Die Swisscom AG ist das grösste Telekommunikationsunternehmen und eines der grössten IT-Unternehmen der Schweiz. Sie hat ihren Sitz in Ittigen und ist historisch neben der Schweizerischen Post die zweite Nachfolgeorganisation der staatlichen Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe (PTT). Im Juni 2022 war die Swisscom in der Liste der grössten Unternehmen in der Schweiz auf dem 28. Platz vertreten. Gemäss eigenen Angaben verzeichnet die Swisscom in der Schweiz einen Marktanteil von 51 % im Mobilfunk- (Postpaid), 46 % im Breitband- und 41 % im TV-Bereich. Die Tochterunternehmen Fastweb und Vodafone Italia halten im italienischen Breitbandnetz 30 % Marktanteil und 26 % im Mobilfunk-Bereich. Die Schweizerische Eidgenossenschaft hält eine Kapitalbeteiligung von 51,0 % an der Swisscom.
Geschichte mini|Ehemaliger Swisscom-(Bluewin)-Tower in Zürich; ehemaliger Hauptsitz der Bluewin AG
Entwicklung Fix-Netzwerk (1852–1960)
Der Aufbau des Schweizer Telegrafennetzes begann 1852, als der Telegrafendienst zwischen St. Gallen und Zürich eröffnet wurde. Nach der Erfindung des Telefons durch Graham Bell im Jahr 1876 begann man ab 1877 das Schweizer Telefonnetz aufzubauen, so dass bereits 1896 der Telefondienst in allen Kantonen angeboten wurde. Diese beiden Netze wurden 1920 zusammen mit der Post in der PTT (Post-, Telegrafen- und Telefonverwaltung) zusammengeführt. Die erste halbautomatische Telefonzentrale wurde 1917 in Zürich-Hottingen in Betrieb genommen. 1923 wurden die Dienstleistungen durch Radioübertragungen und 1953 um Fernsehsendungen erweitert.
1940 wurde die Abkürzung PTT in das Logo eingearbeitet und das Posthorn entfernt. Die Zahl der Telefonanschlüsse wuchs rasant: schon 1948 gab es in der Schweiz ca. 500'000 Telefonabonnenten, 1959 war es eine Million. Im selben Jahr wurde das Schweizer Telefonnetz als erstes der Welt vollautomatisiert.Swisscom Geschichte, Swisscom, abgerufen am 29. Mai 2017 1960 erfolgte die Umfirmierung Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe.
Entwicklung Mobile-Netzwerk (1960–2000) 1974 ging die Satellitenbodenstation Leuk im Kanton Wallis in Betrieb. Die PTT begann 1975 mit dem Autotelefon-Projekt «mobiles Telefonnetz für Fahrzeuge», im Zuge dessen auch die Marke Natel A (Nationales Autotelefonnetz) eingeführt wurde. Mit der Inbetriebnahme von Natel A 1978 wurde die PTT zum Pionier der mobilen Telefonie.Swissinfo, Telefon: Von der Spinnerei zum Allgemeingut, abgerufen am 29. März 2016 In den Jahren 1983 und 1987 folgten die Natel-Netze B bzw. C. Das GSM-basierte Mobiltelefonnetz Natel D (D=digital) wurde 1992 installiert. 1985 wurde die erste Glasfaser-Fernleitung zwischen Bern und Neuenburg verlegt, und 1988 das erste digitale Fernmeldenetz ISDN in der Schweiz in Betrieb genommen.
Das Logo wurde 1982 erneut überarbeitet, wobei es ein moderneres Design erhielt.Markengeschichte, abgerufen am 25. November 2015 (PDF).
1992 erfolgte die Umstellung vom herkömmlichen Telefonnetz auf das digitale Swissnet. Im Jahr 1995 erreichte die Entwicklung bei den privaten und öffentlichen Telefonkabinen (Publifone) ihren Höhepunkt – 58.000 davon standen in der ganzen Schweiz verteilt.
Mit Inkrafttreten des neuen Postorganisationsgesetzes (POG) und des neuen Telekommunikationsunternehmungsgesetzes (TUG)Bundesgesetz über die Organisation der Telekommunikationsunternehmung des Bundes (Telekommunikationsunternehmungsgesetz, TUG), abgerufen am 30. August 2015. im Jahr 1997 wurde der Schweizer Telekommunikationsmarkt dereguliert. Die PTT wurde zum 1. Oktober desselben Jahres in Die Schweizerische Post und die Swisscom aufgeteilt.Das Ende der PTT, abgerufen am 30. August 2015 Während die Post in der Rechtsform einer öffentlich-rechtlichen Anstalt organisiert wurde, erhielt Swisscom die Rechtsform einer spezialgesetzlichen Aktiengesellschaft und wurde schrittweise teilprivatisiert. Dazu gehörte auch das Internetgeschäft, in welches die PTT im Jahr zuvor unter dem Label Blue Window eingestiegen war. Am 5. Oktober 1998 ging die Swisscom AG an die Börse. Das Logo wurde neu entworfen und erhielt den neuen Namen der Gesellschaft, anstatt wie bis dahin «Telecom» und «PTT».
Entwicklung Netzleistung und Dienstleistungen (seit 2000) mini|Das Logo der PTT, 1982 bis 1993 mini|Logo der Telecom vor der Liberalisierung Die Schweizerische Eidgenossenschaft hält zurzeit 51,22 Prozent des Aktienkapitals. Das TUG beschränkt Fremdbeteiligungen auf 49,9 Prozent des Aktienkapitals. 2001 wurden 25 % der Swisscom Mobile an Vodafone abgetreten. Seitdem hat die Swisscom eine Mehrheitsbeteiligung an Italiens zweitgrösstem Telekommunikationsunternehmen Fastweb erworben und verstärkt in die Bereiche Hospitality-Management, Cloud Services, Mobile Solutions und Billing investiert. 2005 wurde die Bluewin AG übernommen.
Der Bundesrat hat in seiner Botschaft vom 5. April 2006 dem Parlament vorgeschlagen, die Swisscom ganz zu privatisieren und das Aktienpaket des Bundes zeitlich gestaffelt zu veräussern. Der Nationalrat ist in seinem Entscheid vom 10. Mai 2006 nicht auf diese Vorlage eingetreten. Die vorberatende Kommission des Ständerates hat am 20. Mai 2006 zwar dem Ständerat empfohlen, auf die Vorlage einzutreten, aber nur zwecks Rückweisung an den Bundesrat zur Überarbeitung. 2007 steigt die Swisscom ins TV-Geschäft ein.
Am 14. Dezember 2007 hat das Unternehmen ein neues visuelles Erscheinungsbild bekanntgegeben. Die bisherigen Untermarken Swisscom Fixnet, Swisscom Mobile und Swisscom Solutions sind per 1. Januar 2008 weggefallen. Teil des angepassten Auftritts war auch ein geändertes Logo mit einem bewegten Bildelement. Das neue Logo wird seit dem 29. Februar 2008 offiziell verwendet. Ab 2009 wird das Glasfasernetz der Swisscom massiv ausgebaut.
Geleitet wurde das Unternehmen von 2006 bis Juli 2013 durch den deutschen Manager Carsten Schloter., Medienmitteilung von Swisscom vom 23. Juli 2013, abgerufen am 30. August 2015 Schloters Vorgänger war der Schweizer Jens Alder (* 1957), der die leitende Position seit 1999 innegehabt hatte. Zu Schloters Nachfolger wurde am 7. November 2013 Urs Schaeppi, der bisherige Leiter des Geschäftsbereichs Grossunternehmen, ernannt. Per 1. Juni 2022 übernahm der bisherige Technikchef Christoph Aeschlimann Schaeppis Stelle.
Seit Frühjahr 2013 betreibt Swisscom Mobile neben den Mobilfunknetzen der zweiten (GSM/EDGE) und der dritten Generation (UMTS/HSPA+) auch ein Mobilfunknetz der vierten Generation (LTE/4G/4G+). Erste Testbetriebe an ausgewählten Schweizer Orten fanden bereits 2012 statt. Seit Juni 2015 verwendet Swisscom aufgrund der schweizweit sehr hohen 4G-Abdeckung von über 98 % den Mobilfunkstandard VoLTE auch zur Übertragung von Telefongesprächen. VoLTE ist bei Swisscom ein Bestandteil von «Advanced Calling». Damit werden Telefongespräche wahlweise über das 4G-Netz (VoLTE) oder ein verfügbares WLAN (sofern das Mobilgerät verbunden ist) geführt, was eine bessere Sprachqualität (HD Voice) und einen schnelleren, nur wenige Sekunden dauernden Rufaufbau ermöglicht.Advanced Calling – Telefonie auf höchstem Niveau erleben, abgerufen am 2. Januar 2016 Swisscom wurde 2015 zum siebten Mal in Folge von der Fachzeitschrift connect zum Mobilfunkanbieter mit dem besten Netz gekürt.Das beste Netz der Schweiz, abgerufen am 2. Januar 2016 Swisscom war der erste Betreiber in der Schweiz, der vier Frequenzbereiche (800, 1800, 2100 und 2600) für LTE einsetzte. In einem Netztest, der 2017 von der Zeitschrift Chip in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt wurde, erzielte Swisscom dank dem schnellsten Rufaufbau und der höchsten Downloadraten die beste Punktzahl. Die Hotline der Swisscom nutzte von 2016 bis 2019 eine Sprecherauthentifizierung, um die Kunden zu erkennen.
Im Jahr 2014 lancierte Swisscom die Smartphone-App Tapit als digitales Portemonnaie. Nach knapp zwei Jahren wurde die App jedoch mangels Erfolg wieder eingestellt. Swisscom stieg schliesslich bei der App Paymit ein, welche dann mit Twint fusionierte.
Am 1. April 2015 lanciert Swisscom die eigenständig auftretende Submarke Wingo mit der Intention, urbane, meist jüngere und internetaffine Personen besser anzusprechen. Mit auf diese Zielgruppe ausgerichteten Abos, welche ausschliesslich online abschliessbar und bei reduziertem Serviceumfang günstiger sind als die herkömmlichen Swisscom-Abonnemente, sollen Marktanteile hinzugewonnen werden. In der Folge haben auch die Mitbewerber Sunrise (mit Swype) und Salt (mit GoMo) solche Billigangebote lanciert.
2017 hat Swisscom sein Home-Sicherheitssystem Smartlife aufgegeben, da es sich nicht am Markt durchsetzen konnte.Swisscom stellt Smartlife ein, abgerufen am 1. Juli 2018 Dies, nachdem sich der 2009 lancierte Vorgänger Quing ebenfalls nicht lange halten konnte. In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Bewachungsdienstleister Securitas hatte die Swisscom daraufhin im April 2015 Smartlife gestartet. Im gleichen Frühjahr startete Swisscom mit der Schweizer Umweltschutzorganisation myclimate einen Pilotversuch für die Fernsteuerung von Heizungen, um unter anderem in Zweitwohnungen in Bergregionen Heizungskosten und Energieverbrauch zu senken. Die italienische Tochtergesellschaft Fastweb hat die Fixed-Wireless-Sparte und ein 3,5-GHz-Frequenzspektrums von Tiscali am 16. November 2018 im Wert von 185 Millionen Euro (208 Millionen Schweizer Franken) übernommen.
2019 begann Swisscom mit der Umrüstung auf den neuen Mobilfunkstandard 5G. Ende Mai 2020 wurde bekannt, dass Mitbewerber Sunrise einen Teilerfolg bei einer weitreichenden Klage gegen Swisscom erzielen konnte bezüglich des Vorwurfes des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung im Bereich des Breitbandinternetzugangs (ADSL) in den Jahren 2001 bis 2007 und der darauf resultierenden Preispolitik. Schon im Jahr 2009 wurde von der Schweizer Wettbewerbskommission dieser Vorwurf bestätigt und Swisscom deshalb zu einer Strafe von rund 220 Millionen Schweizer Franken verurteilt, wohingegen Swisscom Einspruch einlegte und in die nächste Instanz ging. Das Urteil wurde in abgemilderter Form bestätigt. Sunrise verlangt einen Schadensersatz von insgesamt 350 Millionen Franken exklusive Zinsen.
Swisscom Docsafe, 2014 als Konkurrenzangebot zur Dropbox lanciert, wurde per Ende März 2021 eingestellt. Im April 2021 schaltete Swisscom nach 28 Jahren die letzten GSM (2G) Netzwerke ab. Ende 2020 seien noch 0,03 % des Verkehrs über dieses Netzwerk gelaufen.
Der Short Message Service der Swisscom erreichte im Jahr 2011, mit täglich rund 8,1 Millionen versendeten SMS, seinen Höhepunkt. 2017 wurde die 2013 lancierte App iO, aufgrund der Dominanz von WhatsApp, eingestellt. 2020 hat Swisscom als erster Schweizer Anbieter den Standard RCS (Rich Communication Services) für Messaging eingeführt und daraufhin angekündigt, den Multimedia Messaging Service (MMS), welchen sie im Jahr 2002 eingeführt hat, per 1. Januar 2023 einzustellen.
Im März 2024 wurde bekannt, dass Swisscom Vodafone Italia für 8 Milliarden CHF bis zum Ende des Jahres übernehmen werde. Langfristig ist geplant, diese mit der eigenen Mailänder Tochter Fastweb zu vereinigen. Der Kauf wurde am 31. Dezember abgeschlossen, zusätzlich wurde der Firmenname geändert in Fastweb + Vodafone. Der Markenname Vodafone darf für weitere fünf Jahre verwendet, die Integration soll im Jahr 2029 abgeschlossen werden.
Im September 2026 fiel Swisscom aus dem Swiss Market Index.
Geschäftsbereiche
Swisscom besteht aus den Kundensegmenten Residential Customers, Business Customers & Wholesale sowie IT, Network & Infrastructure. Weiter umfasst der Konzern den Geschäftsbereich Digital Business und Konzerngesellschaften wie die italienische Fastweb. Hinzu kommen weitere Konzerngesellschaften in den einzelnen Geschäftssparten. mini|Fernmeldezentrum Herdern Zürich der Swisscom von Architekt Theo Hotz mini|Swisscom-Telefonzellen in Chur mit altem Logo
Swisscom (Schweiz) AG