Thin Lizzy war eine irische Rockband. Ihr Werdegang ist eng mit dem Leben von Philip Lynott verbunden, dem Gründer, langjährigen Komponisten, Bassisten und Sänger der Band.
Geschichte Die ersten Jahre Im Dezember 1969 wurde die Band, hervorgehend aus dem Dubliner Duo Orphanage der Schulfreunde Phil Lynott und Brian Downey sowie der Coverband Shades of Blue des Belfaster Gitarristen Eric Bell, gegründet. In dieser Besetzung hatte Thin Lizzy ihre ersten Auftritte in Irland. Anfang 1970 wurde Decca Records, die zuvor schon Van Morrisons Band Them, in der Bell mitgewirkt hatte, unter Vertrag hatte, auf die Band aufmerksam. Thin Lizzy unterschrieben und zogen nach London. Im Januar 1971 spielten sie ihre erste LP Thin Lizzy ein, die im Frühjahr veröffentlicht wurde. Im Juni 1971 erschien eine EP, die später als „New Day“-EP bezeichnet wurde. Vielfältige musikalische Einflüsse der drei Komponisten ergaben eine Mischung aus irischer Folklore, Blues, Rhythm and Blues, Pop, Rock und Hardrock. Die zweite LP Shades of a Blue Orphanage von 1972 blieb wie die Vorgänger kommerziell weitgehend erfolglos, brachte ihnen aber eine Tournee im Vorprogramm von Slade ein.
Durch das eher beiläufig aufgenommene und Ende des Jahres 1972 von Decca als Single veröffentlichte Whiskey in the Jar, eine Version eines bekannten irischen Volksliedes, gewann die Band erstmals größere Aufmerksamkeit. Der Song erreichte Anfang 1973 in der britischen Hitparade den sechsten Platz und war auch in anderen Ländern erfolgreich. Die Folgesingle Randolph’s Tango war erfolglos, und auch die dritte LP Vagabonds of the Western World, die im September 1973 erschien, wurde nur mäßig verkauft. Obwohl auf dem Album textlich die Bezüge zu Irland und Mystik erhalten blieben, betonte die Band nun immer stärker den Hardrock, und die folkloristischen Anteile ihrer Anfangszeit gerieten zunehmend in den Hintergrund. Erwähnenswert ist an dieser Platte außerdem das stilprägende psychedelische Cover des irischen Malers Jim Fitzpatrick, der insgesamt sechs LP-Cover der Band gestaltete.
mini|links|hochkant|Thin Lizzy mit Gary Moore am Set einer Musikshow, 1974 Ende des Jahres folgte als letzte Veröffentlichung mit Eric Bell an der Gitarre die Single The Rocker. Der Gitarrist verließ wegen der kommerziellen Neuorientierung und aufgrund von Alkoholproblemen die Band am 31. Dezember 1973 nach einem Konzert. Er wurde am folgenden Tag durch Gary Moore ersetzt, der zusammen mit Phil Lynott 1969 der Dubliner Band Skid Row angehört hatte. Nach der Single Little Darling von 1974 und während der Aufnahmen zum Album Nightlife verließ Moore im Mai die Band wegen interner Differenzen. Er wurde noch im selben Jahr durch Brian Robertson aus Glasgow und Scott Gorham aus Kalifornien ersetzt, die – mit Ausnahme des Songs Still in Love with You – die Gitarrenspuren von Gary Moore neu einspielten. Aus der Zeit des zweiten Trios der Bandgeschichte waren daher für lange Zeit neben Still in Love with You nur die auf diversen Samplern enthaltenen Songs Sitamoia und Little Darling erhalten. Erst mit der Wiederveröffentlichung des Albums Vagabonds of the Western World 2010 und des Albums Night Life 2012 gelangten weitere Songs aus dem Jahr 1974 mit Moore an das Licht der Öffentlichkeit. Thin Lizzy trennte sich im selben Jahr einvernehmlich von Decca, die mittlerweile das Interesse an der Band verloren hatte, und wechselte zu Vertigo Records.
Klassische Zeit In der neuen Besetzung erlebte Thin Lizzy bis 1978 ihre erfolgreichste Zeit. Das Album Nightlife von 1974 fiel zwar insgesamt noch sehr ruhig und Soul-lastig aus, enthielt mit It’s Only Money und Sha-La-La aber auch schon den typischen Hardrock mit zwei Leadgitarren, der in den folgenden Jahren dann zum Markenzeichen der Band werden sollte. Trotzdem blieben gelegentliche Ausflüge in die irische Folklore erhalten. Textlich setzte sich Lynott nun immer öfter mit Männlichkeits- und Halbweltthemen auseinander und auf Nightlife trat zudem ein gespaltenes Verhältnis zur katholischen Tradition seiner Heimat zu Tage. Auch in Texten von weiteren Platten befasste er sich mit zwiespältigen Gefühlen und Glaubensfragen. 1975 veröffentlichte Thin Lizzy das Album Fighting, das deutlich härter als die bisherigen Scheiben war und auf dessen Cover die Bandmitglieder als Straßenkämpfer posierten.
mini|hochkant|Thin Lizzy in Bradford, 1977 1976 erschien mit dem Album Jailbreak und den daraus ausgekoppelten Singles The Boys Are Back in Town und Jailbreak die bis dahin erfolgreichste Produktion von Thin Lizzy, was den Bekanntheitsgrad der Gruppe erheblich vergrößerte. Weltweit gefeierte Konzerte waren die Folge. Ein Zeugnis ihres Schaffens als Liveband zu dieser Zeit ist die Platte Live and Dangerous. Noch im selben Jahr wie Jailbreak erschien die LP Johnny the Fox. Während der Tournee durch die USA im Jahr 1977 verletzte sich Brian Robertson an der Hand, was zur Folge hatte, dass er von Januar bis März nicht Gitarre spielen konnte. In dieser Zeit wurde er durch den Rückkehrer Gary Moore ersetzt, der aber noch nicht offizielles Bandmitglied wurde, obwohl Phil Lynott den unzuverlässigen Robertson gerne durch Moore ersetzt hätte, der aber andere Verpflichtungen hatte. Auf der 1977er LP Bad Reputation wurden neben dem gewohnten Hardrock auch Einflüsse des Punk und der Discomusik verarbeitet. Die meisten Gitarrenspuren auf dem Album wurden von Scott Gorham eingespielt. Erst kurz vor Abschluss der Aufnahmen zu Bad Reputation kam Brian Robertson wieder zur Band.
Ende 1977 arbeitete Gary Moore erneut mit Phil Lynott und Brian Downey zusammen. Als Trio spielten sie überarbeitete Versionen von Songs aus der Zeit von 1970 bis 1974 unter Verwendung der Originalaufnahmen mit Eric Bell ein, die 1979 unter dem Albumtitel The Continuing Saga of the Ageing Orphans veröffentlicht und z. T. auf den remasterten Ausgaben der ersten drei Alben 2010 wiederveröffentlicht wurden. Bei zwei Songs gastierte Midge Ure, ein Freund Phil Lynotts, an der Gitarre. 1978 wurde Gary Moore für den nun definitiv entlassenen Robertson festes Bandmitglied. Im selben Jahr wurde Schlagzeuger Brian Downey wegen gesundheitlicher Probleme vorübergehend durch Mark Nauseef ersetzt.
In dieser Besetzung begannen noch im selben Jahr die Aufnahmen zum nächsten Album Black Rose. Während der Aufnahmen stieß auch Downey wieder zur Band und spielte alle Songs mit ein. Black Rose enthielt, insbesondere im epischen Titeltrack, deutliche irisch-traditionelle Einflüsse. Im Übrigen wartete das Album mit einigen der größten Hits von Thin Lizzy auf: Do Anything You Want To, Sarah, With Love und Waiting for an Alibi. Nebenher spielten Phil Lynott und Brian Downey 1978 auch mit Gary Moore mehrere aus den Black-Rose-Sessions hervorgegangene Songs von Moores Soloalbum Back on the Streets ein, darunter den von Lynott und Moore geschriebenen Hit Parisienne Walkways und den in langsamerer Version gespielten Thin-Lizzy-Klassiker Don’t Believe a Word. Back on the Streets kann daher als Thin-Lizzy-Album angesehen werden. Nachdem die drei 1979 noch den von Lynott und Moore geschriebenen Song Spanish Guitar und den Lynott-Titel Jamaican Rum eingespielt hatten, verließ Gary Moore während der US-Tournee von Thin Lizzy im Juli 1979 die Band. Nachdem Thin Lizzy vier Konzerte als Trio gegeben hatte, wurde kurzfristig Midge Ure als Ersatz für Moore neben Scott Gorham für den Rest der Tournee rekrutiert. Schon bei der anschließenden Japan-Tournee spielte Ure nur noch die Keyboards, während an seiner Stelle Dave Flett (u. a. Manfred Mann’s Earth Band) zweiter Gitarrist, aber ebenfalls kein festes Bandmitglied, wurde.
Die Spätphase 1980 wurde Snowy White, der zuvor als Tourmusiker für Pink Floyd aktiv gewesen war, als Nachfolger für Gary Moore engagiert. Phil Lynott brachte im selben Jahr sein Soloalbum Solo in Soho heraus. Mit Snowy White nahmen Thin Lizzy 1980 das Album Chinatown mit der Hitsingle Killer on the Loose und 1981 Renegade auf. Durch White enthielt die Musik der Band mehr Elemente des Blues. Auf der Single Trouble Boys/Memory Pain befinden sich sogar zwei gecoverte Bluesklassiker, deren Auswahl auf die Vorliebe Whites für den Blues zurückzuführen sein dürfte.
mini|links|Thin Lizzy im Manchester Apollo, 1983 Im Anschluss an die Renegade-Tour 1982 verließ White die Band und wurde durch John Sykes ersetzt, der vorher bei den Tygers of Pan Tang gespielt hatte. Außerdem kam 1982 Lynotts zweites Soloalbum The Philip Lynott Album heraus, welches schlechte Kritiken bekam. Nebenbei unterstützte Lynott U2 in ihrer Anfangsphase. 1983 wurde das wohl härteste Album der Bandgeschichte Thunder and Lightning veröffentlicht. John Sykes brachte starke Heavy-Metal-Einflüsse in die Musik ein. Zugleich enthielt das Album auch erstmals in erheblichem Umfang Keyboards, die vom vorherigen Tour-Keyboarder Darren Wharton, schon seit Renegade festes Mitglied, eingespielt wurden. Einen kleinen Hit erzielte die Band mit der Single The Sun Goes Down. Das Album verkaufte sich trotz der vielen Personalwechsel gut.
1983 löste Phil Lynott die Band nach einer ausgiebigen Abschiedstournee und einem großen Abschiedskonzert in London mit den früheren Gitarristen Eric Bell, Gary Moore und Brian Robertson als Gastmusikern auf. Der Auftritt wurde auf dem Album Life:Live festgehalten. Der vorerst letzte Auftritt der Band fand am 4. September 1983 in Nürnberg statt.
Wenig später gründete Phil Lynott die Band Grand Slam, mit der er unter anderem die Songs Dedication und Military Man schrieb. Nach einer kurzen Tour zerfiel die Gruppe aber wieder. 1985 veröffentlichte Lynott außerdem mit Gary Moore als „Gary Moore & Phil Lynott“ die Single Out in the Fields/Military Man mit der von ihm co-komponierten B-Seite, welche bis auf den fünften Platz der britischen Charts gelangte. Seine eigene Single Nineteen war weniger erfolgreich. Im selben Jahr versuchte Lynott, Thin Lizzy mit Downey am Schlagzeug sowie Gorham und Sykes an den Gitarren wiederzubeleben. Für Januar 1986 war dazu sogar schon ein Studio gebucht, doch die Reformierung der Band kam nicht mehr zustande.
Phil Lynott starb am 4. Januar 1986 in Salisbury/Wiltshire an den Folgen seines langjährigen Drogen- und Alkoholmissbrauchs. Am 17. Mai desselben Jahres kam es im Rahmen des irischen Self-Aid-Festivals in Dublin zu einer einmaligen Reunion von Thin Lizzy in der Besetzung Gary Moore, Scott Gorham, Brian Downey, Bob Daisley und – als Gast bei Cowboy Song – Bob Geldof. In das Bewusstsein einer größeren Öffentlichkeit rückte Thin Lizzy erst wieder, als Metallica 1998 Whiskey in the Jar mit einem dazugehörigen Videoclip coverten und damit Erfolg hatten.
Neuformierung und Black Star Riders mini|hochkant|Bronzestatue von Phil Lynott in der Harry Street, Dublin 1999, dreizehn Jahre nach dem Tod von Phil Lynott, kam es zu einem Tribute-Konzert in der Besetzung John Sykes (Gitarre und Gesang), Scott Gorham (Gitarre), Marco Mendoza (Bass), Darren Wharton (Keyboards) und Tommy Aldridge (Schlagzeug). Unter der Führung von John Sykes bestritten er und Scott Gorham bis zum Jahr 2009 mit wechselnden Mitmusikern in loser Folge Konzerte unter dem Namen Thin Lizzy. Von der europäischen Konzertreihe im Jahr 1999 zeugt das 2000 veröffentlichte Livealbum One Night Only.
2005 organisierte Gary Moore zur Enthüllung einer Phil-Lynott-Statue in Dublin ein weiteres Tribute-Konzert zum Gedenken an Phil Lynott. Bei dem Konzert wurden vor allem Thin-Lizzy-Songs aufgeführt. Neben Gary Moore wirkten bei dem Konzert viele ehemalige Thin-Lizzy-Musiker mit. 2007 waren Thin Lizzy die Hauptgruppe des Rock Hard Festival in Gelsenkirchen. Im Jahr 2008 waren sie als Vorgruppe von Uriah Heep auf Tour.
Für 2009 wurden Thin Lizzy als Supportband für die Europatournee von AC/DC gebucht. Kurz vor Beginn der ersten Konzerte verletzte sich aber der Schlagzeuger Tommy Aldridge, wodurch einige Termine abgesagt werden mussten. Am 30. Juni 2009 erklärte Scott Gorham im Internet den Ausstieg von John Sykes.