Der Aston Martin Virage ist ein Oberklassefahrzeug des britischen Automobilherstellers Aston Martin. Er löste 1990 den seit nahezu 20 Jahren produzierten Aston Martin V8 ab. Wie diesen, gab es den Virage als Fließheckcoupé sowie als Cabriolet; hinzu kam eine als Vantage bezeichnete Hochleistungsversion sowie einzelne, auf Kundenwunsch produzierte Sonderausführungen mit teilweise abweichenden Karosserien. Bis 1996 entstanden 877 Fahrzeuge mit der Bezeichnung Virage. Ab 1996 fiel der Begriff Virage weg; unter der Bezeichnung Aston Martin V8 bzw. Vantage dauerte die Produktion einer optisch und technisch überarbeiteten Version bis 2000 an.

Hintergrund Der Aston Martin Virage entstand in einer für das Unternehmen schwierigen Zeit. Der Großteil der Fahrzeuge (345 von insgesamt 365 Exemplaren) wurde 1990 und 1992 hergestellt, danach brach die Produktion ein. In den weiteren Jahren entstanden jeweils weniger als 10 Autos. Die Modelle erwiesen sich als zu groß, zu teuer und zu unhandlich. 1992 erkannte das Unternehmen, dass die Kunden „den Virage nicht wollten“.William Presland: Aston Martin V8. Crowood Press 2009. ISBN 978-1-84797 066-4, S. 152 Zu dieser Zeit wurde öffentlich über die Schließung des Traditionsunternehmens diskutiert. Ford, der damalige Eigentümer, entschied sich in dieser Phase für die Entwicklung eines preisgünstigeren Modells, das der Marke neue Kundenkreise erschließen sollte. Das Ergebnis dieser Überlegungen war der Aston Martin DB7, der eng mit dem Jaguar XK verwandt war. Damit wurde der Virage früh zu einem Auslaufmodell. Bis zur Serienreife des DB7 finanzierte sich das Unternehmen im Wesentlichen durch Sonderversionen des Virage, die die Abteilung Service Departement im Kundenauftrag zu sehr hohen Preisen fertigstellte.William Presland: Aston Martin V8. Crowood Press 2009. ISBN 978-1-84797 066-4, S. 161 f.

Entwicklungsgeschichte mini|Erinnert an den DB5: Die Dachlinie des Virage Die Entwicklung des Virage begann im Frühjahr 1986. Mit der Gestaltung der Karosserie wurden fünf Designer unabhängig voneinander beauftragt; unter ihnen war wiederum William Towns, der bereits den Aston Martin V8 gestaltet hatte. Den Zuschlag erhielt im Oktober 1986 allerdings der Entwurf von John Heffernan und Ken Greenley vom Royal College of Arts. Das Design war bei der Vorstellung frisch und modern. Die Linien erinnerten weit mehr an den Lagonda als an den Vorgänger V8, den er ersetzte. Gleichwohl zitierten Heffernan und Greenley zahlreiche klassische Details, darunter die Form des in der Fahrzeugmitte angehobenen Kühlergrills und die in ein Stufenheck mündende, stark abfallende Dachlinie des DB5. Der Innenraum war gänzlich eigenständig; das Armaturenbrett hatte keinerlei Ähnlichkeiten mehr mit der Ausführung des Vorgängers.

Um Kosten zu sparen, kamen viele Teile wie bereits bei früheren Modellen von anderen Herstellern. Die Heckleuchten sind Teile des VW Scirocco der zweiten Serie. Die Frontscheinwerfer stammen vom bis 1991 gebauten Audi 200 C3. (englisch), abgerufen am 15. Februar 2010 Die Außenspiegel kamen vom Citroën CX,Notiz auf der Internetseite www.astonmartins.com (zum insoweit baugleichen V8). und General Motors, Jaguar sowie Ford steuerten Lenksäule, Klimaanlage und Schalter am Armaturenbrett bei.

Die technischen Entwicklungen wurden weitgehend bei Aston Martin selbst durchgeführt. Als technische Basis wurde das Fahrgestell des Aston Martin Lagonda Series 2 verwendet, das verkürzt und mit einer modifizierten Aufhängung versehen wurde. Das Fahrwerk ähnelte dem des Lagonda mit De-Dion-Hinterachse und einer Doppelquerlenker-Aufhängung vorne.

Die Entwicklung der Motorisierung erfolgte allerdings bei Callaway Cars in Connecticut. Dort wurde ein neuer Vierventilkopf für den klassischen Achtzylinder entwickelt. Das Triebwerk wurde zudem an die neuesten Abgasbestimmungen angepasst.

Der Name des neuen Autos wurde in einem Wettbewerb gefunden, den Aston Martin in der Belegschaft und unter den Mitgliedern des Aston Martin Owners Clubs durchgeführt hatte. Der letztlich erfolgreiche Vorschlag Virage – französisch für Kurve – ging auf den Firmenchef Victor Gauntlett zurück.

Serienmodelle Das Basismodell, das Virage Coupé, wurde auf der Birmingham Motor Show im Oktober 1988 der Öffentlichkeit vorgestellt. Das erste Fahrzeug wurde allerdings erst im Januar 1990 ausgeliefert. Im Laufe der Jahre entwickelte Aston Martin eine Reihe von Abwandlungen dieses Modells.

Virage Saloon mini|Frontpartie: Scheinwerfer vom Audi 200 mini|Heckpartie des Aston Martin Virage: Mit Rückleuchten des VW Scirocco II mini|Armaturenbrett des Virage Saloon

Basisversion Der Virage Saloon war ein großes und schweres Auto, doch der Vierventil-V8 mit 5,3 Litern Hubraum und 475 Nm Drehmoment ermöglichte sportliche Fahrleistungen. Beschleunigung und Fahrverhalten wurden ebenso gelobt wie das Ansprechverhalten des 246 kW (330 PS) starken Motors. Das 1790 kg schwere Fahrzeug erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 254 km/h. 31 Fahrzeuge wurden nachträglich werksseitig mit einem 6,3 Liter großen Achtzylindermotor ausgestattet (siehe Virage 6.3); daneben boten freie Werkstätten wie R.S. Williams oder Lynx weitergehende Triebwerküberarbeitungen an.

Bis 1995 fertigte Aston Martin insgesamt 365 Virage. Die meisten Fahrzeuge entstanden 1990 (178 Exemplare) und 1991 (168). 1992 brach die Produktion ein: in diesem Jahr entstanden nur noch sechs Coupés; 1993 entstand gar kein Coupé.Übersicht über die Produktionszahlen auf der Internetseite www.astonmartins.com (englisch), abgerufen am 1. März 2013 1994 produzierte Aston Martin neun Exemplare einer Limited Edition. 1995 entstand ein letztes Exemplar des Virage.

Danach stellte Aston Martin die Produktion des Modells ein. Der Nachfolger erhielt die Bezeichnung V8 Saloon. Es war technisch weitgehend mit dem Virage identisch, hatte aber die Karosserie des Virage Vantage.

Limited Edition Auch 1994 gingen keine Bestellungen für einen Virage Saloon ein. Zu dieser Zeit befanden sich im Werk neun Chassis, die bereits 1992 hergestellt worden waren. Um diese Chassis nicht ungenutzt zu lassen, entschied sich das Werk für die Auflage einer zehn Exemplare umfassenden „Limited Edition“. Die Karosserie dieser Modelle entsprach in ihren Grundzügen der der bisher vermarkteten Virage Saloons; allerdings gab es einige Detailunterschiede. Hierzu gehörte ein V-förmig gestaltetes Kühlergitter, ein geänderter Frontspoiler. Im Innenraum trugen die Modelle der „Limited Edition“ die Armaturenbretter des Virage Volante, und anstelle des bisher verwendeten Walnussholzes setzte Aston Martin nunmehr Ulmenholz ein. Der Motor wurde ebenfalls überarbeitet. Geringfügige Änderungen am Zylinderkopf führten zu einer Leistungssteigerung um 20 PS. Mit Ausnahme eines Fahrzeugs, das in Porsches Mitternachtsblau lackiert war, erschienen alle Exemplare dieser Serie in British Racing Green; das Interieur war mit braunem Leder bezogen. Die „Limited Edition“ wurde auf der Birmingham Motor Show im Oktober 1994 vorgestellt. Der Verkaufspreis betrug 137.500 £. Anstelle der angekündigten zehn Fahrzeuge stellte Aston Martin nur neun her; alle Exemplare wurden innerhalb eines Monats verkauft. Einzelne Fahrzeuge wurden nachträglich auf die 6,3-Version umgerüstet, ein weiteres Exemplar erhielt bei R.S. Williams einen auf 7,0 Liter vergrößerten Motor, der später von Lynx zusätzlich mit einem Turbolader versehen wurde und insgesamt 720 PS leistete.William Presland: Aston Martin V8. Crowood Press 2009. ISBN 978-1-84797 066-4, S. 153.

Virage 6.3 Entstehungsgeschichte Ab Januar 1992 war eine leistungsgesteigerte Version des Coupés mit der Bezeichnung Virage 6.3 erhältlich. Diese Modelle hatten einen auf 6,3 Liter vergrößerten Achtzylindermotor, der 465 DIN-PS leistete. Sie wurden auf Kundenwunsch bei Aston Martins Service Department aufgebaut.

Konzeptionelle Grundlage für den 6,3-Liter-Motor war ein 6,0 Liter großes Rennsporttriebwerk, das der Aston-Martin-Händler R.S. Williams auf der Grundlage des alten V8 für den Aston Martin AMR1 entwickelt hatte. Das Fahrzeug war unter anderem für den Einsatz beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1989 konzipiert worden, wurde letztlich aber aus finanziellen Gründen nicht gemeldet. R.S. Williams entwickelte auf der Basis dieses Triebwerks eine Straßenversion mit 6,3 Litern Hubraum, die er ab 1989 an V8-Kunden verkaufte. Nachdem R.S. Williams von Ford übernommen worden war, hielt Aston Martin die Rechte an dem leistungsstarken Motor. Anfang 1991 fiel die Entscheidung, dieses Triebwerk auf Kundenwunsch auf dem Umweg über das Service Department auch Virage-Kunden zur Verfügung zu stellen.

Der 6,3-Liter-Motor hatte eine vergrößerte Bohrung, eine geänderte Kurbelwelle, spezielle Pleuel und eine auf 9,5:1 erhöhte Verdichtung. Der Zylinderkopf wurde überarbeitet; er erhielt unter anderem größere Ventile. Als Kraftübertragung diente wahlweise ein manuelles Fünfganggetriebe von Aston Martin oder ein Sechsganggetriebe, das aus der Chevrolet Corvette übernommen wurde. Die vergrößerten Bremsen stammten von AP. Die aus dem Rennsport übernommenen Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 362 mm waren lange Zeit die größten in einem Personenwagen. Die Bereifung hatte das Format 285/45 ZR 18. Um die breiten Reifen verwenden zu können, mussten die vorderen und hinteren Kotflügel verbreitert werden. Hinzu kam ein auf der Heckklappe aufgesetzter Spoiler. Durch diese Änderungen war der Virage 6.3 äußerlich leicht vom Standard-Saloon zu unterscheiden.

Ab 1993 bot Aston Martin eine überarbeitete Version des Virage 6.3 an. Die Leistung des Motors betrug nun 500 PS.

Die Höchstgeschwindigkeit des 465 PS starken Wagens betrug 280 km/h, die 500 PS starke Version war noch 10 km/h schneller.

Cosmetic 6.3 Der 6.3 war äußerlich an verbreiterten Kotflügeln und einem breiten Heckspoiler zu erkennen. Auf Kundenwunsch konnten die Virage-Modelle auch mit der verbreiterten Karosserie des 6.3 versehen werden, ohne dass tatsächlich der 6,3 Liter große Motor verwendet wurde. Diese Version wurde werksintern als Cosmetic 6.3 bezeichnet. Eine umgekehrte Gestaltungsmöglichkeit – d. h. 6,3-Liter-Motor mit der nicht verbreiterten Serienkarosserie des Saloon – bestand nicht.

Produktion Grundlage für den Virage 6.3 war jeweils ein serienmäßiger Virage Saloon, den die Kunden zuvor im Werk bestellen mussten. Allein die Kosten des Umbaus beliefen sich anfänglich auf 60.000 £. Mit Einführung der überarbeiteten 6.3-Version 1993 stieg der Umbaupreis auf 100.000 £.

Insgesamt entstanden 19 Exemplare des 6.3 mit 465 PS und 12 Fahrzeuge mit dem 500 PS starken Motor.William Presland: Aston Martin V8. Crowood Press 2009. ISBN 978-1-84797 066-4, S. 156–159 Die Produktion des 6.3 lief nach der Einführung des noch leistungsstärkeren Virage Vantage aus.

Virage Vantage mini|Aston Martin Vantage mini|Motor des Aston Martin Virage Vantage Ein Jahr nach der Einführung des Virage 6.3 erschien mit dem Virage Vantage eine nochmals stärkere Version des Zweitürers. Der Vantage unterschied sich sowohl äußerlich als auch im Hinblick auf die Antriebstechnik von dem herkömmlichen Virage Saloon. Mit ihm erreichte erstmals ein Aston Martin mit Straßenzulassung eine Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h.