mini|Zweisprachige Schilder an der Polizeistation in Husum

Die Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein sind gemessen an der territorialen Größe des Landes vergleichsweise weit aufgefächert. Mit Hochdeutsch, Niederdeutsch, Nordfriesisch, Dänisch (Reichsdänisch, meist als Sydslesvigdansk), Südjütisch (Plattdänisch, Sønderjysk) und dem Romanes (Romani) der in Schleswig-Holstein lebenden Sinti und Roma finden sich je nach Klassifizierung fünf bzw. sechs traditionelle Sprachen auf kleinem Raum zusammen.Je nach Zählweise: das Südjütländische wird überwiegend als Dialekt des Dänischen klassifiziert, seltener wird das Südjütische als eigene Sprache oder als Dialekt der (danach) eigenständigen Sprache Jütisch betrachtet oder als vierte Klassifizierungsvariante als dänisch-niederdeutsche Mischsprache eingestuft. Unter Zusammenzugs des von dem nur noch von wenigen Sprechern in Flensburg gesprochenen Petuh, der hochdeutsch-plattdeutschen Mischsprache Missingsch sowie des Jiddischen sind es deren acht bzw. neun. Gut 90 Prozent der Bevölkerung Schleswig-Holsteins versteht neben Hochdeutsch zumindest eine der weiteren Sprachen (vor allem Niederdeutsch).

Mit fünf rechtlich anerkannten Sprachen (Hochdeutsch, Niederdeutsch, Dänisch samt Südjütisch, Nordfriesisch und Romanes) ist Schleswig-Holstein innerhalb des deutschsprachigen Raumes in Europa die Region mit den meisten Sprachen.Vor Brandenburg (Hochdeutsch, Niedersorbisch, Niederdeutsch, Romanes), dem Burgenland (Hochdeutsch, Burgenlandkroatisch, Romanes, Ungarisch), Graubünden (Deutsch, Italienisch, Rätoromanisch, Jenisch), Niedersachsen (Hochdeutsch, Niederdeutsch, Saterfriesisch, Romanes) und Wien (Hochdeutsch, Slowakisch, Tschechisch, Ungarisch) mit vier rechtlich anerkannten Sprachen. Parallel zur Unterschutzstellung des Dänischen, Nordfriesischen, Romanes und Niederdeutschen nach der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen stehen im nördlichsten deutschen Bundesland auch die dänische Minderheit, die friesische Volksgruppe und die Minderheit der Sinti und Roma selbst unter dem Schutz der Landesverfassung.

Amtssprachenstatus besitzen im gesamten Land Hochdeutsch und Niederdeutsch, in Teilen Schleswig-Holsteins auch Dänisch und Nordfriesisch.

Sprachen und Dialekte Hochdeutsch Der Begriff Deutsch wird in Schleswig-Holstein (und darüber hinaus) vielfach – auch juristisch – als Oberbegriff für beide Sprachen (hochdeutsch und niederdeutsch) betrachtet. Zum einen wird Hochdeutsch (auch: Standarddeutsch, Schriftdeutsch), vielfach kurz als Deutsch bezeichnet (siehe auch: deutsche Sprache) gesprochen, teilweise ähnelt es in der Aussprache dem vorwiegend in Hamburg gesprochenen Missingsch. Im norddeutschen Raum existieren aber keine Dialekte des Hochdeutschen. Das Hochdeutsche drang seit dem 16. Jahrhundert zunächst nur als Schriftsprache ins Land, erst im 19. Jahrhundert entstand in der Oberschicht eine Minderheit, die Hochdeutsch auch als Umgangssprache verwendete; diese wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts zur Mehrheit. Die Anzahl der passiven Sprecher unter der deutschen Bevölkerung in Schleswig-Holstein liegt heute nahezu bei 100 Prozent, die der aktiven Sprecher ist ein wenig geringer: Der Anteil derjenigen, die aktiv nur niederdeutsch („plattdeutsch“ oder kurz „platt“) sprechen, ist aber nach dem Zweiten Weltkrieg stark gesunken und findet sich heute vor allem unter der älteren Bevölkerung in nicht-urbanen Gegenden. Genaue Angaben existieren nicht. Durch Rückgängigmachung der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 per Volksabstimmung besaß das Land vorübergehendvom 27. September 1998 bis 17. September 1999 eine eigene offizielle Schriftsprache des Hochdeutschen. Von seiner rechtlichen Sprachkompetenz (siehe: Amtssprachen innerhalb Deutschlands) machte das Land erneut Gebrauch, als es zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2017 die Wahlbenachrichtigungen in Leichter Sprache verfassen ließ – nicht ohne Kritik im Lande.Christian Hiersemenzel: . In: kn.de, 5. April 2017, abgerufen am 5. Mai 2017.

Niederdeutsch mini|Die dialektale Einteilung der niederdeutschen MundartenDas Schleswigsch wird allerdings entgegen der Zeichnung auch im Sprachgebiet der nordfriesischen Sprache und als Nordschleswiger Platt auch in Nordschleswig (Dänemark) gesprochen und reicht zudem bis nach Kiel.

In weiten Teilen des Landes wird darüber hinaus auch die niederdeutsche Sprache (siehe auch: Niedersächsisch) gesprochen und verstanden. Dies betrifft vor allem nicht-urbane Gebiete in Holstein und Schleswig. Die Dialektvariante hierbei ist das Nordniedersächsische, die sich innerhalb Schleswig-Holsteins wiederum in Schleswigsch im Norden und Holsteinisch im Süden des Landes unterteilen lässt. Die Eiderlinie trennt die beiden Dialekte und auch die Pluralbildung. Im Hamburger Umland kommt mit dem Hamburger Platt ein weiterer Unterdialekt des Nordniedersächsischen hinzu; im Ratzeburger Umland und in einzelnen Randgemeinden zu Mecklenburg-Vorpommern darüber hinaus der Dialekt des Mecklenburgischen.Die Gemeinden Ziethen (Lauenburg), Mechow, Bäk und Römnitz kamen erst mit Wirkung vom 27. November 1945 zu Schleswig-Holstein (vorher mecklenburgischer Landkreis Schönberg). Im Gegensatz zu den anderen in Schleswig-Holstein gesprochenen Dialekten gehört das Mecklenburgische nicht zu den nordniedersächsischen Dialekten, sondern zum Ostniederdeutschen.

Die niederdeutschen Dialekte im Lande unterteilen sich in weitere Unterdialekte wie beispielsweise das Angeliter Platt (des „Schleswigschen“) oder das Dithmarscher Platt (des „Holsteinischen“); das „Hamburger Platt“ wird in Schleswig-Holstein in der Variante des Geest-Platt gesprochen.

Das meist als „Plattdeutsch“ (oder kurz: „Platt“) bezeichnete Niederdeutsch ist eine anerkannte eigenständige Sprache und genießt in den norddeutschen Bundesländern den Schutz einer Regionalsprache. Im gesamten Land Schleswig-Holstein ist Niederdeutsch auch eine optionale Amtssprache. Die Anzahl der Sprecher der Plattdeutschen Sprache in Schleswig-Holstein wird insgesamt mit 1,3 Millionen beziffert, davon rund 800.000 Schleswig-Holsteiner, die die Sprache gut bis sehr gut beherrschen.Reinhard Golz, Sprecher des Bundesrates für Niederdeutsch – Universität Kiel: - unter Berufung auf Frerk Möller: Plattdeutsch im 21. Jahrhundert – Bestandsaufnahme und Perspektiven, Leer, 2008, Seite 32 (27 Prozent von über 2,8 Millionen Einwohnern). Die Gesamtzahl derjenigen, die Plattdeutsch sprechen oder zumindest verstehen, liegt bei gut 2,5 Millionen Bürgern des nördlichsten Bundeslandes.Nach einer Repräsentativ-Erhebung aus dem Jahre 1984, erwähnt im Bericht der Landesregierung zur Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen in Schleswig-Holstein 2007 können 89 Prozent der Bewohner der norddeutschen Bundesländer Plattdeutsch zumindest verstehen. Siehe dazu den Bericht der Landesregierung: ab Seite 15.

Das Schleswig-Holsteinische Wörterbuch umfasst den Wortschatz der in Schleswig-Holstein gesprochenen Dialekte der niederdeutschen Sprache; die Erhebungen zur Erstellung des Wörterbuches fanden ab 1902 statt. Das Holsteinische Idiotikon ist ein 1800–1806 herausgegebenes vierbändiges Wörterbuch des Wortschatzes Schleswig-Holsteins.Johann Friedrich Schütze: Holsteinisches Idiotikon. Verlag Heinrich Ludwig Vilaume, Hamburg 1800

Die Begriffe „Niedersächsisch“, „Niederdeutsch“ und „Plattdeutsch“ werden vielfach synonym verwendet – es existieren aber auch – vor allem in Hinblick auf die Dialekte der Sprache in den Niederlanden – voneinander abweichende, hierarchisch strukturierte Begriffsabgrenzungen;Siehe dazu: Niedersächsische Sprache. in Schleswig-Holstein finden zumindest „Niederdeutsch“, „Plattdeutsch“ und „Platt“ im umgangssprachlichen Gebrauch als Synonymbegriffe Anwendung.

Aus dem Plattdeutschen hervorgegangen waren auch die Hansesprache und die Seemannssprache. Letztere ist nicht nur eine Fachsprache, sondern auch ein Soziolekt.

Plautdietsch ist eine Varietät des Niederdeutschen und wird in Europa, Nordamerika, Lateinamerika und Asien von einem Teil der inzwischen weltweit zerstreuten russlanddeutschen Mennoniten gesprochen; in Schleswig-Holstein spricht nur eine vergleichsweise kleine Bevölkerungsgruppe diese Sprache.Der Großteil der rund 200.000 Plautdietsch-Sprecher in Deutschland lebt in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Dänisch mini|Der deutsch-dänische Konflikt im 19. Jahrhundert lässt sich auch an unterschiedlichen Kartendarstellungen zur Zeit des Sprachwechsels im südlichen Schleswig ablesen, hier anhand von Beispielen des preußischen Majors und Kartographen Franz Heinrich Julius Geerz 1838 (vom Betrachter links) und des dänischen Historikers Carl Ferdinand Allen 1858 (vom Betrachter rechts). mini|Sprachwechsel im 19. Jh. im Südlichen Schleswig mini|Werbung für Dänisch-Sprachkurse in Flensburg (2012) Im Landesteil Schleswig (hier besonders im Raum Flensburg) lebt eine dänische Volksgruppe, deren Sprache als Minderheitensprache in Deutschland ebenfalls besondere Rechte genießt. So gibt es 46 Schulen, deren Unterrichtssprache Dänisch (dansk) ist. Da für den überwiegenden Teil der Dänisch sprechenden Personen Dänisch nicht übliche Alltagssprache, zu einem großen Teil auch nicht Muttersprache ist, sondern Hoch- und/oder Niederdeutsch, hat sich u. a. durch die Übernahme von Strukturelementen, etlichen Wörtern und Redewendungen aus dem Hoch- und Niederdeutschen eine – aus reichsdänischer Sicht – fehlerhafte lokale Variation des Rigsdansk („Reichsdänisch“ oder „Standarddänisch“) entwickelt, die von Seiten der Minderheit inzwischen selbstbewusst als Sydslesvigdansk („Südschleswigdänisch“) oder Sydslesvigsk („Südschleswigsch“) bezeichnet wird.Die Anzahl derjenigen aus der dänischen Minderheit, die auch eine der Varianten der dänischen Sprache üblicherweise im Alltag benutzen, wird auf etwa 8000 bis 15.000 geschätzt; z. B. 8000 bei http://www.gfbv.it/3dossier/vielfalt-dt.html.Nach Angabe der Universität Tromsø: sind es 20.000 Muttersprachler; siehe auch die Artikel Dänische Minderheit in Deutschland und Speckdänen. Nach Angaben der schleswig-holsteinischen Landesregierung bekennen sich rund 50.000 Menschen im Lande mit deutscher Staatsangehörigkeit zur dänischen Minderheit.

Dies freilich ist nur eine Schätzung, die auf der Grundlage der Mitglieder in dänischen Vereinen beruht – die letzte Volkszählung mit Sprachenerfassung hatte im Jahre 1900 stattgefunden. Nach der Studie der Universität Hamburg aus dem Jahr 2015 liegt die Anzahl sogar bei etwa 79.000 Angehörigen im nördlichsten Bundesland (sowie 25.000 in Hamburg), davon rund 42.000 im angestammten Landesteil Schleswig (das wären etwa acht Prozent der Bevölkerung Schleswigs) und 37.000 im Landesteil Holstein (rund zwei Prozent der Bevölkerung dort). Die knapp 7000 dänischen Staatsbürger in Schleswig-Holstein sprechen überwiegend Standarddänisch.

Weiterhin sprechen auch mehrere tausend Deutsche, die nicht zur dänischen Minderheit zählen, Dänisch in den drei Varianten Reichsdänisch (Standarddänisch), Sydslesvigdansk und Sønderjysk (aufgewachsen in grenznahen Orten; Sprache erlernt in Schulen – teilweise wird Dänisch als Wahlfach auch auf deutschen Schulen angeboten –, Volkshochschulen, Hochschulen); dies gilt auch für Angehörige neuer Minderheiten, die in dänischen Schulen und Vereinen integriert sind.Ein Beispiel ist der Fußballspieler Christopher Avevor, der auch die dänische Schule in Eckernförde besuchte .

Standarddänisch (auch: Reichsdänisch oder Hochdänisch) ist die aus den Malmöer (Schonisch, bis 1658) und Kopenhagener (Københavnsk) Dialekten entstandene Variante des Dänischen, die inzwischen von den meisten Dänen gesprochen oder zumindest neben einer anderen Variante auch gesprochen wird.