Gerhard Friedrich Hund (* 4. Februar 1932 in Leipzig; † 21. Juni 2024 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Schachspieler, ‑funktionär und -journalist sowie Computerpionier. Er war von Beruf Mathematiker und Informatiker.

Leben Gerhard Hund war der älteste Sohn des Physikers Friedrich Hund (1896–1997) und der Mathematikerin Ingeborg Seynsche (1905–1994). Er wurde am Geburtstag seines Vaters 1932 in Leipzig geboren. Hund besuchte seit 1942 die Thomasschule zu Leipzig, das Domgymnasium Naumburg und das Humanistische Gymnasium in Jena, das er 1950 mit dem Abitur abschloss. Mathematik und Physik studierte er an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena (1950–1951) und anschließend in Frankfurt am Main mit Abschluss als Diplom-Mathematiker im Sommer 1955.

Nach dem Abschluss seines Studiums war er bei Alwin Walther als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Praktische Mathematik (IPM) der Technischen Hochschule Darmstadt tätig, wo er einen LehrauftragPersonal- und Vorlesungsverzeichnis 1959/60 der Technischen Hochschule Darmstadt, S. 44. zum Thema Programmieren für elektronische Rechenautomaten erhielt.G. Hund und H. Schappert: Programmieren für elektronische Rechenautomaten, Seminar. Institut für Praktische Mathematik, TH Darmstadt, W.S. 1959/60.G. Hund: Programmieren für IBM 650, Vorlesung und Praktikum 1960/61. Institut für Praktische Mathematik, TH Darmstadt, W.S. 1960/61.

Von 1961 bis 1995 war er Leitender Angestellter der Bayer AG in Leverkusen, wo er ab 1974 Prokurist und später Hauptbevollmächtigter war. Als Fachbereichsleiter oblag ihm in der Informatik die Systementwicklung für Zentralbereiche. Es handelte sich um Systeme der Wirtschaftsinformatik, wie Gewinn- und Verlustrechnung, Kostenträgerrechnung (mithilfe selbst entwickelter mathematischer Verfahren), Kosten- und Leistungsrechnung, Informationssysteme für Unternehmensführung, Controlling,Commander EIS bei der Bayer AG. Apple Age Nr. 9/Frühjahr 1991, S. 34. Ingenieurwesen, Einkauf, Finanzwesen und RechnungswesenG. Hund: Anwendungsprogramme für das Finanz- und Rechnungswesen weltweit. Bayer AG Leverkusen, Vortrag bei der FR-Leiter-Tagung in Antwerpen, 1979. sowie Anwendung mathematischer Methoden zur Prüfung von Warenzeichen und für die Pharmaforschung. Der Bayer-Konzernabschluss mithilfe eines weltweit verbundenen Computernetzwerkes und neuartiger Techniken war seinerzeit weltweit führend.H. Schappert: Zur DV-Entwicklung bei Bayer. Bayer AG Leverkusen, AV Informatik, 1985.

mini|Medaille der IHK zu Köln Für sein Engagement für die Jugend wurde Hund von der Industrie- und Handelskammer zu Köln mehrfach ausgezeichnet.IHK Köln: Bronzemedaille für Verdienste um die Berufsausbildung, verliehen 1986 an Gerhard Hund. Ab 1963 war er 40 Jahre Mitglied unterschiedlicher Prüfungsausschüsse in Ludwigshafen, Solingen und Köln, unter anderem für die Berufe Mathematisch-Technischer Assistent, Datenverarbeitungskaufmann und Organisationsprogrammierer. Er beteiligte sich maßgeblich an der Entwicklung neuer Berufe der InformatikVorschlag für ein Studienmodell Informatik an Fachhochschulen. Elektronische Datenverarbeitung 7/70, S. 327–331. und Datenverarbeitung;Arbeitsstelle für Betriebliche Berufsausbildung, Bonn. Datenverarbeitungskaufmann – Berufsbild, Berufsbildungsplan und Prüfungsanforderungen, Bertelsmann Verlag (1969). außerdem unterrichtete er mathematisch-technische Assistenten der Bayer AG.Farbenfabriken Bayer AG Leverkusen – Rechenzentrum: Kursusprotokoll Differentialgleichungen, 1971.

Nach 40 Jahren Bergisch Neukirchen und fünf Jahren Odelzhausen war seit August 2012 Freiburg im Breisgau seine Heimat. Dort starb er im Juni 2024 im Alter von 92 Jahren.

Schach mini|Gerhard Hund und Wilhelm Rautenberg beim Länderkampf Hessen – NRW 1960Schach-Echo 1960, Heft 17, 2. Umschlagseite. Hund spielte seit 1948 Schach, nahm an den Deutschen Jugendeinzelmeisterschaften 1949 in Bad Klosterlausnitz (damalige Sowjetische Besatzungszone) und an der Hessenmeisterschaft 1955 in Königstein im Taunus teil (Siege u. a. gegen Walter Jäger und Egon Joppen). Er gewann die Frankfurter Stadtmeisterschaft 1956 vor Werner Kunerth und Paul Heuäcker.Frankfurter Schach Stadtmeisterschaft Ehrentafel Bei der Hessenmeisterschaft 1960 kam er punktgleich mit dem Deutschen Jugendmeister 1948, Heinz Marcus, auf den geteilten ersten Platz vor Paul Heuäcker und Wolfgang Heidenfeld. Beim Süddeutschen Ländertreffen (Bayern, Hessen, Pfalz, Württemberg) im Herbst 1960 in Darmstadt spielte er am ersten Brett für Hessen (Gewinn gegen Karl Gilg).Süddeutsche Schachzeitung 1960, Heft 10, Seite 217f. 1960/61 war er Hessischer Pokalmeister.Hessisches Pokalturnier „Goldener Springer“ 1960/61

Ab 1961 spielte Hund im Schachverband Mittelrhein, lernte 1963 den Porzer Schachmäzen Wilfried Hilgert kennen und wurde 1964 Vizemeister mit der SG Porz (Mannschaft u. a. mit Johannes Eising, Helmut Pfleger und Paul Tröger) bei der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft in Solingen. Er war mehrmals Zweiter bei den Mittelrhein-Meisterschaften und nahm 1974 an der Deutschen Einzelmeisterschaft in Menden (Sauerland) teil.

Mehr als 20 Jahre später spielte er bei den Schachweltmeisterschaft der Senioren 1995 in Bad Liebenzell (7 aus 11), 1996 in Bad Liebenzell, 1997 in Bad Wildbad, 1998 in Grieskirchen und 1999 in Gladenbach. Bei der Deutschen Senioren-Schachmeisterschaft 1995 in Oldenburg wurde er Blitzmeister.Bulletin: Deutsche Senioren-Einzelmeisterschaft 1995 in Oldenburg, Heft 5, S. 12. Beim 6. Thüringer Familien-Schachturnier 1997 in Erfurt gewann er gemeinsam mit seiner Ehefrau Juliane die Mannschaftswertung.6. Thüringer Familien-Schachturnier, 9.–11. Mai 1997 in Erfurt

1962 hatte Hund eine Ingo-Zahl von 52, was einer DWZ von 2424 entspricht.Bestenlisten 1962 des Schachbezirkes Rhein-Wupper 50 Jahre später erreichte er im Mai 2012 seine höchste Elo-Zahl von 2152. Auch als Senior war Hund noch aktiver Schachspieler (beim SK Mering) und insbesondere international bekannter Schachjournalist. Bis 2005 war er für den Internetauftritt der Deutschen Schachjugend verantwortlich. Er betrieb die Website teleschach.de mit aktuellen Berichten aus der Schachwelt, wobei er etwa über die Schachweltmeisterschaft der Senioren 1996 in Bad Liebenzell, an der er teilnahm, als Einziger live im Internet berichtete.

Ab 1970 besuchte Hund viele Schacholympiaden, zuletzt die Schacholympiade 2008 in Dresden, als Vertreter der Presse.

Ab 1948 war er in Schachvereinen der Städte Jena, Frankfurt am Main (Schachfreunde, Heddernheim, Königsspringer), Darmstadt, Opladen, Porz und Leverkusen Mitglied. Für den Schachklub Mering spielt er seit 2008 und für den SK Freiburg-Zähringen 1887 ab 2012. In diesen mehr als 65 Jahren übte er unterschiedlichste Tätigkeiten als Schachfunktionär aus: Mannschaftsführer, Turnierleiter, DWZ-Referent, Vereinsvorsitzender (30 Jahre beim SV Opladen 1922 e. V.), Internet-Beauftragter und 2. Vorsitzender des Schachbezirkes Rhein-Wupper und des Schachverbandes Mittelrhein.

„Für seinen langjährigen und erfolgreichen Einsatz“ erhielt er am 11. Mai 2002 die Ehrenurkunde des Deutschen Schachbundes.Ehrenurkunden des Deutschen Schachbundes Am 25. Mai 2002 ehrte ihn die Deutsche Schachjugend mit der silbernen Ehrennadel. Im selben Jahr wurde er Ehrenmitglied des Schachbezirks Rhein-Wupper. Am 23. März 2003 folgte die goldene Ehrennadel des Schachverbandes Mittelrhein und ebenfalls die goldene Ehrennadel des Deutschen Fernschachbundes (BdF) am 14. Juni 2003.Eduard Breimann: Vita von Gerhard Hund Seine Fernschach-Elozahl beträgt 2158.Spielerkarte von Gerhard Hund bei der International Correspondence Chess Federation (englisch) Sie erhielt er durch Teilnahme an Europameisterschaftsturnieren 1996 (3. Platz) und 1997 (9. Platz). Seine nationale Wertungszahl des BdF war FWZ = 2104.Deutscher Fernschachbund: Jahrbuch des BdF mit Wertungszahlenliste (FWZ 2003), S. 48.

Familie Aus Hunds Ehe mit der Schachspielerin Juliane Hund (geb. Meyer; 1928–1999) gingen vier Töchter hervor: Neben der früherenAmtszeit 1981 bis 1993. DSJ-Referentin für Mädchenschach Susanne (* 1958), die an mehr als 25 Turnieren der DSAM und am 24. September 2022 bei Der Quiz-Champion des ZDF teilnahmSusanne van Kempen am 24. September 2022 bei Der Quiz-Champion des ZDF, sind dies die Schachspielerinnen Barbara (* 1959), Isabel (* 1962) und Dorothee (* 1966).Hund, deutsche Schachfamilie mit sechs Mitgliedern. In: Otto Borik: Meyers Schachlexikon. (Schachwissen für jedermann). Meyers Lexikonverlag, Mannheim u. a. 1993, ISBN 3-411-08811-7, S. 129. Seine Enkelin Sarah Hund (* 1998) ist ebenfalls eine starke Schachspielerin.

Im Juni 1985 spielten seine vier Töchter bei einem Simultanspiel im Spiegel-Verlag in Hamburg gegen Garri Kasparow.Das Simultanspiel des WM-Herausforderers Garri Kasparow gegen Prominente und Klubspieler, SPIEGEL ONLINE, 10. Juni 1985.

Am 21. Juni 2024 verstarb Gerhard Hund im Alter von 92 Jahren in Freiburg im Breisgau.

Computernetze, Internet, Wikipedia mini|Gerhard Hund (links) mit Ingo Althöfer, 2019 mini|Klaus Scharff und Gerhard Hund (rechts) diskutieren über Künstliche Intelligenz, 2019Klaus Scharff auf TeleSchach. Hund war einer der Pioniere der weltweiten Computernetze. Bereits während seiner Tätigkeit in der Bayer AG, lange bevor das Internet für die Öffentlichkeit zugänglich wurde, sorgte er ab Mitte der 1960er Jahre leitend für den Aufbau der Datenfernübertragung, wodurch unter anderem mithilfe eines Computernetzwerkes zwischen der Konzernzentrale in Leverkusen und den Bayer-Tochtergesellschaften weltweite Informationssysteme realisiert wurden.S. Jaecks-Beyer: Bayer-DV-Anwendungssysteme. Bayer AG Leverkusen – AV Informatik, 1989.GE Information Services: Das Bayer-Kreuz als Synonym für modernste Forschung und neueste Technologie. MARK III Nachrichten 2/90, S. 18–23.

Ab Frühjahr 1995, nach seiner Pensionierung, betrieb er das Schachforum der Internetpräsenz CyberCity KölnSchachforum der CyberCity Köln und veranstaltete 1996 die 1. TeleSchach-Meisterschaft der CyberCity.Fernschach: TeleSchach-Meisterschaft. Rochade Europa Nr. 1, Januar 1996, S. 25. Die ersten Vorbereitungen hierzu traf er im Herbst 1995, wobei er 1995/96 mit Fernschachexweltmeister Fritz Baumbach über E-Mail-Turniere diskutierte. Der Bund Deutscher Fernschachfreunde wollte damals jedoch noch keine E-Mail-Turniere veranstalten, und auch ChessBase bot erst später auf einem Schachserver Online-Turniere an.

Er wurde mehrmals von Claus Spahn, den er bei den Dortmunder Schachtagen kennengelernt hatte, in das Fernsehstudio des WDR eingeladen, um bei der Sendung Schach der Großmeister zu helfen. Als diese Sendung 1997 erstmals live im Internet übertragen wurde, war er zusammen mit seiner Tochter Barbara, die einen Chat betreute, im Fernsehstudio aktiv. Er erstellte darüber einen Bericht auf TeleSchach.Schach der Großmeister – Fernsehschachpreis 1997 auf TeleSchach Dort kann ein Video zur Sendung abgerufen werden.

Von März 1997 bis Sommer 2005 betreute Gerhard Hund die offiziellen Webseiten der Deutschen Schachjugend im Deutschen Schachbund. Seit 1998 berichtete Hund, noch bevor der Deutsche Schachbund mit einer eigenen Berichterstattung im Internet begann, tagesaktuell und live mit Berichten, Bildmaterial und Analysen über die Schachbundesliga.Deutsche Schach-Bundesliga Für die Berichterstattung benutzte er einen Laptop mit angeschlossenem Handy, um seine Dateien noch während der laufenden Partien auf die Server zu senden.Gerhard Hund, Bericht für Kongress am 25.03.2001 in Leverkusen teleschach.com, abgerufen am 6. Februar 2019.