mini|Neven-DuMont-Haus in Köln-Niehl, Amsterdamer Straße 192 (2011)
Die DuMont Mediengruppe mit Sitz in Köln ist ein deutsches Medienunternehmen in Familienhand; es wird heute in der zwölften Generation geführt.
Geschichte mini|Marcus DuMont, Relief am DuMont-Brunnen, Breite Straße, Köln mini|Plakat von M. DuMont Schauberg aus dem Jahr 1909 nach August Neven Du Mont für die „IXe Ausstellung Cölner Künstler im Kunst-Gewerbe-Museum“
Die Wurzeln der DuMont Mediengruppe liegen in den Anfängen des 17. Jahrhunderts: Die 1620 gegründete Hilden’schen Buchdruckerei zu Köln von Bertram Hilden, von seinem Sohn Peter Hilden († 1683)DuMont-Sc (hauberg, Familie.) In: zeno.org, abgerufen am 26. Mai 2012 fortgeführt, ging 1735 in der Druckerei von Gereon Arnold Schauberg auf. Die spätere Kölnische Zeitung wurde bei Schauberg und dessen Erben gedruckt. Die heutige Unternehmensgruppe entstand im Juni 1802 mit dem Erwerb der Kölnischen Zeitung durch die Erben Schauberg. In: dumont.de, abgerufen am 16. Juni 2013 Am 10. Juni 1805 wurde die Druckerei für 1400 Reichstaler von Marcus DuMont gekauft, der im gleichen Jahr Maria Katharina Jacobina Schauberg (1779–1845) geheiratet hatte. Dazu übernahm er auch die Rechte an der Kölnische Zeitung mit der Auflage von nur 250 Exemplaren.Werner Jung: Das neuzeitliche Köln – Der historische Stadtführer. J. P. Bachem, Köln 2009, 2. Auflage, ISBN 978-3-7616-1590-4, S. 247.
Während der französischen Besatzung wurde 1809 der Verkauf der Kölnischen Zeitung verboten. Nach Intervention bei Kaiser Napoléon bekam der Verlag Entschädigungszahlungen von 4000 Francs und durfte den Mercure de la Roër wie auch ein Anzeigenblatt drucken. Am Tag nach dem Ende der französischen Besatzung in Köln, erschien am Sonntag, den 16. Januar 1814 die Kölnische Zeitung, bei der M. DuMont wieder Redakteur war.
Mit dem aus dem Krieg zurückkehrenden Johann P. G. W. Bachem gründete er 1815 die DuMont-Bachem’sche Buchhandlung, die den Verlagsbereich für Bücher wie auch Sortimente (Periodica) von DuMont übernahm und 1816 ihr erstes eigenes Buch herausbrachte. Die Druckerei von M. DuMont und die Kölnische Zeitung wurden nicht in das Gesellschaftsvermögen überführt. Bachem eröffnete 1816 zusammen mit seinem Bruder Lambert Bachem eine Leihbücherei, in der der Bruder arbeitete und der junge August Reichensperger häufiger Kunde war. Bereits nach drei Jahren trennten sich die Wege der Gründer. DuMont sortierte seine Geschäfte neu und gründete am 1. April 1818 die DuMont-Schauberg’sche Buchhandlung und das Verlagshaus M. DuMont Schauberger (MDS). Bachem erweiterte im Mai 1818 die Leihbücherei um eine Sortimentsbibliothek, schaffte eigene Druckerpressen an und gründete den Verlag J. P. Bachem.
Marcus DuMont starb 1831. Sein zwanzigjähriger Sohn Joseph DuMont übernahm die Buchhandlung, die Zeitung und die Redaktion und leitete mit seiner Mutter den Vertrieb von Verlag, Sortimenten (heute genannt: Periodika) und Zeitungen bis 1844. Nach dem Jahreswechsel, zum 1. Januar 1845 gingen die Verantwortlichkeiten in das gemeinsame Eigentum der Brüder Joseph und Michel DuMont über. Im Jahr 1847 teilten sie die Geschäftszweige auf. Joseph leitete danach die Zeitung und die Druckerei M. DuMont Schauberg, während Michel den Verlag und Sortimentsbuchhandlung übernahm.
Joseph DuMont starb 1861 und im Jahr 1862 übernahmen seine Erben die Druckerei und das Zeitungsgeschäft. Die bekannten Teilhaber waren zu dem Zeitpunkt Sohn Ludwig DuMont, der den Verlag nicht leiten konnte, weil er noch nicht volljährig war, Ferdinand Wilhelm Schulze, der die treuhänderische Leitung von Verlag und Zeitung übernahm und vorher schon stellvertretender Verlagsleiter war, und Schwiegersohn August Neven(-DuMont), Ehemann von Christine DuMont (1836–1903). In den nächsten fast zwei Dekaden leiteten Ludwig DuMont und Schulze die Verlagsgeschäfte alleine, während August Neven im väterlichen Betrieb arbeitete.Manfred Pohl: M. DuMont Schauberg: Der Kampf um die Unabhängigkeit des Zeitungsverlags unter der NS-Diktatur. Campus Verlag, Frankfurt 2009, ISBN 978-3-593-38919-6, S. 33–39. Eingeschränkte Vorschau, abgerufen am 11. April 2019.Ulrich S. Soénius: Neven DuMont, August Libert. In: Deutsche Biographie, online, abgerufen am 11. April 2019.
Bis 1864/65 wurde der Name der Familie, der bis dahin in Schriftstücken und auch in den Verlagsbezeichnungen in zwei Worten Du Mont geschrieben wurde, in ein Wort mit großem M DuMont zusammengefasst. Im Jahr 1866 hatte sich die Kölnische Zeitung von einer wöchentlichen zu einer täglich erscheinenden überregionalen Zeitung erweitert, so dass eine freitags erscheinende Wochen-Ausgabe mit einer Zusammenfassung der Ereignisse der vorangegangenen Tage für weit entfernt lebende Interessenten und für das Wochenendgeschäft entwickelt wurde. Für den Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871) gab der Verlag eine Feldzeitung heraus. August Schmits übernahm 1872 den Posten des Chefredakteurs der Zeitung.Wolther von Kieseritzky: Liberalismus und Sozialstaat : Liberale Politik in Deutschland zwischen Machtstaat und Arbeiterbewegung (1878–1883). Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien, 2002, S. 160. Eingeschränkte Vorschau, abgerufen am 11. April 2019.
mini|Die Aktienurkunden der Arienheller Sprudel- und Kohlensäure-AG von 1898 wurden von DuMont-Schauberg hergestellt. Der Kölner Stadt-Anzeiger erschien im November 1876 als regionale Ergänzung und Anzeigenblatt zur überregionalen Kölnischen Zeitung und in Konkurrenz zum Generalanzeiger der Stadt Köln, der ein Jahr zuvor von Joseph La Ruelle in Köln herausgegeben, aber bald nach Erscheinen des Kölner Stadtanzeigers wieder eingestellt wurde. Im Jahr 1879 führte der Verlag den Wetternachrichtendienst als zusätzlichen Leserservice in der deutschen Presse ein. Als Ludwig DuMont und kurz danach Ferdinand Wilhelm Schulze im Jahr 1880 verstarben, übernahm August Neven(-DuMont) zusätzlich zu seinen Aufgaben im väterlichen Betrieb auch den Verlag M. DuMont Schauberg. Er holte in dem Jahr seinen Sohn Josef und 1892 seinen Sohn Alfred in das Verlagshaus. Erst im Jahr 1882 bekam Neven und seine Familie durch eine königlich preußische Namensvereinigung die Erlaubnis zusätzlich zu seinem Geburtsnamen auch den Geburtsnamen seiner Frau als Doppelnamen Neven DuMont zu führen.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Personenstandsarchiv Rheinland, Zivilstandsregister, Landgerichtsbezirk Köln, Standesamt Köln, Geburten, 1857, Urkunde Nr. 2535 Im gleichen Jahr gründete August Neven DuMont auf Anregung der Reichsregierung die Straßburger Post, um die Eingliederung der Bevölkerung von Elsaß-Lothringen ins Reich publizistisch zu unterstützen. Die letzte Ausgabe erschien am 11. November 1918.
Als August Neven DuMont im Jahr 1896 starb, übernahmen seine Söhne Alfred Neven DuMont und Josef Neven DuMont die Leitung des Verlagshauses M. DuMont Schauberg als vollberechtigte Teilhaber. Nachdem 1915 Josef Neven DuMont gestorben war, wurde August Neven DuMont zum Seniorpartner des Unternehmens, während sein Neffe August Neven DuMont zwar Teilhaber war, aber noch im Ersten Weltkrieg kämpfte. Danach leiteten sie zusammen die Geschäfte des Verlags M. DuMont Schauberg.
mini|Kölner Notgeld von 1921 mit Unterschrift Adenauers und Eindruck „M. Dumont Schauberg, Köln“10 Pfennig und Rückseiten mini|links|Werbeplakat für Dunlop (1925) In der Weimarer Republik ließ die Stadt Köln ab 1923 bei M. DuMont Schauberg einen Teil des Notgelds drucken.Tobias Christ: Kölner Notgeld : Als ein Liter Milch 280.000 Mark kostete. In: Kölner Stadt-Anzeiger, Online, 13. Februar 2017. KSTA, abgerufen am 11. April 2019. Im Jahr 1926 erschien die Kölnische Illustrierte Zeitung erstmals. Die Rolle und die Verstrickungen des Verlagshauses in der Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere die des Mitinhabers Kurt Neven DuMont war wiederholt Gegenstand von Kontroversen. Im Artikel „Klüngeln im Krieg“ der Zeitschrift Der Spiegel vom 13. Februar 2006 war Verlag und Familie unter anderem vorgeworfen worden, von Enteignungen jüdischer Nachbarn profitiert zu haben und zu den Profiteuren „arisierter“ jüdischer Grundstücke zu zählen. Der Artikel stützte sich im Wesentlichen auf Recherchen des Kölner Autors Ingo Niebel, der später einräumte, beim „zu raschen Durchblättern“ einer Rückerstattungsakte zentrale Hinweise übersehen zu haben. Nachdem Niebel eine eidesstattliche Erklärung abgegeben hatte, wurde die Zeitschrift Der Spiegel aufgrund einer Klage des Verlages vom Landgericht Köln verurteilt, die unwahren Behauptungen unter Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250.000 Euro oder bis zu sechs Monaten Ordnungshaft für jeden Fall der Zuwiderhandlung zu unterlassen.
Die NSDAP-Mitgliedschaft Kurt Neven DuMonts zumindest war bis zu den Recherchen des Spiegel und Ingo Niebels weitgehend unbekannt gewesen.Christoph Hardt: Befleckte Familienehre. In: handelsblatt.com, abgerufen am 26. Mai 2012 Das Haus ließ aufgrund der Vorwürfe die eigene Geschichte durch Mitarbeit des Unternehmenshistorikers Manfred Pohl aufarbeiten. Diese Auftragsarbeit wurde von einigen Kritikern als „relativierend“ angesehen.Im Schatten des Vaters. In: taz.de, abgerufen am 26. Mai 2012 Ein weiterer Vorwurf lautete, die Verlagsinhaber hätten mit der NSDAP eng zusammengearbeitet, sowohl vor 1933, als sie sich für ein Zusammengehen des Bürgertums mit Hitler eingesetzt hätten, als auch während des Krieges: „Die Kölnische gehörte zu den wenigen Zeitungen, die die Propagandaabteilung der Wehrmacht für so linientreu hielten, dass sie sie den Frontsoldaten zukommen ließen.“ Die Kölnische Zeitung und der Stadtanzeiger konnten, im Gegensatz zu anderen Zeitungen im Deutschen Reich, noch bis kurz vor dem Einmarsch der Alliierten erscheinen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Stadt-Anzeiger nach dem Wiedererscheinen im Oktober 1949 als führende Kölner Zeitung aus einem harten Wettbewerbskampf mit der 1946 gegründeten, der CDU nahestehenden Kölnischen Rundschau hervor. Im Februar 1964 kam die Boulevardzeitung Express auf den Markt, die die Monopolstellung der Bild in der Region brechen konnte. Nach der Deutschen Wiedervereinigung erfolgte die Übernahme der Mitteldeutschen Zeitung. Das lokale Konkurrenzblatt Kölnische Rundschau wurde 1999 übernommen.
Im April 1998 zog der Verlag vom bisherigen „Pressehaus“ in der Breite Straße 70–72 in die Amsterdamer Straße 192, wo ein 160 Millionen DM kostender Neubau bezogen werden konnte. Zwischen 1999 und 2001 war der Verlag einer der Beteiligten im sogenannten Kölner Zeitungskrieg und ab 2000 Herausgeber der kostenlosen Tageszeitung Kölner Morgen, die mit einer Auflage von 100.000 Stück erschien. Der Verlag klagte parallel dazu zunächst vor dem Oberlandesgericht Köln gegen den Wettbewerber Schibsted-Verlagsgruppe und verlor den Prozess schließlich vor dem Bundesgerichtshof.BGH, Urteil vom 20. November 2003, Az.: I ZR 151/01 Am 6. Juli 2005 hob das Oberlandesgericht Düsseldorf ein Veto des Bundeskartellamts auf. DuMont Schauberg durfte daraufhin höhere Anteile (2012: 18 %) am Verlag des Bonner General-Anzeigers übernehmen.OLG Düsseldorf, Beschluss vom 6. Juli 2005, Az. VI-Kart 26/04 (V)