mini|Christian VIII. Porträt von Louis Aumont, 1831.

Christian VIII. Friedrich (* 18. September 1786 in Kopenhagen; † 20. Januar 1848 auf Schloss Amalienborg in Kopenhagen) war von 1839 bis 1848 König von Dänemark und Herzog von Schleswig, Holstein und Lauenburg. Zudem war er kurzzeitig 1814 König von Norwegen.

Frühe Jahre (1786–1813)

Herkunft und Familienhintergrund

mini|Erbprinzessin Sophie Friederike und Erbprinz Friedrich mit den ältesten Kindern. Prinz Christian Friedrich steht beim Vater. Porträt von Jens Juel, 1790.

Prinz Christian Friedrich von Dänemark und Norwegen erblickte das Licht der Welt am 18. November 1786 auf dem Schloss Christiansborg, der Hauptresidenz des dänischen Königshauses auf der Insel Slotsholmen im Zentrum von Kopenhagen. Er war offiziell der älteste Sohn und das älteste überlebende Kind von Sophie Friederike von Mecklenburg (1758–1794), Tochter des Herzogs Ludwig zu Mecklenburg, und des Erbprinzen Friedrich von Dänemark, Sohn des Königs Friedrich V. aus dessen zweiter Ehe mit Juliane von Braunschweig-Wolfenbüttel. In den ersten zehn Ehejahren vor seiner Geburt hatte seine Mutter drei Töchter geboren, die alle tot zur Welt gekommen waren. In den folgenden sechs Jahren wurde drei jüngere Geschwister, Juliane Sophia, Louise Charlotte und Friedrich Ferdinand, geboren.

In der Familie war es jedoch ein offenes Geheimnis, dass Friedrich von Blücher (1760–1806), der Adjutant und Hofchef des Erbprinzen und Bruder von Conrad Daniel von Blücher-Altona, der wahrscheinliche biologische Vater von Christian Friedrich und seinen drei jüngeren Geschwistern war. In einem Brief des Kronprinzen Friedrich an seinen Schwager, den Herzog von Augustenburg, von 1805 erwähnt er das Wohlwollen des Erbprinzen seinem Hofchef gegenüber und schreibt weiter: „... mein Onkel schätzt den Schöpfer der vier, sehr liebenswerten Prinzen und Prinzessinnen zu sehr, um ihn wegschicken zu wollen“.

Als Christian Friedrich geboren wurde, war sein Onkel Christian VII. König von Dänemark-Norwegen. Aufgrund einer psychischen Erkrankung war er jedoch nicht in der Lage zu regieren. Erbprinz Friedrich hatte daher nach Struensees Sturz 1772 gemeinsam mit seiner Mutter, der Königin-Witwe Juliane Marie und ihrem Berater, Minister Ove Høegh-Guldberg, die Regentschaft für seinen Halbbruder geführt, bis der Sohn des Königs, der junge Kronprinz Friedrich, sie 1784 bei einer Palastrevolution entmachtet hatte. Der eigentliche Herrscher war also der Cousin des neugeborenen Prinzen, und in der Kindheit von Prinz Christian Friedrich hatte seine Familie ein angespanntes Verhältnis zu Kronprinz Friedrich und seiner Familie aufgrund der Machtkämpfe um den König. Allmählich normalisierte sich aber das Verhältnis zwischen den beiden Zweigen der königlichen Familie.

Erziehung und Jugend

Seine frühen Lebensjahre verbrachte Prinz Christian Friedrich mit seinen Geschwistern im Barockschloss Christiansborg. Als Sommerresidenz der Familie kaufte Erbprinz Friedrich 1789 das kleinere und elegante Lustschloss Schloss Sorgenfri am Ufer des kleinen Flusses Mølleåen in Kongens Lyngby nördlich von Kopenhagen. Beim Brand von Schloss Christiansborg im Februar 1794 verlor die Familie ihr Zuhause in Kopenhagen und zog ins Palais Levetzau, heute auch das Palais Christian VIII. genannt, ein Stadtpalais im Rokoko-Stil, das einen Teil der Schlossanlage Amalienborg im Kopenhagener Stadtteil Frederiksstaden bildet. Im November 1794, als Prinz Christian Friedrich acht Jahre alt war, starb seine Mutter, die sich in einem schlechten Gesundheitszustand befand, auf Schloss Sorgenfri im Alter von nur 36 Jahren.

Christian Friedrich wurde nach Richtlinien von dem 1784 aus der Regierung verdrängten Minister Ove Høegh-Guldberg konservativ erzogen. Seine Erziehung war geprägt von einer gründlichen und breiten Ausbildung, in der er mit Künstlern und Wissenschaftlern zusammentraf, die mit dem Hof seines Vaters verbunden waren. Er hat die Talente seiner hochbegabten Mutter geerbt, und schon früh wurde seine Liebe zur Naturwissenschaft und zur Kunst, die ihm sein Leben lang folgen wurde, geweckt. Seine Liebenswürdigkeit und sein hübsches Aussehen sollen ihn in Kopenhagen sehr beliebt gemacht haben.

Am 22. Mai 1803 wurde er in der Schlosskirche Frederiksberg zusammen mit seinen Schwestern Louise Charlotte und Juliane Sophie konfirmiert. Eineinhalb Jahre später, am 7. Dezember 1805, starb sein Vater Erbprinz Friedrich im Alter von nur 52 Jahren und der neunzehnjährige Prinz Christian Friedrich trat seinen Platz als Nummer zwei in der Nachfolge an und übernahm die beiden Residenzen Palais Levetzau und Schloss Sorgenfri. Als auch König Christian VII. am 13. März 1808 starb, wurde Kronprinz Friedrich als Friedrich VI. zum König Dänemarks und Norwegens. Da der neue König noch ohne männliche Nachkommen war, wurde Christian Friedrich dabei präsumtiver Thronfolger.

1809 wurde er Präsident der Königlichen Akademie der schönen Künste in Kopenhagen.

Erste Ehe mit Charlotte Friederike zu Mecklenburg

mini|hochkant|Charlotte Friederike zu Mecklenburg. Porträt von Carl Frederik von Breda, um 1806

Bei einem Besuch bei der Familie seiner Mutter in Mecklenburg hielt er sich am Hof seines Onkels in Schwerin auf. Dort verliebte er sich in seine Cousine Charlotte Friederike von Mecklenburg-Schwerin. Sie war die jüngste Tochter seines Onkels, des Herzogs Friedrich Franz I. zu Mecklenburg, und dessen Frau Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg. Die Hochzeit fand am 21. Juni 1806 in Ludwigslust in Mecklenburg statt.

Das Ehepaar ließ sich zunächst abseits vom Hof auf Schloss Plön im Herzogtum Holstein nieder. Hier gebar Charlotte Friederike am 8. April 1807 ihr erstes Kind, einen Sohn Christian Friedrich, der jedoch noch am Tag der Entbindung starb. Ab 1808 lebte das Paar in Kopenhagen, wo sie in Palais Levetzau einzogen. Hier brachte Charlotte Friederike am 6. Oktober 1808 das einzige überlebende Kind des Paares zur Welt, ihren Sohn Friedrich Carl Christian, den späteren König Friedrich VII.

Die Ehe wurde jedoch unglücklich. Charlotte Friederike wurde in ihrer Jugend als sehr schön beschrieben, galt aber auch als launisch, witzig, frivol und verschwenderisch, Eigenschaften, die später bei ihrem Sohn Friedrich VII. wiederkehren sollten, und konnte sich nicht an das steife Hofzeremoniell gewöhnen. 1809 wurde Prinzessin Charlotte Friederike vom Hof verbannt wegen einer Affäre mit ihrem Gesangslehrer, dem Komponisten, Geiger und Hofmusiker Jean Baptiste Édouard Du Puy. Die Ehe wurde daher am 31. März 1810 nach nur vier Jahren geschieden.

Charlotte Friederike wurde zunächst nach Altona im Herzogtum Holstein verbannt, später lebte sie in einem Schloss bei Horsens in Jütland. Ihren Sohn durfte sie nicht wiedersehen. 1829 verließ sie Dänemark und zog unter dem Inkognito „Frau von Gothen“ erst nach Karlsbad und von dort 1830 nach Vicenza im Königreich Lombardo-Venetien, wo sie zum Katholizismus konvertierte. Sie ließ sich Anfang 1833 in Rom nieder, wo sie 1840 nach langer Krankheit starb. Die Erinnerung an diese Ehe soll Christian VIII. Zeit seines Lebens gequält haben.

König von Norwegen (1814)

Statthalter in Norwegen

1811 unterstützte der Prinz den Wunsch der Norweger nach einer eigenen Universität in Christiania gegen Friedrich VI. mit dem Erfolg, dass 1813 die Universität Oslo gegründet werden konnte. Als Christian Friedrich 1813 Statthalter in Norwegen wurde, erfreute der sich dort deshalb großer Beliebtheit. Man nannte ihn Tvende Rigers Haab (Hoffnung zweier Länder).

König von Norwegen

Am 14. Januar 1814 musste der Dänische Gesamtstaat durch den Kieler Frieden das Königreich Norwegen an Schweden abtreten. Die neue Personalunion sollte einerseits das Expansionsinteresse des schwedischen Kronprinzen Karl Johann – vor der Adoption als Jean-Baptiste Bernadotte französischer Marschall – erfüllen. Andererseits wollte Großbritannien das mit Napoleon I. verbündete Dänemark nachhaltig schwächen.

Christian Friedrich weigerte sich, die Verzichtserklärung seines königlichen Vetters auf Norwegen anzuerkennen, sondern versuchte, mit Hilfe des norwegischen Volkes ein souveränes Königreich Norwegen zu errichten, wobei die Norweger ihn nicht als absolutistischen König anerkennen wollten, sondern sich auf ihr Königswahlrecht beriefen und eine liberale Verfassung mit konstitutioneller Monarchie forderten. Christian Friedrich wurde am 25. Februar 1814 in Trondheim zum Regenten proklamiert, während die Volksvertreter eine verfassungsgebende Versammlung wählten, die die Verfassung von Eidsvoll erarbeitete. Auf dem Reichstag von Eidsvoll, an dem am 17. Mai 1814 die neue Verfassung verabschiedet wurde, wurde Christian Friedrich zum Erbkönig von Norwegen gewählt und legte zwei Tage später seinen Eid auf die Verfassung vor dem konstituierten Storting ab.Geschichte des norwegischen Stortings

Kronprinz Karl Johann von Schweden setzte jedoch eine Armee gegen Christian Friedrich in Marsch und die britische Flotte führte eine Blockade gegen Norwegen durch. Christian Friedrich musste am 14. August 1814 den Waffenstillstand von Moss, der den Schwedisch-Norwegischen Krieg beendete, unterzeichnen und am 10. Oktober dieses Jahres als König von Norwegen abdanken. Die Krone fiel an Karl XIII. von Schweden.

Dänischer Prinz und präsumtiver Thronfolger (1815–1839) Zweite Ehe mit Caroline Amalie von Augustenburg mini|hochkant|Caroline Amalie von Augustenburg, 1816.

Nach seiner Rückkehr aus Norwegen unternahm Christian Friedrich einen Versuch zur Versöhnung mit seiner ersten Frau, verlobte sich dann aber im Dezember 1814 mit seiner Cousine Caroline Amalie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, der Tochter des im selben Jahr verstorbenen Herzogs Friedrich Christian II. von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg und der Schwester des dänischen Königs Louise Auguste von Dänemark. Sein Schwiegervater hatte aufgrund seiner Ehe für sich und seine Nachkommen Anspruch auf den dänischen Thron erhoben. Die Hochzeit wurde am 22. Juni 1815 in Schloss Augustenburg auf der Insel Alsen im Herzogtum Schleswig gefeiert. Diese zweite Ehe blieb kinderlos.

Leben als Thronfolger mini|hochkant|Prinz Christian Friedrich. Büste von Bertel Thorvaldsen, 1821.

Im selben Jahr wurde Christian Friedrich Statthalter von Fünen, blieb aber ohne politischen Einfluss. „Seine für einen Oldenburger ungewöhnlich reichen Gaben“ konnte er nicht einsetzen. Er konnte sich hingegen in dieser Zeit der Kunst und den Wissenschaften widmen, namentlich der Mineralogie und der Geologie. Zwischen 1818 und 1822 unternahmen er und Caroline Amalie ausgedehnte Reisen durch Europa. Sie betätigten sich als Förderer der Wissenschaften und als Kunstmäzene, unter anderem für den Bildhauer Bertel Thorvaldsen, den sie in Rom besuchten und den Christian Friedrich beauftragte, den Bildschmuck für die beim Bombardement Kopenhagens 1807 niedergebrannte und ab 1817 neuerbaute Frauenkirche in Kopenhagen herzustellen, darunter die berühmte Christusfigur.

Christian Friedrichs demokratische Tendenzen brachten ihm das Misstrauen der Regierung ein. Erst 1831 berief ihn sein Cousin, König Friedrich VI., in den Staatsrat. Doch obwohl die Liberalen aufgrund der modernen norwegischen Verfassung große Hoffnungen auf Christian Friedrich setzten, hatte dieser sich 1838 bei einem Gespräch mit Metternich in Österreich dafür ausgesprochen, nicht von der Ständeverfassung abzugehen, um die Ruhe im Reich nicht zu gefährden.