mini|klasse=skin-invert-image|Olympisches Piktogramm für die Nordische Kombination (2007) mini|Skisprungschanze mini|Langlaufloipe

Die Nordische Kombination ist eine Wintersportart, die die beiden Einzeldisziplinen Skispringen (in der Nordischen Kombination auch Sprunglauf genannt) und Skilanglauf kombiniert. Diese Mehrkampfsportart gilt als „Königsdisziplin“ des Nordischen Skisports.

In der Nordischen Kombination werden verschiedene Wettbewerbe ausgetragen: Einzelrennen, Sprint, Staffel und Teamsprint. Die wichtigsten Wettbewerbe werden vom Weltverband FIS organisiert. Seit der Saison 2020/21 werden mit der Austragung des ersten Weltcups auch für Frauen auf höchster Ebene Wettkämpfe in der Nordischen Kombination abgehalten, was im ersten Frauenwettbewerb bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2021 in Oberstdorf gipfelte. Allerdings bleiben die Frauen weiterhin von den Olympischen Winterspielen ausgeschlossen. Im Juli 2026 entschied das IOC, die Nordische Kombination komplett aus dem Olympia-Programm zu nehmen.

Geschichte Herausbildung Die Nordische Kombination (NK) entstand wie alle modernen Nordischen Skisportarten in Norwegen. Erste Wettkämpfe sind aus Norwegen mit dem Springen am Huseby-Hügel 1887 dokumentiert, bei dem Sprungweiten um 20 m erzielt wurden. Gleich anschließend an das Springen mussten die Aktiven einen Lauf absolvieren. In vielen Ländern zählte lange Zeit allein die NK für eine Vergabe eines Meistertitels, beispielsweise in Deutschland laut Statistik zwischen 1905 und 1927. Erst ab etwa 1930 entwickelten sich die Einzeldisziplinen Langlauf und Springen zu gesonderten Sportarten.

Nordische Kombination bei Olympischen Spielen Seit 1924 war die Nordische Kombination im Programm der Olympischen Winterspiele (OWS); zunächst mit einem 18-km-Lauf und einem Sprung von der Normalschanze. Später wurde der Lauf verkürzt und bald kam das Springen von der Großschanze hinzu. Allerdings wurde 1924 in Chamonix nur ein Einzelrennen ausgetragen, das der Norweger Thorleif Haug vor zwei Landsleuten für sich entscheiden konnte. Auch in den Folgejahren bis zum Zweiten Weltkrieg wurde die Sportart von den Norwegern dominiert. So wurden bei jeder Austragung sämtliche Medaillen an Norwegen vergeben. Die norwegische Dominanz änderte sich erst langsam ab 1948, als die Reihenfolge der Disziplinen umgekehrt wurde. Seitdem wird zuerst gesprungen und danach gelaufen. Nur bei dem später hinzugekommenen Massenstart gilt erst Laufen, dann Springen. Zudem galt erst ab 1956, dass der Kombinationslanglauf vom Speziallanglauf getrennt wurde. Zur Teilnahme an Olympischen Spielen müssen sich die Anwärter erst in ihren Ländern bei nationalen Wettkämpfen und durch die Teilnahme an Weltcupwettbewerben qualifizieren. Die 50 Besten aus dem aktuellen Weltcup durften an den OWS teilnehmen. 2026 wurde die Sportart aus dem Programm für 2030 gestrichen.

Nordische Kombination bei Weltmeisterschaften Seit 1981 werden bei Weltmeisterschaften zusätzlich Mannschaftswettkämpfe ausgetragen. Bis 2004 war die Nordische Kombination ausschließlich ein Männerwettbewerb. – Bis 1980 zählte der Olympiasieg auch als Weltmeistertitel. Seitdem finden im Jahr der Olympischen Winterspiele keine Weltmeisterschaften statt, es gibt also keine Champions.

Im Laufe der Jahre wurden die Punktetabellen sowie die Anzahl der Sprünge und die Länge der Langlaufstrecke mehrfach verändert. Eine große Veränderung in der Nordischen Kombination brachten schließlich die Olympischen Winterspiele von 1988 in Calgary, als erstmals die Gundersen-Methode zur Anwendung kam. Nach dieser Methode wird der Punkterückstand aus dem Springen in einen Zeitrückstand für das Laufen umgerechnet, sodass der Sieger mit dem Überfahren der Ziellinie feststeht. Dies macht die Nordische Kombination für die Zuschauer attraktiver. Außerdem wurde bei den Olympischen Spielen von 1988 ein Mannschaftswettbewerb eingeführt. Danach liefen zuerst drei Athleten einer Mannschaft eine 10-km-Strecke. Seit den Olympischen Winterspielen von 1998 in Nagano besteht das Team im Mannschaftswettbewerb aus vier Kombinierern mit einer Laufdistanz von jeweils 5 km.

Als jüngster Wettbewerb bei internationalen Wettkämpfen kam bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften von 1999 der Sprint hinzu. Hierbei werden nur ein Sprung von der Schanze und eine Laufstrecke von 7,5 km absolviert. Ab den Olympischen Winterspielen von 2002 in Salt Lake City war auch diese Disziplin olympisch.

Nordische Kombination bei anderen Wettbewerben Seit der Saison 1983/1984 wird von der FIS, dem Dachverband für alle Leistungssportarten auf Skiern, ein Weltcup der Nordischen Kombination veranstaltet. Neben den olympischen Disziplinen finden hier regelmäßig Massenstart-Rennen, wenn auch nur von geringer Anzahl, statt. Seit 1985 wird die Langlaufdisziplin in der freien Technik ausgetragen. Am 3. Januar 2007 wurde erstmals in der Weltcupgeschichte ein Teamsprint im bayerischen Ruhpolding veranstaltet.

Disziplinen In der Nordischen Kombination werden verschiedene Disziplinen ausgetragen, die zwar dem gleichen Grundprinzip folgen, sich aber durch unterschiedliche Regeln und Berechnungsmethoden voneinander unterscheiden. Zurzeit (Stand Winter 2013/2014) sind mit dem Einzelrennen und der Team-Staffel zwei Disziplinen olympisch.

Für die Kleidung und die Skier gelten die entsprechenden Regeln vom Skispringen und Skilaufen.

Aktuelle Wettkampfformate Traditionelles Einzelrennen (Individual Gundersen) Beim traditionellen Einzelrennen absolvieren die Kombinierer einen Sprunglauf von einer Normal- oder Großschanze und gehen anschließend in einen 10-km-Langlauf. Der Sprunglauf besteht aus einem Durchgang, wobei die Athleten Punkte erhalten. Auf der Normalschanze (K75–K99) werden je Meter 2 Punkte und auf der Großschanze (> K99) 1,2 Punkte je Meter gutgeschrieben. Die Punktevergabe in der Nordischen Kombination unterscheidet sich damit von der Punktevergabe bei den Spezialspringern, wo mit 1,8 Punkten pro Meter gerechnet wird. Die Punkteabstände werden nach der sogenannten Gundersen-Methode in Laufrückstände umgerechnet. Dabei entsprechen 2 Punkte 8 Sekunden, 15 Punkte einer Minute, oder anders ausgedrückt, 1 Meter auf der Großschanze 4,8 Sekunden Zeitabstand.

Mit diesen Zeitabständen werden die Athleten anschließend in die Loipe geschickt, sodass der Sieger des Springens zuerst startet. Die anderen Kombinierer folgen in den entsprechenden Abständen, wobei im Falle größerer Zeitrückstände ein Wellenstart erfolgen kann. Dabei starten die Läufer ab einem bestimmten Zeitrückstand gleichzeitig, behalten jedoch ihre Rückstände rechnerisch. Der Athlet, der als Erster die Ziellinie überquert, hat die Kombination gewonnen.

Seit der Weltcup-Saison 2006/07 waren für den zweiten Durchgang des Springens nur noch die 35 Besten des ersten Durchgangs startberechtigt. Dies soll den Wettbewerb insgesamt verkürzen und für die Zuschauer interessanter gestalten.

Vor der Einführung der Gundersen-Methode unterlag das Einzelrennen mehreren Regeländerungen. Bis zu den Olympischen Winterspielen von 1952 wurde zuerst ein 18-km-Langlauf abgehalten und danach gesprungen. Die Laufstrecke wurde schließlich Anfang der 1950er-Jahre auf 15 km verkürzt. Die Laufzeit aus dem Langlauf wurde dann in Punkte umgerechnet und mit den auf der Schanze erreichten Punkten addiert. Der Athlet mit der höchsten Punktzahl hatte den Wettkampf gewonnen. Eine noch frühere Methode der Punkteberechnung war folgende: Der schnellste Läufer erhielt 20 Punkte, danach gab es pro Minute Rückstand 0,25 Punkte Abzug. Aus den beiden Teilergebnissen wurde anschließend das Mittel berechnet. Auch hier war die höchste Punktzahl ausschlaggebend. Erst seit der Einführung der Gundersen-Methode im Jahr 1988 besteht das Einzelrennen in der heutigen Form. Das traditionelle Einzelrennen wurde nach der Saison 2007/2008 im Zuge der Neustrukturierung der Wettkampfformate aus dem Kalender gestrichen. Nachdem immer wieder die Wiedereinführung gefordert wurde, wurde es 2013 beim Saisonfinale als Champions-Race ausgetragen und wird ab 2014 als Finale des Nordic Combined Triple ausgetragen. Ansonsten wird dieser Wettkampf nicht ausgetragen.

Neues Einzelrennen (Individual Gundersen) Da das traditionelle Einzelrennen in den Augen der FIS zu lang und unübersichtlich war, wurde es im Jahr 2008 durch ein kürzeres Format ersetzt. Hier absolvieren die Athleten einen Sprung und anschließend einen 10-km-Langlauf. Seitdem wird in der Nordischen Kombination bei Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen und im Weltcup hauptsächlich dieses Format durchgeführt. Bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen gibt es diesen Wettkampf sogar zweimal (von Normal- und Großschanze).

Sprint Der Sprintwettkampf stellt letztlich ein verkürztes Einzelrennen dar. Im Gegensatz zu diesem wird nur ein Sprung von der Schanze durchgeführt und der Langlauf geht über 7,5 km. Bei der Umrechnung der Sprungergebnisse in Zeitabstände entsprechen ebenfalls 15 Punkte einer Minute. Auch hier ist Sieger, wer beim Laufwettbewerb als erster das Ziel erreicht.

Seit der Saison 2006/2007 kam als weitere Sprintvariante der Kompaktsprint hinzu. Dieser wird als normaler oder als Hurricane Sprint ausgetragen, wobei aber die Zeit zwischen dem letzten Springer und dem Laufstart nur noch 20 Minuten beträgt. Die Kombinierer ziehen sich hierbei unmittelbar nach ihrem Sprung für den Langlauf um und gehen direkt zum Warmlaufen. Der Sprint wurde nach der Saison 2007/2008 im Zuge der Neustrukturierung der Wettkampfformate aus dem Kalender gestrichen. Ab der Saison 2014 taucht er wieder als Prolog des Nordic Combined Triple im Kalender auf, jedoch beträgt die Laufstrecke hier nur 5 km. Ansonsten findet er nicht statt.

Team-Gundersen Beim Mannschaftswettkampf findet nach einem Team-Springen ein Staffellauf statt. Dabei hat jeder Starter einen Sprung und einen 5-km-Langlauf zu absolvieren. Die Anzahl der Athleten im Team richtet sich dabei nach der Art der Wettkampfveranstaltung. Während bei Olympischen Winterspielen und den Nordischen Skiweltmeisterschaften die Mannschaft aus vier Kombinierern besteht, gehen im Weltcup drei Athleten an den Start. Das Springen wird wie im Einzelrennen in zwei Durchgängen bewertet, wobei jeder Athlet in seiner jeweiligen vom Trainer bestimmten Platznummerngruppe springt. Hingegen sind die Startnummern der einzelnen Teams bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften vom vorherigen Ergebnis bzw. im Weltcup von der aktuellen Nationenwertung abhängig.

Nach dem Springen werden die von den Athleten einer Mannschaft aus dem einen Sprung erreichten Punkte berechnet und nach der Gundersen-Methode in Zeitrückstände umgerechnet. Dabei entsprechen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften 60 Punkte auf der Schanze einer Minute in der Loipe. Im Weltcup hingegen bedeuten bereits 45 Punkte eine Minute Zeitrückstand. Im anschließenden Staffel-Langlauf gehen die Teilnehmer eines Teams jeweils nacheinander auf die 5-km-Langlaufstrecke, wobei der erste Starter mit dem entsprechenden Zeitrückstand auf das führende Team startet. Es gewinnt die Mannschaft, deren Schlussläufer als erster im Ziel ist. Dieses Format wird regelmäßig im Weltcup ausgetragen und bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen entweder von der Großschanze oder Normalschanze.

Mixed-Staffel