Snofru (auch Snefru, Sneferu oder Seneferu; griechisch Soris) war der erste altägyptische König (Pharao) der 4. Dynastie im Alten Reich. Er herrschte etwa von 2670 bis 2620 v. Chr.Jahreszahlen nach Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002. In seiner Regierungszeit fanden Kriegszüge nach Libyen und Nubien sowie eine große Handelsexpedition in den Libanon statt. Berühmtheit erlangte Snofru hauptsächlich durch seine Bautätigkeit. Als einziger Pharao ließ er drei monumentale Pyramiden errichten, deren Gesamtvolumen mit circa 3,4 Mio. KubikmeterMinute 42 bis 44 in ZDFinfo. ZDF Synchronfassung 2021: Das Zeitalter der großen Pyramiden. Der große Baumeister. Ein Film von Alain Brunard und Sigrid Clément. das der größten Pyramide Ägyptens, der Cheops-Pyramide, deutlich übersteigt. Architektonisch leiteten sie den Wandel von den früheren Stufenpyramiden zur echten Pyramide ein.
Snofru wurde im gesamten späteren Verlauf der altägyptischen Geschichte in hohem Maße verehrt und der ihm zu Ehren zelebrierte Totenkult dauerte lang an. Er galt als Idealbild des gerechten Herrschers, als welcher er in mehreren literarischen Werken gewürdigt wurde.
Herkunft und Familie Die Herkunft Snofrus liegt weitgehend im Dunkeln. Mit einiger Sicherheit lässt sich nur seine Mutter bestimmen, die Meresanch I. hieß. Sie ist allerdings nicht zeitgenössisch belegt, sondern nur auf dem aus der 5. Dynastie stammenden Palermostein und in einem Graffito aus der 18. Dynastie. Auch wenn Snofru häufig als Sohn seines Amtsvorgängers Huni angesehen wird, konnte bisher weder für ihn noch für Meresanch I. irgendeine familiäre Verbindung zu Huni nachgewiesen werden.Wolfgang Helck: Geschichte des alten Ägypten (= Handbuch der Orientalistik. Abteilung 1: Der Nahe und Mittlere Osten. Band 1). Brill, Leiden / Köln 1981, S. 51–52, (Onlineversion). Pierre Montet vermutete daher bereits in den 1960er-Jahren, dass Snofru nicht mit dem Königshaus verwandt war, sondern ursprünglich ein Provinzbeamter aus der Gegend von Beni Hasan war. Grund für diese Annahme war die Nennung des Ortsnamens „Menat-Snofru“ im Totentempel von Snofrus Meidum-Pyramide. In Beni Hasan selbst wiederum wird in einigen Gräbern ein Ort namens Menat-Chufu genannt. Montet vermutete, dass beide Orte identisch sind und lediglich nach dem Amtsantritt von Snofrus Nachfolger Cheops (Chufu), der laut Montet ebenfalls von hier stammte, eine Umbenennung erfolgte.Pierre Montet: Géografie de l'Égypte ancienne. Deuxième partie: To-chemâ, la Haute Égypte. Paris 1961, S. 160, (PDF; 11,0 MB). Ohne weitere Belege müssen diese Überlegungen vorerst hypothetisch bleiben.
Die einzige bekannte Ehefrau Snofrus war Hetepheres I., die allerdings nicht den Titel einer Königsgemahlin trug und daher wohl nur als Nebenfrau anzusehen ist. Aus dieser Verbindung gingen zwei Söhne hervor, zum einen Snofrus Thronfolger Cheops und nach neueren Erkenntnissen wohl auch Kawab, der bisher als jung verstorbener Kronprinz des Cheops angesehen wurde.Roman Gundacker: Ein Beitrag zur Genealogie der 4. Dynastie. In: Sokar. Nr. 16, 2008, S. 22–51.
Mehrere weitere Kinder stammten von unbekannten Ehefrauen. Söhne waren Rahotep, Nefermaat, Anchhaf (den Rainer Stadelmann allerdings für einen Sohn des Cheops hält), Netjeraperef sowie möglicherweise Ranefer, Kanefer und Iynefer. Hinzu kommt noch ein weiterer Prinz, der nur durch sein monumentales Mastaba-Grab M17 in Meidum bekannt ist, dessen Name allerdings nicht überliefert ist. Töchter Snofrus waren Hetepheres, die Ehefrau des Anchhaf, sowie Neferetkau und Neferetnesu. Meritites I., eine Gemahlin des Cheops, wird ebenfalls als Tochter des Snofru angesehen. Nach einem neueren Vorschlag könnte sie statt einer Tochter eine Nebengemahlin des Snofru gewesen sein und wurde nach dessen Tod die Königsgemahlin von Cheops.
Herrschaft Die Regierungszeit des Snofru ist im Gegensatz zu den meisten anderen Herrschern des Alten Reiches recht detailliert überliefert. Die wichtigsten Quellen stellen dabei der bereits erwähnte Palermostein (Palermo-Fragment) und das Kairo-Fragment Nr. 4 (C4 / K4 – nach W. Helck) dar, die vermutlich beide aus dem ehemaligen, unter Neferirkare angefertigten Annalenstein der 5. Dynastie stammen und wichtige Ereignisse aus den Regierungszeiten aller früheren Könige auflisten. Im Falle von Snofru werden beispielsweise eine Handelsexpedition und zwei Kriegszüge genannt, aber auch religiöse Feste oder die Fertigung von Statuen.
Auf dem Palermostein sind gemäß Toby Wilkinson, Iorwerth Eiddon Stephen Edwards und Marshall Clagett in Zeile 6 folgende vier Regierungsjahre von König Snofru erhaltenToby A.H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt: The Palermostone and its associated Fragments. London 2000, S. 140–146.:
Jahr Ereignisse 12. Jahr ...(weggebrochen)... „Geburt“ (Erschaffung) der Statue der Königskinder ...(weggebrochen). 13. Jahr - Schiffsbau der Königsbarke „Bewunderung der Beiden Länder“ - Bau von 60 Booten mit je 16 Ruderreihen aus Zedernholz - Niederschlagung von Nubien und Tributzahlungen in Form von 7000 männlichen und weiblichen Gefangenen, dazu 200.000 Stück „Kleinvieh“ als Beute - Errichten der Mauern der südlichen und nördlichen Gebäude „Herrenhaus des Snofru“. - Bringen von 40 Schiffen beladen mit Koniferenhölzern - Nilfluthöhe: 1,09 m 14. Jahr - Gründung von 35 Anwesen nebst Anwohnern/Besitzern mit 122 Viehweiden - Schiffsbau der Königsbarke „Bewunderung der Beiden Länder“ von 52,40 m Länge aus Koniferenholz - Schiffbau von 60 Begleitbooten derselben Länge - 7. Mal der Viehzählung - Nilfluthöhe: 2,71 m 15. Jahr - Errichten der Mauern von „Snofru der Erhabene der Weißen Krone“ am Fuße des Südtores - Errichten der Mauern von „Snofru der Erhabene der Roten Krone“ am Fuße des Nordtores - Erschaffung der Türen aus Koniferenholz für den königlichen Palast - 8. Mal der Viehzählung - Nilfluthöhe: 1,27 m
Regierungsdauer Die genaue Regierungsdauer des Snofru ist unbekannt, Rekonstruktionen und Schätzungen erweisen sich als schwierig, weil antike Quellen teils stark voneinander abweichen. Der Königspapyrus Turin, der im Neuen Reich entstand und ein wichtiges Dokument zur ägyptischen Chronologie darstellt, gibt 24 Jahre an. Der antike, griechisch schreibende Chronist Manetho (um 270 v. Chr.) gibt 29 Jahre an. Das höchste zeitgenössisch belegte Datum ist ein „24. Mal der Zählung“, womit eine landesweite Zählung des Viehs zum Zwecke der Steuererhebung gemeint ist. Problematisch hieran ist, dass diese Zählungen ursprünglich alle zwei Jahre stattfanden (das heißt auf ein „x-tes Jahr der Zählung“ folgte ein „Jahr nach dem x-ten Mal der Zählung“), später aber zum Teil auch jährlich stattfinden konnten (auf ein „x-tes Jahr der Zählung“ folgte das „y-te Jahr der Zählung“). Für Snofrus Regierungszeit ist zumindest eine jährliche Zählung bezeugt: Laut dem Palermostein folgte auf das „7. Mal der Zählung“ unmittelbar das „8. Mal“. Hinzu kommt, dass aus seiner Regierungszeit Datumsangaben für 12 Jahre der Zählung überliefert sind, aber nur für drei Jahre nach der Zählung.M. Verner: Archaeological Remarks on the 4th and 5th Dynasty Chronology. Prag 2001, S. 365–368.
Es bleibt dennoch etwas rätselhaft, warum zumindest unter Snofru die Viehzählung unregelmäßig stattgefunden hatte. Es waren bereits Eintragungsfehler seitens des Graveurs des Palermosteins vorgeschlagen worden: der Palermostein deutet an, dass die Viehzählungen unter König Userkaf (mutmaßlicher Gründer der 5. Dynastie) wieder alle zwei Jahre abgehalten wurden. Demnach hätte der Graveur versehentlich die Einträge für das 13. und 14. Regierungsjahr vertauscht. Doch ein solcher Fauxpas kann heute ausgeschlossen werden, denn zeitgenössische Arbeitergraffiti aus der Roten Pyramide bei Dahschur deuten gleichfalls auf unregelmäßige Zählungen hin. Es war auch schon geargwöhnt worden, dass die 7. Viehzählung wegen des Feldzuges gegen Nubien (den der Palermostein ja überliefert) verschoben worden sein könnte - doch das ergibt gemäß Toby Wilkinson und Rolf Krauss keinen Sinn, da der Feldzug außerhalb Ägyptens stattfand und mit ziemlicher Sicherheit die landesinterne Administration nicht beeinträchtigt hatte.
Von ägyptologischer Seite wird dennoch allgemein eine recht lange Regierungsdauer angenommen. So nimmt etwa Thomas Schneider an, dass die im Turiner Königspapyrus angegebenen 24 Jahre eigentlich auf Zählungen zurückgehen und Snofru somit mindestens 48 Jahre regiert hätte.T. Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 278. Auch Rainer Stadelmann geht aufgrund der enormen Bautätigkeit des Snofru von einer Regierungsdauer von 45 bis 48 Jahren aus.Rainer Stadelmann: Die großen Pyramiden von Giza. Akademische Druck- u. Verlagsanstalt, Graz 1990, S. 260. Rolf Krauss hingegen hat mit Hilfe von Datumsangaben, die von der Roten Pyramide in Dahschur stammen, errechnet, dass alle drei Pyramidenanlagen durchaus in einem Zeitraum von nur 31 Jahren erbaut werden konnten.Rolf Krauss: Chronologie und Pyramidenbau in der 4. Dynastie (= Orientalia. Band 66). Rom 1997, S. 1–14; Rolf Krauss: The length of Sneferu's reign and how long it took to build the Red Pyramid. In: Journal of Egyptian Archaeology. Babd 82, London 1996, S. 43 ff.
Innenpolitik Unter Snofru fand eine bedeutende Umgestaltung der administrativen Gliederung Ägyptens statt. Während die Verwaltung sich ursprünglich nur auf einzelne landwirtschaftliche Güter stützte, wurde seit dem Beginn des Alten Reiches damit begonnen, das ganze Land in Gaue einzuteilen. Bis zum Ende des Alten Reiches existierten 38 Gaue, deren Zahl sich durch Teilungen bis in die Römerzeit auf 42 erhöhte. Aus der Zeit des Djoser, des ersten Herrschers des Alten Reiches, ist lediglich der Name eines Gaues überliefert. Erst unmittelbar vor und während der Regierungszeit des Snofru stieg die Zahl der Gaue sprunghaft an. So werden sechs Gaue erstmals im Grab eines hohen Beamten namens Metjen in Abusir genannt, der in der Zeit des Übergangs von der 3. zur 4. Dynastie lebte. Zehn weitere Gaue werden erstmals im Taltempel der Knickpyramide in Dahschur erwähnt, zwei auf einer Stele von Snofrus Sohn Netjeraperef und zwei im Grab des Beamten Pehernefer in Sakkara. Bis zum Ende der Regierungszeit des Snofru war die Zahl der Gaue auf mindestens 22 gewachsen.Wolfgang Helck: Gaue. In: Lexikon der Ägyptologie. Band 2, Harrassowitz, Wiesbaden 1977, Spalte 385–408. Der Palermostein berichtet außerdem noch von der Einrichtung von 35 Gütern sowie dem Bau einer Festung.
Außenpolitik Handel Für das „Jahr nach dem 6. Mal der Zählung“ berichtet der Palermostein vom Bau von Schiffen und der Ankunft von 40 Schiffsladungen Zedernholz aus dem Libanon. Aus diesem Holz wurden im folgenden Jahr weitere Schiffe gebaut und im „Jahr der 8. Zählung“ wurden aus dem verbliebenen Holz Palasttüren gefertigt. Der Eintrag lässt auf einen regen Handel mit Byblos schließen - von dort stammten die meisten Holzarten, die für den Bau von Schiffen, Möbeln und Gebäuden wichtig waren.
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