mini|hochkant=1.3|Blick über den Weiher auf die Altstadt

Baumholder ist eine Stadt im Landkreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz im Westrich gelegen. Sie ist der Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde und gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.

Allgemeines Bekannt ist die Stadt Baumholder als eine der größten US-Garnisonen in Deutschland, die sich seit den 1950er Jahren auf dem Gelände des direkt an das Stadtgebiet angrenzenden Truppenübungsplatzes Baumholder entwickelt hat.

Landschaftlich, wirtschaftlich, aber auch gesellschaftlich prägen die hier lebenden rund 15.000 US-Amerikaner seitdem wesentlich das Stadtbild. Weiterführende Artikel: Baumholder Army Airfield, Ausländische Militärbasen in Deutschland.

Zu Baumholder gehören auch die Wohnplätze Breitsesterhof, Eschelbacherhof, Guthaus Edingers-Mühle, Haus Debes und Im kleinen Tal.

Bevölkerung Die Bevölkerung Baumholders ist überwiegend bürgerlich. Landwirtschaft spielt heute nur noch vereinzelt und in einigen umliegenden Ortsgemeinden und Höfen eine Rolle.

Sprache Der regionale Dialekt ähnelt dem vor allem im Osten des Saarlandes gesprochenen saarländischen Dialekt (Rheinfränkischer Dialekt).

Beim Kontakt mit Personen aus anderen Regionen Deutschlands wird oftmals der Verdacht geäußert, der Sprecher sei aus dem Saarland. Interessanterweise ist der regionale Dialekt ein „Inseldialekt“, da in allen benachbarten Ortsgemeinden und Städten (Kusel, Idar-Oberstein, Freisen), selbst in den am nächsten liegenden saarländischen Ortsgemeinden, eine deutlich andere Aussprache zu erkennen ist.

Durch das nahe Verhältnis zu den Amerikanern ist auch um Baumholder häufig das Englische in Benutzung.

Landschaft Baumholder liegt zwischen dem Hunsrück im Norden und dem Nordpfälzer Bergland im Süden unmittelbar auf einem Höhenzug, der die nördliche Grenze des Nordpfälzer Berglandes markiert. Dieses Gebiet wird auch Westrich genannt. Die Landschaft um Baumholder ist durch zahlreiche Wiesen, Felder sowie Laub- und Mischwälder gekennzeichnet. Ein Großteil des angrenzenden Truppenübungsplatzes dient als Rückzugsgebiet für zahlreiche selten gewordene Tier- und Pflanzenarten, wie beispielsweise Eisvogel, Luchs und Dachs, welche teilweise in der „Rote Liste gefährdeter Arten“ stehen.

Die Stadt liegt zwischen den Wassereinzugsgebieten von Nahe (Rhein) und Glan (Nahe). Am Baumholder Bach/Wasembach liegt der Stadtweiher, ein Freizeitgewässer.

Klima mini|Niederschlagsdiagramm Der Jahresniederschlag beträgt 884 mm. Der trockenste Monat ist der April. Am meisten regnet es im Dezember. 76 % der Messorte des Deutschen Wetterdienstes zeigen niedrigere Werte an; der Niederschlag liegt somit im oberen Drittel. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im mittleren Drittel. In 46 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.

Geschichte Mittelalter bis 19. Jahrhundert Urkundlich ist Baumholder erstmals 1156 als Besitz des Bischofs von Verdun erwähnt. Im 14. Jahrhundert gehörte es den Grafen von Veldenz und wurde 1444 pfalz-zweibrückisch. Durch den Herzog von Zweibrücken erhielt Baumholder 1490 das Recht, den Flecken befestigen zu lassen. Durch zahlreiche Privilegien wurde sein Rechtsstatus an den einer Stadt angeglichen. Unter napoleonischer Herrschaft war Baumholder Mittelpunkt eines Kantons im Arrondissement de Birkenfeld. Mit dem Fürstentum Lichtenberg gehörte Baumholder seit 1816 als Exklave zu Sachsen-Coburg-Saalfeld; nach dem Verkauf wurde das Fürstentum 1834 preußisch und gehörte zum neuen Kreis St. Wendel in der Rheinprovinz. 1835 wurden Baumholder die Stadtrechte verliehen.

Im Jahre 1880 zerstörten Großbrände große Teile der Altstadt, so dass heute kaum noch Reste der spätmittelalterlichen Bebauung zu sehen sind.

20. Jahrhundert Mit der Bildung des Saargebietes wurde Baumholder 1919 vom Kreis St. Wendel getrennt und war fortan Kreisstadt des Restkreises Sankt Wendel-Baumholder. Als das Saargebiet 1935 zum Deutschen Reich zurückkehrte, blieben beide Landkreise getrennt. Am 1. April 1937 wurde der Restkreis in den Landkreis Birkenfeld eingegliedert.

Zur „Entschädigung“ für den Verlust des Kreisstadt-Status wurde Baumholder Garnisonstadt, und die Wehrmacht errichtete hier Kasernen und einen Truppenübungsplatz. Dafür wurden mehrere Tausend Bewohner umgesiedelt. Von 1941 bis 1945 gab es auf dem Truppenübungsplatz ein Gefangenenlager für sowjetische,Deutsches Historisches Museum, Zeitzeugenbericht: Kriegsgefangene Rotarmisten in Baumholder polnische und andere Gefangene.

mini|Baumholder, Truppenübungsplatz (2005) Nach dem Zweiten Weltkrieg waren nach einem kurzen Aufenthalt der US-Armee einige Jahre lang französische Soldaten in Baumholder stationiert. Diese verließen die Garnison, als die Amerikaner zurückkehrten.

Der Truppenübungsplatz wurde durch die US-Armee ab 1951 zu einer der größten US-Garnisonen in Deutschland ausgebaut. Hierdurch erfuhr Baumholder in den 1950er Jahren einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung: Es entstanden Bars, Tanzdielen (Discos) und Varietés. In der kleinen Gemeinde fuhren rund 50 Taxis. Das durch die Kaufkraft der Amerikaner in dieser Zeit finanzierte „sündige“ Nachtleben der Stadt führte damals zu bundesweiten Pressemeldungen. Im Umfeld der Stadt boten unzählige Prostituierte ihre Dienste sogar in Zelten an. Die Bundesregierung bezeichnete die Region damals als „moralisches Notstandsgebiet“.vergleiche auch: Maria Höhn: Amis, Cadillacs und »Negerliebchen«. GIs im Nachkriegsdeutschland, 2008 und Verwaltungsbericht der Kreisverwaltung Birkenfeld/Nahe 1950–1955. Von 1954 bis 1967 betrieb daher die Evangelische Kirchengemeinde in der Achtallee ein Haus der offenen Tür für junge Mädchen. Von der katholischen Kirchengemeinde wurde ab Sommer 1953 beim Friedhof (Hinterm Turm 1) ein viergeschossiges Jugendwohnheim für Mädchen für 60 Betten erbaut.Baubeschreibung, geprüft vom Kreisbaumeister in Birkenfeld am 14. Juli 1953

Am 1. Januar 1978 wurde das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Zaubach in das gemeindefreie Gebiet Gutsbezirk Baumholder eingegliedert.

Am 1. Januar 1994 wurde der den Truppenübungsplatz umfassende Gutsbezirk Baumholder in die Gemeinde Baumholder eingegliedert, wobei Teile auch auf andere Nachbargemeinden in den Kreisen Birkenfeld und Kusel verteilt wurden.Landesgesetz über die Auflösung des Gutsbezirks Baumholder und seine kommunale Neugliederung vom 2. Nov. 1993 (GVBl. Rheinland-Pfalz S. 518)

Wirtschaftlicher Strukturwandel Der seit den 1990er Jahren eingeleitete Versuch eines Strukturwandels durch beispielsweise die Ansiedlung von Recycling-Industrie und zukunftsträchtiger Forschung am Umwelt-Campus Birkenfeld in Neubrücke hat bislang wenig Auswirkung auf die lokale Wirtschaft und den Arbeitsmarkt.

Konfessionsstatistik Am 30. Juni 2005 waren 54,0 % der Einwohner evangelisch, 25,9 % katholisch und 20,1 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an. Mit Stand Juli 2026 waren von den Einwohnern 37,8 % evangelisch, 17,9 % katholisch und 44,3 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Stadt Baumholder Gemeindestatistik Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder ist demnach im beobachteten Zeitraum beträchtlich gesunken.

Einwohnerentwicklung

Politik Stadtrat Der Stadtrat in Baumholder besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Sitzverteilung: Wahl SPD CDU FDP FWG LfB Gesamt 2024 7 – 2 6 5 20 SitzeBaumholder, Gemeinde- / Stadtratswahl 09.06.2024 2019 6 – 2 8 4 20 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2014 7 2 1 5 5 20 Sitze 2009 8 2 2 4 4 20 Sitze 2004 8 6 2 4 – 20 Sitze FWG = Freie Wählergemeinschaft Dr. Nagel e. V. LfB = Liste für Baumholder

Bürgermeister Im Rahmen der Kommunalwahl 2014 wurde Günther Jung aufgrund des Wahlvorschlags der Freien Wählergemeinschaft mit 50,2 Prozent der Stimmen direkt zum Stadtbürgermeister gewählt. Er löste Peter Lang (SPD) ab, der das Amt 10 Jahre innehatte. Bei den Kommunalwahlen 2019 wurde Jung mit 80,1 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt.Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahlen 2019, Ergebnisse Direktwahl Bei den Kommunalwahlen 2024 setzte sich Jung bei einer Wahlbeteiligung von 54,1 % als einziger Bewerber mit 76,1 % der Stimmen erneut durch.

Partnerstädte Baumholder unterhält seit den 1960er-Jahren eine Städtepartnerschaft mit der französischen Kleinstadt Warcq (Ardennes) und seit 2011 mit der US-amerikanischen Stadt Delaware (Ohio).

Garnison Die Kasernen der AmerikanerAmerican Friends in Baumholder auf vgv-baumholder.de, abgerufen am 18. April 2023. heißen Smith Barracks und Wetzel Barracks. In den Einrichtungen der US Army leben rund 15.000 Menschen. Auch existiert das Baumholder Airfield, ein Flugplatz für militärische Zwecke. Die Amerikaner betreiben eine eigene Polizeiwache (Military Police), zwei eigene Kirchen, ein PX, ein Commissary, ein Krankenhaus, sowie eigene Schulen. Viele Geschäfte der Gemeinde akzeptieren US-Dollar als Zahlungsmittel und sind in hohem Maße von den Amerikanern abhängig.

1979–81 war der spätere Serienmörder Jeffrey Dahmer als Soldat im medizinischen Dienst der Amerikaner in Baumholder stationiert.Joel Norris: Jeffery Dahmer: A Bizarre Journey into the Mind of America's Most Tormented Serial Killer. Pinnacle 1992, ISBN 978-0-09-472060-2, S. 108.

Bis heute sind die US-Streitkräfte und die Bundeswehr die größten Arbeitgeber für die örtliche Bevölkerung.

Der Truppenübungsplatz Baumholder steht unter der Verwaltung der Bundeswehr. Auf mehr als 35 Schießbahnen und Feuerstellungen für Infanterie, Panzertruppe und Artillerie üben Soldaten der Bundeswehr, der USA und anderer NATO-Mitglieder.

Seit 2002 verlagerte die US Army ihre Übungen zunehmend auf die Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels in der Oberpfalz, die ihrer eigenen Kontrolle unterstehen. Teile der im Ort stationierten US-Truppen wurden regelmäßig im Irakkrieg eingesetzt und kehrten großteils auch wieder nach Baumholder zurück.

Am 13. Januar 2012 gab US-Verteidigungsminister Leon Panetta ein massives Sparprogramm für die US-Streitkräfte bekannt. So sollen unter anderem zwei der vier in Europa stationierten Kampfbrigaden der US Army abgezogen werden. Die 170. US-Infanteriebrigade, welche bisher in Baumholder stationiert war, wurde im Jahr 2012 aufgelöst., www.tagesschau.de

Seit 2012 wird die Baumholder Military Community aus Kaiserslautern geleitet. Es sind eine Logistikbrigade (16th SB), Flugabwehreinheiten (5–7 ADA), ein Fernmeldebataillon (44th ESB) und eine Medizinbrigade (30th MED) in Baumholder stationiert. Außerdem sind einige kleinere Einheiten in Baumholder stationiert, die einer größeren Einheit einer anderen Garnison unterliegen. Auch sind Untereinheiten von in Baumholder stationierten Einheiten in anderen Garnisonen beheimatet, z. B. im nah gelegenen Kaiserslautern oder in Grafenwöhr.

Im April 2019 wurde das 44th Expeditionary Signal Battalion (44th ESB) mit 500 Soldaten samt Familien aus Grafenwöhr nach Baumholder verlegt. Im Januar 2019 wurden für die Angehörigen dieser Einheit 84 kleinere „Townhouses“ für 48 Millionen Euro fertig gestellt, weitere sollen folgen. Neben den Investitionen in die Townhouses will die US-Armee weitere 100 Millionen Euro für die Sanierung von älteren Kasernengebäuden ausgeben. Zudem sind Mehrfamilienhäuser, Schulen und ein zusätzliches Sportgelände geplant.

Kultur und Freizeit Bauwerke Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Baumholder

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