Die Oderberger Straße in Berlin-Prenzlauer Berg ist eine Fahrradstraße im Ausgehviertel zwischen Kulturbrauerei und Mauerpark. 1961–1989 lag sie an der Berliner Mauer. Ihre Anwohnerschaft war seit den 1980er Jahren bekannt für vielfältige politische, künstlerische und nachbarschaftliche Initiative. Benannt ist die Straße nach der Stadt Oderberg im Landkreis Barnim.

Lage Gut 1,7 Kilometer nördlich des Alexanderplatzes beginnt die Straße an der Kreuzung mit der Schönhauser Allee gegenüber der Kulturbrauerei und führt in nordwestlicher Richtung über die Kastanienallee hinweg zur Schwedter Straße am südlichen Eingang des Mauerparks. Die Hausnummern 1–62 verlaufen in Hufeisenform beginnend an der Schönhauser Allee.

Straßenbild Die Bebauung mit fünf- bis sechsgeschossigen Häusern aus der Gründerzeit ist fast vollständig erhalten. Hausnummer 24 steht die 1883 erbaute Feuerwache Prenzlauer Berg. Die Hausnummer 57–59 hat das heutige Hotel und ehemalige Stadtbad Oderberger Straße, 1902 errichtet von Ludwig Hoffmann.

Oderberger Straße und Kastanienallee bilden seit den 1990er Jahren einen Schwerpunkt des Ausgeh- und Nachtlebens in Prenzlauer Berg. Neben überwiegender Gastronomie gibt es einige Bekleidungsgeschäfte und Handwerksbetriebe. In Richtung Schönhauser Allee ist die Straße seit den 1980er Jahren für den Kraftverkehr eine Sackgasse, seit 2022 ist sie auf gesamter Länge eine Fahrradstraße.Oderberger Straße. infraVelo GmbH (Grünberlin).

Zwei Baumarten prägen die Oderberger Straße: im südöstlichen Teil am Stadtbad stehen zahlreiche Ahornblättrige Platanen (Platanus acerifolia), gepflanzt ab 1958 und bis zu 25 Meter hoch. Zwischen Kastanienallee und Eberswalder Straße steht seit 1947 eine Reihe Echter Rotdorn (Crataegus laevigata Paul’s Scarlet), zum Teil durch jüngere Pflanzungen ersetzt.Karte: Baumbestand Berlin. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Geoportal Berlin; stadt-berlin.de In den 1990er Jahren legten Anwohner eine umfangreiche Begrünung mit weiteren Bäumen und Hochbeeten an, die bei einem Straßenumbau 2011 dank einer Nachbarschaftsinitiative in großen Teilen erhalten blieb.

Geschichte Der Name Oderberger Straße war der erste Name der heutigen Rathausstraße in Berlin-Mitte, die zu den ältesten Straßen der Stadt gehört. Über fast vierhundert Jahre, vom späten 13. bis ins 17. Jahrhundert, führte die Oderberger Straße von der Spandauer Straße nordostwärts bis zum Oderberger Thor in Höhe des heutigen Fernsehturms.Ernst Fidicin: Berlin: historisch und topographisch dargestellt. Jonas, Berlin 1843, S. 53–54.Archäologisches Informationssystem Berlin (AISBer) des Landesdenkmalamts Berlin: Mittelalterliche Stadtmauer. (Karte im Geoportal Berlin, abgerufen am 20. Mai 2026)

Das Gebiet der heutigen Oderberger Straße gehörte nach der Separation 1780 zum ausgedehnten Acker tractus des Vorwerks Niederschönhausen. Der Großgrundbesitzer Christian Wilhelm Griebenow kaufte 1823 das Ackerland und legte 1826 die Kastanienallee an, um die Umgebung zu erschließen und aufzuwerten. Der Bau der Oderberger Straße erfolgte in zwei Abschnitten, der Teil westlich der Kastanienallee von 1864–1867, der Ostteil ab Sommer 1884. Beide Male führte der Straßenbau durch das Land der Baumschule Lorberg.

1840er bis 1890er: Die Baumschule Lorberg 1845 errichtete der Materialist und Kolonialwarenhändler Gottlob Heinrich Ludwig Lorberg ein Haus an der Schönhauser Allee 152 und war dort ab 1849 als „Besitzer einer Baumschule“ registriert. Lorbergs Spezialität waren Rosengewächse und Obstbäume.Heinrich Lorberg: Verzeichniss der Rosensammlung. Berlin 1847. archive.org Südlich der heutigen Oderberger Straße eröffnete 1854 die Mägdeherberge Marthashof und 1858 die 15. Kommunalschule an der Kastanienallee, gelegen hinter dem heutigen Stadtbad und damals die erste Schule nördlich des Schönhauser Thores.Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin pro 1858/59. Berlin 1860. S. 13. zlb.deThomas Loy: Die Leere nach der Lehre. In: Tagesspiegel, 17. März 2005. tagesspiegel.de Für einen Ausbau der Schule verkaufte Lorberg 1862 einen Teil seines Baumschulgeländes.Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin., 12. Juni 1862, S. 222, Magistrat zu Berlin; zlb.de

mini|Baumschulen um die spätere Oderberger Straße (rot), 1861 1864 konkretisierten sich die Planungen der Stadtverwaltung für den Bau einer Kanalisation und Verbindungsstraße, die zwischen Kastanienallee und Schwedter Straße quer durch das Gelände der Lorberg’schen Baumschule laufen sollte (Planstraße 55, Abtheilung XI). Max Richard Lorberg verhandelte 1864–65 mit der Stadtverwaltung und verkaufte das neue Straßenland schließlich für 5.000 Thaler.Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin, Magistrat zu Berlin, 1865, S. 498–500; zlb.de Ein Stück nördlich, am Exerzierplatz, gehörte das Straßenland der Witwe Wilhelm Griebenows, Caroline.Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin, Magistrat zu Berlin, 1866, S. 24; zlb.de 1867 wurde die zu dieser Zeit noch unbewohnte Straße gepflastert.Etat für die Stadt-Haupt-Kasse der Haupt- und Residenzstadt Berlin pro 1867. In: Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin, Magistrat zu Berlin, Etats-Beilagen, Berlin 1867, S. 389; zlb.deCommunal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin, Magistrat zu Berlin, 1865, S. 242; zlb.de Ihre lichte Weite von neun Ruthen (33,9 Meter) war größer als die meisten neuen Straßen der Umgebung und entsprach der Breite der 1862 angelegten Bernauer Straße.Leopold Kraatz: Bebauungsplan der Umgebungen Berlins. Abtheilung XI. Revidirt im Jahre 1888. Berlin 1888; zlb.de Die Benennung in Oderbergerstraße erfolgte am 17. Oktober 1873.Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin, 19. Oktober 1873 (Benennung durch Allerhöchste Cabinets-Ordre); zlb.de

Obwohl bereits in vielen Plankarten seit den 1860er Jahren verzeichnet, wurde der südöstliche Teil der Oderberger Straße zwischen Kastanienallee und Schönhauser Allee tatsächlich erst 20 Jahre später angelegt. Für den Bau des dortigen Straßendammes traten die Lorbergs erst 1884 gut 2600 Quadratmeter ihres Landes an die Stadtverwaltung ab.Vorlage zur Beschlussfassung betreffend die Durchlegung der Oderbergerstraße nach der Schönhauser Allee. In: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin, 1884, S. 173; zlb.de Nach der Fertigstellung der Straße 1885Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin: No. XIX. Bericht über die städtische Bauverwaltung. 1885/1886, S. 11; zlb.de betrieben sie am Ort des späteren Stadtbades bis 1896 ein Kontor und bis 1910 eine Baumschule an der Schwedter Straße nördlich der Ringbahn, 2024 befand sich der Sitz der Baumschule Lorberg in Tremmen im Havelland.Lorberg Quality Plants GmbH & Co. KG. lorberg.com

Bau der Mietshäuser ab 1873 Die ersten größeren Mietshäuser wurden an der Nordseite der Straße Ecke Kastanienallee gebaut. 1874 errichtete dort der Bauunternehmer Hugo Bellien insgesamt sechs Häuser, darunter die heutigen Nummern 8 bis 12. Die Südseite der Straße blieb – mit Ausnahme der Hausnummer 41 (heute Nr. 49) – bis Mitte der 1880er Jahre wenig bebaut. Mit der Verlängerung der Straße bis an die Schönhauser Allee wurde die Hausnummerierung zum Jahr 1887 in die heutige Form geändert.Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin, Magistrat zu Berlin, 1887, S. 234; zlb.de 2024 standen 13 der 55 Mietshäuser unter Denkmalschutz, darunter das Haus Nummer 43, 1889 erbaut von den Architekten Thöns und Schmidtmann.Denkmalkarte Berlin. Geoportal Berlin, Stand: Januar 2024; stadt-berlin.de (Mietshaus Oderberger Straße 43)

1883: Zugwache 3 der Berliner Feuerwehr

Für den Bau der Feuerwache und einer dahinter gelegenen Schule kaufte die Stadt von der Witwe Griebenow 1881 ein knapp zwei Hektar großes Grundstück zwischen Oderberger Straße und Straße 53 (Eberswalder Straße). Dieses Grundstück lag damals etwa zweieinhalb Meter höher als das Straßenland. Für die Nivellierung mussten 35.000 Kubikmeter Lehm abgefahren werden.Berichterstattung betreffend die Vorlage wegen Ankaufs des an der Oderbergerstraße gelegenen Griebenow’schen Grundstücks. In: Stenographische Berichte über die öffentlichen Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung der Haupt- und Residenzstadt Berlin, 1881, S. 206–209; zlb.de Ende 1883 wurde das Gebäude für die Feuerwehr gebaut und Anfang 1885 war die Zugwache 3 in der Oderberger Straße 24 bereits mit einem Löschzug mit drei Gespannen ausgestattet.Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin: Bericht über die Verwaltung der Feuerwehr und des Telegraphen, 1886, No. XXI., S. 8; zlb.de Direkt hinter der Feuerwache eröffnete 1889 die 117. und 178. Gemeinde-Doppelschule mit Eingang in der Eberswalder Straße. Die Feuerwache Prenzlauer Berg war 2024 die zweitälteste betriebene Feuerwache Berlins.

1902: Stadtbad Oderberger Straße mini|Volksbadeanstalt, 1902

1896 kaufte die Stadt Berlin das letzte verbliebene Gelände der Baumschule Lorberg an der Oderberger Straße 57–59Bericht über die Gemeinde-Verwaltung der Stadt Berlin in den Verwaltungsjahren 1895 bis 1900, Berlin 1904, S. 143; zlb.de und errichtete dort bis 1902 das Volksbad in der Oderberger Straße, reich ornamentiert und geschmückt im Stil der Neorenaissance.Ludwig Hoffmann: Volksbad in der Oderberger Straße. In: ders.: Neubauten der Stadt Berlin. Band II. Hessling, Berlin 1903, S. A XIV ff.; architekturmuseum.ub.tu-berlin.de Architekt war der Stadtbaurat Ludwig Hoffmann. Das Bad war anfangs mit vier Lichthöfen und zusätzlich zum Schwimmbecken mit 60 Wannenbädern und ebenso vielen Brausebädern ausgestattet. In den ersten Jahren besuchten im Durchschnitt 1700 Menschen das Volksbad pro Tag.Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin für das Etatsjahr 1906: No. 21. Bericht über die städtischen Badeanstalten. S. 9. zlb.de Unter der Nationalsozialisten wurde das nun Stadtbad genannte Gebäude 1934–1938 umfangreich renoviert, die Lichthöfe wurden dabei überbaut. Verwaltungsbericht 1937. Umbauten im Stadtbad Prenzlauer Berg. Der Bürgermeister der Reichshauptstadt Berlin, S. 44; zlb.deDas Gesundheitswesen Berlins. In: Amtsblatt der Reichshauptstadt Berlin, Nr. 21, 21. Mai 1939, S. 409. Von 1986 bis 2016 ruhte der Badebetrieb, und das Haus wurde für Kunst- und Kulturveranstaltungen genutzt. Nach einem Umbau zum Hotel wurde das Schwimmbad ab 2016 privat betrieben.

1902: Gemeindeschule Oderberger Straße mini|Aula der Gemeindeschule, 1902 Zeitgleich mit dem Bad und direkt dahinter gelegen errichtete die Stadt die 200./214. Doppel-Gemeindeschule mit 31 Klassenzimmern. Architekt war ebenfalls Ludwig Hoffmann. Die Eingangstore für Mädchen und Knaben waren getrennt und befanden sich zu beiden Seiten des Stadtbades in zwei Häuserlücken an der Oderberger Straße. Hoffmann beschrieb die Schulfassade im Hinterhof als „sehr bescheiden gestaltet“, Innen allerdings wurde die Aula im Mittelbau „reicher ausgebildet“, mit Kassettendecke, aufwendigen Holzpaneelen und Wandflächen mit „aufschabloniert gedämpft rotem Teppichmuster.“Ludwig Hoffmann: Neubauten der Stadt Berlin. Band I. Hessling, Berlin 1902. S. VII ff. Der Mittelbau samt Aula wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und dann abgerissen. Die erhaltenen Seitenflügel gehörten 2024 zu einer privaten Sprachenschule.

Zweiter Weltkrieg