mini|Helm des preußischen Garde-Du-Corps, Zeichnung von Anton von Werner, 1871 mini|Hochmittelalterlicher Topfhelm Ein Helm ist eine stabile, schützende Kopfbedeckung gegen mechanische Einwirkungen und somit Teil der Schutzkleidung, im militärischen Bereich auch Teil der Uniform. Für verschiedene Tätigkeiten gibt es eine Helmpflicht.

Ursprünglich nur im militärischen Bereich genutzt, leistet heute der Helm auch im zivilen Bereich einen Beitrag zum Schutz vor (Kopf-)Verletzungen. Helme bestanden ursprünglich aus Leder, Kupfer, Bronze, Eisen oder Stahl, aber auch aus verstärkten Textilien und sogar aus Gold. Paradehelme dienen der Repräsentation und nicht mehr nur dem Schutz.

Heute bestehen Helme in der Regel aus Kunstharz, der mit widerstandsfähigen Fasern, zum Beispiel aus Aramid („Kevlar“) verstärkt ist. Bei Soldaten dient der Helm nicht primär dem Schutz vor direkt eintreffenden Projektilen, da die Durchschlagskraft üblicher Gewehrkaliber zu groß ist, sondern vor umherfliegenden Splittern, Gegenständen und Querschlägern, sowie Pistolenmunition., Technische Lieferbedingungen der Bundeswehr zum Standard-Gefechtshelm auf bwb.org.

Geschichte des Helms Frühe Helme

mini|hochkant|Spitzhelm, 8. Jh. v. Chr., Bronze

Es ist anzunehmen, dass die Menschen bereits seit vor- und frühgeschichtlicher Zeit versucht haben, die empfindliche Kopfpartie vor Waffenwirkung zu schützen. Dabei dürfte man Kopfbedeckungen aus verstärkten Textilien, Fell, Leder und ähnlichem verwendet haben. Homer beschreibt in der Ilias Filzkappen, die mit Lederstreifen überzogen waren, auf denen bei herausragenden Helden Reihen von Wildschweinhauern befestigt waren.

Die ältesten erhaltenen Helme stammen aus dem sumerischen Kulturraum. Die Sumerer benutzten seit Anfang des 3. Jahrtausends v. Chr. schlichte Bronzehelme mit Ohrenschutz, die Stirn und Gesicht aber ungeschützt ließen. Für Angehörige der sumerischen Oberschicht wurden offenbar Helme aus Gold angefertigt. In derselben Epoche dürften auch die Ägypter Bronzehelme verwendet haben, zudem kamen Kopfbedeckungen aus verstärktem Leinen zum Einsatz. Die ersten Eisenhelme wurden wahrscheinlich seit dem 14. Jahrhundert v. Chr. von den Hethitern verwendet. Von den schlichten, konischen Helmen der Hethiter wurden manche offenbar mit Hörnern versehen. Auch die Dorer, die seit dem 12. Jahrhundert v. Chr. in das heutige Griechenland vordrangen, benutzten Eisenhelme. Die dort vorherrschende Mykenische Kultur verwendete noch Bronzehelme, zudem kamen Lederhelme zum Einsatz, an deren Außenseite die Zähne von etwa 30 bis 40 Ebern angebracht waren und die deshalb Eberzahnhelme genannt werden. Einer der ältesten Helme aus dem Gebiet nördlich der Alpen stammt aus Thonberg in Oberfranken. Dieser Bronzehelm aus der Urnenfelderzeit stammt aus dem 12. Jahrhundert vor Christus. Er ist rund und relativ schmucklos.

Antike griechische Helme

mini|hochkant|Korinthischer Helm

Durch die Einwanderung der Dorer wurde im griechischen Kulturkreis die Eisenzeit ausgelöst, doch fertigten die Griechen noch jahrhundertelang Helme aus Bronze. Es entstanden verschiedene Helmarten, die nach der jeweiligen griechischen Region benannt sind, in der sie zuerst gebräuchlich wurden. Bei dem korinthischen Helm handelt es sich um den wohl bekanntesten griechischen Helmtypus. Er entstand zu Beginn des 7. Jahrhunderts v. Chr. und wurde aus einer einzigen Bronzeplatte geschmiedet. Der korinthische Helm richtete sich stark nach der menschlichen Schädelform und schützte mit seinen Wangenstücken und dem Nasenteil einen Großteil des Kopfes. Wie die meisten griechischen Helme war er häufig mit einer Pferdemähne (Lophos) verziert. Aus dem korinthischen Helm entwickelten sich der chalkidische und der attische Helm, die ihrem Träger ein größeres Blickfeld ließen. Alle diese Helmarten ließen sich leicht bis zur Stirn zurückziehen, um in einer Gefechtspause ein uneingeschränktes Blickfeld und eine ungehinderte Atmung zu ermöglichen. Im 4. Jahrhundert v. Chr. lösten sie den korinthischen Typ weitestgehend ab, zusammen mit dem thrakischen Helm, welcher auch als phrygischer Helm bezeichnet wird. Letzterer wurde zwar von den Griechen selbst erfunden, erinnerte teilweise an die traditionelle Filzmütze der Thraker (eine Form der phrygischen Mütze), mit seinen langen Wangenstücken und der hohen, häufig nach vorne gebogenen Helmglocke. Daneben existierten (wie fast immer) auch zahlreiche Mischformen, welche Merkmale verschiedener Gattungen aufwiesen.

In der Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. kam im griechischen Kulturkreis der böotische Helm auf, der vom Gesicht nur die Stirn schützte und das Sichtfeld nicht einschränkte. Da für die Reiterei eine ungehinderte Sicht wichtiger war als für die in einer dichten Phalanx kämpfenden Hopliten, wurde der böotische Helmtypus bei ihr schnell beliebt. Trotzdem verwendeten Reiter dieser Zeit auch die oben genannten Helmtypen.

Römische Helme (cassis)

mini|hochkant|Helm eines Centurios (Nachbildung) aus der Kaiserzeit, mit querliegendem Helmbusch (crista transversa(ria))

Die Helme der Römer wurden in der frühen römischen Geschichte stark von anderen Kulturen beeinflusst, besonders von der etruskischen, keltischen und griechischen. Varianten des chaldikischen und des attischen Helms waren bei den Römern als Cassis üblich, sowie der Etrusko-Korinthische Helm und schlichte konische Helme. Unter keltischem Einfluss wurde von den Fußsoldaten ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. der Helm Typ Montefortino, ein sehr einfacher Helm mit Wangenklappen, bevorzugt, während Offiziere und Reiterei weiterhin besonders Helme wie den attischen trugen. Alle diese Helme konnten mit Federn bzw. Pferdehaar (crista) verziert sein und besaßen meist hochklappbare Wangenstücke.

Nach der Eroberung Galliens durch Gaius Iulius Caesar im 1. Jahrhundert v. Chr. ließen die Römer dort einheitliche Helmtypen produzieren. Zunächst war das der Hagenau/Coolus-Typ, ein Bronzehelm mit runder Glocke und Wangenklappen keltischen Stils, welche mit Lederbändern zusammengebunden werden konnten. Er besaß außerdem einen fast waagrechten Nackenschutz, einen nur angedeuteten Augenschirm und oben eine Spitze, an der man einen herabhängenden Schweif aus Pferdehaar befestigen konnte. Bald ging man dazu über, diese Helmzier nur mehr bei Paraden zu tragen. Ab dem 1. Jahrhundert wurden Eisenhelme verwendet, bekannt als Kaiserlich-Gallische Helme (Weisenau). Diese ähnelten dem Coolus-Helm, besaßen jedoch zunächst eine flachere Glocke. Bald wurde die Glocke aber wieder höher, und der Nackenschirm zeigte mehr nach unten. Außerdem konnte der Helm einen angedeuteten Helm haben sowie bronzene Beschläge (als Verzierung und Verstärkung) und Ohrenschutz. Eine beliebte Verzierung waren vorne eingravierte „Augenbrauen“. Die Helme wurden bald auch von italienischen Schmieden nachgebaut. Diese waren mit traditionell-italienischen Wangenklappen ausgestattet und oft von niedrigerer Qualität als die Originale.

Gegen Ende des weströmischen Reiches wurden spätantike Kammhelme getragen. Bei diesen setzte sich die sehr hohe Helmglocke aus zwei Hälften zusammen, die Wangenstücke waren ziemlich groß und unbeweglich, der Nackenschutz hingegen kurz und durchgehend fast senkrecht. Auf die Vorderseite konnten angedeutete Augen als Zierde eingraviert sein.

Die Römer scheinen als erstes Volk dazu übergegangen zu sein, spezialisierte Helmarten anzufertigen, insbesondere für Gladiatorenkämpfe. Der bekannteste Gladiatorenhelm ist der des Murmillo. Dieser Helm besitzt einen großen Stirn- und Nackenschutz und einen gitterartigen Gesichtsschutz. Zudem ist er mit einem großen Kamm ausgestattet, der mit einer Helmzier versehen werden konnte.

Völkerwanderung und Frühmittelalter

mini|hochkant|Spangenhelm im Kunsthistorischen Museum Wien ca. 500 n. Chr.

Der dominierende Helmtypus dieser Zeit war der von den Sarmaten eingeführte Spangenhelm, der sowohl bei Römern und Byzantinern als auch bei den germanischen Völkern rege Verbreitung fand. Dieser Helm bestand aus 3–6 durch einen Stirnreif fixierten Metallbügeln. Die Lücken zwischen Stirnreif und Metallbügeln wurden mit Metallplatten verschlossen. Spangenhelme verfügten oftmals über flexible Backenstücke und einen Nackenschutz aus Kettengeflecht. Seit dem 6. Jahrhundert wurden in Westeuropa neben Spangenhelmen und verwandten Typen, wie Bandhelmen auch Lamellenhelme eingesetzt.Mahand Vogt: Spangenhelme. Baldenheim und verwandte Typen (= Kataloge vor- und frühgeschichtlicher Altertümer. Band 39). Verlag Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 2007, ISBN 978-3-7954-2006-2 (online). In Skandinavien und im angelsächsischen Bereich wurden während der Vendelzeit und Wikingerzeit sogenannte nordische Kammhelme verwendet, die zum Teil mit einem speziellen Augenschutz (Brillenhelm), einem Gesichtsschutz aus Kettengeflecht oder eine anthropomorphen Gesichtsmaske (Maskenhelm) versehen waren. Ein karolingischer Helmtyp der Franken ist im Goldenen Psalter von St. Gallen und in der Vivian-Bibel, also auf Abbildungen des 9. Jahrhunderts überliefert. Funde dieses Helmtyps liegen nicht vor. Im Leidener Makkabäer-Codex aus dem frühen 10. Jahrhundert werden zahlreiche Krieger mit Bandhelmen abgebildet.David Nicolle: Carolingian Cavalryman AD 768–987. Osprey Publishing, Oxford / New York 2005, ISBN 978-1-84176-645-4 (englisch). Im slawischen Bereich sind aus dem frühen Mittelalter (etwa 10. bis 11. Jahrhundert) spitzkonische Helme bekannt, die aus mehreren Segmenten bestehen. Funde solcher Helme stammen etwa aus den polnischen Orten Olszówka und Gorzuchy. Der Helm des hl. Wenzel (Prag) zählt zu den ältesten Helmen konischer Form.

Hochmittelalterliche Helme

mini|hochkant|Nasalhelm aus dem 11. Jahrhundert

Im Hochmittelalter wurde die Schmiedekunst verbessert, sodass ab dem 10. Jahrhundert n. Chr. konische Helme auftauchten, die aus einer einzigen Eisenplatte gefertigt wurden. Zudem wurde es üblich, Spangenhelme und auch die neuen Helme aus einer Platte mit einem Nasenschutz zu versehen, der zum unteren Ende hin immer breiter wird. Dieser hochmittelalterliche Nasalhelm wird manchmal fälschlicherweise als Normannenhelm bezeichnet, obwohl er im Hochmittelalter in Europa weit verbreitet war. Im 12. Jahrhundert traten neben den konischen Nasalhelm zylindrisch geformte Helme. Diese Helme besaßen zunächst auch ein Nasenstück, das schnell von einem fixierten Visier mit Seh- und Luftschlitzen verdrängt wurde. Daraus entwickelte sich der Topfhelm, der im Laufe der Zeit der Schädelform leicht angepasst wurde und deshalb nicht mehr zylindrisch war. Etwa zur selben Zeit entstanden Helmarten wie der schlichte Eisenhut mit breiter Krempe und die dem Schädel angepasste, konische Beckenhaube, die bis auf das Gesicht den gesamten Kopf schützte und oftmals unter dem Topfhelm getragen wurde. Der Topfhelm blieb bis in das 14. Jahrhundert hinein der effektivste Kopfschutz des europäischen Ritters.

Helme des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit

mini|hochkant|Ritter mit Schaller, Spätmittelalter, Albrecht Dürer

In der Mitte des 14. Jahrhunderts entwickelte sich aus der schlichten Beckenhaube die so genannte Hundsgugel mit spitz zulaufender Glocke und einem langen, hundeschnauzeartigen Visier. Die Hundsgugel wurde meistens durch ein Kettengeflecht zum Schutz von Hals und Nacken ergänzt und bot eine bessere Sicht und besseren Schutz als der Topfhelm. Zudem wurden spezielle Turnierhelme geschmiedet wie zum Beispiel der Froschmaulhelm, der über zehn Kilogramm wiegen konnte.