Aichwald ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen, zehn Kilometer von der Kreisstadt Esslingen und 20 Kilometer von Stuttgart entfernt. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geografie Geografische Lage Aichwald liegt auf der Liashochfläche des Vorderen Schurwaldes zwischen dem Remstal im Norden und dem Neckar- bzw. Filstal im Süden. Die Gemeinde ist die am weitesten nördlich gelegene Kommune des Landkreises Esslingen. Der Ortsausgang des Ortsteils Aichelberg in Richtung Weinstadt-Beutelsbach markiert diesen nördlichsten Punkt des Kreises.

Die Gemarkung Aichwalds umfasst eine Fläche von 1468 ha. Rund 45 % der Markungsfläche werden von der Landwirtschaft genutzt, jedoch in zunehmendem Maße im Nebenerwerb.

Im Ortsteil Aichelberg wird an den Südhängen hin zum Remstal auf ca. 13 ha Wein angebaut. Nicht zu vergessen ist der für den Schurwald typische Erdbeer- und Himbeeranbau.

Meereshöhe, Markungsfläche: Wasserturm Krummhardt 476 m ü. NN Höchster Punkt: Wasserbehälter Lobenrot 480 m Tiefster Punkt: Zolterbachbrücke 285 m Waldfläche 617 ha

Benachbarte Städte und Gemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an Aichwald (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): Kernen im Remstal, Weinstadt (beide Rems-Murr-Kreis), Baltmannsweiler und Esslingen am Neckar (beide Landkreis Esslingen).

Gemeindegliederung Aichwald besteht aus den ehemals selbstständigen Gemeinden Aichelberg, Aichschieß und Schanbach. Zur ehemaligen Gemeinde Aichelberg gehört das Dorf Aichelberg (2256 Einwohner, Stand: 31. Dezember 2018Einwohnerzahlen gemäß Homepage der Gemeinde). Zur ehemaligen Gemeinde Aichschieß gehören das Dorf Aichschieß (1564 Einwohner) und der Weiler Krummhardt (754 Einwohner) sowie die abgegangenen Ortschaften Eglisweiler und Schlierbachhof (auch Bernhardshof genannt). Zur ehemaligen Gemeinde Schanbach gehören das Dorf Schanbach (2809 Einwohner) und der Ort Lobenrot (229 Einwohner).Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 161–164.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Aichwald.

Geschichte Im Hochmittelalter war die Gemarkung der heutigen Gemeinde Aichwald Bestandteil des Herzogtums Schwaben.

Entwicklung im 20. Jahrhundert Die Bewohner der Orte in Aichwald gingen seit dem Beginn der Industrialisierung zunehmend in den Fabriken im Neckar- und Remstal zur Arbeit. Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit aller Orte der heutigen Gemarkung Aichwald zum Landkreis Esslingen. Der Zweite Weltkrieg ging für die Bewohner in der Nacht vom 21. zum 22. April 1945 mit dem Durchzug der US-Armee zu Ende. Dabei fanden keine Kampfhandlungen statt, so dass weder Menschen noch Gebäude zu Schaden kamen. Die Orte wurden Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörten somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Gemeindefusion Im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg schlossen sich am 1. Januar 1974 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Aichelberg, Aichschieß (mit Krummhardt) und Schanbach (mit Lobenrot) zur neuen Gemeinde Aichwald zusammen. Der Sitz der Gemeindeverwaltung befindet sich in Schanbach.

Wappen der Ortsteile

Entwicklung der Einwohnerzahl Jahr Einwohner 1871 1.237 1880 1.296 1890 1.198 1900 1.211 1910 1.175 1925 1.153 1933 1.268 1939 1.294 Jahr Einwohner 1950 1.847 1961 2.666 1970 4.212 1975 6.125 1980 7.657 1985 7.714 1990 8.122 1995 7.976 Jahr Einwohner 2000 7.766 2005 7.744 2010 7.558 2015 7.470 2020 7.597

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Aichwald besteht aus den gewählten ehrenamtlichen 18 Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 40,17 7 31,55 6 FWA Freie Wähler Aichwald 31,38 6 29,82 5 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 15,57 3 17,23 3 Grüne Bündnis 90/Die Grünen 12,89 2 14,27 3 FDP Freie Demokratische Partei – – 7,13 1 gesamt 100,0 18 100,0 18 Wahlbeteiligung 70,54 % 69,10 %

Aichwald gehört zu den fünf der insgesamt 1101 Gemeinden in Baden-Württemberg, in denen bei der Landtagswahl am 27. März 2011 mehr als 80 Prozent der Wahlberechtigten ihr Stimmrecht nutzten.Stuttgarter Zeitung. Nr. 30, 6. Februar 2016, S. 26.

Bürgermeister 1974–2006: Richard Hohler 2006–2018: Nicolas Fink (SPD) seit 2019: Andreas Jarolim (CDU)Bürgermeisterwahl in Aichwald

Wappen und Flagge mini|Flagge der Gemeinde Aichwald

Partnerschaften Aichwald pflegt freundschaftliche Verbindungen zu: Stadt Böhlen im Landkreis Leipzig in Sachsen und Marktgemeinde Finkenstein am Faaker See in Kärnten, Österreich.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Seit 2009 verbindet der „BürgerBus Aichwald“BürgerBus Aichwald die Ortschaften Schanbach, Aichelberg, Aichschieß, Krummhardt und Lobenrot. Der Bürgerbus fährt zweimal am Morgen und zweimal am Nachmittag. Der BürgerBusverein Aichwald e. V. hat über zwanzig Fahrer und Fahrerinnen. Aichwald ist auch über die Linie 114 des VVS angebunden. Zusätzlich wird ab 2019 die Linie 114 nach Endersbach verlängert und stellt somit die von Anwohnern lange gewünschte Verbindung ins Remstal her.

Bildung Aichwald verfügt im Ortsteil Schanbach über eine Grundschule. In Aichelberg und Aichschieß bestehen Außenstellen für Grundschulklassen. Es bestehen drei Gemeindekindergärten in den einzelnen Ortschaften und ein Waldkindergarten im Aichschießer Wald.

Es gibt eine Musikschule und eine selbstständige Volkshochschule.

Abfallentsorgung Für die Abfallentsorgung ist der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen zuständig. Es bestehen getrennte Sammlungen für Biomüll, Hausmüll und Papier. Verpackungen werden im Rahmen des Grünen Punktes in sogenannten gelben Säcken gesammelt. Sperrmüll wird gegen Abgabe eines von zwei Gutscheinen jährlich kostenlos abgeholt oder kann zu einer Entsorgungsstation gebracht werden. Bei den Entsorgungsstationen können auch Elektro- und Metallschrott sowie andere wiederverwertbare Stoffe abgegeben werden. Für Sondermüll wie Leuchtstofflampen und Lacke gibt es besondere Problemstoffsammlungen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Das Zuchthäusle in Aichschieß mini|150px|Brunnen am Remstal-Höhenweg Aichwald besitzt eine stattliche Anzahl an Bau- und Kunstdenkmalen, die Zeitzeugen der jahrhundertelangen Ortsgeschichte sind. Neben der landschaftlich reizvollen Lage sind sie es vor allem, die den Charme der Schurwaldgemeinde ausmachen. Weil Aichschieß nicht an einer Durchgangsstraße lag, ist sein Ortskern besonders gut erhalten (Fachwerkhäuser um die Kirche). Im Wald unterhalb von Schanbach finden sich die Reste einer kleinen mittelalterlichen Burg. In Aichelberg steht die erstmals 1558 erwähnte Kelter, welche seit 2019 eine Imkerei beherbergt.

Besonders herausragend sind die vier historischen Kirchengebäude der evangelischen KirchengemeindeWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Aichwald in den Teilorten:

In Aichelberg steht eine ehemalige Wallfahrtskirche, die evangelische Kirche Zu Unserer Lieben Frau von 1460, noch heute halbwegs auf freiem Feld über dem Dorf gelegen, mit bauzeitlichen Wandmalereien im Chor (1969 freigelegt) und einem Kruzifix aus dem 17. Jahrhundert. Die 25 Empore-Tafelbilder zum Leben Jesu und den zwölf Aposteln hat Joseph Wagner aus Alfdorf 1760 gemalt. Gerhard Dreher schuf 1970 drei Chorfenster aus Klarglas mit geometrischen Linien-Ornamenten sowie im Kirchenschiff und Turm weitere farbige Fenster.

Die evangelische Kirche in Krummhardt ist eine der reizvollsten Dorfkirchen im Landkreis Esslingen (Ausstattung im Bauernbarock);

In Schanbach befindet sich die evangelische Kirche von 1500 mit spätmittelalterlichem Chorturm.Hermann Proß: Unsere Schanbacher Kirche; hg. Ev. Kirchengemeinde Aichwald, Aichwald-Schanbach 2002 Bei der Renovierung und dem Emporeneinbau durch Architekt Heinrich Dolmetsch im Jahr 1905 wurde das vom Künstler Theodor Bauerle entworfene Chorfenster mit Christus als Friedensbringer eingebaut.Hermann Proß, Das Schanbacher Kirchenfenster, in: Gemeindebrief Sommer 2011, Ev. Kirchengemeinde Schanbach, Aichwald-Schanbach 2011 Rudolf Yelin der Jüngere schuf 1952 am Chorbogen das Sgraffito mit der Engelsbotschaft an die Hirten, Ulrich Henn 1969 das Bronze-Altarkreuz, ein „Kastenkreuz“ mit Themen-Medaillons zum Leben Jesu.

In Aichschieß steht die evangelische Dorfkirche St. Gereon und St. Margaretha, die nach Kriegszerstörung 1454 wieder aufgebaut und mit Chor und Südturm versehen wurde. Sie enthält ein Kruzifix aus der Ulmer-Schule um 1500, im Innern Wandmalereien aus der Zeit um 1330, die zu den ältesten in der ganzen Region gehören, zudem weitere Wandbilder aus der Zeit um 1500. Nach der Reformation wurde die Kirche in einen evangelischen, der württembergischen Kirchen- und Gottesdienstordnung angemessenen Gottesdienstraum mit Quersaal-Konzeption umgewandelt: aus dem Chor wurde der Altar herausgerückt, die Kanzel auf Mitte der Nordwand gesetzt, Herrenstühle im Chor und darüber eine Orgelempore eingebaut sowie eine Süd- und Westempore errichtet. Das gesamte Parterre- und Emporengestühl bekam seine Ausrichtung auf die Nordkanzel.Markus Hörsch: Die evangelische Pfarrkirche St. Gereon und Margaretha in Aichschieß (Gde. Aichwald). Eine Dorfkirche auf dem Schurwald und ihre mittelalterlichen Wandmalereien. Remshalden-Buoch 1997. Wegen Einsturzgefahr erfolgte bis 1952 durch Architekt Heinz Klatte eine durchgreifende Renovierung und „Bereinigung“ mit dem Verlust wertvoller Substanz durch Neubau der Süd- und Westmauer. Die Glasmalereien vom Jahr 2000 der drei Fenster im Chor stammen von der Glaskünstlerin Renate Gross aus Gilching (Bayern),Markus Hörsch: Neue Glasmalereien in einer Dorfkirche - die Aichschießer Fenster von Renate Gross. In: Die Glasmalereien von Renate Gross in der Ev. Pfarrkirche St. Gereon und Margaretha Aichschiess. Festschrift zur Einweihung, hg. von der Ev. Kirchengemeinde Aichschieß-Krummhardt, Aichwald-Aichschieß / Bamberg 2000, S. 9–50. von Karl Ulrich Nuss stammt der Taufdeckel und weitere Kunstwerke.

An der Stelle des ehemaligen Schulhauses befindet sich das sogenannte Zuchthäusle, eine winzige Zelle, in der nicht nur Verbrecher gefangen gehalten wurden, sondern auch ledige Mütter vierzehn Tage bei Wasser und Brot verbringen mussten, nachdem sie von der Kanzel herab ermahnt (abgekanzelt) worden waren.

Im Esslinger Stadtwald gibt es einen Hundefriedhof, der von Förstern angelegt und von 1912 bis in die 1970er Jahre belegt wurde. Er ist heute ein Kulturdenkmal nach dem Gesetz zum Schutz der Kulturdenkmale des Landes Baden-Württemberg.Martin Hahn, Ingo Hanak: Wolle – Ruhe sanft! Der Jagdhundefriedhof in Aichwald-Lobenrot. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 1/2023, S. 87.

Regelmäßige Veranstaltungen mini|hochkant|Hetty Krist, Engel für Aichwald (Farblithographie 2010) Seit 2003 findet alle zwei Jahre im August auf einem Sonnenblumenfeld vor Krummhardt das fünftägige Musikfestival Goldgelb statt.