter Kerosin gespart werden. Die Reichweite der Flugzeuge erhöht sich um 370 km.
Am 9. März 2005 hatte die erste Boeing 757-200WL von Erstkunde Continental Airlines ihren Erstflug. Am 23. Mai 2005 wurde die Erweiterung durch die FAA zugelassen. Zu dem Zeitpunkt hatten Continental Airlines für elf Umrüstungen, mit Optionen für ihre restliche 757-200 Flotte und Icelandair mit sieben Umrüstungen und 15 Optionen einen Kaufvertrag geschlossen.
C-32A („Air Force Two“) mini|Die zweite in Dienst gestellte C-32A (98-0002)
Bei der C-32A handelt es sich um eine militärische Version der Boeing 757-200. Insgesamt acht Maschinen dieser Version in VIP-Ausstattung sind bei der USAF seit Anfang 1999 im Einsatz und haben die Hauptaufgabe, den US-Vizepräsidenten, die US-Minister/Mitglieder des Kabinetts, die Mitglieder des US-amerikanischen Kongresses sowie andere Würdenträger zu befördern. Die C-32A sind gegenüber der Serien-757-200, in der Innen- und Technikausstattung, stark verändert.
Wenn der Vizepräsident an Bord ist, erhält die Maschine das Funkrufzeichen „Air Force Two“, das oft für das Flugzeug als solches gebraucht wird. Gelegentlich dient auch eine C-40B (Boeing 737 BBJ) als „Air Force Two“. Die USAF plant, die gesamte Flotte von vier C-40B und acht C-32A durch zwölf C-40D Clipper II, die militärische Variante der Boeing 737 Max 9, zu ersetzen.
Alle acht Maschinen werden von Triebwerken des Typs Pratt & Whitney PW2000-40 angetrieben und sind für bis zu 45 Passagiere und 16 Besatzungsmitglieder ausgelegt. Durch Zusatztanks wurde die Reichweite auf bis zu 7685 km erhöht. Geflogen werden die C-32A von der 1st Airlift Squadron (89th Airlift Wing) und sind auf der Andrews Air Force Base stationiert.Babak Taghvaee: The Flying Pencils. In: Combat Aircraft Journal, Juni 2025, S. 49.
C-32B mini|C-32B: Luftbetankung Vier Boeing 757-23A, die alle mit Rolls-Royce-Triebwerken des Typs RB211-535E4 ausgerüstet sind, werden von der USAF als C-32B betrieben. Diese auch als Gatekeeper bezeichnete Variante dient dem State Department Foreign Emergency Support Team (FEST) weltweit für geheime Unterstützungsaufgaben in anderen Staaten. Die vier eingesetzten Flugzeuge tragen einen durchgehend weißen Anstrich und besitzen keine Markierungen. Seit 2003 werden die Flugzeuge von der 150th Special Operations Squadron der New Jersey Air National Guard (USAF-Seriennummern 99-6143, 00-9001, 02-4452) und der 486th Flight Test Squadron (02-5001) eingesetzt. Mit Stand Februar 2025 sind von den vier Maschinen nur zwei im aktiven Einsatz.
Die Ausrüstung der Maschinen entspricht, abgesehen von der Möglichkeit der Luftbetankung, weitgehend der von zivilen Passagiervarianten. Die Flugzeuge besitzen auch keine Selbstschutzeinrichtungen. Zur Kommunikation in Kriegs- oder Katastrophengebieten dient der Multi-Role Tactical Common Datalink (MR-TCDL) von North-Grumman, der im Ka- und Ku-Band arbeitet. Die Antennen hierfür sind im hinteren Rumpf eingebaut und werden durch einen Radardome abgedeckt.Babak Taghvaee: The Flying Pencils. In: Combat Aircraft Journal, Juni 2025, S. 48.
Boeing 757-300 mini|Boeing 757-300 der Thomas Cook Airlines
Die Boeing 757-300 ist eine gestreckte Version der Boeing 757-200 mit einer größeren Passagierkapazität und wurde speziell für den europäischen Charterverkehr entwickelt. Das Flugzeug erhielt den Spitznamen „fliegender Bleistift“.Timo Kotowski, Letzter Aufruf für den „fliegenden Bleistift“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20. Oktober 2025, S. 22.
Mit den Studien für eine verlängerte 757 begann man Mitte der 1990er Jahre; die konkrete Entwicklung erfolgte nach einer Bestellung durch Condor auf der Farnborough Airshow im September 1996. Ihren Jungfernflug absolvierte die Maschine am 2. August 1998, gefolgt von der Zulassung im Januar 1999. Condor übernahm das erste Flugzeug im März desselben Jahres. Die einzigen anderen Fluggesellschaften, welche die 757-300 bestellten, waren American Trans Air, Arkia Israeli Airlines, Continental Airlines, Icelandair und Northwest Airlines. Insgesamt wurden nur 55 Stück dieser Version gebaut.