mini|Lage von Eutritzsch
Eutritzsch ist ein Stadtteil und zugleich Ortsteil im Stadtbezirk Nord von Leipzig.
Lage mini|Meyersche Häuser mini|Arthur-Bretschneider-Park
Der alte Dorfkern von Eutritzsch am Eutritzscher Markt und an der Gräfestraße befindet sich etwa 3 Kilometer nördlich der Leipziger Innenstadt. Zu Eutritzsch gehören auch das weiter nördlich gelegene Krankenhaus St. Georg, die Siedlung St. Georg, das Industriegebiet an der Zschortauer Straße sowie südlich gelegene Misch- und Wohngebiete aus der Gründerzeit und Zwischenkriegszeit. In Eutritzsch liegen der Nordfriedhof der Stadt Leipzig und der Alte sowie der Neue Israelitische Friedhof. (Jüdische Friedhöfe in Leipzig) Wichtigste Verkehrsader ist die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Delitzscher Straße, auf der auch die Straßenbahnlinie 16 zur Neuen Messe verkehrt.
Nachbarstadtteile Folgende Leipziger Stadtteile grenzen an Eutritzsch:
Eutritzsch grenzt im Westen an zwei der drei Ortsteile von Gohlis, von dem es durch den Arthur-Bretschneider-Park und den Bach Nördliche Rietzschke getrennt wird. Im Norden ist der erst 1999 nach Leipzig eingemeindete Ortsteil Wiederitzsch benachbart. Im Osten bildet die Berliner Eisenbahn die Grenze zu den beiden Ortsteilen von Mockau und zu Schönefeld und im Südwesten grenzt die Leipziger Nordvorstadt an Eutritzsch.
Zu Eutritzsch gehören auch Teile der Petzscher Mark, der Gemarkung des im 15. Jahrhundert wüst gefallenen Dorfes Petzsch. Die Petzscher Mark liegt im Südosten, und zwar südlich der Theresienstraße, die bis zur Eingemeindung von Eutritzsch nach Leipzig die Gemeindegrenze bildete.
Naturräumliche Lage Der Stadtteil liegt auf einem zusammenhängenden Geländestreifen von etwa 4 Kilometer Länge und 1 Kilometer Breite. Die nördliche Rietzschke fließt am westlichen Rand dieses Streifens von Nord nach Süd und hat in ihrem unmittelbaren Umfeld die pleistozäne Platte der Delitzscher Ebene ausgeschwemmt und eine Bachaue gebildet. Der Höhenunterschied im Gebiet beträgt keine 20 Meter, so dass die Topographie des Stadtteils fast als flach zu bezeichnen ist. Am höchsten liegt der Bereich am Krankenhaus St. Georg, in dem bereits in der Jungsteinzeit hochwassersicher gesiedelt worden ist. Die bevorzugten altsorbischen Siedlungslagen befanden sich hingegen direkt an den Gewässern, so auch in Eutritzsch. Entlang der alten Dorflage ist die Aue Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Park umgestaltet worden. Der ursprüngliche Naturraum des Stadtteils ist zuletzt in weniger als 200 Jahren komplett durch menschliche Eingriffe überformt worden.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Um 3000 v. Chr. entstand eine jungsteinzeitliche Siedlung auf dem Höllenberg, wo sich heute das Klinikum St. Georg und die Siedlung St. Georg befinden.Christoph Kühn, Wolfgang Grundmann: Eutritzsch, Eine historische und städtebauliche Studie. Leipzig 2001, S. 4.Thomas Westphalen, Archäologische Standorte im Leipziger Stadtgebiet, https://landschaften-in-deutschland.de/themen/78_B_109-archaeologische-standorte-im-stadtgebiet/
Mittelalter Im Mittelalter war Eutritzsch ein altes slawisches Dorf; es bestand vor der deutschen Ostsiedlung, die um das Jahr 1000 das Gebiet der Leipziger Tieflandsbucht erfasste. Hinsichtlich der Siedlungsform und Gemarkung war Eutritzsch ein Doppelsackgassendorf mit gewannähnlicher Streifenflurhov.isgv.de abgerufen am 27. Mai 2017. und verfügte über 396 Hektar Grundfläche (Stand im Jahr 1883).
Eine erste schriftliche Erwähnung des Ortes geschah im Jahr 1335 in einem Steuerverzeichnis der Ämter Leipzig und Naunhof unter dem Namen „Udericz“. Historische Schriftbilder Eutritzschs Jahr 1335 1346 1359 1470 1542 1580 1791 veränderter Name im Laufe von Jahren Udericz Vderisch Uderitz Ewderitzsch Euderitzsch Eyderitz Euteritzsch
Laut Inge Bily wurde der Ortsname mit dem slawischen -ica-Suffix gebildet: Eutritzsch (*Udrica). Die Umwandlung der Endung zu -itz oder -itzsch stellt demzufolge eine Anpassung an deutsche Sprachgewohnheiten dar. Uder war vermutlich ein Eigenname, Eutritzsch somit der Ort der Leute des Uder. Auch Ernst Eichler und Hans Walther führen den Namen auf das Sorbische zurück, sind mit einer Deutung aber vorsichtiger.
Der Burggraf von Leisnig, Albrecht der Ältere, verkaufte im Jahr 1346 das Eutritzscher Lehensrecht an seinen Onkel, den Burggrafen von Meißen. mini|hochkant=0.7|links|Christuskirche mini|hochkant=0.7|Christuskirche, Inneres mit Blick zur Apsis mit dem Marienaltar. Der jetzige Marienaltar aus dem Jahr 1480 stammt aus Machern. Er steht seit dem Jahr 1960 in der Kirche und wurde im Jahr 2002 restauriert. mini|hochkant=0.7|Eutritzsch im Jahr 1859 (Stadtarchiv Leipzig) Die Eutritzscher Dorfkirche (heute Christuskirche) wurde im 13. Jahrhundert erbaut, worauf eine im 19. Jahrhundert noch lesbare Turminschrift aus dem Jahr 1282 hindeutet. Im Jahr 1381 erwarb der Leipziger Rat die Grund- und Gerichtsherrschaft über Eutritzsch von Rudolf von Bünau auf Erdmannshain. Die Übergabe der Lehensrechte des Ortes „Udericzsch by Lipczk“ an den Rat der Stadt Leipzig erfolgte dabei durch die Markgrafen von Meißen. Im Jahr 1385 wurde diese Belehnung erneuert. Der Ort war somit das älteste der Leipziger Ratsdörfer und blieb bis zur Ablösung der Grundherrschaft in den 1830er Jahren im Besitz des Stadtrates von Leipzig.
Frühe Neuzeit Ab dem Jahr 1503 wurden an den bestehenden Kirchturm der Eutritzscher Dorfkirche ein Kirchenschiff mit Apsis neu angebaut. Im Jahr 1539 wurde die lutherische Reformation eingeführt und der bisherige katholische Ritus verboten. Die Dörfer Gohlis und Möckern wurden pfarramtlich Eutritzsch zugeschlagen. Aus diesem pfarrgemeindlichen Bund schieden Möckern im Jahr 1856 und Gohlis im Jahr 1871 aus.
Während des Schmalkaldischen Krieges wurde Eutritzsch am 5. Januar 1547 abgebrannt. Die erste Erwähnung eines Schulmeisters in Eutritzsch ist für das Jahr 1550 datiert. Das erste eigentliche Schulhaus in Eutritzsch wurde im Jahr 1576 errichtet. Es wurde im Jahr 1863 abgerissen und befand sich auf dem heutigen Kirchhof unmittelbar vor dem Kirchturm der heutigen Christuskirche.
Dreißigjähriger Krieg Eutritzsch wurde während des Dreißigjährigen Krieges am 22. Oktober 1632 großflächig niedergebrannt. Während einer Pestepidemie starben 62 Einwohner des Dorfes und 64 Fremde. mini|Innenraum der Eutritzscher Gosenschänke mit zechenden Corpsstudenten (Die Gartenlaube, 1872) Die bereits bestehende Eutritzscher Dorfschänke (später Gosenschänke) wurde im Jahr 1640 erweitert. Die historische Gosenschänke wurde am 9. und 10. Januar 2001 abgerissen. Ihr Renaissanceportal und eine Holzsäule wurden dabei ausgebaut und ein Teil des Kellergewölbes wurde provisorisch gesichert. Die übrigen historischen Eutritzscher Schänken (Kümmelapotheke von 1662, der Goldene Helm von 1673 sowie die Ankerschänke von 1668) waren bereits in den Jahren 1960, 1963 und 1980 abgebrochen worden.Christoph Kühn, Wolfgang Grundmann: Eutritzsch, Eine historische und städtebauliche Studie. Leipzig 2001, S. 4–5.
18. Jahrhundert Im Jahr 1705 gab es in Eutritzsch 36 Bauernhöfe und einen Häusler. Eine gemeinschaftliche Schmiede errichteten die Eutritzscher Bauern im Jahr 1709 am Dorfplatz, heute Eutritzscher Marktplatz. Diese kommunale Schmiede wurde im Jahr 1885 abgetragen.
Der Braubetrieb der Gose soll im Jahr 1738 durch Leopold von Dessau eingeführt worden sein. Der Leipziger Autor und Verleger Friedrich Adolph Kritzinger (1726–1793) beschrieb in der Reihe Promenaden bey Leipzig kurzweilig und gereimt die Bedeutung der Eutritzscher Goseschänken als Ausflugsziel für die Leipziger.Eutritzsch, bleibt doch der Ort, wo mancher noch kann sagen: Da hab ich schweres Geld für Gose hingetragen. In: Friedrich Adolph Kritzinger: Die Promenaden bey Leipzig, und zwar Der Spaziergang nach Eutritzsch. 1781, S. 11 (Digitalisat der ULB Sachsen-Anhalt, Halle (Saale)) Im Jahr 1794 erbaute man das erste Gemeindehaus in der Gräfestraße. Es wurde von 1843 bis 1863 als zweites Schulhaus benutzt. Das Gebäude fiel am 5. Januar 1994 einer vermutlichen Brandstiftung zum Opfer und wurde im Jahr 1996 neu aufgebaut.Christoph Kühn, Wolfgang Grundmann: Eutritzsch, Eine historische und städtebauliche Studie. Leipzig 2001, S. 5.
19. Jahrhundert Während der Leipziger Völkerschlacht im Jahr 1813 wurde Eutritzsch von marodierenden Armeeteilen stark verwüstet. Im Jahr 1836 wurde am nördlichen Dorfende eine Windmühle errichtet, die im Jahr 1860 von ihrem Standort zwischen Delitzscher und Diesterwegstraße auf die Anhöhe in der Delitzscher Straße Nr. 180 verlegt wurde. Das Gebäude wurde im Jahr 1889 niedergelegt.
Der erste Gemeinderat des Dorfes wurde am 22. April 1839 in der Eutritzscher Gosenschänke gewählt. Zu einer ersten größeren Ortserweiterung kam es ab den 1840er Jahren entlang der Delitzscher Straße zwischen Marktplatz und Kunadstraße, als sich eine Kammgarnspinnerei und eine Wollkämmerei zwischen Kunadstraße und Schiebestraße angesiedelt hatten. Die Eisenbahnlinie Leipzig-Halle, die die Delitzscher Straße an der Einmündung der Theresienstraße querte, wurde am 18. August 1840 eröffnet. mini|Frühe Fabrik in Eutritzsch (1856) mini|Eutritzscher Rathaus (bis 1975) Im Jahr 1850 siedelte sich eine Buchbinderleinenfabrik in Eutritzsch an (heute Standort der Wohnanlage Schinkelstraße). Fünf Jahre später, im Jahr 1855, wurde in Eutritzsch die erste Landmaschinenfabrik Deutschlands gegründet. Im gleichen Jahr wurde am 22. März die Thüringer Eisenbahn gebaut, die zwischen Blumen- und Blochmannstraße verlief. Die Leipzig-Bitterfelder Eisenbahn wurde am 1. Februar 1859 an der Banngrenze zwischen Eutritzsch und Mockau errichtet. Am 6. November 1860 gründete sich der Eutritzscher Turnverein. Im gleichen Jahr war im ehemaligen Hirtenhaus am Eutritzscher Markt ein Kindergarten eingerichtet worden. Im Folgejahr 1861 nahmen die Eutritzscher Ziegelwerke ihre Produktion auf.
Aufgrund der angestiegenen Kinderzahlen baute man im Jahr 1863 in der Delitzscher Straße Nr. 110 ein neues Schulhaus. Eine erste Poststelle wurde in Eutritzsch im Jahr 1864 eröffnet. Die Gasbeleuchtung der Straßen installierte man im Jahr 1867. Die Chemische Fabrik Eutritzsch wurde im Jahr 1868 in der Zschortauer Straße gegründet und sorgt ab diesem Zeitpunkt für starke Umweltbelastungen.
Im Gefolge der wirtschaftlichen Prosperitätsphase nach der Deutschen Reichsgründung des Jahres 1871 siedelten sich in den 1870er Jahren in Eutritzsch zusätzliche Betriebe an: eine Druckfarbenfabrik, eine Eisengießerei, eine Eisenbaufabrik, eine Metallfedernfabrik für Fahrzeuge, eine Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen, eine Ziegelei sowie eine Baufabrik. In den 1880er Jahren nahmen zehn Gärtnereien in Eutritzsch ihre Produktion auf, so dass sich Eutritzsch zu einem bedeutenden Samenproduktionszentrum im Deutschen Reich entwickelte.
Das Dorf wurde in dieser Zeit um große Mietshausblöcke im Stil der Gründerzeit vor allem zwischen Delitzscher Straße und Wittenberger Straße erweitert, während westlich der Delitzscher Straße die offene und nicht so hochgeschossige Bauweise vorherrschte. Eine erste Apotheke wurde im Jahr 1878 eingerichtet. Im gleichen Jahr kam es zum Umbau der Eisenbahnstrecke Möckern-Leipzig mit großen Eisenbahnbrückenbauten über die Delitzscher und die Theresienstraße. Ein großes Armenhaus wurde in den Jahren 1886/1887 errichtet. Im Folgejahr 1888 wurde das neue Eutritzscher Rathaus am Marktplatz eingeweiht. Es war nach den Entwürfen des Leipziger Architekten Ottomar Jummel, der auch das Bismarckhaus am Leipziger Marktplatz entworfen hatte, in den Formen der Neorenaissance errichtet worden. Als Stadtteilrathaus diente es noch bis 1975, danach als Postamt, polizeiliche Meldestelle und Standesamt. Seit 2004 beherbergt es Geschäftsstelle und Verwaltung der Wohnungsgenossenschaft Transport Leipzig (Wogetra).
Stadtteil von Leipzig mini|Wohnanlage an der Theresienstraße (1929–31) mini|Businesspark an der Maximilianallee
mini|Passage im Eutritzscher Zentrum