mini|hochkant|Otto Schenk (2010) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|150px|Autogramm Otto Schenk österreichischer Schauspieler Otto Schenk (* 12. Juni 1930 in Wien; † 9. Jänner 2025 in Oberhofen am Irrsee, Ortsteil Fischhof) war ein österreichischer Schauspieler, Kabarettist, Regisseur und Intendant.
Leben
Otto Schenk wurde als Sohn katholischer Eltern geboren. Sein Vater Eugen Alois Salman Schenk (1878–1956)Geburtenbuch der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, G 1878–1880, Geburtsbuch 34, Nr. 1542, 4. Eintrag von unten (Faksimile bei FamilySearch, kostenlose Registrierung erforderlich). war als Notar tätig, zudem war er nach dem Zweiten Weltkrieg Präsident des Österreichischen Eislaufverbandes. Seine Mutter Georgine Maria Anna Schenk (geb. Zadnik) (1893–1979) stammte aus Triest. Seine Eltern heirateten am 27. November 1922 in Wien–Landstraße.Pfarre St. Rochus, Trauungsbuch 02–37, 1921–1922, S. 189., abgerufen am 17. März 2025. Sein Großvater war der Wiener Embryologe Samuel Leopold Schenk. Da nicht nur seine Großeltern väterlicherseits, sondern auch sein Vater selbst getaufte Juden waren, wurde der Vater nach dem „Anschluss“ Österreichs im Jahr 1938 auf Basis der Nürnberger Gesetze diskriminiert.Pfarre St. Stephan, Taufbuch 01-121, 1877–1880, S. 222, abgerufen am 17. Juni 2026. Er verlor seinen bisherigen Arbeitsplatz als Jurist. Eine weitere Verfolgung blieb ihm erspart, da er mit einer „Arierin“ verheiratet war und dadurch in einer „privilegierten Mischehe“ lebte. Seine jüdische Großmutter Rosalia Schenk (1851–1942) wurde im Sommer 1942 von Wien in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 14. August 1942 im Alter von 91 Jahren ermordet wurde. Otto Schenk wiederum musste vorübergehend dem „Deutschen Jungvolk“ beitreten, wurde aber wenig später, da von den Nationalsozialisten als „Mischling“ eingestuft, wieder ausgeschlossen.
Schenk wuchs mit seiner zwölf Jahre älteren Schwester Bianca Schenk, die Eiskunstläuferin und Olympiateilnehmerin war,Fritz Neumann: Otto Schenk: Ich ohne Eis bin gar nicht vorstellbar. In: derstandard.at, 22. Oktober 2017, abgerufen am 1. Oktober 2025. im ersten Wiener Gemeindebezirk auf und hat darüber in der ORF-Doku Meine Innere Stadt (2017) berichtet.Otto Schenk, Paulus Manker, Brigitte Swoboda und Peter Rapp präsentieren am 16. Juli „Meine Innere Stadt“. apa.at, abgerufen am 28. Juli 2017.
Otto Schenk hatte ursprünglich literarische Ambitionen, seine Gedichte veröffentlichte er in einer Literaturzeitschrift. Nach seiner Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar begann er seine Karriere am Wiener Volkstheater und danach am Theater in der Josefstadt. Ab dem Jahr 1953 führte er bei verschiedenen Aufführungen in Wiener Theatern Regie. Im Jahr 1957 inszenierte er seine erste Oper (Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart) am Salzburger Landestheater. Schenk spielte und inszenierte an den bedeutendsten Schauspiel- und Opernhäusern der Welt, darunter am Wiener Burgtheater, den Münchner Kammerspielen, der Wiener Staatsoper, der New Yorker Metropolitan Opera, der Mailänder Scala und dem Royal Opera House in Covent Garden, London. Weitere Operninszenierungen erarbeitete er für die Deutsche Oper Berlin, die Bayerische Staatsoper oder die Hamburgische Staatsoper.
Im Jahr 1956 heiratete Schenk Renée Michaelis, die er am Reinhardt-Seminar kennengelernt hatte.Herbert Fechter, Franz Endler (Hrsg.): Otto Schenk: Nach aussen bin ich ja viel jünger. Mit Verzeichnissen der Theaterrollen und der Regiearbeiten für Schauspiel, Oper und Operette. Amalthea, Wien 2005, ISBN 3-85002-535-7, S. 271. 1957 wurde der gemeinsame Sohn Konstantin geboren, der Dirigent und Schauspieler ist.Konstantin Schenk Schauspieler, Dinner-Theater. (Abgerufen am 9. Jänner 2025). Otto Schenks Frau starb am 7. April 2022 nach langer Krankheit im Alter von 95 Jahren.Otto Schenks Ehefrau Renée mit 95 Jahren gestorben. In: kurier.at, 7. April 2022, abgerufen am 19. Mai 2022.
Otto Schenk war ebenso Kammerschauspieler wie Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper (1980) und des Theaters in der Josefstadt (2000).
Von 1986 bis 1988 fungierte Schenk als Direktoriumsmitglied der Salzburger Festspiele, von 1988 bis 1997 war er gemeinsam mit Robert Jungbluth Direktor des Theaters in der Josefstadt. Für seine ausdrucksstarken Wagner-Interpretationen erhielt er im Jahr 2009 den „Anton-Seidl-Preis“ (Anton-Seidl-Award) der „Wagner-Society of New York“.
Als Kabarettist trat Schenk schon in den 1950er-Jahren im Kabarett Simpl auf, begeisterte jedoch in den letzten Jahrzehnten sein Publikum im gesamten deutschen Sprachraum mit seinen Leseabenden unter dem Motto „Sachen zum Lachen“. Zahlreiche Schallplatten haben diese Tätigkeit begleitet, bei der er immer dieselbe Rolle verkörpert – den Schenk.
Auf der Theaterbühne spielte er die Zettel-Rolle in Shakespeares Sommernachtstraum, den Narren in Wie es euch gefällt und in Molières Der Geizige. Häufig spielte er die Komödienklassiker von Nestroy, Ferdinand Raimund und Hugo von Hofmannsthal. Die größten Erfolge feierte er in Boulevardstücken wie dem Solo Die Sternstunde des Josef Bieder oder in der Komödie Othello darf nicht platzen.
Im März 2021 gab er seinen Abschied von der Bühne bekannt, seine letzte Rolle war im November 2020 die des Dieners Firs in Der Kirschgarten am Theater in der Josefstadt.
Tod und Begräbnis
Am 9. Jänner 2025 in der Früh starb Otto Schenk im Alter von 94 Jahren in seinem Haus am Irrsee.
Am 29. Jänner 2025 wurde die Verabschiedung im Stephansdom gefeiert. Toni Faber leitete die Trauerfeier. Sohn Konstantin Schenk wünschte sich, dass die Menschen nicht in Schwarz kommen. Am 30. Jänner wurde Schenk unter Anwesenheit hunderter Menschen in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 33G / Nr. 17) beigesetzt. Der Trauerzug wurde vom Pfarrer des Stephansdoms Toni Faber angeführt. In dem Grab (dies war ein Wunsch von Otto Schenk) befindet sich auch die letzte Ruhestätte seiner Ehefrau.
Nachleben Nach seinem Tod wurde Otto Schenk von zahlreichen Institutionen und Persönlichkeiten der Theater- und Opernwelt gewürdigt.
Der Direktor der Wiener Staatsoper, Bogdan Roščić, bezeichnete ihn als ein „unverzichtbares, unvergessliches Kapitel in der Geschichte unseres Theaters“ und hob seine 31 Inszenierungen am Haus hervor, darunter die seit 1979 aufgeführte Version von Johann Strauss’ Die Fledermaus. Der Intendant der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, würdigte ihn als „Ausnahmekünstler“ und „wirkliche Legende“. Schenk trat bei den Salzburger Festspielen 237 Mal auf und leitete von 1986 bis 1988 das Schauspiel.
Der ORF hob Schenks Vielseitigkeit hervor, die sich in seinen Rollen als Schauspieler, Regisseur und Kabarettist zeigte, und würdigte seine Fähigkeit, das Publikum über Jahrzehnte hinweg zu begeistern. Er sei der ungekrönte König des gepflegten Humors gewesen.
Der Spiegel erinnerte insbesondere an seine Inszenierung von Richard Strauss’ Der Rosenkavalier aus dem Jahr 1968 an der Wiener Staatsoper, die bis heute gespielt wird, und nannte ihn eine „Institution“ des österreichischen Theaters. Der Standard betonte seine herausragende Rolle als „Schauspiellegende“, die das Publikum mit Humor und Tiefgang beeindruckte.
Theater (Auswahl) Regiearbeiten
Folgend eine Auswahl von Inszenierungen an Opern- und Schauspielhäusern:
1955: Umsonst von Johann Nestroy, Theater in der Josefstadt Wien 1957: Die Zauberflöte, Landestheater Salzburg, Debüt als Opernregisseur 1962: Lulu, Theater an der Wien; Durchbruch (Dirigent: Karl Böhm mit Evelyn Lear, Paul Schöffler, Rudolf Schock) 1964: Jenufa, Wiener Staatsoper (Dirigent: Jaroslav Krombholc), mit Sena Jurinac, Waldemar Kmentt, Jean Cox. Martha Mödl, Elisabeth Höngen 1964: Die Zauberflöte, Salzburger Festspiele 1964: Die spanische Stunde, Wiener Volksoper (Dirigent: Peter Maag, mit Mimi Coertse als Concepción, Michel Sénéchal als Gonzalvo, Oskar Czerwenka als Ramiro und Marcel Cordes als Don Inigo Gomez. Durch den großen Erfolg wurde diese Vorstellung unter Schenks Regie für das Österreichische Fernsehen verfilmt). 1966: Carmen, Wiener Staatsoper (Dirigent: Lorin Maazel, mit Christa Ludwig als Carmen, James King als Don José, Eberhard Waechter als Escamillo) 1966: Hoffmanns Erzählungen, Wiener Staatsoper (Dirigent: Josef Krips, mit Anja Silja, danach Mimi Coertse in allen Frauenrollen um Waldemar Kmentt als Hoffmann). 1967: Don Giovanni, Wiener Staatsoper (Bühnenbild und Kostüme: Luciano Damiani; Dirigent: Josef Krips; mit Cesare Siepi als Don Giovanni, Gundula Janowitz / Mimi Coertse als Donna Anna, Peter Schreier / William Blankenship als Don Ottavio, Sena Jurinac / Wilma Lipp als Donna Elvira, Erich Kunz / Wladimiro Ganzarolli als Leporello, Graziella Sciutti / Renate Holm als Zerlina, Heinz Holecek / Herbert Lackner als Masetto sowie Franz Crass/Gottlob Frick als Commendatore): Diese Produktion geriet wegen der deutlichen Unzufriedenheit von Krips und Teilen des Publikums mit der scheinbar naiven, ironisch gebrochenen Regie und Ausstattung zum Premierenskandal. Schenks Regie und Damianis Ausstattung orientierten sich an der Commedia dell’arte, den Rahmen dazu boten ein deutlich verkleinertes Portal sowie eine perspektivisch nach hinten verjüngte Kulissenbühne samt Bretterboden und gleißendem Horizont, vor dem die Sänger immer wieder wie Schattenrisse erschienen. Nur fünf Jahre nach der Premiere wurde die umstrittene Produktion durch eine der Aufführungstradition stärker folgende, manieristisch-romantische Neuinszenierung von Franco Zeffirelli ersetzt, die erneut von Josef Krips dirigiert wurde. 1968: Der Rosenkavalier, Wiener Staatsoper (Bühnenbild: Rudolf Heinrich, Kostüme: Erni Kniepert, Dirigent: Leonard Bernstein) 1968: Lulu, Wiener Staatsoper (Dirigent: Karl Böhm), mit Anja Silja, Ernst Gutstein, Waldemar Kmentt, Hans Hotter 1969: La Bohème, Bayerische Staatsoper (Abgerufen am 10. Jänner 2025) 1970: Macbeth, Wiener Staatsoper (Dirigent: Karl Böhm), mit Christa Ludwig, Sherill Milnes 1970: Fidelio, zunächst Theater an der Wien, dann Wiener Staatsoper (Bühnenbild: Günther Schneider-Siemssen, Dirigent: Leonard Bernstein) 1971: Der Besuch der alten Dame, Wiener Staatsoper UA (Uraufführung) (Dirigent: Horst Stein) mit Christa Ludwig, Eberhard Wächter 1971: Der Widerspenstigen Zähmung, mit Christine Ostermayer und Klaus Maria Brandauer, Residenztheater München/TV-Film 1974 (Bayerischer Rundfunk) 1971: La Traviata, Wiener Staatsoper (Dirigent: Josef Krips), mit Ileana Cotrubas, Nicolai Gedda, Cornell MacNeil, Edita Gruberova 1972: Der Freischütz, Wiener Staatsoper (Dirigent: Karl Böhm) mit Gundula Janowitz, Renate Holm, James King, Karl Ridderbusch 1972: Der Rosenkavalier, München (Bühnenbild und Kostüme: Jürgen Rose) mit Brigitte Fassbaender, Lucia Popp und Gwyneth JonesRadiobericht über die Inszenierung des Rosenkavaliers in München in der Sendung Aus Burg und Oper vom 21. April 1972 im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek 1972: Die lustige Witwe, Frankfurt, u. a. mit Anja Silja, Harald Serafin, Franz Muxeneder, Dirigent: Christoph von Dohnányi 1972: Die Fledermaus, Frosch 1973: Romeo und Julia, München, Residenztheater (mit Klaus Maria Brandauer als Romeo und Christiane Schröder als Julia). 1973: Was ihr wollt, Salzburger Festspiele mit Josef Meinrad, Sabine Sinjen, Helmuth Lohner, Christiane Hörbiger und Christine Ostermayer 1974: Le nozze di Figaro, Mailänder Scala (Bühnenbild: Günther Schneider-Siemssen; Kostüme: Leo Bei; Dirigent: Claudio Abbado; mit Mirella Freni als Gräfin, Daniela Mazzucato als Susanna, Teresa Berganza als Cherubino, José van Dam als Figaro) 1975: Così fan tutte, Wiener Staatsoper (Dirigent: Karl Böhm) mit Gundula Janowitz, Brigitte Fassbaender, Peter Schreier, Bernd Weikl 1975: Die Meistersinger von Nürnberg, Wiener Staatsoper (Dirigent:Christoph von Dohnányi) mit Karl Ridderbusch, James King, Gundula Janowitz, Heinz Zednik, Kurt Moll