The Smashing Pumpkins (oder Smashing Pumpkins) sind eine 1988 gegründete Alternative-Rock-Band aus Chicago.
Geführt von dem Sänger und Hauptkomponisten Billy Corgan (Gitarre, Gesang) brachten sie während ihrer ersten Schaffensperiode von 1987 bis 2000 sechs Alben und zwei B-Seiten-Sammlungen und seit ihrer Wiedervereinigung 2006 fünf weitere Alben auf den Markt. Die Besetzung entspricht der einer typischen Rockband: zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug, live häufig durch einen Keyboarder unterstützt. Nach 1997 gab es zahlreiche Wechsel in der Besetzung, deren einziges konstantes Mitglied Billy Corgan ist. Die Smashing Pumpkins haben weltweit über 30 Millionen Alben verkauft.
Stil 1988 wurde die Band von Billy Corgan und James Iha gegründet. Zunächst spielten sie ohne Bass in Begleitung eines Drumcomputers, bei einigen Songs anfangs mit der Unterstützung des Schlagzeugers von Billys vorheriger Band „The Marked“, Ron Roesing. Nach einem Konzert lernte Corgan bei einem Streitgespräch D’Arcy Wretzky kennen, und kurz darauf war sie festes Mitglied der Band. Wenig später folgte der Schlagzeuger Jimmy Chamberlin.
mini|hochkant|links|Billy Corgan (2025) Die Klangfarbe der Smashing Pumpkins ist geprägt von einer melancholischen, melodiösen Mischung aus stürmischem massivem Gitarrenrock und psychedelischen, leichten, transzendenten Klängen sowie Billy Corgans außergewöhnlicher, nasaler Stimme. Grundsätzlich steht bei den Smashing Pumpkins nicht nur die technische Fähigkeit am Instrument im Vordergrund, sondern vor allem der Song als Ganzes. Typisch dafür sind epische Lieder der Band wie etwa „Silverfuck“, „Porcelina of the Vast Oceans“, „Window Paine“, „Starla“, „Glass and the Ghost Children“, „Thru the Eyes of Ruby“ und „1979“. Bis zur klanglichen Neuorientierung mit Adore dominierte der Kontrast zwischen Corgans (Fender Stratocaster) und Ihas (Gibson Les Paul) Gitarrensound ebenso wie das virtuose Schlagzeugspiel von Jimmy Chamberlin, das mit dem präzise treibenden Bass von D'Arcy Wretzky zu einer herausragenden Rhythmussektion verschmolz. Dennoch spielte vor allem Corgan insbesondere bei den Studioaufnahmen auch verschiedene andere Gitarrenmodelle (u. a. Fender Mustang sowie Fender Jaguar).
mini|links|James Iha und Jimmy Chamberlin (2018) In den Jahren 1997/1998 kreierte die Band mit Adore einen neuen musikalischen Ansatz, der die Verwendung von Klavier und Synthesizern sowie Drumcomputern einschloss und gleichzeitig auf das Stilmittel grenzverzerrter Gitarren verzichtete. Dennoch sind auch auf diesem Album Gitarren zu hören, jedoch mit deutlich weniger Verzerrung, dafür allerdings mit atmosphärisch prägenden Modulationseffekten (Flanger, Phaser...). Charakteristisch für Corgans Kompositionen ist der häufige Gebrauch von Akkorden mit Optionstönen wie beispielsweise in Disarm (Em7 Cadd9 G5 D/F# ...) oder aber in den härteren Stücken (vor allem Zero, Bodies, X.Y.U.) die Verwendung sogenannter Oktaven (Grundton-Oktave), die im Gegensatz zu den schon lange existierenden Powerchords (Grundton-Quinte-Oktave) von kaum einer anderen Alternative-Band so exzessiv genutzt werden. Auf allen Veröffentlichungen der Band gibt es ebenfalls akustisch aufgenommene Stücke, die zum Teil auch Streicher (Daydream, Disarm, ...) beinhalten und eine große Bereicherung des Repertoires darstellen. Einige Bands haben den Stil der Smashing Pumpkins als Vorlage zur Entwicklung ihres eigenen Stiles genommen.
Bandgeschichte 1987–1991: Bandgründung und frühe Demos Zu dieser Zeit war die Band noch weitgehend unbekannt, nahm allerdings in etlichen Studio-Sessions zahlreiche Demosongs auf, von denen einige in die drei ersten Demotapes der Band (Nothing Ever Changes, The Smashing Pumpkins Demo Tape und Moon Demo Tape) einflossen. Diese Tapes wurden bei Konzerten verkauft. Die meisten Covers dieser Demotapes wurden von James Iha, seines Zeichens Kunststudent, entworfen. Die Titel dieser Zeit zeichnen sich durch fließende, vom synthetischen Sound der 1980er Jahre beeinflusste, melodievolle Gitarrenläufe aus. 1994 stellte Billy Corgan auf fünf CDs die unter Fans als legendär geltende Kollektion Mashed Potatoes zusammen, die eine umfassende Sammlung der zu dieser Zeit aufgenommenen Demosongs enthält. Er verschenkte neun Kopien davon an die Band, an Familienmitglieder und Freunde. Das komplette Set kursiert seit Dezember 2002 im Internet; von welchem der neun bekannten Besitzer diese Kopie stammt, ist nicht bekannt. Songs aus dieser Ära sind u. a. There It Goes, I Am One Part II, Rhinoceros, Nothing and Everything, Jennifer Ever und Spiteface.
1991–1993: Gish mini|hochkant|links|Billy Corgan (1992) 1991 wurde das erste offizielle Album der Band, Gish, veröffentlicht. Die Stücke dieser Platte sind um einiges gitarrenlastiger als die ersten Demosongs und verfügen über eine psychedelische Klangfärbung. Produziert wurde das Album von Butch Vig, der u. a. auch für Meilensteine wie Nirvanas Nevermind verantwortlich ist.
Gish wurde von Kritikern als – für diese Art von Musikrichtung – außergewöhnlich erfolgreich gefeiert, wurde allerdings vom fast gleichzeitigen abrupten Erfolg von Nevermind verdrängt. Immer wieder werden die Smashing Pumpkins aufgrund ihres Durchbruchs am Anfang der 1990er Jahre fälschlicherweise mit Grunge assoziiert, obwohl der Bandsound vielmehr einen psychedelischen Einschlag offenbart und wohl am besten als Alternative oder Progressive Rock bezeichnet wird. Der damalige Stil wurde von Corgan auch als Ultra-Aggressive-Psychedelic-Rock (u. a. in Gitarre & Bass, Februar 2000) bezeichnet. Wie viele andere Bands der neunziger Jahre (wie etwa Oasis) titulierten sich die Smashing Pumpkins als beste Band der Welt, verstanden dies allerdings nicht, wie üblich, als kokette Worthülse, sondern als ernstgemeinten Anspruch an das eigene Schaffen. Jedoch kann man sich darüber streiten, ob Gish vielmehr einen Schlussstrich unter die frühen New-Wave-Demos der Band (wie etwa „There It Goes“ oder „Not Worth Asking“) setzte.
In der Gish-Ära erschienen mehrere Singles und EPs (u. a.: I Am One, Siva und Lull, eine mit einem äußerst phantasievollen, farbenfrohen Cover versehene EP, die vier in dieser Zeit aufgenommene Stücke beinhaltet). Die Peel Sessions brachten Neuaufnahmen dreier Songs für die John Peel Radio Show hervor, darunter auch Girl Named Sandoz, ein Animals-Cover, das sich auf den Pharmakonzern Sandoz bezieht, in dessen Labors LSD entwickelt wurde. In dieser Periode entstanden die Lieder Rhinoceros, Siva, Bury Me, I Am One, Snail und Drown. 1992 erschien der Song Drown auf dem Soundtrack des Films Singles – Gemeinsam einsam.
1993–1995: Siamese Dream Im Jahr 1993 erfolgte der große Durchbruch der Band mit dem wiederum von Butch Vig produzierten Album Siamese Dream. Die einzelnen Songs verfügen teilweise über 50 Gitarrentracks und wirken dadurch enorm dicht und abwechslungsreich. Die Mischung aus massivem elegischem (mitunter als Grunge bezeichnetem) Rock mit einprägsamen Melodien prägen das Album. Aufgrund des komplexen Songaufbaus sind die Songs dieser Ära schwer live zu reproduzieren. Manche Kritiker bemängelten auch, das Album sei überproduziert. Dies könnte daran liegen, dass die Smashing Pumpkins sich unter einem schweren Erfolgsdruck sahen und doppelt so hart an Siamese Dream arbeiteten, nachdem der Erfolg des Vorgängeralbums Gish hinter den Erwartungen geblieben war.
Während der Aufnahme des Albums gab es massive Konflikte innerhalb der Musikgruppe. Billy Corgan sah sich wohl auch in Konkurrenz mit Kurt Cobain und seiner Band Nirvana und wollte ein genauso erfolgreiches Album herausbringen wie Nevermind, das ebenso wie Siamese Dream von Butch Vig produziert wurde. Er hatte einen Nervenzusammenbruch und erwog, sich das Leben zu nehmen. Diese Gedanken verarbeitete Corgan vor allem in dem Song Today.
Aus dem Album gingen mit Cherub Rock, Disarm, Today und Rocket insgesamt vier Singles hervor.
1994 entschloss sich die Band, die Publikationspause bis zur nächsten Albumveröffentlichung zu unterbrechen und mit Pisces Iscariot eine Sammlung von Demosongs, Raritäten und B-Seiten der Jahre 1991–1993 herauszubringen. Im Nachhinein sollte sich Pisces Iscariot jedoch mehr als eigenständiges Album etablieren, da die für B-Seiten auf sehr hohem Niveau liegenden Stücke musikalisch sowie technisch kohärent erscheinen.
Stücke aus dieser Zeit sind u. a. Today, Cherub Rock, Mayonaise, Soma, Silverfuck, Plume und Hello Kitty Kat.
1995–1997: Mellon Collie and the Infinite Sadness mini|hochkant|links|James Iha (1995) 1995 erschien Mellon Collie and the Infinite Sadness, ein über zwei Stunden langes Doppelalbum mit 28 Stücken. Das Album zeichnet sich durch hohe Vielfalt und dichte Atmosphäre aus; furiose wütende Gitarrenriffs treffen auf sphärische melancholische Klangfolgen. Die beiden Teile des Albums heißen „Dawn to Dusk“ und „Twilight to Starlight“ und repräsentieren den Ablauf eines Tages. Dieses Thema lässt sich auch an der Songreihenfolge nachvollziehen. Trotzdem ist Mellon Collie kein Konzeptalbum. Heute gilt es als eines der erfolgreichsten Doppelalben aller Zeiten.
1996 folgte ein Box-Set mit den gesammelten Singles aus dieser Periode: The Aeroplane Flies High. Neben den von Mellon Collie ausgekoppelten Single-Tracks sind dort 28 weitere B-Seiten und Outtakes zu finden, die während der Aufnahmen zu Mellon Collie entstanden waren, es jedoch nicht auf das Album schafften. Trotz der Beschränkung dieser Songs auf B-Seiten-Tracks liegen auch sie wie bereits Pisces Iscariot zwei Jahre zuvor auf einem sehr hohen musikalischen Niveau.
1996 verabreichten sich Jimmy Chamberlin und Jonathan Melvoin, der Tour-Keyboarder der Band, in einem Hotelzimmer eine Überdosis Heroin, die für Melvoin tödlich endete. Die Band beschloss daraufhin, sich von Jimmy Chamberlin zu trennen.
In dieser Periode entstanden u. a. die Lieder Tonight, Tonight, Bullet with Butterfly Wings, Zero, Here Is No Why, Galapogos, Thru the Eyes of Ruby, 1979, Bodies und Medellia of the Grey Skies.
1997 steuerte die Band zum Soundtrack des Films Batman & Robin die Songs The End Is the Beginning Is the End und The Beginning Is the End Is the Beginning bei. Ersterer erschien auch als Single mit dazugehörigem Musikvideo. Des Weiteren schrieb Billy Corgan den Song Eye für den Film Lost Highway.
1997–1999: Adore Nach langem erfolglosem Suchen nach einem Ersatz für Chamberlin wurde dieser schließlich für unersetzlich erklärt und die Smashing Pumpkins nahmen 1997 das Album Adore zu dritt auf. Diese Platte unterscheidet sich vom Sound her frappierend von ihren Vorgängern: Man verzichtete hauptsächlich auf die massiven Gitarrenklänge und benutzte bis auf wenige Ausnahmen eine Drummachine, was dem Album einen sehr elektronischen, avantgardistischen Anstrich verleiht. Viele Kritiker und Hörer störten sich daran und so wurde Adore von vielen Seiten abgelehnt. Objektiv gesehen jedoch führt dieses Album die für die Pumpkins so typischen Melodien fort. Es zeichnet sich des Weiteren durch eine tieftraurige, schwermütige Stimmung aus, was u. a. darauf zurückzuführen ist, dass Corgan schwere Schicksalsschläge wie den Tod seiner Mutter (Martha Corgan) und die Trennung von seiner langjährigen Ehefrau verarbeitete und, wie er in einem Interview zu dem Album gestand, weil Billy Corgan erst einmal Abstand von der Rockszene nehmen wollte. Stücke dieser Zeit: Ava Adore, Perfect, Daphne Descends, Tear, For Martha …
1999 nahm Billy Corgan gemeinsam mit dem Pianisten Mike Garson (der die Band zuvor bereits auf ihrer Tour zu Adore begleitet hatte) den Score zum Film Stigmata auf. Darunter war auch das von Natalie Imbruglia gesungene Lied Identify, dessen Text ebenfalls von Corgan stammt.
D’arcy Wretzky gilt als Depeche-Mode-Fan und war auch diejenige, die Corgan dazu brachte, ein Cover des Depeche-Mode-Songs Never Let Me Down Again einzuspielen. Das Lied erschien auf dem Soundtrack zu Nicht noch ein Teenie-Film! sowie dem Tributealbum For the Masses.