mini|2025 Verteidigungsetat nach Land in Milliarden US-Dollar. (PPP = GDP-purchasing power parity) Der Verteidigungshaushalt, auch Verteidigungsbudget oder Verteidigungsetat (auch mit dem Präfix „Wehr-“ oder „Militär-“) genannt, umfasst alle Investitionen und Geldausgaben, die ein Staat über einen eingegrenzten Zeitraum hinweg für strategische Aktivposten tätigt. Erweiterte Definitionen erstrecken sich, neben den Verteidigungshaushalten der souveränen Staaten, auf die Militärausgaben derjenigen wenigen nichtstaatlichen politischen Akteure mit einem konstanten Zugriff auf finanzielle Ressourcen, die ihnen einen flexiblen Gewalteinsatz zu politischen Zwecken erlauben. Dazu zählen vor allem paramilitärische Vereinigungen.
Beschreibung Ein Verteidigungsetat wird meist im jährlichen Turnus veranschlagt, auch wenn viele Investitionen für einen wesentlich längeren Zeitraum vorgesehen sind. Ein in regelmäßigen Abständen veranschlagter Verteidigungshaushalt ging, historisch betrachtet, aus dem Übergang von zweckgebunden ausgehobenen oder angeworbenen Streitkräften (beispielsweise Bauernheere respektive Landsknechte) zu stehenden Heeren einher.
Die Konfliktforschung befasst sich mit Verteidigungsausgaben als einem Faktor, der gewalttätige politische Konflikte begünstigen kann, während die Internationalen Beziehungen in einem komparativen Rahmen untersuchen, unter welchen Umständen getätigte Verteidigungsausgaben das Sicherheitsdilemma auslösen, beispielsweise im Rahmen eines Rüstungswettlaufes.
Über den seit Jahrzehnten größten Verteidigungshaushalt in einer Größenordnung von mehreren hundert Milliarden US-Dollar pro Jahr verfügen die Vereinigten Staaten. Die internationale Vergleichbarkeit und Aussagekraft der aufgeführten Zahlen wird unter anderem durch die mangelnde Berücksichtigung der je nach Land unterschiedlich hohen Einstandspreise beeinträchtigt, die im Militärbereich nur unzureichend untersucht sind. Schätzungen auf Basis von Kaufkraftparität sind insbesondere bei Entwicklungs- und Schwellenländern in vielen Fällen um ein Vielfaches höher als hier genannt, wodurch sich die tatsächlichen Verhältnisse der Ausgaben verschieben.Peter E. Robertson: The Real Military Balance: International Comparisons of Defense Spending. In: Review of Income and Wealth. 2022. Frequently asked questions. Stockholm International Peace Research Institute, abgerufen am 3. August 2022.
Definitionsansätze Das Stockholmer Institut für Friedensforschung (SIPRI), ein in den Internationalen Beziehungen anerkanntes Forschungsinstitut, definiert die Finanzierung folgender strategischer Kapazitäten als Verteidigungshaushalt:
Streitkräfte, darunter alle Kontingente, die ein Staat für Friedensmissionen bereitgestellt hat Verteidigungsministerien sowie alle Behörden, die an der Ausarbeitung und Durchführung militärisch relevanter Projekte beteiligt sind paramilitärische Kräfte, die für militärische Operationen ausgebildet, ausgerüstet und bereitgestellt werden die militärische Nutzung des Weltraums
Typischerweise umfasst ein Verteidigungshaushalt folgende Aktivposten:
Personalausgaben, darunter alle laufenden Ausgaben für militärisches und ziviles Personal reguläre Pensionen des militärischen Personals Sozialtransfers für das Personal sowie ihre Familien Operations- und Betriebskosten militärische Forschung und Entwicklung (Research & Development, R&D) militärische Baukosten militärische Entwicklungshilfe
Mangels unmittelbaren Bezuges zum militärischen Zweck eines Verteidigungshaushaltes schließt das SIPRI folgende Posten von seinen Berechnungen aus:
Zivilschutz Folgekosten bereits getätigter Investitionen, wie Sozialleistungen für Veteranen, Demobilisierungskosten, Ausgaben für die zivile Nutzung militärischer Liegenschaften und Rüstungsgüter sowie Entwaffnungs- und Entschärfungskosten
Die volkswirtschaftlichen Kosten bzw. Einsparungen im Verteidigungsetat dadurch, dass der Sold von Wehrpflichtigen generell niedriger liegt als das Gehalt, das denselben Personen bzw. den Berufssoldaten bei freiwilliger Beschäftigung in den Streitkräften gezahlt werden müsste, bzw. als das Einkommen, dass den Wehrpflichtigen durch die Zeit des Wehrdienstes in anderen Berufen entgeht, wird grundsätzlich nicht im Verteidigungsetat bilanziert. Vergleiche der Finanzausstattung von Freiwilligenarmeen und Armeen mit Wehrpflichtigen sind dadurch nur begrenzt aussagekräftig.
Weltweite Entwicklung mini|Inflationsbereinigte Militärausgaben der Welt von 1950 bis 2022 Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut beziffert die weltweiten Verteidigungsausgaben auf 1,531 Billionen US-Dollar für das Jahr 2009, was einen Realanstieg von 6 % gegenüber dem Vorjahr und von 49 % gegenüber dem Jahr 2000 bedeute. Dies entspreche einem Anteil am Weltbruttoinlandsprodukt von 2,7 % und einem Pro-Kopf-Aufwand von 224 US-Dollar. Das größte Wachstum in diesem Bereich verzeichne Osteuropa mit einem Anstieg von 108 Prozent innerhalb von zehn Jahren.
Russland weist geheime oder «geschlossene» Posten bei den Haushaltsausgaben auf, welche sich auf insgesamt 4,6 % des BIP belaufen. „Es ist wahrscheinlich, dass hier nicht Ausgaben für Bildung oder Gesundheit verschleiert werden sollen, sondern weitere Aufwendungen für militärische Zwecke und Geheimdienstoperationen.“ meinte die NZZ im Jahr 2015.Russlands imperialer Irrweg. In: NZZ, 19. Juni 2015
2024 beliefen sich die weltweiten Verteidigungsausgaben auf 2,718 Billionen US $ (Zahlenformat gemäß langer Skala, SIPRI verwendet die in den USA übliche kurze Skala, also 2718 Billionen; ausgeschrieben 2.718.000.000.000), das entspricht 2,5 % des Welt-BIP und 334 $ pro Kopf, ein Anstieg um 9,4 % gegenüber dem Vorjahr, der größte jährliche Anstieg seit mindestens 1988, und um 37 % gegenüber 2015. Grund für den starken Anstieg ist vor allem der Krieg in der Ukraine sowie die zunehmenden Spannungen in Asien, Ozeanien und im Nahen Osten.
2008 Laut SIPRI brachten die Vereinigten Staaten von den weltweiten Verteidigungsausgaben im Jahr 2008 43 % auf, gefolgt von der Volksrepublik China mit 6,6 %, Frankreich mit 4,2 % und dem Vereinigten Königreich mit 3,8 %.
Die untere Tabelle gibt die Schätzung des Stockholmer Friedensforschungsinstituts über den Verteidigungsetat 2008 der 15 Staaten mit den größten Verteidigungsetats der Welt wieder.The 15 major spender countries in 2008 (table). In: Stockholm International Peace Research Institute. Military Spending and Armament. Stockholm International Peace Research Institute; abgerufen am 14. Juli 2009.
Rang Land Ausgaben(Mrd. USD) Anteil an denweltweitenAusgaben Pro-Kopf-Ausgaben(in USD) Anteilam BIP(2007) Veränderungggü. 1999(%) 1 607,0 41,5 1.967 4,0 66,5 2 (84,9) (5,8) (63) (2,0) 194 3 65,7 4,5 1.061 2,3 3,5 4 65,3 4,5 1.070 2,4 20,7 5 (58,6) (4,0) (413) (3,5) 173 6 46,8 3,2 568 1,3 −11,0 7 46,3 3,2 361 0,9 −1,7 8 40,6 2,8 689 1,8 0,4 9 38,2 2,6 1.511 9,3 81,5 10 30,0 2,1 25 2,5 44,1 11 24,2 1,7 501 2,7 51,5 12 23,3 1,6 120 1,5 29,9 13 19,3 1,3 581 1,2 37,4 14 19,2 1,3 430 1,2 37,7 15 18,4 1,3 876 1,9 38,6
Anmerkung:Angaben in Klammern sind Schätzungen, während das saudische Verteidigungsbudget möglicherweise Ausgaben für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung enthält und damit unter Umständen überschätzt wurde.
2011 Daten nach Angaben von SIPRI Platz Land Ausgaben 2011(in Milliarden US-Dollar) 1 711,4 2 142,9 3 71,9 4 62,7 5 62,5 6 59,3 7 48,9 8 48,5 9 46,7 10 35,41134,51230,81326,71424,71517,91616,41715,21811,81911,0209,7
2013 + Daten nach Angaben von SIPRI Rang Land Ausgaben Anteil am BIP Entwicklung 2004–13† 1 640,0 Mrd. US-Dollar 3,8 % 12 % 2 188,0 Mrd. US-Dollar 2,0 %170 % 3 87,8 Mrd. US-Dollar 4,1 %108 % 4 67,0 Mrd. US-Dollar 9,3 %118 % 5 61,2 Mrd. US-Dollar 2,2 %6,4 % 6 57,9 Mrd. US-Dollar 2,3 %2,5 % 7 48,8 Mrd. US-Dollar 1,4 %3,8 % 8 48,6 Mrd. US-Dollar 1,0 %0,2 % 9 47,4 Mrd. US-Dollar 2,5 %45 % 10 33,9 Mrd. US-Dollar 2,8 %42 % 11 32,7 Mrd. US-Dollar 1,6 %26 % 12 31,5 Mrd. US-Dollar 1,4 %48 % 13 24,0 Mrd. US-Dollar 1,6 %19 % 14 19,1 Mrd. US-Dollar 2,3 %13 % 15 19,0 Mrd. US-Dollar 4,7 %85 %
Kursive Daten sind Schätzungen. Daten der V.A.E. betreffen das Jahr 2012.†in konstanten Preisen von 2012
2016
Daten nach Angaben von SIPRI Rang Land Ausgaben Anteil am BIP 1 611,2 Mrd. US-Dollar 3,3 % 2 215,7 Mrd. US-Dollar 1,9 % 3 69,2 Mrd. US-Dollar 5,3 % 4 63,7 Mrd. US-Dollar 10,0 % 5 55,9 Mrd. US-Dollar 2,5 % 6 55,7 Mrd. US-Dollar 2,3 % 7 48,3 Mrd. US-Dollar 1,9 % 8 46,1 Mrd. US-Dollar 1,0 % 9 41,1 Mrd. US-Dollar 1,2 % 10 36,8 Mrd. US-Dollar 2,7 % 11 27,9 Mrd. US-Dollar 1,5 % 12 24,3 Mrd. US-Dollar 2,0 % 13 22,8 Mrd. US-Dollar 1,3 % 14 22,8 Mrd. US-Dollar 5,7 % 15 17,8 Mrd. US-Dollar 5,8 % 16 17,8 Mrd. US-Dollar 1,0 % 17 14,9 Mrd. US-Dollar 1,2 % 18 14,9 Mrd. US-Dollar 2,0 % 19 12,3 Mrd. US-Dollar 3,0 % 20 10,6 Mrd. US-Dollar 6,7 %
2018
Daten nach Angaben von SIPRI Rang Land Ausgaben Anteil am BIP 1 649,0 Mrd. US-Dollar 3,2 % 2 250,0 Mrd. US-Dollar 1,9 % 3 67,6 Mrd. US-Dollar 8,8 % 4 66,5 Mrd. US-Dollar 2,4 % 5 63,8 Mrd. US-Dollar 2,3 % 6 61,4 Mrd. US-Dollar 3,9 % 7 50,0 Mrd. US-Dollar 1,8 % 8 49,5 Mrd. US-Dollar 1,2 % 9 46,6 Mrd. US-Dollar 0,9 % 10 43,1 Mrd. US-Dollar 2,6 %1127,8 Mrd. US-Dollar1,3 %1227,8 Mrd. US-Dollar1,5 %1326,7 Mrd. US-Dollar1,9 %1421,6 Mrd. US-Dollar1,3 %1519,0 Mrd. US-Dollar2,5 %1618,2 Mrd. US-Dollar1,3 %1715,9 Mrd. US-Dollar4,3 % 18 13,2 Mrd. US-Dollar 2,7 %1911,6 Mrd. US-Dollar2,0 %2011,4 Mrd. US-Dollar4,0 %
Kursive Daten sind Schätzungen.
2022
Daten nach Angaben von SIPRI +RangLandAusgabenAnteil am BIP1877,0 Mrd. US-Dollar3,5 %2292,0 Mrd. US-Dollar1,6 %386,4 Mrd. US-Dollar4,1 %481,4 Mrd. US-Dollar2,4 %5 75,0 Mrd. US-Dollar7,4 %668,5 Mrd. US-Dollar2,2 %755,8 Mrd. US-Dollar1,4 %853,6 Mrd. US-Dollar1,9 %946,4 Mrd. US-Dollar2,7 %1046,0 Mrd. US-Dollar1,1 %1144,0 Mrd. US-Dollar34,0 %1233,5 Mrd. US-Dollar1,7 %1332,3 Mrd. US-Dollar1,9 %1426,9 Mrd. US-Dollar1,2 %1523,4 Mrd. US-Dollar4,5 %1620,3 Mrd. US-Dollar1,5 %1720,2 Mrd. US-Dollar1,1 %1816,6 Mrd. US-Dollar2,4 %1915,6 Mrd. US-Dollar1,6 %2015,4 Mrd. US-Dollar7,0 % Kursive Daten sind Schätzungen.
2024
Daten nach Angaben von SIPRI +RangLandAusgaben in Mrd. US-$Anteil am BIP in %Anteil an der Welt in % 1997,03,437,02314,01,712,03149,07,15,5488,51,93,3586,12,33,2681,82,33,0780,37,33,0864,734,02,4964,72,12,41055,31,42,01147,62,61,81246,58,81,71338,04,21,41438,01,61,41533,81,91,21629,31,31,11725,01,91,01824,61,40,91923,21,90,72021,88,00,7 Kursive Daten sind Schätzungen.
Deutschland
Kalter Krieg Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Es hatte keine Streitkräfte und damit auch keinen Verteidigungshaushalt. Der Aufbau von Streitkräften erfolgte in der DDR zunächst nominell in Form von Polizeikräften (ab 1948, „Bereitschaften der Volkspolizei“, ab 1952: Kasernierte Volkspolizei). In der Bundesrepublik entstand 1950 das Amt Blank zur Vorbereitung der Wiederbewaffnung. Die Kosten dieser Organisationen wurden nicht als Verteidigungshaushalt ausgewiesen. Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR wurde 1956 gegründet. Die Bundeswehr wurde 1955 gegründet und die Bundesrepublik wurde am 6. Mai 1955 Mitglied der NATO. Bedingt durch die Umstände des Kalten Krieges stiegen die Verteidigungsetats beider deutscher Staaten Ende der 1950er Jahre stark an. 1960 umfasste der Verteidigungsetat der Bundesrepublik Deutschland 7,45 Milliarden DM und der Anteil am Bundeshaushalt betrug 24,6 Prozent.